Polarwirbel-Split - Klimaforscher hält häufigere Kältewellen für denkbar

Einpaar mit einem Kinderwagen unterwegs im verschneiten Berlin (Quelle: Imago/snapshot-photography/B.Niehaus)
Bild: Imago/snapshot-photography/B.Niehaus v

Berliner und Brandenburger bibbern in der Kälte, es gibt Schnee zuhauf. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf erwartet, dass solche Kälteeinbrüche in Zukunft häufiger werden - nicht trotz Erderwärmung, sondern durch sie.

Seit dem Wochenende hat der Polarwirbel-Split Schnee und eisigen Wind nach Berlin und Brandenburg gebracht. Auch in anderen Teilen Deutschlands und Europas herrscht klirrender Frost. Solche Kältewellen könne man auch darauf zurückführen, dass der Polarwirbel instabil geworden sei, erklärte Stefan Rahmstorf, Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) der Deutschen Presse-Agentur.

"Das reicht auch mal bis nach Spanien"

Normalerweise dreht sich der Polarwirbel um die Arktis in der Stratosphäre, der zweiten Atmosphärenschicht, gegen den Uhrzeigersinn. Auf diese Weise beeinflusst er auch das Wetter in der Troposphäre, der unteren Atmosphärenschicht.

Der Polarwirbel schließt die arktische Kaltluft ein – solange er sich nicht abschwächt oder gar umkehrt. "Dann kann die Kaltluft, die normalerweise in diesem Wirbel über dem Pol gefangen ist, auf Abwege geraten und auf die angrenzenden Kontinente wandern."

So kann es nach Angaben des Forschers passieren, dass es in Nordamerika oder Nordeuropa sehr kalt wird. "Dann wird es in der Arktis besonders warm. Die Kaltluft verlagert sich", so Rahmstorf. "Ausnahmsweise reicht das auch mal bis nach Spanien oder in den USA bis nach Florida."

 

Instabiler Polarwirbel tritt häufiger auf

Die Auswertungen von Daten der vergangenen Jahrzehnte haben nach Angaben des Potsdamer Forschers gezeigt, dass die Zahl der Tage mit instabilem Polarwirbel stark zugenommen hat. Er geht daher davon aus, dass es künftig möglicherweise mehr Kältewellen geben wird. "Wir rechnen schon damit, dass das Phänomen wahrscheinlich weiter zunehmen wird", sagte Rahmstorf.

Rahmstorf verwies auf Studien, die teils am PIK von der ehemaligen Doktorandin Marlene Kretschmer mit erstellt worden seien. Sie habe gezeigt, dass die Ursache zunehmender Instabilität des Polarwirbels wahrscheinlich die besonders starke Erwärmung der Arktis und die Abnahme des Meereises dort sei, sagte Rahmstorf. In einer neuen Studie sei sie darauf eingegangen, dass sich eine weitere Destabilisierung des Wirbels im Lauf der Jahrzehnte durch fortgesetzte globale Erwärmung erwarten lasse.

58 Kommentare

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  1. 58.

    Durch die Erderweärmung schmilzt das Grünlandeis. Dadurch gerät zuviel Süßwasser in den Nordatlantik. Das ist zu leicht und der Golfstrom sinkt dann an dieser Stelle nicht mehr in die Tiefe. Dadurch kommt der Golfstronm zum Erliegen oder erreicht den Nordatlantik nicht mehr. Folglich wird es in Europa käter, so kalt wie in Kanada. Du hast Recht.

  2. 57.

    Was ich schlicht und einfach meine: Ziehen Sie Ihren Finger durch das Wasser, welches in eine Schüssel gefüllt ist mit sanfter Geschwindigkeit, so werden Sie Kreise erkennen, dort, wo Sie Ihren Finger gezogen haben. Ziehen Sie Ihren Finger mit etwas höherer Geschwindigkeit durch das Wasser, wird es zu einer Wellenbewegung kommen. Ziehen Sie Ihren Finger mit Höchstgeschwindigkeit durch das Wasser der Schüssel, wird es zu einem Überschwappen kommen.

    Wo soll es denn hin, wenn die Verdrängung nichts anderes zulässt?

  3. 56.

    Das ist jetzt aber mal ein Gedanke: "das Wetteifern um Spitzenwerte, bspw. bei der Geschwindigkeit" hat Klimaeinfluss? Ob dieses "Wetteifern" nicht kompensiert wird durch... z.B. Windräder? Und der Mensch ist gerade dafür da...hm, ein Überleben Anderer (z.B. Viren) außerhalb der Erde eines Tages zu sichern? Denn nichts ist in der Natur umsonst, auch der Mensch nicht. Man, das treibt einen vielleicht zu Gedanken... da haben Nachfolgende aber noch viel zu leisten - die Messlatte liegt sehr hoch und Moralisieren engt da eher ein als das es uns zu nötigen Spitzenleistungen treibt.

  4. 54.

    Viele Forscher halten auch einen Meteoreinschlag für denkbar. Denkbar ist auch ein Paralleluniversum. Denkbar ist auch das die AfD den Bundeskanzler stellt. Denkbar ist das die CDU unter 5% rutscht. Denkbar ist auch ....

  5. 53.

    Na ganz so einfach wie Sie das darstellen ist es ja nicht. Ich verfolge Täglich wie sich unser Energiemix zusammensetzt, wenn ich da auf den Jahresanfang 2021 schaue komme ich schon ins grübeln wie wir mit Wind und Sonne den Bedarf decken wollen. Da können auch die Leute der Energieversorgung noch so gut sein wenn nichts da ist geht nichts. Mit den vielen kleinen Einspeiser kann man auch anders regeln, ich bin auch einer habe mir aber einen Akku zugelegt um eben diese Spitzen zu vermeiden und so viel wie möglich selbst zu verbrauchen. Das könnte man auch mit größeren Anlagen machen, muss ja nicht ein Akku sein gibt ja andere Möglichkeiten die Überschussenergie zu speichern. Unsere Firma bietet auch Sekundärregelleistung an was uns aber doch hin und wieder größere Problebe bereitet, denn das Hauptziel einer Firma ist halt diie Produktion und nicht die Netzregulierung. Mit den Flächenabschaltungen meine ich wenn wir 2038 keine Grundlastfähigen Einspeiser mehr haben.

  6. 51.

    Früher hieß es einfach Winter.

  7. 50.

    Ich möchte Ihnen nicht durchweg widersprechen, wundere mich aber bei Ihren sonst mitunter durchaus fundierten Aussagen, dass wieder einmal die letzten 100 Jahre von Wetteraufzeichnungen überhaupt für den Vergleich zu den vorangegangenen 4,6 Milliarden Jahren her halten müssen. Das abgedroschenste Totschlagsargument im Zusammenhang mit diesem Thema...
    Vielleicht wäre die Erde ohne uns besser dran, von mir aus, aber genau mit diesem Satz sagen Sie es ja selbst: es ist dem ganzen Universum schlichtweg egal, was wir tun. Es gab schon immer Regionen, in denen das Überleben schwieriger war und das wechselt nun mal.
    Wir werden nicht überleben, weil 8 Zylinder auf einmal böse sind, sondern weil wir uns auf Veränderungen einstellen und im Zweifelsfall ins abgetaute Grönland übersiedeln.
    Warum wird immer alles negativ gesehen? Wir schicken Sonden an die Grenzen des Sonnensystems, landen auf dem Mond aber manchmal sind wir so bescheuert, dass wir uns einreden lassen, es müsse doch jetzt ein Elektroauto her (auch wenn dadurch halb Südamerika zerstört wird...), worüber sich eh nur Herr Musk freut und rennen einem behinderten Kind hinterher, weil seine Eltern ihm leider einen Globus statt eines Puzzles geschenkt haben.
    Einen schönen Abend :-)

  8. 49.

    Den Gedanken hab ich auch immer wieder. Es wird Zeit, dass die Berichterstattung mehr auf die Lösungen und weniger auf die Ursachen und Symptome fokussiert wird. Was können wir alle machen und machen wir schon um das ganze noch zu dämpfen und was müssen wir machen um mit den unausweichlichen Folgen leben zu können.
    Wir wissen das Wetter wird unbeständiger werden. Heißer und kälter, trockener und nasser. Alles im Wechsel und kaum planbar. Wie gehen wir damit um? Abwarten und Katastrophenschutzdienste ausbauen oder vorsorgen?

  9. 48.

    Mir wird zu sehr gegensätzlich argumentiert: Entweder seien die Klimaschwankungen gänzlich naturgegeben oder aber gänzlich menschenverursacht. Das Erstgenannte wird von den Verharmlosern vorgebracht, das Zweite hingegen hat kein ernstzunehmender Wissenschaftler so gesagt, so aber ggf. einige übereifrige Kampagnen vorgetragen.

    Es gibt in der Tat einen zusätzlichen, von uns Menschen verursachten gehörigen Beitrag zu den besagten extremeren Klimaschwankungen. Es wäre zudem auch sehr merkwürdig, wäre es nicht so, denn das grenzte an Metaphysik, Ungeheures in die Welt einzubringen, aber dennoch davon auszugehen, dass dies ohne bleibende Wirkung auf das Klima bliebe. - Metaphysik oder interessegeleitetes Wunschdenken.

    Ich gehe sogar soweit, dass das Wetteifern um Spitzenwerte, bspw. bei der Geschwindigkeit, zumindest indirekt Folgen hat für extremere Ausschläge beim Wetter in beiderlei Richtung. Bei "geschlossenen Systemen" wie bei der Erdatmosphäre ist das so.

  10. 47.

    Also sind die kleinen Einspeiser ein Problem, weil sie eben nicht konstant liefern können.
    Und die Energieversorgung muss schon noch lernen ohne GW Generatoren klar zu kommen. Momentan ist das Netzmanagement noch leicht, verglichen mit dem was in einigen Jahren kommt. Sehe ich aber als lösbares Problem da das nicht von heute auf morgen passieren wird und weitestgehend automatisiert wird.
    Ich rechne auch nicht mit flächenmässigen Abschaltungen. Im Bereich Regelleistung geht verbraucherseitig noch ganz viel in D. Derzeit werden nur die ganz großen Verbraucher im MW Bereich dafür genutzt. Da geht auch noch viel in der breiten Masse darunter ohne das man komplette Netzsegmente trennt. Wasserwerke, Eisenbahnen und viele Industrieverbraucher können in Summe leicht ein paar GW rausnehmen oder zuschalten ohne Probleme zu bekommen, muss sich halt nur lohnen.

  11. 46.

    Menschgemacht,- endlich sind wir beim Thema. Das Klima ist von Natur aus Schwankungen unterworfen, wir befinden uns am Ende einer Eiszeit, logisch, dass es da wärmer wird. Natürlich sind wir uns einig, dass man seinen kaputten Kühlschrank nicht in den Wald schmeißt.
    Aber wann werden wir endlich vernünftig und geben das viele Geld nicht dafür aus, uns auf die natürliche Klimaveränderung einzustellen und uns daran anzupassen, anstatt zu versuchen, etwas gegen ein Phänomen zu unternehmen, dass man nicht merklich beeinflussen kann.
    Grüße an alle

  12. 45.

    Sehr geehrtes Verkehrsmonster,
    deshalb haben die E-Loks ja auch Stromabnehmer. Wenn ein Oberleitungsschaden kann die Lok dann aber kein Saft mehr ziehen und somit auch nicht mehr fahren.
    Mit freundl. Grüßen

  13. 44.

    Sobald ein Extremwetterereignis beliebiger Art eintritt, kann man sicher sein, dass sich die Klimaforscher melden und dies für die Zukunft häufiger prophezeien. Nur vorher voraussagen konnten Sie das nie wirklich. Erinnert mich an den alten Bauernspruch: "Kräht der Hahn auf dem Mist...".

  14. 43.

    @issooo
    Wir sprechen uns in ein paar Jahrzehnten bis Jahrhunderten :).

    Wetter ist irgendwie so ähnlich wie "Ernährungswissenschaften".

  15. 42.

    Klimawandel ist kein kontroverses Thema. Zum Polarwirbel im besonderen ist Herr Rahmstorf einfach die beste Wahl, weil seine Forschungsgruppe genau dazu gearbeitet hat.

  16. 41.

    Man muss auch mal dieTemperaturen im Winter rückblickend sich ansehen. in den 20`er Jahren und 1945/46 sowie in den 60èr und 70`er Jahren soll es ja verdammt kalte Winter auch in Deutschland gegeben haben, so Menschen die diese Zeit erlebt haben. Was solls, der nächste Frühling kommt bestimmt.

  17. 40.

    Sollte klappen, elektrisch gebremste Rollentrainer können schon mal 1500W aus den Beinen kitzeln, wenn man es schafft dagegen anzutreten. Aber 100W schafft man über längere Zeit, reicht für Licht. Warm wird man dabei von allein.

  18. 39.

    Das Problem sind nicht die vielen kleinen dezentralen Einspeiser, wenn diese konstant einspeisen würden kann man damit gut umgehen . Auch muss nicht die Energieversorgung lernen damit umzugehen die kann das schon , aber die Bevölkerung muss lernen mit Flächenabschaltungen umzugehen was noch sehr spannend sein wird. Wenn Energie im Netz fehlt hilft nur noch abschalten . Die Energieversorgung mit Sonne und Wind zu sichern ist im Moment noch ein schöner Traum.

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