Pilotprojekt in Spree-Neiße - Der erste Lausitzer Trüffel könnte 2025 geerntet werden

So 14.02.21 | 08:16 Uhr
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Ein Trüffelsucher hat drei Trüffel auf der Hand. (Quelle: dpa/Udo Bernhart)
Bild: dpa/Udo Bernhart

Kann im Süden Brandenburgs gelingen, was in Italien, Frankreich und Spanien funktioniert? In einem Pilotprojekt will das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung herausfinden, ob in der Lausitz Trüffel angebaut werden könnten - und es ist optimistisch. Von Martin Schneider

Seit wenigen Monaten gibt es in der Lausitz eine Trüffelplantage. Sie wurde versuchsweise im Herbst 2020 in Drebkau (Spree-Neiße) angelegt. Versuchsweise, weil nicht klar ist, ob die edlen Pilze im Süden Brandenburgs überhaupt gelingen können.

Das zuständige Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) ist optimistisch: Wenn alles gut geht, könnte in vier bis fünf Jahren der erste Lausitzer Trüffel geerntet werden, hat der rbb am Donnerstag erfahren.

Trüffelplantage bei Jehserig (Foto: ZALF)
Die Lausitzer Trüffelplantage. Die Eichen sind von Wuchshüllen umgeben, damit die Kaninchen die Knospen nicht abfressen können.Bild: ZALF

Neues Lausitzer Landnutzungssystem

"Experten gehen davon aus, dass sich die Grenze des Vorkommens von Trüffeln von Nordspanien, Frankreich und Italien aufgrund des Klimawandels langsam nach Norden verschiebt", sagt Projektleiterin Babett Münzenberger. Deshalb gebe es die Idee, in den gemäßigten Breiten Trüffelplantagen auszuprobieren. "Und wir wollten die Lausitz nehmen, weil hier die Notwendigkeit besteht, neue Landnutzungssysteme zu erschließen."

Bei der Suche nach den Pilzen hatten die Experten schließlich bei Drebkau Erfolg. Dort fanden sie Frühlingstrüffel. Das Gute an ihm ist, dass er auf verschiedenen Böden wachsen könne und verschiedene PH-Werte vertrage, so Münzenberger - "von leicht sauer bis alkalisch".

Genau dieser Frühlingstrüffel soll nun auf der zweieinhalb Hektar großen Plantage wachsen. 800 Eichen wurde gepflanzt, die mit Trüffelsporen geimpft wurden. Für die Kultivierung der Trüffel ist laut Münzenberger "die Lebensgemeinschaft mit einem Baum notwendig." Die Sporen docken an den Wurzeln an und sollen möglichst gut gedeihen.

Viel Geduld bis zur Ernte

Babett Münzenberger hat nun die Aufgabe, die Pilzwurzeln zu untersuchen. Denn es könne sein, dass der Frühlingstrüffel von heimischen Pilzarten, wie dem Täubling, verdrängt wird. "Wir gucken jetzt permanent nach." Bis zur möglichen Ernte brauche man jedoch viel Geduld. "Nach Trüffeln suchen wir frühestens nach vier bis fünf Jahren, vorher sind die Eichen zu klein. Da können sich noch keine unterirdischen Fruchtkörper bilden."

Das Experiment geht bei der Bewässerung der Bäume weiter. Die Hälfte der Eichen wird gegossen, die andere Hälfte nicht. "Es soll untersucht werden, ob die Bewässerung etwas bringt, oder der Landwirt auf die Bewässerung verzichten kann", sagt die Projektleiterin.

Aus der Lausitz - in die Metropolen

Sollte das Projekt erfolgreich verlaufen und sich am Ende herausstellen, dass in der Lausitz tatsächlich Frühlingstrüffel angebaut werden können, könnte die Plantage 50 Jahre lang benutzt werden. Dann sollen die begehrten Trüffel in den Metropolen Dresden und Berlin vermarktet werden.

Es sei außerdem denkbar, dass bei Erfolg weitere Trüffel-Plantagen entstehen. Zwar sei der Frühlingstrüffel kulinarisch nicht so wertvoll wie der schwarze oder weiße Trüffel, sagt die Expertin, er besitze aber "durch sein Knoblauch-Aroma eine angenehme Würze." Der Kilopreis liegt laut Münzenberger bei circa 200 Euro. Dadurch könnten auch Gourmet-Restaurants aus dem Umland auf diesen Trüffel zugreifen.

240.000 Euro kostet das Projekt - und gehört zu einer Reihe von Forschungsvorhaben, die vom Bund zur Entwicklung von neuen Ansätzen in der Lausitz zur Anpassung der Landnutzung an den Klimawandel gefördert werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.02.2021

In einer früheren Version des Textes hieß es, dass der Frühligstrüffel bei 20 Euro pro Kilogramm liegen soll. Korrekt sind 200 Euro pro Kilogramm. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

12 Kommentare

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  1. 11.

    @Nachtweih

    gegen Diebstahl meint sicher auch die Wildscheine, nicht :)?

    @Fred: ich würde einen Teufel tun, jemals wieder irgendein Geschäft zu eröffnen.

  2. 10.

    Mir reicht ein schöner Waldpilz, z.B. Steinpilze, völlig zu.

  3. 9.

    Also "Trüffel inside" finde ich spannender als "Intel inside". ;-)

  4. 8.

    Interessantes Projekt.
    Ich hoffe, dass auch ein wenig in die Absicherung des Feldes gegen Diebstahl investiert wird.

  5. 7.

    Deutschland hat vor 200 Jahren Trüffel nach Frankreich exportiert. Es gibt auch planmäßigen Anbau z.B. in Sinzig am Rhein. Ich frage mich aber, wie aromatisch Trüffel für 20 € pro Kilo sein sollen. Die einfachsten Sommertrüffel kosten ca. 350 €, schwarze Wintertrüffel an die 1000€ und weße Alba-Trüffel mindestens 3000 €.

  6. 6.

    Hihi, neee Trüffelschweine welche den Trüffel erschnuppern oder selber futtern und dann als zartes Fleisch mit den Trüffeln uffm Teller landen!

  7. 5.

    Naja, wenn alle Stricke reissen, geht auch Sandwich Périgord oder Butterrüben-Brot mit Trüffel.
    Trüffelbutter kann man auch selber machen. Es muss nicht immer "Luxusfreßtempel" sein ;-).

  8. 3.

    Bleibt ja noch genug Zeit, um ein Schwein für die Suche auszubilden. Kann man Schweine zzt kaufen?:-D

  9. 2.

    Schönes Projekt.
    Nur: welche Gourmet-Restaurants?
    Überlebt noch eines?

  10. 1.

    Dann werden ja die Kohlebagger noch zur Trüffelernte gebraucht....

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