Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt über dem Schlachtensee. (Quelle: dpa/Sophia Weimer)
dpa/Sophia Weimer
Video: rbb|24 | 13.02.2021 | Material: Andrea Beckmann, Helena Daehler, Wolfram Leytz | Bild: dpa/Sophia Weimer

Personen eingebrochen - Berliner Polizei räumt mehrere Seen mit Hubschrauber

Zugefrorene Seen haben in Berlin mehrere Personen aufs Eis gelockt. Doch die Behörden warnen vor dem Betreten, weil die Oberfläche nicht stabil genug sei. Die Polizei war über einigen Seen mit dem Hubschrauber im Einsatz - was auch für Kritik sorgte.

 

Die Polizei war am Samstag über mehreren Seen in Berlin mit dem Hubschrauber im Einsatz. Beim Überfliegen, forderte die Polizei die Menschen auf den Seen dazu auf, die Eisfläche zu verlassen.

Bereits am Freitag war die Polizei mit einem Hubschrauber über dem Berliner Müggelsee geflogen, was für Diskussionen sorgte. Die Berliner Polizei postete auf Twitter ein Video, auf dem gezeigt wird, wie ein Hubschrauber über dem See in der Luft steht. Auf dem Eis sind mehrere Personen zu sehen, die Schlittschuh laufen, Eishockey spielen, oder einen Schlitten dabei haben. Aus dem Polizeihubschrauber werden die Menschen aufgefordert, sich zum Ufer zu bewegen, das Eis sei nicht tragfähig.

Starker Wind durch Hubschraubereinsatz

Eine Augenzeugin am Müggelsee filmte die Situation vom Eis aus. Auf dem Video, das rbb|24 vorliegt, ist zu sehen, dass Schnee einige Meter hoch aufgewirbelt wird. Durch den Hubschrauber entsteht erheblicher Wind. Zwei Gegenstände, offenbar ein Handschuh und eine Mütze, werden weggeweht. Die Frau gibt an, keine Warnung vom Ufer aus wahrgenommen zu haben.

 

Polizei verteidigt ihr Vorgehen

Auf Nachfrage von rbb|24 gab die Polizei am Samstag an, dass keine Warnung vom Ufer aus erfolgt sei. Die Polizei sei von der Feuerwehr informiert worden, sagte eine Polizeisprecherin. Demnach hätten sich mehrere Hundert Personen auf dem Eis befunden. Die Feuerwehr habe Knackgeräusche wahrgenommen, wodurch eine Gefahr für Leib und Leben entstanden wäre.

Aufgrund der Menge der Personen sowie deren weiter Entfernung zum Ufer habe es keinen Sinn gemacht, die Personen vom Ufer aus anzusprechen. Deshalb sei der Hubschrauber zum Einsatz gekommen, erklärte die Polizeisprecherin weiter. Damit die Durchsagen aus dem Hubschrauber zu hören seien, hätte der Hubschrauber niedrig fliegen müssen.

Hubschrauber auch über Lietzensee und Rummelsburger Bucht

Die Aufwirbelung von Schnee sei unvermeidbar. Auf die Frage, ob durch den Einsatz des Hubschraubers die Gefahr bestanden hätte, dass das Eis beschädigt werde, gab es keine zusätzlichen Informationen. Die Piloten hätten das sicherlich eingeschätzt, so die Polizeisprecherin. Der Einsatz habe am Freitagnachmittag ungefähr 20 Minuten lang gedauert.

Auch über dem Lietzensee in Berlin-Charlottenburg, dem Weißen See in Pankow und der Rummelsburger Bucht in Friedrichshain war ein Polizeihubschrauber im Einsatz, von dem aus die Polizei die Menschen auf den zugefrorenen Seen aufforderte, das Eis zu verlassen.

Hubschraubereinsatz am Weißensee (Quelle: rbb|24)
Ein Polizeihubschrauber fliegt am Samstag über dem Weißen See | Bild: rbb|24

Mehrere Personen in Zehlendorfer Schlachtensee eingebrochen

Am Samstag sind an zwei verschiedenen Stellen auf dem zugefrorenen Schlachtensee in Berlin-Zehlendorf Menschen ins Eis eingebrochen. Wie die Berliner Feuerwehr auf Twitter mitteilte, konnten sich die Personen selbst befreien.

Ein Vater und sein einjähriges Kind brachen nach Polizeiangaben im Zehlendorfer Ortsteil Nikolassee in den Schlachtensee ein. Sie seien per Rettungswagen zur Kontrolle in ein Krankenhaus gekommen und seien wohlauf. Zwei weitere Männer stürzten laut Feuerwehr an der Fischerhüttenstraße durchs Eis in den See. "Sie standen knietief im Wasser", sagte ein Sprecher. Die Männer erlitten demnach keine Verletzungen.

Bei Unfällen in eiskalten Gewässern würden die Betroffenen in der Regel in einem Rettungswagen aufgewärmt, wo sie ihre nasse Kleidung ablegen können, erklärte der Sprecher. Dort erfolge eine erste Untersuchung.

Hubschraubereinsatz am Schlachtensee

Polizeihubschrauber über dem Schlachtensee (Bild: rbb/Leytz)
rbb/Leytz

 

Behörden warnen vor Betreten von Eisflächen

Die Behörden warnen vor dem Betreten von Seen, Flüssen und Teichen, die teilweise vereist sind. Trotz der aktuellen Minusgrade der letzten Tage seien viele Eisflächen zu dünn, betonen Feuerwehr, DLRG und Polizei. Vor allem auf Seen oder Flüssen bestehe Lebensgefahr. Trotz kalter Temperaturen könne es immer dazu kommen, dass das Eis taue und Personen einbrechen könnten. Die Situation sei dann auch für Retter gefährlich.

"Es besteht Lebensgefahr, die leider in jedem Jahr auch von Erwachsenen unterschätzt wird", hatte ein Cottbuser Polizeisprecher bereits am Mittwoch gesagt. Auch in ganz Brandenburg würden keine natürlichen Eisflächen zum Betreten freigegeben werden, heißt es.

Wer einmal eingebrochen sei, könne sich in der Regel höchstens rund drei Minuten über Wasser halten. "Dann verlassen ihn die Kräfte und er ist ohne sofortige und professionelle Hilfe verloren."

In Cottbus waren am Freitag zwei Personen ins Eis eingebrochen, die auf dem Branitzer See Schlittschuh laufen waren. Dabei handelte es sich um ein junges Paar, um die 30 Jahre alt. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatten sie großes Glück und konnten von Passanten gerettet werden, die schnell reagiert hatten.

Am Donnerstag war ein Mann in Berlin gestorben, nachdem er beim Eisbaden untergegangen war. Rettungstaucher hatten den 43-Jährigen nach zweieinhalb Stunden geborgen und noch reanimiert, doch der Mann war später im Krankenhaus verstorben.

Deutscher Wetterdienst erwartet Frost

Neuschnee wird es nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdiensts (DWD) am Wochenende in Berlin und Brandenburg nicht geben - aber es bleibt frostig. Am Samstag zeigt sich der Himmel der Prognose zufolge von der Uckermark bis in die Niederlausitz teils wolkig, andernorts wird es länger sonnig. Die Meteorologen erwarten Höchsttemperaturen von minus 6 bis minus 1 Grad, nachts können die Temperaturen auf bis zu minus 16 Grad sinken.

Am Sonntag gibt es dann nach der Auflösung einzelner Nebel- und Hochnebelfelder viel Sonnenschein - so die Prognose. Die Temperaturen kommen weiter nicht über den Gefrierpunkt. Sie erreichen maximal minus 3 bis 0 Grad. In der Nacht zu Montag wird es bei Tiefsttemperaturen zwischen minus 12 und minus 20 Grad noch frostiger.

Sendung: Inforadio, 13.02.2021, 11 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 14.02.2021 um 08:55 Uhr geschlossen

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79 Kommentare

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  1. 79.

    Ich nehm mal einen Eispickel mit und werde das Eis aufhacken. Ist doch nicht verboten, oder? Schön bissle was für die Fitness tun.

  2. 78.

    Dann rettet euch im Notfall selber. Finde grundsätzlich, wer sich in Gefahr begibt sollte keinen Anspruch aif Rettung durch Feuerwehr etc. haben. Entlastet auch die Staatskasse. Wir müssen umdenken. Staat ist nicht mehr gewollt. Auch die sozialen Hilfen kappen, sollen die Leute sich selbst kümmern,

  3. 77.

    Bin gespannt wann es soweit ist, dass der Hubschrauber über mir kreist und mich nach Hause schickt, wenn ich im Winter ohne Pudelmütze vor die Tür gehe.

  4. 76.

    Gehts dem Esel zu gut, geht er aufs Eis!!!!

  5. 75.

    Damit könnten Sie Recht haben... die Leute sind ja nicht erst durch die Pandemie doof geworden, die waren es ja schon vorher. Nur kommt es gerade so unangenehm zum Vorschein. Und sei es auf dem gaaaanz dünnen Eis ;-)

  6. 74.

    @Angelika
    natürlich kann ich nichts "beweisen". Aber gefühlt war in meinen früheren Jahren nicht dermaßen viel vom Leben gepampert und "durchgesichert". Keine Fahrradhelme, keine Sicherheitsgurte, kein Gepiepse beim Autofahren und rangieren (man musste echt noch selber gucken und einschätzen!) und so Vieles im Alltag mehr.
    Alles gewiss nützliche Errungenschaften, die man heute nicht mehr wegdenken kann und mag.
    Aber Leben ist eben auch Risiko. Und Menschen suchen das Risiko. Wozu sollte man ohne Sauerstoffmaske auf den Mount Everest klettern? Die Einen werden dafür beklatscht und gehypt und die anderen für Idioten erklärt. (Also vielleicht die, die es überleben und die, die es nicht überleben.) So sehe ich durchaus einen Zusammenhang zwischen gepamperter Rosawattebauschwelt und Risikoverhalten. If life is boring....(risk it, für die, die den Spruch noch nicht kennen).

  7. 73.

    Ich hoffe, sie beschäftigen durch ihren Einbruch nicht die Polizei und Feuerwehr, die dadurch vielleicht das Leben eines Menschen nicht retten kann, der nicht unsinniger Weise sein eigenes und das Leben der Retter gefährdet.

    „Sie sind sicher, dass „die meisten überlebt hätten“? Dennoch noch eine Frage, ab wie vielen Opfern sollte die Polizei denn doch wieder was tun?

    Bis zu welchem Alter rufen sie um Hilfe, wenn sie einbrechen? Oder ergeben sie sich dann eben in ihr selbstgewähltes, wohl überlegtes und mit Achtsamkeit eingegangenes Schicksal?

  8. 72.

    @Toska: jaja, der ist gut. Aber früher wäre die (Westberliner-)Polizei mit nem Megaphone vom Ufer aus gekommen und hätte ihre Hinweise kundgetan.

  9. 71.

    Eine sehr gute Idee der Polizei, aber dank der erfolgreichen Politik vom RRG ist staatliche Autorität bedeutungslos und jeder meint er kann man was er will. Nur wenn es schief geht, dann soll die staatliche Autorität es wieder richten. Eine völlig falsche Richtung schlagt die Gesellschaft ein und das erwachen wird nicht schön.

  10. 70.

    Absolut Ihrer Meinung. In den Siebziger Jahren gab es den Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger". Kann man heute auf dem Eis weiter verwenden, auch mit Stärke unter 5 cm.

  11. 68.

    Wieder ein Haufen Anwärter auf den diesjährigen Darwin Award unterwegs heute... Was stimmt denn mit den Menschen nicht?

  12. 67.

    Übrigens, wie heute in der Rummeslburger Bucht eindrucksvoll erlebbar war: viele haben sich noch nicht mal durch den Hubschrauber bei ihrem "Vergnügen" stören lassen. Im Gegensatz dazu haben manche munter weiter Eishockey gespielt oder haben sich gerade dadurch herausgefordert gefühlt, auch ein bisschen "Draufgängerisch" zu sein. Ich denke der gesunde Menschenverstand gebietet, sich spätestens bei der massnahme zu überlegen, ob man Anweisungen Folge leisten sollte. Wenn man jetzt die Polizei dafür zur Rechenschaft zieht, dass ne Mütze wegflegt ist das schon recht naiv. Und auch die Frage nach der Windlast halte ich für ausgesprochen dämlich. Wenn der Rettungshubschrauber Christoph bei Rettungsanflügen auf kleinstem Raum über Dächer und Autos etc. Anliegt, geht da auch nichts kaputt. Die teilweise akrobatischen Anflüge beweisen nur den Sachverstand der Piloten, die man als Laie auch nicht unbedingt hinterfragen sollte.

  13. 66.

    Vielen Dank!!!! Schließe mich beidem an!!!
    Und bin froh dass es in dem ganzen Vorschreibe - und Kontrollwahn auch noch selbst denkende Menschen gibt!!!
    Und noch mal an alle anderen:Die wenigsten brechen im Eis ein. Selbst denken entscheiden ist nicht automatisch Leichtsinn und leben birgt Risiko. Ach ja : und man kann sterben beim Leben!!!
    Ich arbeite u.a.in Seniorenheimen und kann Ihnen sagen: es ist nicht unbedingt- oder nicht für jeden- erstrebenswert steinalt zu werden und sein Leben lang immer nur auf "Nummer sicher" zu gehen.
    Und übrigens (irgendjemand erwähnte es): man muss tatsächlich auch dafür mit aufkommen, wenn man sich aufs Eis begibt und Retter in Anspruch nehmen muss (und ich finde das auch ok). Nichts desto trotz darf ich selber entscheiden ob ich auf einem zugefroren See Schlittschuh laufe oder nicht. Genau wie jeder selbst entscheiden darf sich rauchend die Lungen (UND!) die seiner Mitmenschen kaputt zu machen (dafür aber übrigens nicht aufkommen muss)..

  14. 65.

    Ich bin völlig bei Ihnen! Wir haben als Kinder noch gelernt: "...gefroren hat es heuer, noch gar kein festes Eis...", das war Zeigefinger genug und alles hat sich dran gehalten.
    Nur: lassen Sie bitte die Pandemie beiseite. In Bezug auf die Erziehung der kognitiv Überanspruchten ist das Wirkung, nicht Ursache.

  15. 64.

    Blödsinn, also mein Verstand funktioniert trotzdem. Aber wenn Ihre Theorie stimmen sollte, dann wundert mich gar nichts mehr. Wäre ja auch 'ne super Entschuldigung z.B. für Raser.

  16. 63.

    Die Polizei schickt auch Leute vom Eis die selbst schon 40 Jahre das Eis Prüfen. Sie selber prüfen dann garnicht. Selbst wenn es mit 12cm mehr wie tragend ist schicken sie einen runter. Ich bin mir aller Gefahren bewuss und halte Hubschrauberflüge über Innerstädtische Kleinere Seen für ziemlich daneben.

  17. 62.

    Öhem...
    A propos "wie ticken sie denn"...:
    Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es um Menschen zu schützen - vor Rasern!!!
    Und ein schnelles Auto tötet Menschen sehr viel öfter als eine Woche gefrorenes Eis...
    Somit machen Geschwindigkeitskontrollen um Menschen unversehrt zu lassen wohl sehr viel mehr Sinn als Hubschrauber über Eisflächen...

    Aber schon klar, dass Menschen, die solche Kommentare hier posten diesen Zusammenhang nicht verstehen....

    Geschwindigkeitüberschreitung ist für Sie also vermutlich ein Kavaliersdelikt.

    Aber eine Eisfläche betreten eine Todsünde..
    .
    Unglaublich!
    Dieses zweierlei Maas geht mir tierisch auf die Nerven!!!


  18. 61.

    Vielen dank für diesen Kommentar!
    Ich sehe es auch so : Achtung an alle LEBEN GEFÄHRDET DIE GESUNDHEIT!
    Ich war auch - achtsam und mit Vorsicht auf 2 stehenden Gewässern in Berlin!
    Natürlich muss man Augen und Ohren offen halten, geht nicht alleine auf Seen auch nicht mitten auf den See oder wo deutlich ist, dass was antaut o.ä.
    Ganz ehrlich : niemand geht leichtsinnig auf einen See oder möchte einbrechen.
    Leben erfordert einen gewissen Sinn an Menschenverstand. Und tatsächlich brechen die wenigsten Menschen im Eis ein.
    Dort wo ich war, war das Eis eindeutig tragfähig - und gäbe es keine Medien, die dauernd davor warnen, wie gefährlich Leben ist, wären sehr viel mehr Menschen auf den Eis - und ich bin sicher : die meisten hätten überlebt.
    An alle, die sich über "fürchterlichen Leichtsinn" aufregen : bleibt gerne für immer in euren 4 Wänden, auf das ihr dort 100 langweilige Jahre alt werdet-aber akzeptiert, dass es auch Menschen gibt, die Leben leben wollen!

  19. 60.

    Was hat das betreten der Eisflächen mit der Pandemie zu tun? Nichts!! Es ist einfach nur dumm. Es sind doch schon genug eingebrochen. Müssen Retter sich auch noch in Gefahr begeben?
    Der Hubschrauber war doch ein gutes Mittel die Menschen vom Eis zu bekommen.

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