Zwei Räumfahrzeuge vom Winterdienst fahren auf der Autobahn A12 nahe der Anschlussstelle Müllrose in Richtung Frankfurt (Oder). (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Inforadio | 09.02.2021 | Martina Rolke | Bild: dpa/P. Pleul

Berlin und Brandenburg - Glätte verursacht zahlreiche Unfälle auf Autobahnen

Durch die extreme Wetterlage gibt es weiterhin Behinderungen im Schienen- und Straßenverkehr. In Brandenburg kam es zu Unfällen mit Lastwagen. Auch Nutzer des Nah- und Ferrnverkehrs müssen sich in Geduld üben.

Starke Schneefälle haben am Dienstag erneut zu Unfällen und Chaos auf den Straßen in der Region geführt. Auf vereisten Straßen gab es vor allem morgens zahlreiche Unfälle.

Schon in der Nacht war zwischen dem Dreieck Spreeau und dem Anschluss Niederlehme auf der A10 ein Sattelzug auf vereister Straße ins Schleudern geraten und hatte sich quergestellt. Ein anderer Laster war nach Polizeiangaben in den Sattelzug hineingefahren. Die beiden Fahrzeuge hatten sich verkeilt und sämtliche Fahrspuren blockiert. Der Verkehr staute sich bis auf die A12. Der Schaden wurde auf rund 100.000 Euro geschätzt. Verletzt wurde niemand.

Sattelzüge stellen sich quer

Bis in den Dienstagmorgen dauerte auf der Autobahn A 24 bei Fehrbellin (Kreis Ostprignitz-Ruppin) die Bergung eines Lastergespanns, dessen Fahrer offensichtlich wegen der Witterungsverhältnisse die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hatte und die rechte Schutzplanke durchbrach.

Auf der A9 zwischen den Anschlussstellen Beelitz und Brück (Kreis Potsdam-Mittelmark) war ebenfalls am Morgen der Fahrer eines Sattelzuges auf glatter Fahrbahn offensichtlich zu schnell unterwegs, verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und durchbrach die Mittelschutzplanke. Die Räder der Hinterachse sowie der Tank wurden abgerissen, der Auflieger stand quer auf allen Spuren Richtung Leipzig, berichtete die Polizei. Es kam zu einem Stau von bis zu acht Kilometern Länge und weiteren kleinen Folgeunfällen.

Auf der Autobahn A 115 zwischen den Anschlüssen Babelsberg und Kleinmachnow überschlug sich (Potsdam-Mittelmark) ein Kleintransporter. Rettungskräfte brachten den 34-jährige Fahrer ins Krankenhaus.

Beeinträchtigungen im Nah- und Fernverkehr

Aufgrund der kalten Witterung fielen in Cottbus vermehrt Straßenbahnen aus. Die Straßenbahnlinie 1 wurde ersatzweise auf Busverkehr umgestellt.

Auch im gesamten Berliner S-Bahnnetz gibt es nach wie vor witterungsbedingte Probleme. Am Vormittag verkehrte die Linie S75 nicht. Zwischen Springpfuhl und Wartenberg wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Auch die Linie S85 fuhr nicht. Die Linie S46 verkehrte nur zwischen Königs Wusterhausen und Tempelhof.

Die Linie S8 fährt wieder zwischen Schöneweide und Blankenburg. Zwischen Blankenburg und Hohen Neuendorf besteht weiterhin ein Ersatzverkehr mit Bussen.

Die Deutsche Bahn arbeitete daran, nach und nach wieder ihre Züge losschicken zu können. So rollten am Dienstagnachmittag wieder Bahnen auf der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen Berlin über Hannover ins Ruhrgebiet, wie das Unternehmen. "Allerdings ist weiterhin mit Einschränkungen und Verspätungen zu rechnen", hieß es.

Kältehilfe Berlin verstärkt im Einsatz

Wegen der extremen Kälte wird das Team des Berliner Wärmebusses kurzfristig von über zwanzig Ehrenamtlichen unterstützt. Die Berliner Kältehilfe hält derzeit 1.426 Plätze für Obdachlose bereit - so viele wie noch nie. 624 Plätze seien laut Sozialverwaltung täglich rund um die Uhr nutzbar. Ehrenamtliche versorgen Obdachlose an bekannten Schlafplätzen und bringen sie gegebenenfalls in Notunterkünfte, um sie vor der Kälte zu schützen.

Flüsse, Känale und Seen vereist

In Brandenburg bremsen Schnee und Eis nicht nur den Verkehr auf der Straße aus. Der Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Spree-Havel, Björn Röske, sagte am Dienstag, sämtliche Flussläufe und Kanäle außerhalb Berlins seien mittlerweile von einer Eisschicht überzogen. "Diese wird nur dann mit Eisbrechern freigemacht, wenn ein Transport angemeldet ist", sagte Röske.

Derzeit würden vor allem noch Spree und Dahme vom Hafen Königs Wusterhausen (Kreis Dahme-Spreewald) nach Berlin freigehalten. Wenn das kalte Wetter andauere, werde der Schiffsverkehr jedoch gänzlich zum Erliegen kommen. In den nächsten Tagen werde auch die Spree im Berliner Stadtgebiet zufrieren.

Die Feuerwehr warnte davor, Eisflächen auf Seen, Flüssen und Teichen zu betreten. Die Eisdecke sei noch zu dünn, um darauf gehen oder gar Schlittschuhlaufen zu können, teilte die Feuerwehr Potsdam mit.

Auf dem Flughafen BER waren Schneefräsen und -pflüge in Einsatz, um die Start- und Landebahn vom Schnee zu befreien. Flugzeuge mussten enteist werden.

Im Vergleich zum Wochenende soll der Schneefall in den kommenden Tagen insgesamt zurückgehen. Das große Thema wird dann der strenge Frost sein - vor allem nachts. In der Mitte und im Osten Deutschlands können die Temperaturen in der Nacht auf bis zu minus 18 Grad fallen.

Sendung: Inforadio, 09.02.2021, 15:00 Uhr

42 Kommentare

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  1. 41.

    Wärmepumpen gibt es definitiv auch für den deutschen Markt, ebenso Sitz- statt Luftheizung. Nextmove hat hat nachgemessen, wie viel Energie zum Heizen benötigt wird. Das ist überschaubarer als an so manchem Stammtisch glaubt. Wenn man nicht gerade mit einen Smart unterwegs ist, ist das Thema deshalb überschaubar. Die Ladezeiten lassen sich durch das immer verbreitetere Thermomanagement der Traktionsbatterien verkürzen und die Isolierung schützt nur bei kurzen Stopps.

  2. 40.

    Wo war denn Ihrer Meinung nach das Chaos so groß, dass die Bundeswehr hätte ran müssen. Es hat doch nur permanent geschneit und es war kalt, wie im Winter üblich. Wer mit dem Auto, welcher größe auch immer, unterwegs war, konnte sich durch angepasste Fahrweise, ordentliche Ausrüstung und mit Beherrschung desselbigen auszeichnen.

  3. 39.

    Das ist einfach nicht wahr, der Räumdienst hat sich den A... aufgerissen und ist wieder und wieder gefahren. Wenn es permanent schneit liegt auch permanent Schnee auf den Straßen. Da helfen nur ordentliche Reifen und umsichtiges fahren.

  4. 38.

    Mhhh ... Berlin-West wird Mimilin. Kein Flughafen mehr. Die Y-Bande und Luftbrücke - naja - höchstens Pendelverkehr. Dann folgt die Rache des Bananenkompasses - da wo abgebissen wird ist Westen ;-). Sie haben echt tolle Ideen.

  5. 37.

    #Alfred Neumann, die Erfahrungen aus Skandinavien, speziell Norwegen, müssen hinterfragt und können nicht 1:1 auf Deutschland übertragen werden. Die dort verkauften Fahrzeuge sind mit einer speziellen Winterausrüstung ausgestattet (z.B. Wärmepumpen, spez.Isolation der Batterien u.ä.). Trotzdem veringert sich auch dort die Reichweite um 20-30% und die Ladezeiten erhöhen sich beträchtlich. In Deutschland bekommt man nur kluge Ratschläge wie Heizung ausschalten, wenig Gepäck, relativ langsam fahren u.ä.
    Der hohe Anteil an E-Fahrzeugen von 50% resultuiert aus einer extremen staatlichen Förderung.
    Nun haben wir in Deutschland einen Anteil an E-Fahrzeugen von 2% und es werden auch hier mit Hilfe staatl.Maßnahmen mehr E-Fahrzeuge in die Zulassung "gedrückt".
    Neben anderen Fahrzeugspezfikationen haben wir auch eine andere Dichte von Ladestationen und der Stromerzeugung.
    Mir ging es darum zu erfahren, wie sich die E-Fahrzeuge in Extremsituationen wie stundenlanger Stau bei -10 Grad verhalten. Denn wenn man hier steht hilft einem die Reichweite wenig. Getestet wurde in Norwegen auch immer nur wie weit das Fahrzeug kommt, nicht aber wie es ist, wenn man in den Kasseler Bergen inmitten der LKW am Berg eingeschlossen ist.
    Die Fahrt zum nächsten S-Bahnhof ist nicht das Problem. Aber schon bei einem Stau auf der Stadtautobahn kann es anders aussehen.

  6. 36.

    Tja, gut, dass es in der Bundesrepublik noch weitere Hilfsorganisationen wie DRK, Johanniter, Malteser oder von stattlicher Seite das THW und Feuerwehren gibt. Die Bundeswehr wird bei normalem Winterwetter nicht benötigt, die rechtlichen Hürden dafür sind zudem bekanntlich hoch.

    Beim Brot würde Y-Tours allerdings seit Jahrzehnten ziemlich dumm gucken, da hierzulande die privatwirtschaftliche Versorgung schon immer besser funktionierte. Bestenfalls das "Kommissbrot" aus dem EPA hatte die Bundewehr in der Hochphase des kalten Krieges selber gebacken, die reinen Geräteeinheiten der Heeresbäckereien aber ziemlich früh schon wieder aufgelöst.

  7. 35.

    ...mein letzter Satz in meinem von Ihnen kritisierten Beitrag!?!?

    Davon rede ich ja! Wobei das eben so auch schon nicht mehr ganz stimmt, einige denken schon um. Ich bin aus der Branche, ganz nebenbei...

  8. 34.

    "Das schlimmste bei der derzeitigen Wetterlage sind die bescheuerten Fahrradfahrer die trotz Radweg auf den Straßen hin-und her eiern"

    Haha. Radwege? Haha. Da ist doch nix geräumt, also müssen sie wohl oder übel auf den Straßen fahren.

    Ansonsten gehe ich davon aus, dass jeder, der in diesem Wetter auf's Rad steigt, entweder keine alternative Fortbewegungsmöglichkeit hat (kein Geld für BVG/Taxi z.B.) oder sehr sehr mutig ist...bzw im wahrsten Sinne des Wortes fahrlässig..."asozial" dagegen ist etwas hochgegriffen/deplatziert, denn wenn sie jemanden in Gefahr bringen, dann sie selbst....

  9. 33.

    #Sascha, man kann nicht nur mit Räumfahrzeugen den Schnee beseitigen. Es kamen auch Schippen und Schneeschieber, alles per Hand, zum Einsatz.
    Weiterhin wurden Brote in der Armeebäckerei (z.B. Prora) gebacken und die Lebensmittel teils mit schwerem Gerät, teils auf Ski an die Bevölkerung verteilt. Aber auch das konnte damals auch schon die Bundeswehr im "Westen".

  10. 32.

    Gähn! Schon wieder? Es gibt dazu durchaus Erfahrungsberichte aus skandinavischen Ländern, dass E-Autos auch bei noch viel tieferen Temperaturen funktionieren. Viel kälter darf es aber für die Diesel nicht werden, da der bekanntlich zum Versulzen neigt.

  11. 31.

    Ihr Geschrei wird nicht erhört werden. Die Verfassung der Bundesrepublik sieht nämlich hohe Hürden für den Einsatz der Bundeswehr in Inneren vor. Ein paar Schneeflocken reichen dafür nicht aus.

  12. 30.

    Weil sich viele Verkehrsteilnehmer hirnlos und egoistisch verhalten.Ohne Rettungsgasse auch keine Möglichkeit für den Winterdienst und THW ,Retter und Helfer. Das hat mit DDR so rein gar nichts zu tun sondern mit Denken!

  13. 29.

    Niemand hat die Absicht w i e d e r eine Mauer zu bauen. Aber manchmal ist der Gedanke prickelnd.

  14. 28.

    Hallo, dem, was Sie sagen kann, man nur zustimmen. Denn wir haben dazu früher nur Winter gesagt. Ein Wintereinbruch mitten im Winter ist einfach eine Sensation. An die Medien: Es ist Winter und nicht die nächste Eiszeit.
    Also alle mal wie der von den Bäumen.

  15. 27.

    Die Bundeswehr ist doch schon in den Gesundheitsämtern und Impfzentren im Einsatz- und nebenher haben sie ja auch noch ihren eigentlichen Job zu machen.

    Letztlich zeigt sich, dass man eben doch nicht so super Vorbereitet war. So ganz plötzlich kam der Winter ja nicht.....

  16. 26.

    Wir haben seit langem wieder einen normalen Winter. Es war sicher sehr viel Schnee auf einmal. Langsam sollte sich die Lage aber wieder normalisieren. Sicher liegt es auch hier wieder am Geld. Alles auf Abruf, nichts auf Vorrat, denn es darf ja nichts übrig bleiben.
    Das funktioniert in Ländern mit richtigem Winter viel besser. Die reden aber nicht nur über sehr gute Vorbereitung sondern die tun es auch.
    Wären wir nicht gezwungen alles online zu kaufen und würde mehr Warenverkehr auf die Schiene gebracht, wäre die Lage auch entspannter.

  17. 25.

    Das Problem in Berlin ist ja auch, dass die Räumdienste mal wieder durch Abwesenheit glänzen, konnte man ja auch nicht mit rechnen, dass es im Winterscheit, gestern war zum Teil nicht einmal die B1 geräumt, einfach nur peinlich bei so ein paar cm Schnee.

  18. 24.

    Gibt auch solche Dinge wie frisches Obst und Gemüse, dass kann man nicht ewig lagern, das muss schon regelmäßig frisch geliefert werden.

  19. 23.

    Das schlimmste bei der derzeitigen Wetterlage sind die bescheuerten Fahrradfahrer die trotz Radweg auf den Straßen hin-und her eiern und den halben Verkehr zum erliegen bringen. Einfach Assozial!

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