Seltenes Wetterphänomen - Polarwirbel-Split bringt Eiseskälte und Schnee in die Region

Schnee spritzt in die Höhe, weil ein Schneepflug der BSR am Brandenburger Tor vorbeifährt (Bild: dpa/Annette Riedl)
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Video: rbb|24 | 04.02.2021 | Material: Abendschau, Archiv, rbb|24 | Bild: dpa/Annette Riedl

Der Polarwirbel-Split tritt nur selten auf. An diesem Wochenende beschert er Berlin und Brandenburg einen für Februar ungewöhnlich heftigen Wintereinbruch. Polizei und Berliner Stadtreinigung stellen sich auf viel Arbeit ein.

Eigentlich liegt die Tiefsttemperatur im Februar meist bei um die 0 Grad, selten gibt es Ausreißer nach unten. Auch vergangenes Jahr lag der Tiefstwert bei minus 0,5 Grad. Doch dieses Wochenende erlebt die Region eine seltene meteorologische Ausnahme.

Zum einen wird es sehr kalt, bis zu minus fünf Grad werden erwartet, die sich durch starke Sturmböen bis zu minus 18 Grad anfühlen sollen. Doch auch im Februar 2018 sind die Temperaturen mal ähnlich tief gesunken, minus zwölf Grad hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) damals als Minimum gemessen. Zum anderen ist wirklich außergewöhnlich, dass diese Kälte mit Schnee und Wind einhergeht. Im Februar gibt es nach Auskunft des DWD nur selten Niederschlag.

Modellrechnungen sagen Rekordmengen Neuschnee voraus

Für Hobby-Meteorologen wie Heiko Wichmann aus Oranienburg ist der Auslöser für den heftigen Wintereinbruch, der sogenannte Polarwirbel-Split, ein spannendes Beobachtungsobjekt: "Wenn einige Modellrechnungen stimmen sollten, würden wir sogar historische Rekorde knacken", sagte Wichmann am Donnerstag im rbb-Inforadio. Der Rekord liegt in Berlin bei 32 Zentimetern Neuschnee und ist bereits über 100 Jahre alt.

Allerdings hält der Hobby-Meteorologe die Modellrechnungen, die bis zu 40 Zentimeter innerhalb von 42 Stunden in Berlin und Brandenburg voraussagen, für Modellspinnerei. Er geht von maximal 15 Zentimetern aus. Am meisten Schnee würde in Nordbrandenburg fallen.

Erinnerung an Blizzard von 1978/79

"Viel schlimmer wird es in Schleswig-Holstein sein, das weckt sicher bei einigen Erinnerungen an den Blizzard von 1978/79, das war diese extreme Schneewetterlage, die auch den Norden sehr stark getroffen hat", so Wichmann weiter.

Zu einem Polarwirbel-Split kommt es, wenn sich die Luft auf Flugzeugreisehöhe schlagartig von hohen Minusgraden auf Plusgrade erwärmt. Solche Erwärmungen hat in den 1950er Jahren der Berliner Meteorologe Richard Scherhag von der Freien Universität entdeckt. "Seitdem werden sie 'Berliner Phänomen' genannt." Sie führten dazu, dass am Boden Blockadelagen entstünden, also Hochdruckwetterlagen, die aus Russland sibirische Kaltluft bis nach Mitteleuropa bringen können, erklärt der Hobby-Meteorologe.

Gefahr von Schneeverwehungen und Glätte

Bereits in der Nacht zum Samstag sinken die Temperaturen, am Wochenende wird es dann eisig: In der Uckermark werden am Sonntag Höchsttemperaturen von maximal minus sieben Grad erwartet. Ab Samstagabend soll es dann schneien, begleitet von teils heftigen Windböen der Windstärke 6 bis 7. Durch den kalten Wind sinkt die gefühlte Temperatur dann weiter ab. Außerdem sind dadurch Schneeverwehungen zu erwarten, es besteht die Gefahr von Glätte. Besonders Autofahrer sollten vorsichtig sein, warnen die Meteorologen.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist nach eigenen Angaben an diesem Wochenende voll im Einsatz, um Straßen zu räumen und Wege zu streuen. Aktuell warte sie noch auf genauere Wetterprognosen, um die Einsätze zu planen. Vor allem die verkehrswichtigen Straßen, auf denen Busse unterwegs sind sowie Autobahnen sollen geräumt werden. Zudem bietet die Stadtreinigung eine Rufbereitschaft an.

Polizei in Parks unterwegs, um Rodler zu ermahnen

Auch die Berliner Polizei hat sich nach eigenen Angaben besonders auf das Schnee-Wochenende vorbereitet. So will sie mit zusätzlichen Kräften unterwegs sein, um größere Menschenmengen zu ermahnen und im nächsten Schritt Bußgeld zu verhängen. Vergangenes Wochenende haben sich auf den Hügeln der Stadt viele Rodler dicht gedrängt zusammengefunden, wodurch das Risiko für eine Ansteckung mit dem Corona-Virus hätte steigen können.

Mit Dauerfrost starte auch die nächste Woche, sagte Meteogroup-Meteorologe Rainer Buchhop rbb|24 am Mittwoch. Die Großwetterlage ändere sich frühestens am Donnerstag. Ob es in Berlin und Brandenburg dann wieder milder wird, ist derzeit aber noch nicht abzusehen: "Es kann, wie man derzeit in Süddeutschland sieht, schnell gehen", erklärte Buchhop. Dort fällt seit Wochen Schnee, schmilzt und gefriert wieder. Teilweise lösten die Schneemassen ein Verkehrschaos in Bayern und Baden-Württemberg aus.

Sendung: Inforadio, 04.02.2021, 06.50 Uhr

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55 Kommentare

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  1. 55.

    Kann mich noch erinnen: Da brauste ein ICE im Winter bei Schnee durch das Land. Spruch; "Alle reden von Wetter- wir nicht. DB; Eisblumen am Fenster und Eiskristalle an der Wand; mein Vater hat mir alles geschildert. So lebte man nach dem Krieg.

  2. 54.

    Ich könnte mich jedesmal beömmeln, wenn ich lese, dass Autofahrer extra gewarnt werden müssen, dass es bei Schnee und Kälte glatt und gefährlich werden könnte...
    Früher gehörte das zum Allgemeinwissen (und -erleben). Mann, muss ich alt sein!

  3. 53.

    :-) Sie haben Recht, so wichtig sind diese Meldungen nicht, aber sie sind eine wunderbare Abwechslung zu dem grauen Corona Alltag.

  4. 52.

    Nee, die erste (?) F(l)achzeitung titelt schon: Schnee-Walze rollt an
    Außerdem ist der Hahneberg gesperrt - nix mit alpinen Exessen uff'm Dörp. So'n Bundesamt macht auch noch den Havelwanderweg in Kladownien dicht und Prinz Woidke lässt durch seinen Herold verkünden, seine Untertanen mögen am Ofen bleiben. Mal sehen vll. meldet sich die Schneekönigin auch noch ;-) .

  5. 51.

    Sie sind bestimmt ein Mensch ohne Fehler, weiter so.,.Honecker hätte seine wahre Freude an Ihnen gehabt.

  6. 50.

    @HG: Ein guter Buchtipp! Dazu gibt es auch eine Doku, die zeigt, das sich vieles (fast) so zugetragen hat.
    Bei einem solchen Szenario, wie auch einer Wiederholung vom Winter 78/79, bringen auch Hamsterkäufe, wie vor fast einem Jahr, garnichts.
    Das die Strukturen der Versorgung den Wintereinbruch aushalten, bleibt zu hoffen.
    Ich kann mich erinnern, das es jedes Jahr einen (kurzen) Temperatursturz mit bis zu -18 Grad gab. Ohne Schnee.

  7. 49.

    Der gefühlte 100ste Beitrag zum Wetter.
    Warum warten wir eigentlich nicht einfach ab wie es am Wochenende kommt. Sooooo wichtig ist das ja nun auch nicht.

  8. 48.

    Die Polizei hat leider keine Wahl und muss umsetzen, was politisch angeordnet wurde. Sie hätte aber weniger zu tun,wenn sich die Leute an die Regeln halten würden. Maske überall dort,wo kein Abstand gehalten wird,auch draußen. Eng an eng auf dem Parkplatz oder dem Rodelberg ohne Maske ist wie auf einer belebten Straße. Da ist auch vielerorts Maskenpflicht.

  9. 47.

    Gute Zusammenfassung. :)) Man könnte auch einfach sagen: Im Winter wird es kalt:))

  10. 46.

    So, der Schnee ist sozusagen abgesagt, ich brauche keinen Schneeschieber mehr...

  11. 45.

    "Ob ich den Virus an der Biertheke oder am Rodelberg verteile" wenn Sie am Rodelberg die gleiche Geschwindigkeit in der Fortbewegung wie an der Biertheke haben, mache ich eine Ausnahme: ja, dann ist es ansteckend! Weia... wenn ich nicht schnell rodeln kann, rodel ich nicht, weil dann vermutlich Gras durchkommt!

    Manche Leute haben in den vergangenen 40 Jahre NUR an der Biertheke und NIE auf dem Rodelberg ihre Freizeit verbracht...

    Abgesehen davon ist es nun schon wieder so weit, dass die einzig infizierten Menschen in Altenheimen zu finden sind - die rodeln eher weniger!

  12. 44.

    Ich schaue auf den Kalender, also weiß ich, was im Winter passieren kann und habe mich darauf eingestellt. Auch wenn ich moderne Medien nutze und auch auf den Fachnutzerseiten des DWD nachsehe, bin ich mir des Winterwetters und seinen Unwägbarkeiten bewusst. Also allein ein Blick nach draußen sollte reichen. Wer jetzt dann noch Unfälle verursacht, der sollte mal wieder auf echte Fahrzeuge ohne jeden erdenklichen elektronischen Mist umsteigen, denn die Gesetze der Physik lassen sich nicht aushebeln. Scheinbar haben sich zuviele Leute von der Natur, die sie umgibt, entfremdet.

  13. 43.

    Woher haben Sie die Info, dass draußen eine nennenswerte - wenn überhaupt - Ansteckungsgefahr besteht?
    Wohlgemerkt beim Rodeln und also in Bewegung und fast zwangsläufigem Abstand und wenn, dann nur ganz kurzem sich-nahe-kommen.

  14. 42.

    Ich weiß nicht, wovon sie reden.
    Ich schätze die Arbeit der Polizei sehr.
    Virus ist Virus. Ob ich den Virus an der Biertheke oder am Rodelberg verteile, ist dabei gleichgültig.
    Solange wir keine Herdenimmunität haben, muss der Mensch daran erinnert werden, dass Abstand zu halten ist.

    Die Berliner Polizei macht da einen sehr guten Job.

  15. 41.

    Na klar bleiben wir alle zu Hause. Natürlich auch die ALtenpfleger, Krankenpfleger, Verkäufer, Straßendienst (die sowieso). Dann kann nichts passieren.
    Strom, Wärme usw. braucht natürlich auch keiner.

  16. 40.

    "So will sie mit zusätzlichen Kräften unterwegs sein, um größere Menschenmengen zu ermahnen und im nächsten Schritt Bußgeld zu verhängen." Wenn dass so weitergeht, wird die Polizei am Ende der Pandemie genauso unbeliebt sein wie die verantwortlichen Politiker die ohne Augenmaß und Menschenverstand überziehen. Ich weiß nicht ob die Polizei sich das antun will.

  17. 39.

    Ok Alice, also heute Abend ein großes Glas Spreewaldgurken, dazu ein ordentlicher Whisky Geschmacksrichtung "Bilge" und Morgen dann mit der Pflanzensprühe dat Jurkenwassa verteilen :-) Ich seh schon den Hund: wow! Sie liebt Gurken und Whisky ;-)

  18. 38.

    Also als älteres Semester kann ich mich noch gut daran erinnern ( Langzeitgedächtnis funktioniert noch),dass ich als Kind teilweise durch hüfthohen Schnee zwischen Alt-Wittenau und Borsigwalde zur Grundschule laufen musste. Elterntaxis gab es damals nicht. Und auch in späteren Jahren/Jahrzehnten, gab es immer mal wieder schneereiche Jahre. Da habe ich dann auch mal mein Auto freigeschippt und dann war es das Auto ( gleicher Typ, gleiche Farbe) , meines Nachbar. Heutzutage kann man das ja vorher mit dem Autoschlüssel aus der Entfernung testen,ob es der eigene PKW ist. Winter mit Schnee kann im Außenbezirk schön sein, vor Allem wenn man nicht früh raus muss. Auf dem Weg in die Innenstadt und auch dort,ist er nur hinderlich und bald dreckiger Matsch. Viele Autofahrer sind ja auch schon mit ein paar Flocken überfordert und abgesehen von der BSR sind etliche Winterdienst schnell überfordert und Gehwege bleiben gefährlich. Mangelnde Übung,nach schneefreien Jahren bei voller Bezahlung.

  19. 37.

    Meine Meinung: Abwarten und Tee trinken. Denn die Meteorologen von verschiedenen Wetterdiensten sind sich auch nicht ganz einig wo es denn zu einem starken Schneefall kommen kann und wird. Dazu gibt es verschiedene Wettermodelle. Schwerpunkt könnte Niedersachsen ua. sein. Berlin würde dann nur einen mäßigen Schneefall abbekommen. Eins ist sicher, die Kinder freuen sich bestimmt. Allerdings ist ein starker Ostwind mehr als unangenehm, treibt die Temperaturen in den Keller und die Heizkosten hoch.

  20. 36.

    Es ist Winter. Und da kann es auch mal länger schneien und der Schnee kann liegenblieben. Und Glätte kann auch schon mal vorkommen. Also einfach zu Hause bleiben und fertig.

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