Archivbild: Wissmannstrasse am Koenigssee in Grunewald, Bezirk Wilmersdorf-Charlottenburg. Benannt nach dem Kolonialgouverneur Hermann von Wissmann. (Quelle: dpa/GTI)
Bild: dpa/GTI

Kritischer Umgang mit Kolonialzeit - Wissmannstraße in Berlin-Grunewald soll umbenannt werden

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf will der Wissmannstraße in Grunewald einen neuen Namen geben. Wie es in einer Mitteilung vom Freitag heißt, setzt sich die Bezirksverordneten-versammlung (BVV) für eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte "auf lokaler Ebene" ein. Dazu gehöre auch die Umbenennung der Wissmannstraße, heißt es dort weiter.

Der bisherige Namensgeber Hermann von Wissmann (1853-1905) war Reichskommissar und Gouverneur vom damaligen Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda). Er trug mit militärischen Expeditionen maßgeblich zur gewaltsamen Kolonialisierung bei. Seine Kriegsführung wurde dabei selbst von anderen Kolonialoffizieren als äußerst barbarisch beschrieben.

Namensvorschläge gesucht

Zunächst soll es vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Bündnis Decolonize Berlin e.V. am 5. März eine digitale Informationsveranstaltung für Anwohner und Interessierte geben. Anschließend werden Namensvorschläge gesammelt, wie der Bezirk ankündigte. Demnach sind Anwohner und Initiativen aus Charlottenburg berechtigt, Vorschläge zu machen.

Gesucht werde vorzugsweise eine Namensgeberin, die in Charlottenburg-Wilmersdorf gelebt und sich um den Bezirk besonders verdient gemacht, oder die Widerstand gegen die Kolonialmächte geleistet oder afrodeutsche Geschichte sichtbar gemacht hat. Die BVV soll schließlich am Ende über den neuen Namen entscheiden.

Umbenennung schon in Neukölln

Ende des vergangenen Jahres wurde bereits die Wissmannstraße in Neukölln in Lucy-Lameck-Straße umbenannt. Lameck (1934-1993) war die erste Frau in einem tansanischen Regierungskabinett.

Durch eine Neuerung im Berliner Straßengesetz können Straßen nun unkomplizierter umbenannt werden. Die Gründe für eine Umbenennung wurden erweitert. "Zukünftig wird ausdrücklich auf die Möglichkeit verwiesen, Straßen umzubenennen, wenn deren Namen koloniales Unrecht heroisieren oder verharmlosen und damit Menschen herabwürdigen", teilte der Senat im Dezember mit. In der Vergangenheit vergingen bei Straßenumbenennungen oft mehrere Jahre.

Sendung: Abendschau, 26.02.2021, 19:30 Uhr

6 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 6.

    Das ist nunmal unsere Geschichte und war zu jener Zeit Stand der Gesellschaftsordnung. Das man alles totschweigen und die Menschen in einer Friede-Freude-Eierkuchen-Blase gefangen halten will wird unserer Geschichte nicht gerecht.
    Aber vielleicht werden in einigen Jahren auch RRG so aus den Geschichtsbüchern getilgt um den Schaden, den sie angerichtet haben unter den Teppich zu kehren, damit wir uns gut fühlen als Platz 431 der globalen Wirtschaftsordnung.

  2. 5.

    Wenn man sich mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinandersetzt, sollte man sich insbesondere mit den Mann auseinendersetzen der es zu werantworten hat. Warum tut man es nicht?

  3. 4.

    Strassennamen sollten besser aus Lexika über Flora und Fauna gewählt werden - aber bitte keine Karnivoren oder fleischfressende Tiere. Wer weiß, wer sonst in ein paar Dekaden eine andere Geschichte aus dem Gedächtnis tilgen will, weil das der Zeitgeist fordert.

  4. 3.

    Für mich bedeutet kritische Auseinandersetzung, dass man über den Namenspaten aufklärt zB mit Hinweisschildern etc und es nicht einfach verschwinden lässt. Das zeigt doch viel mehr, dass man sich nicht auseinander setzt, sondern unbequeme Dinge einfach verschwinden lässt.
    Und wieso dann wieder nach neuen Personen, die auch in Verruf geraten können und dann geht das Spiel von vorne los.
    Dann lieber nach Tieren, Straßen, Pflanzen etc.

  5. 2.

    macht es wie New York: einfach die Straßen durchzählen ...

    für Abergläubische kann man ja die 4 (China & Japan), die 9 (Japan), die 13 (Westeuropa), die 17 (Italien & Brasilien) und die 39 (Afghanistan) sowie alle ungeraden Zahlen (China) und die 666 (Teufelszahl) als vermeintlich Unglück bringende Zahlen weglassen ...

  6. 1.

    Wenn dieser Quatsch schon sein muss, dann bitte keine ideoliogisch-verkopften Straßen-Benennung nach Personen mehr. Es gibt genug Namensmöglichkeiten, die ganz ohne ideologische Aufladung geeignet wären.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren