Polizeibeamte stehen auf der Reichenberger Straße vor der Szenekneipe «Meuterei» (Bild: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb|24 | 25.03.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Paul Zinken

Keine schweren Zwischenfällle - Polizei räumt linke Kiezkneipe "Meuterei" in Kreuzberg

Die linke Kiezkneipe "Meuterei" in Kreuzberg ist am Donnerstagmorgen geräumt worden. Die Polizei war mit rund 1.000 Kräften im Einsatz. Mehrere Menschen wurden vorläufig festgenommen. Große Zwischenfälle registrierte die Polizei aber nicht.

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Informationen zu weiteren Protesten nach der Räumung finden Sie hier.

Begleitet von Protesten ist am Donnerstagmorgen die linke Kiezkneipe "Meuterei" in Berlin-Kreuzberg geräumt worden. Vor Ort war zu sehen, wie Polizisten mit Vorschlaghammer und Kettensäge im Einsatz waren. Zwei Personen wurden abgeführt. Nach Angaben der Berliner Polizei verschaffte sich dann eine Gerichtsvollzieherin gegen 8.30 Uhr Zutritt zu dem Lokal.

Die Polizei hatte angekündigt, dass die Räume nach einer Begehung dem Eigentümer übergeben werden. "Die Räumung des Objektes ist plangemäß verlaufen", sagte Sprecherin Anja Dierschke. Größere Zwischenfälle gab es demnach nicht.

1.000 Einsatzkräfte der Polizei waren rund um die Reichenberger Straße vor Ort, um der Gerichtsvollzieherin Amtshilfe zu leisten. Der Bereich um das Lokal war weiträumig abgesperrt; direkt hinter der Absperrung liefen Kundgebungen und Proteste gegen die Räumung.

36 vorläufige Festnahmen

Am Donnerstagnachmittag veröffentlichte die Berliner Polizei dann Bilanzzahlen zu den Ereignissen in Kreuzberg. Demnach beteiligten sich insgesamt 800 Menschen an den Protesten gegen die Räumung der linken Kiezkneipe.

Vorläufig festgenommen wurden laut Polizei 36 Personen, darunter 14 Frauen und 22 Männer, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Widerstands und Beleidigung gegen Vollstreckungsbeamte sowie wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Verletzt wurde niemand, so die Polizei.

Hunderte Menschen protestieren - vereinzelt fliegt Pyro

Im Internet wurden weitere "dezentrale Widerstandaktionen" der linken Szene im ganzen Stadtgebiet angekündigt. Auf Twitter veröffentlichten Demonstranten mehrere Bilder, etwa vom Kottbusser Damm. Dort hatten sich am Donnerstagmorgen rund 400 Menschen versammelt, wie Polizeisprecher Thilo Kablitz dem rbb auf Anfrage bestätigte. Hier wurde vereinzelt Pyrotechnik von Dächern geworfen. In der Reichenberger Straße hatten sich rund 20 Demonstranten versammelt. Dort hatte die Polizei bereits am Mittwoch eine Sperrzone rund um die Gaststätte errichtet.

Die Berliner Polizei war nach eigenen Angaben auf einen größeren Einsatz vorbereitet. Bereits in der Nacht hatten laut Polizei acht Autos an vier Orten in Mitte, Prenzlauer Berg, Lichtenberg und Reinickendorf gebrannt. Vor dem Ordnungsamt Reinickendorf brannten Reifen, die Fassade des Gebäudes wurde beschädigt. Ein Zusammenhang mit den linken Protesten werde geprüft, ein Bekennerschreiber gebe es noch nicht.

Sperrzone rund um das Areal der Kneipe

Am Mittwochnachmittag hatte die Polizei eine Sperrzone um die Kneipe eingerichtet und Absperrgitter aufgestellt, um Blockadeaktionen zu verhindern.

Nur Anrainerinnen und Anrainer durften sich in einem abgesperrten Gebiet aufhalten. Dieses reichte von der Reichenberger Straße 61 bis zur Kreuzung der Lausitzer Straße, sowie für die Lausitzer Straße von der Reichenberger Straße bis zur Kreuzung an der Wienerstraße.

22 Strafanzeigen bei Demo mit mehr als tausend Menschen

Am Dienstagabend hatten mehr als tausend überwiegend junge Menschen gegen die Räumung demonstriert. Die Stimmung war aggressiv, Teilnehmer schossen Raketen ab und zündeten bengalisches Feuer, Böller explodierten. Die Polizei nahm sieben Teilnehmer vorläufig fest. Es gab insgesamt 22 Strafanzeigen wegen Widerstandshandlungen, versuchte Gefangenenbefreiung, Beleidigung und versuchte gefährlich Körperverletzung. Insgesamt waren am Dienstagabend rund 650 Polizeikräfte im Einsatz, davon rund 300 unmittelbar am Aufzug.

Das Verhältnis zwischen den Nutzerinnen und Nutzern der Kneipe "Meuterei" und dem Eigentümer war seit längerer Zeit zerrüttet. Vor zwölf Jahren wurden die Räume angemietet, 2019 lief der Mietvertrag aus. Das Kneipenkollektiv weigerte sich allerdings, die Räume zu verlassen und hielt die Kneipe seither besetzt.

Sendung: Inforadio, 25.03.2021, 07:00 Uhr

40 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 40.

    Wenn jeglicher Bereich des Lebens durch Wirtschaftlichkeit bestimmt wird!
    WEnn jegliche Kritik, an eben jenem System, mundtot gemacht wird!
    WEnn die Interessen der Menschen nur noch wahrgommen werden, wenn es um ihren Konsum geht!
    zb.....

  2. 39.

    Ich würde den letzten Satz mit ungebildet umschreiben. Aber keine Wunder , wenn Sie acht Stunden oder mehr täglich mit arbeiten beschäftigt sind!

  3. 38.

    ´So geht Rechtsstaat und das Recht muss immer beachtet werden und nicht nur wenn es einem passt. ´
    Gerade im Zusammenhang mit besetzen Häusern, linken Demos (G20+X) und der dort stattfindeneden Polizeigewalt, ist dieser Satz schon recht ulkig!

  4. 37.

    ..genau so ist es! Übrigens, wenn ich meine Miete nicht zahle was wird da wohl passieren? Die ewig gestrigen denken alles kann so bleiben und das per o

  5. 36.

    Ja, ich bin stolz darauf wie die Berliner Polizei gegen gewalttätige Chaoten mit Augenmaß vorgeht und das bestehende Recht und somit den Rechtsstaat durchsetzt. Diese Kneipe hat keinen Mietvertrag, zahlt keine Miete und ist somit illegal in den Räumen. Damit müssen sie raus und da sie das nicht freiwillig machen, muss die Polizei nachhelfen. So geht Rechtsstaat und das Recht muss immer beachtet werden und nicht nur wenn es einem passt. Und wenn diese Randaliere wie im Moment mit Gewalt gegen die Polizei vorgehen wird mit Gewalt reagiert denn die Chaoten dürfen das nicht die Polizei aber darf das im gesetzlichen Rahmen.
    Nochmal einen Dank an die Polizei für Ihren schweren Einsatz für Demokratie und Rechtsstaat und in der Hoffnung das alle Beamten gesund aus dem Einsatz nach hause kommen.

  6. 35.

    Genau deswegen wurde nach Kassel ausgewichen. Die Beherrschung von Großlagen ist Routine in Berlin. Die Einsatzfuhrung scheint in anderen Großstädten schnell überfordert zu sein.

  7. 34.

    Zitat: Zudem wurde Berlin durch Projekte, in die Linke viel Arbeit investiert haben, eine lebenswerte Stadt. Zitat Ende

    Wären Sie so freundlich diese Aussage mit Substanz zu unterfüttern. Ich lebe in Berlin, kenne aber kein einziges Projekt mit linker Beteiligung, auf das diese Beschreibung zutreffen würde.
    Berlin war auch schon vorher eine lebenswerte Stadt. Damit haben die Linken nur bedingt zu tun. Kommt aber natürlich drauf an wen man fragt.

  8. 33.

    In PM weiß man offensichtlich nicht, warum die GSW verkauf worden ist. Der Bankenskandal kann es jedenfalls laut Ihrer Quelle nicht gewesen sein, wohl aber die hohe Leerstandsquote damals:
    "Das Unternehmen schrieb 2000 und 2001 rote Zahlen und hat, wie die anderen Wohnungsbaugesellschaften auch, mit hohem Leerstand, erheblicher Mieterfluktuation und dem darniederliegenden Immobilienmarkt zu kämpfen."
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/gsw-wird-nicht-verschleudert/367728.html
    Das BVerfG hatte 19. Oktober 2006 Berlin auch beschieden, dass es u.a. zu viel Geld für Wohnungsförderung ausgebe und sich deshalb nicht auf eine Haushaltsnotlage berufen könne.

  9. 32.

    Wo ist der Linke Justizsenator ? Wegen Idiologie-Überschneidung abgetaucht ?

  10. 31.

    Was ich mich in dem ganzen Zusammenhang frage: Linke Kiezkneipe wird geräumt = 1100 Polizisten, Sperrkreis, Wasserwerfer, Hundertschaften in Bereitschaft etc. Für so eine eigentlich "kleine" Angelegenheit....
    Kassel - Demo "Querdenken" - 20.000 Teilnehmer, Rechtsaußen in die Demo integriert= zu wenig Polizisten, keine Wasserwerfer, keine Bereitschaft, Demo gerät außer Kontrolle...bei dieser "großen" Angelegenheit sieht Vater Staat irgendwie anders aus...
    Ist das rechte Auge immer noch blind?
    Nicht das ich Randale von der Anhängern der "Meuterei" für gut befinde - aber zweierlei Maß ist das schon. Auch verglichen mit der Polizeipräsenz im letzten Jahr bei der "berühmten" Querdenkendemo mit "Reichstagstürmung"....

  11. 30.

    Ich würde schon mal die Anlagen der S-Bahn schützen, an denen wird sich nämlich diese Bande wieder vergreifen um die gesamte Bevölkerung von Berlin mit an ihrem Elend teilhaben zu lassen.

  12. 29.

    Weiter so, vollkommen nachvollziehbar!

  13. 28.

    Ja, ich bin wahnsinnig. Ich geh arbeiten und zahle ziemlich viel Steuern, leiste Erhebliches für die Volkswirtschaft und stelle trotzdem keine Forderungen., tue etwas für Bildung und die Umwelt. Ja, ich bin wahnsinnig nicht auf die Idee zu kommen, dass mit per se als Mensch etwas zusteht. Ja, ich bin wahnsinnig, weil ich Gewalt ablehne und Pauschalverurteilungen (ACAB). Ja, ich bin wahnsinnig, weil ich Clanstrukturen (nichts anderes ist die linksautonome Szene) kritisch betrachte )wie Großfamilien, die auf unsere Gesellschaft und Wertsystem sch....en)! Ja, ich bin dumm und sollte mein Maul halten.

  14. 27.

    Wiki ist ja auch sooooo seriös. Schon klar. Der Bestand musste letztendlich verscherbelt werden, weil er nicht mehr wirtschaftlich saniert, geschweige denn modernisiert werden konnte und wegen seines Zustands einen nicht mehr vertretbaren Leerstand aufwies. Diese Tatsache wird von den Gegnern des Verkaufs nur konsequent ignoriert. Die Mär vom Verkaufszwang wegen der Bankenkrise ist ja der Ideologie viel dienlicher.

  15. 26.

    Reines Öffentliches Theater der linkslastigen "hochintelligenz"

  16. 25.

    Da hamse natürlich recht. Bin selbst in Zürich, wenn es sein muss. Bratwurst am Stand 8,70 Franken. Das braucht Berlin wirklich nicht. Nur ist es mir zu undifferenziert alles was irgendwie links daher kommt zu huldigen. Im Gegenteil: Viele instrumentalisieren die Anstrengungen, die in den 80igern geleistet wurden um instandzusetzen und Perspektiven zu schaffen.
    Die Meuterei wurde vor einigen Jahren dem Kollektiv zu einem, aus heutiger Sicht, attraktiven Preis angeboten. Nur wollte keiner dafür einstehen. Dann wurde verpennt und noch zwei Jahre rausgeholt. Dann gab es die Hoffnung auf Die Linke und die Grünen als auch dem Drohpotential aus der radikalen Szene. Doch außer einer gestrigen Spontansolidarisierung und einem BVV-Beschluss, beides kam viel zu spät, passierte nichts. Der Personenkreis von Unterstützern einschlägigen und pyromanischen [sic!] Gedankengutes schwindet. Ja, die Stadt ändert sich. Ich kann ja gehen, wenn es mir hier nicht mehr passt. Sicher nicht nach Zürich!

  17. 24.

    Vielleicht würde es für die Zukunft helfen, wenn die Kosten solcher Polizeieinsätze mit den Transferleistungen der redlichen Aktivisten*innen verrechnet würden.

  18. 23.

    "Ich weiß nicht warum immer wieder die gleiche Lüge benutzt wird um die Machenschaften dubioser Firmen schönzureden."

    Welche Lüge? Der Bankenskandal hat letztendlich die Entwicklung nur weiter beschleunigt; im Zentrum dessen standen aber heruntergewirtschaftete Schrottimmobilien des sozialen Wohnungsbau (vorrangig ehemals Ost).

    Nahezu alle großen Genossenschaften hatten zu diesem Zeit mit einem unlösbaren Investitionsstau zu kämpfen. Die GEHAG wurde bereits vor 2001 teilprivatisiert, die DEGEWO sah sich gezwungen im Berliner Osten Wohnungen abzubauen und bei der GSW hat's durch die Instandsetzung Ost ebenfalls ordentlich gequietscht. Keines der Unternehmen stand auf gesunden Beinen.

    Es sind auch jetzt die Genossenschaften die am meisten unter den Mietendeckel leiden und vermutlich auch die, die in ein paar Jahren wieder zuerst einknicken werden.

  19. 22.

    "Etwas ähnliches hatten wir in den Wendejahren auch in Berlin, da war der komplette soziale Wohnungsbau gammelig und wurde bevor es richtig teuer wird, verscherbelt."

    Ich weiß nicht warum immer wieder die gleiche Lüge benutzt wird um die Machenschaften dubioser Firmen schönzureden.

    Jeder Berliner weiß warum die u.a. die GSW verscherbelt werden mußte. https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal#Auswirkungen_auf_die_Finanzlage_des_Landes_Berlin

  20. 21.

    "Wohnraum dem Markt zu entziehen senkt die Preise und kommt damit den Steuerzahlern zu Gute."

    Wie soll das funktionieren? Das Problem ist weiterhin durchschnittlich 155 Bewerber / Mietwohnung (2019 waren es noch 140). Wenn kein Wohnraum neu geschaffen wird, wird sich die Preisspirale drehen.

    "Zudem wurde Berlin durch Projekte, in die Linke viel Arbeit investiert haben, eine lebenswerte Stadt."

    Für wen? Als gebürtiger Berliner kann ich nur die Kopf schütteln.

    "Solche Räumungen machen das kaputt und mit den Preisen fürs Wohnen werden sich alle noch wundern - ich bin Zürcher und weiß, wovon ich rede"

    Dann wirds Zeit für einen kleinen Besuch nach Genf, da sehen sie die ganze Utopie von RRG.
    Etwas ähnliches hatten wir in den Wendejahren auch in Berlin, da war der komplette soziale Wohnungsbau gammelig und wurde bevor es richtig teuer wird, verscherbelt.

Nächster Artikel