rbb24
  1. rbb|24
  2. Panorama
Video: Abendschau | 26.03.2021 | Rainer Unruh | Quelle: imago images

Kriminalitätsstatistik für Berlin 2020

Weniger Straftaten, aber mehr politisch motivierte Gewalt

Im Corona-Jahr 2020 registrierte die Berliner Polizei weniger Straftaten als im Vorjahr. Während die Zahl der Taschendiebstähle und Wohnungseinbrüche sank, gab es einen Anstieg bei politisch motivierter Gewalt - und bei besonderen Betrugsfällen.

Vor allem durch die Corona-Pandemie ist die Zahl der von der Polizei registrierten Verbrechen in Berlin im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Polizei erfasste 504.142 Straftaten - und damit 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag bei der Vorstellung der jährlichen Kriminalstatistik sagte.

Es gab deutlich weniger Taschendiebstähle (-19 Prozent), Wohnungseinbrüche (-11 Prozent), Autodiebstähle (-24 Prozent), Raubüberfälle und Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz.

Zugleich wurden mehr Sachbeschädigungen, Straftaten im Internet und Trickbetrügereien an alten Menschen verzeichnet, ebenso mehr Rauschgiftdelikte, weil es mehr Kontrollen in dem Bereich gab. Dazu kam der Betrug bei Corona-Hilfen. Zugenommen haben durch die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auch extremistische Propaganda, Hetze und Gewalttaten.

Brandenburg

Politisch motivierte Kriminalität

Weniger Fälle 2020, aber hoher rechtsextremer Anteil

504.142 Taten insgesamt weist die Statistik auf. Der große Teil dieser Delikte waren Diebstähle sowie Betrugstaten und Fälschungen. Je 100.000 Einwohner wurden 13.739 Taten erfasst. Die Polizei ermittelte 136.053 Verdächtige. Der erfasste Schaden sank auf knapp 712 Millionen Euro (-157 Millionen Euro). Die Aufklärungsquote erhöhte sich auf 46,1 Prozent (2019:
44,7 Prozent).

Durch Betrug bei den Corona-Hilfen für Firmen und Selbstständige entstand laut Polizei ein bislang erfasster Schaden von mehr als 41 Millionen Euro. Knapp 3.000 Betrugsfälle seien bekannt geworden. Die Zahlen würden weiter steigen. Geisel sagte, der Senat habe sich im vergangenen Jahr bewusst für schnelle und unbürokratische Hilfe entschieden trotz der bekannten Gefahr von Betrug und Missbrauch.


1.776 Straftaten bei Corona-Verstößen stellte die Polizei fest, also etwa illegal geöffnete Kneipen oder Restaurants. Dazu kamen bis jetzt mehr als 13.000 durch die Polizei erfasste Ordnungswidrigkeiten. Davon ging es in mehr als 7.000 Fällen um die Maskenpflicht. Von September 2020 bis jetzt entdeckte die Polizei 553 Fälle von gefälschten Attesten wegen der Maskenpflicht.

Mehr zum Thema

Subventionsbetrug und Verkauf gefälschter Produkte

Mehr als 5.000 Delikte in Zusammenhang mit Corona in Berlin

Es gab deutlich mehr politisch motivierte Straftaten. Insgesamt gab es 5.996 Fälle (+1.366), meist Propagandadelikte, Beleidigungen und Sachbeschädigungen. Der Anstieg hing auch mit Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen zusammen. 2.456 Taten (+440) wurden Rechtsextremisten zugeordnet. In 2.128 (+709) Fällen kamen Täter aus der linksextremistischen Szene.

Die Zahl von Gewalttaten durch Extremisten stieg deutlich auf 890 Fälle (+272). 439 Gewaltdelikte (+176) wurden von Linksextremisten verübt, häufig bei Demonstrationen. Rechtsextremisten waren für 170 Gewalttaten verantwortlich (+9). 242 Gewalttaten (+121) erfasste die Polizei im Bereich "nicht zuzuordnen", also weder eindeutig links oder rechts. Mehr als die Hälfte davon ereigneten sich im Zusammenhang mit dem Thema der Corona-Pandemie, meist bei Demonstrationen.

Es gab 426 Fälle von Brandstiftung an Autos (Vorjahr: 358). Laut Polizei wurden nur 44 Brandstiftungen Tätern aus dem Bereich politischer Extremismus zugeordnet. Für diese Taten sind laut Polizei vor allem Linksextremisten verantwortlich.

16.327 Menschen (+682/4,4 Prozent) wurden als Opfer von Gewalt in der Familie oder der Partnerschaft erfasst. Rund 70 Prozent davon waren Frauen oder Mädchen, knapp 30 Prozent Jungen, männliche Jugendliche und Männer. Die Jahreszahlen der Polizei zeigten keinen deutlichen Anstieg in der Pandemie, hieß es. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte aber: "Unsere Zahlen allein bilden nicht die Realität ab." Viele Fälle würden normalerweise durch Kitas, Schulen und andere soziale Instanzen bekannt. Das sei 2020 oft weggefallen. Die Berichte der Gewaltschutzambulanz zeigten, dass es doch einen Anstieg und ein großes Dunkelfeld gebe.

Mehr zum Thema

Kriminalitätsstatistik für Brandenburg

Weniger Diebstahl - aber deutlich mehr häusliche Gewalt

Einen Anstieg verzeichnet die Statistik auch beim Widerstand gegen Polizeikräfte und Angriffen auf sie: 7.505 Beamte in Berlin seien im Jahr 2020 im Dienst Opfer einer Straftat geworden, 1.559 von ihnen wurden verletzt. Die Zunahme liegt vor allem an vielen aggressiven Demonstranten, wie Geisel sagte. Polizisten hätten von einem bisher unbekannten Aggressionspotenzial auch von Teilnehmern aus der bürgerlichen Mitte berichtet.

Der Landeschef der Polizei-Gewerkschaft GdP, Norbert Cioma, kommentierte die gestiegene Anzahl von Angriffen am Freitag: "Man hat im letzten Jahr deutlich gesehen, dass sich der Frust über die gesellschaftliche Gesamtsituation an Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsämtern entlädt."

In 564 Fällen wurde gegen Polizisten ermittelt, wegen Körperverletzung im Amt; im Vorjahr
lag die Zahl bei 448.

Kein einfaches Jahr - auch für Kriminelle

Geisel sagte, die Pandemie habe die Polizei "vor besondere, zum Teil völlig neuartige Herausforderungen gestellt". Er fügte hinzu: "Das galt übrigens auch für die Kriminellen." Kaum Touristen, geschlossene Geschäfte, keine Großveranstaltungen, Menschen, die öfter zu Hause seien - das habe zu dem Rückgang bei vielen Arten von Delikten geführt.

Sendung: Abendschau, 26.03.2021, 19:30 Uhr

Artikel im mobilen Angebot lesen