Der Angeklagte im Prozess nach einem tödlichen Autorennen steht in einem Gerichtssaal. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Fünf Jahre nach tödlichem Autorennen in Berlin - Ku'damm-Raser in erneutem Prozess zu 13 Jahren Haft verurteilt

Mehr als fünf Jahre nach einem tödlichen Autorennen auf dem Berliner Ku'damm ist einer der beiden Täter zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Anders als in zwei früheren Urteilen entschied das Berliner Landgericht am Dienstag nicht auf Mord. Stattdessen wurde der inzwischen 29-Jährige in dem neu aufgelegten Prozess des versuchten Mordes und der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig gesprochen. Dazu kommt eine Führerscheinsperre von fünf Jahren. "Es war kein organisiertes oder verabredetes Rennen", sagte der Richter am Dienstag, "sondern eine spontane, illegale Wettfahrt." Auch die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft gefordert.

Ein zweiter Täter ist bereits rechtskräftig wegen Mordes verurteilt. Die beiden Männer waren Ermittlungen zufolge am 1. Februar 2016 mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde mit ihren Wagen über den Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße gerast. Der rechtskräftig verurteilte Fahrer rammte schließlich den Jeep eines Unbeteiligten, der bei für ihn grüner Ampel auf die Kreuzung gerollt war. Der 69 Jahre alte Rentner starb in seinem Wagen. Das Auto war 70 Meter weit durch die Luft geschleudert worden. Die beiden Raser wurden kaum verletzt.

Revision möglich

Der Fall beschäftigt die Justiz seit Jahren. Den Schuldspruch gegen einen der beiden Angeklagten bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH). Die Berliner Richter hatten zuvor drei Mordmerkmale erfüllt gesehen: Das Opfer sei völlig arg- und wehrlos gewesen. Bei der enormen Geschwindigkeit und unüberschaubaren Situation seien die Autos zum gemeingefährlichen Mittel geworden. Die Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht der Männer spreche für niedrige Beweggründe. Der 32-jährige Mörder verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Das Mordurteil für den heute 29-Jährigen hatten die Bundesrichter zuletzt aufgehoben und eine Neuverhandlung angewiesen. Sein Mercedes mit 380 PS war nicht mit dem Jeep kollidiert. Der BGH hatte einen gemeinsamen Tatentschluss und somit eine Mittäterschaft als nicht belegt gesehen. Es gehe um Vorgänge, die sich in den Köpfen der Täter abspielen. Darin habe ein Tatrichter keinen Einblick. Die Vorsitzende Richterin Beate Sost-Scheible sprach von einer "außerordentlich schwierigen Aufgabe" für Gerichte, solche Fälle zu entscheiden. "Wir haben es nicht mit einem klassischen Tötungsdelikt zu tun."

Der 29-Jährige war nicht vorbestraft, er sitzt seit fünf Jahren in Untersuchungshaft, diese würde ihm, wie üblich in solchen Fällen, auf sein Strafmaß von maximal 13 Jahren angerechnet. Er kann allerdings gegen das Urteil in Revision gehen.

Sendung: Inforadio, 02.03.21, 16 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 02.03.2021, 21:20 Uhr geschlossen

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10 Kommentare

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  1. 10.

    Ich bin der Meinung, Menschen diesen Schlages sind "nicht geeignet" ein motorisiertes Fahrzeug jedweder Art zu führen und sollten nicht wieder die Möglichkeit bekommen, einen Führerschein für motorisierte Fahrzeuge zu besitzen.

    Über den Tatbestand des Mordes kann man streiten. Die Rechtsprechung in der Bundesrepublik Deutschland ist sehr differenziert angelegt und gibt Spielraum zur Diskussion. Das ist auch gut so, wenn mehrere Sichtweisen berücksichtigt werden sollen. Aus Sicht der Opfer ist das nicht gerecht, weil den Tätern zu viel Aufmerksamkeit geschenkt und die Strafe u.U. gemildert wird.

    Meine Meinung, ohne genaue Kenntnis der juristischen Grundlage: Es war Vorsatz, es waren niedere Beweggrüde, es war 100% rücksichtslos und aus verächtlicher Grundeinstellung gegenüber eventuelle Opfer. Es war Mord / Beihilfe zum Mord.

  2. 9.

    Für eine Verurteilung wegen Mordes fehlt halt die Grundlage. Das Auto des Opfers wurde vom anderen verurteilten Fahrer angefahren, dieser wurde auch wegen Mordes verurteilt. Hätten sich die beiden Raser im Vorfeld zum Rennen verabredet, wäre vermutlich eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Mordes realistisch gewesen. So bin ich schon froh, dass der 29jährige überhaupt eine so empfindliche Strafe bekommen hat.

  3. 8.

    Das ist ein gerechtes Urteil. Endlich hat ein Gericht klar festgestellt, dass es kein Mord war. Der Mann hat sicher nicht die Absicht gehabt jemanden vorsätzlich zu töten. Er hat wahrscheinlich sich nicht einmal Gedanken gemacht, was seine Tat anrichten kann. Es ist gerecht dafür ins Gefängnis zu gehen, aber dass nun klar nicht auf "Mord" die Grundlage ist, ist richtig.

  4. 7.

    Für immer. Was soll das.

  5. 6.

    Dieser Mensch wird lebenslang damit leben, dass er an solch einer Tat beteiligt war. Ein Leben lang einsperren würde verhindern, dass er an einer Wiedergutmachung - soweit überhaupt möglich - arbeitet.

  6. 5.

    Bei guter Führung nach zwei Dritteln. Also in ca. 3,5 Jahren, wenn es bei dem Urteil mit 13 Jahren bleibt. Fünf hat er bereits in U-Haft abgesessen. Wie ist es bei Mordversuch mit einer Schusswaffe? Dürfen die Täter dann nach einer Frist auch wieder Schusswaffen führen?

  7. 4.

    Hoffentlich kommt der nie wieder raus. Ein unschuldiger Mann hat sein Leben verloren, wofür? Den Typ wegsperren bis in alle Ewigkeit.

  8. 3.

    Warum nur 5 Jahre Führerscheinsperre?! Wer jemanden totfährt, sollte nie wieder Auto fahren.

  9. 2.

    Hoffentlich kommt er nicht vorher raus.

  10. 1.

    Dieses Urteil ist eine Schande!

    Wenn jemand mit 170 Kilometern pro Stunde durch eine geschlossenen Ortschaft rast und als Folge daraus ein unschuldiger Mensch ein Leben verliert, dann ist das kein versuchter Mord sondern schlicht und einfach Mord.

    Täter mit solch menschenverachtenden Verhaltensweisen sollten nie mehr in Freiheit kommen!

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