Kriminalitätsstatistik für Brandenburg - Weniger Diebstahl - aber deutlich mehr häusliche Gewalt

Mo 08.03.21 | 12:09 Uhr
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Polizisten auf Streife (Quelle: Robert Michael/dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 08.03.2021 | Christoph Hölscher | Bild: dpa-Zentralbild

So wenige Straftaten wie noch nie – aber zugleich ein deutlicher Anstieg von häuslicher Gewalt: Innenminister Stübgen hat am Montag die Kriminalitätsstatistik für Brandenburg vorgestellt. Die ist an vielen Stellen geprägt von der Corona-Krise.

Die Zahl der Straftaten in Brandenburg ist im Corona-Jahr 2020 auf einen historischen Tiefststand gesunken. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 162.941 Straftaten registriert, das waren knapp 9.000 Straftaten beziehungsweise 5,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Montag mitteilte. Stübgen präsentierte gemeinsam mit Polizeipräsident Oliver Stepien die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2020.

Demnach machen Diebstahlsdelikte weiterhin den größten Teil an der Gesamtkriminalität aus, der Anteil hat sich in den vergangenen Jahren jedoch erheblich um insgesamt sieben Prozentpunkte auf jetzt 33,7 Prozent reduziert. Im vergangenen Jahr wurden knapp 55.000 Diebstahlsdelikte in Brandenburg gezählt, das waren über 4.000 weniger als im Vorjahr. Besonders deutlich gesunken sind die Fälle von Fahrraddiebstahl. Auch Kraftfahrzeuge wurden deutlich seltener gestohlen, hier liegt der Rückgang bei elf Prozent auf knapp 1.800 Fälle.

Besorgniserregend war im vergangenen Jahr die Entwicklung bei häuslicher Gewalt: In diesem Bereich wurden insgesamt 5.235 Straftaten registriert. Das entspricht einem Anstieg um knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von den ermittelten 4.275 Tatverdächtigen waren knapp 76 Prozent männlich. Wie in den vergangenen Jahren auch waren weibliche Opfer am häufigsten von häuslicher Gewalt betroffen (70,9 Prozent).

Auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind im vergangenen Jahr - wenn auch nur leicht - gestiegen (um 1,2 Prozent auf 2.152 Fälle). Den größten Anteil machten dabei Delikte des Verbreitens pornografischer Schriften sowie sexuelle Belästigung. Dagegen sind die Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern um 10,5 Prozent auf 511 Fälle zurückgegangen.

Im Bereich der Drogenkriminalität verzeichnet die Brandenburger Polizei einen leichten Rückgang. Im Jahr 2020 wurden 9.462 solcher Fälle erfasst, das waren 183 Fälle weniger als im Vorjahr. Vor allem der unerlaubte Handel und Schmuggel mit und von Rauschgiften sank spürbar (minus 11,9 Prozent) bestimmt.

Die erfassten Fälle von Gewaltkriminalität sind um 6,7 Prozent auf 4.693 Fälle zurückgegangen. In diesen Bereich fallen unter anderem Delikte wie gefährliche und schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, Mord und Totschlag.

Leicht zurückgegangen ist die Gewalt gegen Polizeibedienstete. Im vergangenen Jahr wurden 1.158 Fälle registriert. Das ist ein Rückgang von 98 Fällen. Dabei wurden 2.085 Polizistinnen und Polizisten als Opfer gezählt, 71 weniger als im Vorjahr. Widerstandsdelikte gegen Polizeivollzugsbeamte machen den Hauptanteil der Fälle aus. Etwa die Hälfte der Tatverdächtigen stand dabei unter Alkoholeinfluss.

Die Grenzkriminalität zu Polen ist gegenüber dem Vorjahr nur leicht gesunken. Im Jahr 2020 wurden 0,2 Prozent weniger Straftaten registriert. Die Aufklärungsquote betrug 59,3 Prozent.

Die Aufklärungsquote der insgesamt erfassten knapp 163.000 Straftaten in Brandenburg ist leicht auf 56,4 Prozent gestiegen. Ermittelt wurden im vergangenen Jahr knapp 64.000 Tatverdächtige, das entspricht einem Rückgang von 2,4 Prozent.

Stübgen: Corona sich auf die Kriminalstatistik ausgewirkt

Innenminister Stübgen betonte bei der Vorlage der Kriminalitätsstatistik, der siebte Rückgang in Folge sei zwar erfreulich. Dies sei aber nur die eine Seite der Medaille: "Die andere zeigt ein drastisches Bild: Die häusliche Gewalt ist im Pandemie-Jahr extrem gestiegen. Knapp 20 Prozent mehr Fälle mussten registriert werden. Menschen blieben häufiger zu Hause, Existenzängste machten sich breit, der Zugang zu Hilfsangeboten war erschwert. Das sind erste Erklärungsansätze, rechtfertigen aber keine Taten. Sie zeigen vielmehr, dass Corona sich auch auf die Kriminalstatistik ausgewirkt hat", sagte Stübgen.

Durch die Pandemie hätten sich Tatgelegenheiten verändert. Diebstahl- und Betrugsdelikte seien gesunken, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Sachbeschädigung hingegen gestiegen.

Polizeipräsident Stepien sprach von einer "Mischung aus Licht und Schatten". Die Corona-Pandemie habe das Kriminalitätsgeschehen in Brandenburg beeinflusst. “Seit Beginn des Jahrtausends haben wir nie weniger Straftaten festgestellt als im letzten Jahr. Beispielsweise ereigneten sich so wenig Diebstähle wie seit 20 Jahren nicht mehr und wurde weniger in Häuser und Wohnungen eingebrochen. Fälle häuslicher Gewalt hingegen haben drastisch zugenommen. Nicht hinnehmbar ist das anhaltend hohe Niveau von Fällen der Gewalt gegen Polizeibeamte. Hier gilt es diejenigen bestmöglich zu sichern, die tagtäglich für Schutz sorgen", so Stepien.

Sendung: Brandenburg aktuell, 08.03.2021, 19:30 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Na denn fröhlichen Frauentag. Demonstrieren werden Frauen heute wohl nicht. Obwohl sie sehr viel Grund dazu hätten.

  2. 2.

    Achso, ‚nicht hinnehmbar ist das hohe Niveau der Gewalt gegen Polizeibeamte‘, aber die 20% mehr häusliche Gewalt sind es? Kollateralschaden, wahrscheinlich. Traurig!

  3. 1.

    Na das ist ja ein Ding. Traurig, aber erwartet. Na klar weniger Diebstahl,die Menschen sind ja alle zu Hause. Welcher Einbrecher geht da schon ein solches Risiko ein.

    Die meisten Paare sind es einfach nicht gewohnt, ein ganzen Tag zusammen zu hocken. Ich möchte nicht die Statistik der Ehescheidungen sehen.

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