Ein vertrockneter Straßenbaum mit ebenfalls vertrockneten Misteln steht in einem Neubaugebiet in Lichtenberg. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

BUND fordert mehr Mittel für Pflege - Berlin verliert jährlich rund 1.000 Straßenbäume

Der Baum hat es schwer in Berlin, ganz besonders der Straßenbaum. Die Baumbilanz des BUND weist genau auf, dass die Stadt seit Jahren und anhaltend Straßenbäume einbüßt ohne sie zu ersetzen. Und die Experten warnen: Die Stadt braucht die Bäume für ihr Klima.

Berlin verliert weiterhin Straßenbäume. Dem aktuellen Waldzustandsbericht des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) zufolge hat sich die Zahl der Bäume in der Stadt zwischen den Jahren 2012 und 2019 von rund 440.000 auf rund 431.100 Bäume verringert. Das sei ein Verlust von durchschnittlich 1.108 Bäumen pro Jahr, heißt es in dem aktuellen Report.

Der BUND warnt vor einer Fortsetzung dieses Trends, dass also weitere Straßenbäume in Berlin verloren gehen. Dabei gelte es vor allem, auch alte Bestände zu erhalten, da sie wichtig für das Stadtklima sind.

Bäume mit neuer Aufgabe in der Stadt: Klimaschutz

"Wir haben keine Zeit. Die Stadt heizt sich immer mehr auf und die Klimakrise kommt in großen Schritten auf uns zu", sagte Baumschutzreferent Christian Hönig am Dienstag bei der Präsentation des aktuellen BUND-Baumreports. Junge Bäume, die jetzt gepflanzt werden, würden erst in 30 oder 40 Jahren in ihre Aufgabe zur Verbesserung des Stadtklimas hineinwachsen, so Hönig.

Vor allem die Klimaschutzfunktion der Stadtbäume hat laut dem Report in den vergangenen Jahren stark zugenommen. So könne es bei starker Hitze im Schatten eines Baumes bis zu zehn Grad Celsius kühler sein. Der von Straßenbäumen gespendete Schatten verhindere, dass sich Häuser und Straßen stark aufheizten und begünstige die Abkühlung in der Nacht.

Mehr Ersatzpflanzungen, mehr Platz für Bäume, mehr Pflege

2017 hatte das Sturmtief Xavier sehr viele Bäume in der Stadt geschädigt. Im Folgejahr seien dann zwei Drittel mehr Bäume als in anderen Jahren gefällt worden, so Hönig. Aber auch die anhaltende Trockenheit seit 2018 habe verheerende Auswirkungen. In jedem der Trockenjahre wurde laut Hönig etwa ein Drittel mehr Straßenbäume gefällt als in den Vorjahren.

Nicht jeder gefällte Baum werde ausgeglichen, so der Umweltschützer und rechnet vor: "Jeder neu gepflanzte Baum muss im Schnitt 2,4 gefällte Bäume auffangen." Erschwerend komme hinzu, dass Jungbäume oft Schwierigkeiten beim Anwachsen hätten. "Um den Bäumen einen guten Start ins Jahr zu geben, muss ein Frühjahrsdienst eingerichtet werden, bei dem die Bäume zum Laubaustrieb gewässert und gedüngt werden", so Hönig. Außerdem müsse das Umfeld der Bäume am schwierigen Standort Straße verbessert und
den Wurzeln durch Entsiegelung mehr Raum gegeben werden. Hönig forderte zudem, dass das Land Berlin dauerhaft mehr Geld in die Baumpflege investiert.

Berlins häufigste Bäume: Linde, Ahorn, Eiche

Die Umweltverwaltung hatte zuletzt das Geld für die Baumpflege in Berlin deutlich erhöht. In diesem Jahr stehen den Bezirken 14,8 Millionen Euro mehr und damit insgesamt rund 37,5 Millionen Euro zur Verfügung. "Damit wird erreicht, dass pro Baum und Jahr - statt
bislang durchschnittlich rund 50 Euro - jetzt etwa 82 Euro eingesetzt werden können", teilte die Verwaltung Ende Januar mit.

Die häufigsten Berliner Straßenbaumarten sind Linden (36 Prozent), Ahornarten mit 20 Prozent. Eichen sind mit neun Prozent die dritthäufigste Gattung.

Sendung: Radioeins, 2. 3. 2021, 16 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Nahe meiner Wohnung wurden wurden im letzten Jahr um die 20 Bäume gefällt um einen Parkplatz zu bauen. Weitere kranke Bäume wurden gefällt und nicht ersetzt, aber amüsanterweise standen recht schnell Autos dort weil der Parkplatz nebenan voll war. Zwei weitere alte Bäume in der Nähe werden in der nächsten Jahren wahrscheinlich auch gefällt, weil die Trockenheit ihnen zusetzt.
    Ohnehin werden die flachwurzelnden Bäume in Zukunft wenig Überlebenschancen haben wegen der Trockenheit. Ein klimasicheres Bewässerungsystem ist aufwändig und teuer. Tiefwurzler kann man nicht überall pflanzen. Flachwurzler sind unter anderem Linde, Ahornarten und Kastanie. Sinnvoll Bäume pflanzen wird so unglaublich schwer und das Geschrei darüber umso lauter.

  2. 18.

    Wir brauchen die Strassenbäume besonders in den kommenden immer heißer werdenden Sommer. Strassen ohne Bäume werden die Hölle sein. Auch die anliegenden Häuser und Wohnungen werden davon profitieren. Leider sind auf den Baumscheiben parkende Autofahrer auch ein Teil des Problems. Da nützt dann auch Pflege und Giessen nicht mehr so viel.

  3. 17.

    Das Entscheidende in diesem Bericht ist: Es stehen in Berlin pro Baum 82 Euro zur Verfügung. Seit RRG. Vorher: 50 Euro
    Kann sich jeder Kleingärtner vorstellen: Für 82 Euro machst du an dem Baum nichts, was du von einem Fachmann kaufen musst. Das bedeutet: Wer immer über die Bäume redet muss wissen - das ist sehr teuer. Also müssen wir alle mehr Steuern zahlen und gleichzeitig über die Wahlen steuern, wie die eingesetzt werden. So ist es nun Mal.
    Andererseits kann man was durch organisiertes, verlässliches, kundiges Ehrenamt tun.
    In dem Wissen: Verlangt man es vom Staat, muss man sich selbst verpflichten mehr Steuern zu bezahlen, damit es der Staat für einen organisiert.

  4. 16.

    Lieber auf einen Fleck mehrere Bäume pflanzen als ständig an der Straße, kein Land stellt Bäume an die Straße die dann ständig Grünschnitt brauchen.

  5. 15.

    Ja stimmt. Aber ob Radweg oder nicht, sollte bei jeder Baumfällung an anderer Stelle ein neuer Baum gepflanzt werden.

  6. 14.

    Ja stimmt. Aber ob Radweg oder nicht, sollte bei jeder Baumfällung an anderer Stelle ein neuer Baum gepflanzt werden.

  7. 13.

    Eine gute Sache ist die Stadtbaumkampagne in Berlin. Für "nur" 500 Euro gibt es einen neuen Baum und der Standort kann ausgesucht werden, Da ein neuer Baum normalerweise rund 2000 Euro inkl. Anpflanzung kostet, gibt der Senat den Rest dazu. Wir haben uns in unserer Straße zusammengetan und im November 2019 einen Ahorn pflanzen lassen. Pflege und Bewässerung übernimmt der Senat und eine Garantie für 4 Jahre gibt es auch. Sollte der Baum in dieser Zeit eingehen, gibt es einen neuen. Natürlich kann man sich auch mit weniger als 500 Euro beteiligen, kann aber dann nicht über den Standort bestimmen. https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/stadtgruen/stadtbaeume/kampagne/start.shtml

  8. 12.

    Bei uns in der Straße sind auch ausnahmslos alle Bäume den Radwegen zum Opfer gefallen. Yeah, wir haben Radwege, wer braucht schon Bäume...

  9. 10.

    Neupflanzung bedeutet ja nicht, das die an der Stelle des gefällten Baumes gepflanzt werden. So kann es schon sein, das einige Gegend immer baumloser werden, andere vielleicht grüner. Man sollte mal über eine Pflanzaktion auf dem kahlen Tempelhofer Feld nachdenken. Sieht immer noch so aus, wie ein alter kahler Flughafen. Aber da hat ja unsere Grüne Spezies was dagegen. Nur kein Grün und alles so lassen wie bisher. Unverständlich.

  10. 9.

    Das ist ja so gewollt von den Grünen. In der Leipziger Straße gibt es so gut wie keinen Baum, keine Ampelschaltung dem Verkehr angepasst und alle von den Grünen schreien das die Feinstaubwerte und der CO2 Wert zu hoch ist, kein Wunder wenn dort kein Baum steht um die Schadstoffe aufzunehmen. Das ist Grüne Prollpolitik, statt Bäume zu pflanzen werden gegen alle andere geschimpft und gehetzt.

  11. 8.

    Wo is denn da die grüne Partei?Statt sich um Bäume zu kümmern, machen Sie sich Gedanken um ein Haus was vol ist mit.....,eine Umweltpolitik wie im Märchenbuch.

  12. 7.

    Ein gutes Beispiel, das Schaffen (in diesem Fall pflanzen) nichts für bestimmte linksgrüne Ideologen ist. Am Ende kann man eine Leistung messen: gepflanzte Bäume, km Radweg gebaut (nicht ausgewiesen) usw. Ja sogar die Verlangsamung der Erderwärmung ist messbar...wenn die richtigen Maßnahmen "greifen".

  13. 6.

    Klar: Wir haben ja jetzt "Klimanotstand". Kann ja nun wirklich niemand behaupten, dass solche Aktionen reine Luftnummern sind, damit das Publikum was zum Staunen hat und sich freut, dass unsere "Politiker*innen" etwas tun. Und derweil schert man sich um Straßenbäume einen Dreck, will das Tempelhofer Feld bebauen und natürlich eine U-Bahn durch Spandau. (Mal nachschauen, wie klimaschädlich Tunnelbau ist? Nein? So eine Überraschung.)

    P.S.: Die Zahl von 1100 verlorenen Bäumen pro Jahr erscheint mir übrigens sehr niedrig gegriffen. Allein in meiner näheren Umgebung kann ich problemlos über hundert Bäume aufzählen, die in den letzten Jahren gefällt wurden. Fast immer ersatzlos.

  14. 5.

    @rbb: Wissen Sie vielleicht, warum die Bäume in der Stralauer Allee und die vielen auf den beiden Freiflächen in der Modersohnstraße gefällt wurden? Es sieht in der Ecke jetzt aus, als ob jemand mit einem Rasierapparat rübergegangen ist. Furchtbar! ;-(

  15. 4.

    Stimmt, da war ja was... die armen Plantanen.
    Naja, die Gelder für etliche Radwege zu verheizen, obwohl dort schon ein Radweg neben dem Fußgängerweg vorhanden ist, ist natürlich wichtiger. Oder den völlig stumpfsinnigen Ausbau der Straßenbahnen, die ja so flexibel sind, wenn es auf der Strecke mal zu einem Unfall kommt, der Bus kann umgeleitet werden, die Straßenbahn nicht wirklich. es werden Gelder überall verprasst, aber auf keinen Fall den Baumbestand pflegen, ist ja nur unsere Sauerstoffproduktion...und das unter einer vermeintlich "GRÜNEN" Regierung- das ist absolut peinlich.

  16. 3.

    Ist traurig mit den Bäumen. Sauerei, dass nicht genügend gepflanzt wird. Ich bin kein Baumexperte, aber ich habe seit Jahren den Eindruck, dass viele Bäume gar nicht gefällt werden müssten. Bei mir in der Gegend höre ich mittlerweile fast täglich irgendwo eine Kättensäge. Als ich vor 12 Jahren in meine Wohnung gezogen bin, musste ich im Sommer nie die Rollos runterlassen. Allenfalls mal am späten Nachmittag für eine Stunde. Jetzt knallt die Sonne immer mehr in die Wohnung, weil auch vor meinen Fenstern immer mehr abgeholzt wird. Ätzend!

  17. 2.

    Es wird Zeit für Neubauten, egal ob Büro oder Wohnung, intensive Dachbegrünung zur Pflicht zu machen. Neben dem besseren Stadtklima sinkt auch nachweislich die Temperatur für die Leute in den oberen Stockwerken massiv und Regenwasser wird zurückgehalten.

    Auch begrünte Fassaden sollten intensiver erforscht bzw. gefördert werden.

  18. 1.

    Also ich habe das Gefühl, dass ständig und überall Bäume abgeholzt werden. Und dann stehen diese Stammstücke da rum und verfaulen, Pilze siedeln sich an ...
    Was ist eigentlich mit den Platanen an der Urania? Die das Stück Schrott verdeckten und gefällt werden sollten?

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