Symbolbild: Radfahrer*innen mit Helm (Quelle: dpa/Lukas Görlach)
Video: Super.Markt | 15.03.2021 | Janna Falkenstein | Bild: dpa/Lukas Görlach

Radverkehr in Berlin - Worauf man beim Kauf eines Fahrradhelms achten sollte

Mehr und mehr Menschen steigen aufs Fahrrad. Das Tragen eines Helms ist in Deutschland zwar nicht Pflicht, aber Experten raten dazu, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Fünf Tipps worauf man beim Kauf eines Fahrradhelms achten sollte.

Der Radverkehr hat in Berlin 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent zugenommen. Im gleichen Zeitraum wurden laut der Unfallstatistik der Polizei Berlin 7.868 Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung in der Hauptstadt registriert. Unzählige Radler erlitten dabei schwere Kopfverletzungen. Abhilfe kann in vielen Fällen ein Fahrradhelm schaffen. In Deutschland besteht keine Pflicht zum Tragen eines Fahrradhelms. Von daher muss jeder für sich entscheiden, ob er zum Helm greifen möchte. Aber worauf sollte beim Kauf geachtet werden?

Heiner Sothmann von der Deutschen Verkehrswacht in Berlin, rät beim Kauf eines Fahrradhelms zuallererst auf das Prüfzeichen zu achten. Die Prüfnummer ist die EN 1078, sie steht dafür, dass ein Sturztest mit dem Helm gemacht wurde und er dementsprechend sicher ist. "§Viele Helme haben darüber hinaus auch andere Prüfzeichen, zum Beispiel vom TÜV oder auch Geprüfte Sicherheit", so Sothmann, aber das Prüfzeichen ist unerlässlich.

Auf den Sitz kommt es an

Als zweites sollte bedingt auf den richtigen Sitz geachtet werden, denn dieser ist ebenfalls sicherheitsrelevant. Fahrradfahrer können den richtigen Sitz selber überprüfen: Der Helm sollte die Stirn etwa zwei Finger breit über den Augenbrauen bedecken und außerdem waagerecht sitzen. Darüber hinaus sollte er überall gut anliegen, nicht verrutschen - aber auch nicht zu eng sein.

Viele Fahrradhelme sind, um den passenden Sitz zu erhalten, einstellbar. Hinten am Helm befindet sich zum Beispiel eine Art Rädchen, mit dem man ihn enger ziehen kann. Diese Funktion sollte beim Kauf eines Fahrradhelms unbedingt beachtet werden. "Hat der Helm keine Einstellungsfunktionen ist das tatsächlich ein Manko", erläutert Sothmann. Denn Helme werden - im Gegensatz etwa zu Schuhen - nicht in vielen unterschiedlichen, kleinschrittigen Größen hergestellt. Stattdessen gibt es meist drei oder vier Modelle und mittels des Rades lassen sich diese eben einstellen.

Auf das Prüfsiegel kommt es an

Konstantin Henschen ist Fahrradcoach in Berlin. Er rät zusätzlich dazu, auf jeden Fall einen aerodynamisch geformten Fahrradhelm zu kaufen. "Man braucht kein klobiges Ding. Minimalistisch leicht sollte er sein, damit man ihn lange tragen kann", so der Vielfahrer.

Der Preis spielt beim Fahrradhelm keine Rolle, so bestätigt auch Sothmann: "So lange Prüfzeichen und Prüfsiegel wie 'Geprüfte Sicherheit' auch wirklich da sind, ist der Preis irrelevant."

Zuletzt weist der Sicherheitsexperte noch darauf hin, dass Fahrradhelme alle vier bis fünf Jahre ausgetauscht werden sollten - die Materialien werden mit der Zeit porös. Deshalb lieber auch keine gebrauchten Helme kaufen.

Varianten als Airbag oder faltbar

Wer jetzt in einen Fahrradladen geht, findet natürlich dutzende Helm-Modelle, und teilweise auch besondere Extras - oder ganz neue Arten von Helm. Den Hövding etwa, eine Art Airbag, welcher als Kragen um den Hals getragen wird und sich im Falle eines Unfalls zum Schutz des Kopfes innerhalb einer Zehntelsekunde aufbläst. Eine Studie der Stanford University zeigte 2016, dass der Hövding das Risiko einer Gehirnerschütterung im Vergleich zu herkömmlichen Helmen um das Achtfache reduziert. Allerdings sei dafür, so die Studie, der Luftdruck im Helm entscheidend. Wenn er sich nur teilweise aufbläst, könnte der Hövding weniger Schutz bieten als ein herkömmlicher Helm. Auch der hohe Preis, Tragekomfort und der Fakt, dass der Hövding immer wieder aufgeladen werden muss, sorgen regelmäßig für Kritik.

Daneben gibt es auch faltbare Fahrradhelme - nach Gebrauch einfach zusammenstecken und ab in den Rucksack. Sie sind ab etwa 100 Euro zu haben. Für Sothmann eine Alternative, für alle, die eben nicht nur mit dem Rad unterwegs sind: "Wenn das ein Kaufargument sein sollte, gerne auch zu solchen Helmen greifen."

Smarte Helme sollen Radverkehr sicherer machen

Auch smarte Helme gibt es schon. Etwa Fahrradhelme, die blinken können und eine Freisprecheinrichtung eingebaut haben. Auch Helme mit Sturzsensoren, die bei Unfällen direkt Hilfe rufen, sollen den Radverkehr sicherer machen.

Für Sothmann sind nicht alle Extras überzeugend, von der Blinkfunktion hält er zum Beispiel wenig: "Die Fahrtrichtungsanzeige muss rechtzeitig und eindeutig erfolgen. Und gerade bei der Eindeutigkeit sehe ich große Probleme. Andere Verkehrsteilnehmende wissen das einfach nicht, sie achten darauf nicht, es ist nicht normal, dass der Helm blinkt und dann den anderen mitteilt, wo ich langfahre. Im Dunkeln sieht man es noch ganz gut, im Hellen sieht man es halt nicht." Und dann kann es eben doch zu Unfällen kommen - obwohl man sich sicher aufgerüstet wähnt.

Trotzdem: Ein Helm bewirkt nachweislich, dass Verletzungen, die von Verkehrsunfällen herrühren, deutlich weniger gravierend ausfallen, erläutert Prof. Dr. Michael Raschke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. "Der Kopf an sich ist natürlich das Wertvollste, das ist unsere Zentrale – die muss besonders geschützt sein", sagt Raschke. Gleichzeitig zeigt er einen Helm, der gebrochen ist. Genau damit habe er dem Radfahrer, der ihn getragen hat, aber einen guten Dienst erwiesen: "Der Helm ist gebrochen, aber glücklicherweise hat der Patient nur eine ganz kleine Gehirnerschütterung davongetragen."

Welcher Helm also am Ende auf dem Kopf des Radlers landet, ist nicht ganz so wichtig. Wichtig ist, dass er überhaupt einen trägt.

Sendung: Super.Markt, 15.03.2021, 20:15 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Es gibt gute Fachzeitschriften wo Helme immer wieder getestet werden. Dort kann man sich 3 Modelle aussuchen und dann im Fachhandel probieren welcher am besten sitzt. Die heutigen Helme wiegen kaum etwas und schon nach kurzer Zeit spürt man ihn nicht mehr.....aber er kann eure Gesundheit vor Schaden bewahren.

  2. 5.

    "Grundsätzlich sollte man als 1. die Verkehrsregeln beherrschen, dann kann man über Fahrrad und Helm nachdenken. "

    Grundsätzlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Wobei es natürlich grundsätzlich richtig ist, sich mit den Verkehrsregeln auseinanderzusetzen. Gilt übrigens grundsätzlich auch für Fußgänger.

  3. 4.

    Grundsätzlich sollte man als 1. die Verkehrsregeln beherrschen, dann kann man über Fahrrad und Helm nachdenken. Gilt übrigens auch für Auto und Motorradfahrer.

  4. 3.

    Wenn man nicht schon ein favorisiertes Modell hat empfehle ich in ein Fachgeschäft zu gehen und sich beraten zu lassen. Bei Helmen ist es wie bei Schuhen, anprobieren vor dem Kauf hilft enorm.

  5. 1.

    Lieber rbb,

    lesen Sie Ihre Artikel eigentlich mal, bevor Sie sie veröffentlichen?

    "Eine Helmpflicht ist in Deutschland zwar nicht Pflicht, " Also entweder "Ein Helmpflicht gibt es in D zwar nicht" oder "Ein Helm ist in D zwar nicht Pflicht" ... von Journalisten sollte man eigentlich ein besseres Deutsch erwarten können ...

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