Berlin aus der Luft - ein Perspektivwechsel. (Quelle: privat/J.Siems)
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Hobbyflieger über Tegel - Neue Freiheit für die einen, Fluglärm für die anderen

Seitdem der Flughafen Tegel für kommerzielle Flüge geschlossen ist, kreisen immer mehr Hobbypiloten in ihren Privatfliegern über der Hauptstadt - und vor allem über dem ehemaligen Flughafen. Zum Ärger vieler Anwohner. Von Raphael Knop

Seit der Schließung des Flughafens Tegel Anfang November 2020 erobern Privatflugzeuge den Himmel über dem Westen Berlins.

"Das nervt richtig", sagt Anwohner Reinhardt. Er wohnt im 14. Stock im Bottroper Weg in Tegel. Er nennt die Cessnas und Motorsegler nur noch "dieses Geräusch". Es sei nerviger als die großen Maschinen. Die habe er kaum gehört, weil er seitlich vom Flughafen wohne. Doch die "kleinen Dinger kommen kaum von der Stelle", beschwert er sich. Dabei sei er nicht empfindlich, sondern extra wegen der großen Flugzeuge vor ein paar Jahren nach Tegel gezogen.

Der Flughafen Tegel ist jetzt für Hobbyfliegerinnen und -flieger offen. (Quelle: privat/J.Siems)
Der Flughafen Tegel ist jetzt für Hobbyfliegerinnen und -flieger offen.Bild: privat/J.Siems

Neuer Himmel über Berlin

Vor allem an schönen, sonnigen und klaren Tagen sieht und hört man im Westen Berlins tatsächlich viele kleine Flieger. Nach der Tegel-Schließung am 8. November hat die Flugsicherung den Luftraum für Hobbypilotinnen geöffnet. Vorher war es strikt verboten, in den kontrollierten Luftraum einzudringen. "Lange Zeit war praktisch der komplette Luftraum über Berlin Kontrollzone. Im Norden war ein Drittel die Kontrollzone um Tegel, die restlichen zwei Drittel waren im Süden die Kontrollzone um Schönefeld", erklärt Stefan Jaekel von der Deutschen Flugsicherung.

Bereits vor der Schließung sei auf den neuen Flugverkehr hingewiesen worden. "Das ist keine Berliner Besonderheit, das wird auch über einigen anderen deutschen Großstädten so gehandhabt", sagt Jäkel. Wie viele Flieger jetzt täglich über Berlin ihre Runden drehen, sei nicht ganz klar. Denn jeder mit Fluglizenz könne jetzt in den Flieger steigen und einfach losfliegen.

Jannes Siems im Cockpit seiner Maschine. (Quelle: privat/J.Siems)
Jannes Siems im Cockpit seiner Maschine.Bild: privat/J.Siems

"Jeder kann jederzeit die Hauptstadt überfliegen"

Die neue Freiheit hat bereits auch Jannes Siems für sich entdeckt. Der Steglitzer ist Verkehrspilot bei einer großen deutschen Fluggesellschaft, aber auch Fluglehrer und Vorsitzender des Flugtechnischen Vereins (FTV) Spandau. "Für einen meiner Flugschüler war es ein Kindheitstraum, einmal über seinen Geburtsort Tegel zu fliegen", erzählt er, "der Traum ging vor kurzem in Erfüllung".

Durch den freigegebenen Luftraum könne jetzt jeder zu jederzeit die Hauptstadt überfliegen. Besonders beliebt sei die Route über den Teltow-Kanal, die Avus, den Funkturm, das Olympiastadion und eben den Flughafen Tegel.

Wenige kontrollierte Lufträume

Derzeit gibt es neben dem BER im Osten nur noch zwei Lufträume, die kontrolliert sind und einen Überflug verbieten. Im Südwesten das Gebiet in Wannsee über dem Reaktor des Helmholtz-Forschungszentrums. "Die sogenannte ED-R 4 um den Forschungsreaktor herum bis an die A115 heran. Dort ist es, mit wenigen Ausnahmen, strikt verboten, hineinzufliegen", beschreibt Stefan Jaekel von der Deutschen Flugsicherung den kontrollierten Luftraum. Bis voraussichtlich 2023 soll der Reaktor allerdings zurückgebaut sein. Dann wäre auch dort ein Überflug möglich.

Anders sieht es in Mitte aus. Dort gilt das Regierungsviertel als Flug-Tabu-Zone. Ein Eindringen ist eine Straftat. Zudem ist ein Besuch von Kampffliegern der Luftwaffe möglich.

"Ich fliege daher immer nur bis zur Stadtautobahn, das ist eine gute Grenze und aus der Luft gut zu sehen", sagt der leidenschaftliche Pilot Siems. Mit 14 Jahren habe er bereits seine Fluglizenz gemacht. Seine Flugstunden habe er aufgehört zu zählen. Seit sieben Jahren fliegt er beruflich für eine große deutsche Airline – privat eher kleine Motor- oder Segelflieger. Und obwohl er Tegel und den Flughafen TXL bereits in- und auswendig kennt, ist der Überflug in einer kleinen Motormaschine "etwas ganz Besonderes". 300 Meter dürften aber nicht unterschritten werden. Das sei die Mindestflughöhe.

Jannes Siems über den Wolken. (Quelle: privat/J.Siems)Jannes Siems über den Wolken.

Des einen Freud, des anderen Leid

Anwohner Reinhardt aus Tegel könnte gut und gerne auf den neuen Fluglärm und die Lust der Hobbypiloten auf neue Routen verzichten. "Ich bin mal auf den Sommer gespannt. Ich ahne Schlimmes", prognostiziert er und schaut in den Himmel.

Auch Pilot Jannes Siems geht von vielen Fliegern in diesem Sommer aus. "Es ist eben das erste Jahr im neuen Luftraum. Viele haben darauf gewartet", sagt er und fügt hinzu: "In den kommenden Jahren wird es dann bestimmt wieder leiser werden." Dennoch habe er Verständnis für die Anwohnerinnen und Anwohner und schlägt vor: "Wen der Lärm zu sehr stört, dem kann ich nur raten, einmal selber als Gast über seinen Wohnort zu fliegen."

In Tegel landen nur noch Hobbypilotinnen und -piloten. (Quelle: privat/J.Siems)In Tegel landen seit November 2020 keine kommerziellen Flugzeuge mehr.

Sendung: rbb88.8, 20.03.2021, 6 Uhr

Beitrag von Raphael Knop

68 Kommentare

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  1. 68.

    Mir sind brummende Sportflugzeuge am berliner Himmel ,die mich nicht am vorankommen auf der Straße hindern,tausendmal lieber als massenhafte Demos auf Berliner Straßen,die den Verkehr behindern und sogar zu Umleitungen von Buslinien führen. Die eigene Freiheit problemlos und zügig von A nach B zu kommen,wird nämlich auch behindert,selbst wenn man die BVG benutzt. Soviel also zu Ihren Hinweis ,dass die eigene Freiheit dort endet,wo die Freiheit des anderen beginnt.

  2. 67.

    In der Pandemie wird noch mehr gemeckert als sonst und im Lockdown haben ja die Leute auch viel mehr Zeit dafür.
    ABER:"Das eigene Leben wird nicht besser, wenn man es anderen schwerer macht."
    Diese Erkenntnis müsste sich nur noch durchsetzen und dann klappt es vllt mit leben & leben lassen.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  3. 66.

    Wie immer, jammert der deutsche Michel auf höchstem Niveau. Lärm war, wenn eine DC 9 in Neukölln zwecks Landeanflug auf Tempelhof über die Dächer der Hermannstr. geballert ist, und Oma ist im 4. Stock nach dem Porzellan gesprungen.

  4. 65.

    Hat denn keiner eine FLAK irgendwo im Schuppen zu stehen? Damit könnte das Problem schnell gelöst werden.
    Spaß beiseite, bei uns im Ort gibt's auch Hobbyflieger, welche sich auf dem ehemaligen sowj. Flugplatz eingenistet haben und ja, es nervt dieses geknatter am Himmel bei Schönwetter zu hören, wenn man auf der Terrasse sitzt und einfach nur Natur und seine Ruhe genießen will.

  5. 64.

    Also eigentlich gehts ja hier um den Luftraum ÜBER BERLIN aber auch für alle,die darüber hinaus ein
    Problem mit brummenden Kleinflugzeugen von HOBBYfliegern haben
    hier ein Link mit Infos und Ansprechpartnern:
    https://www.berlin.de/umwelt/themen/laerm/artikel.255953.php
    Lärm durch Flugverkehr
    Allgemeine Luftfahrt (General Aviation)
    Allgemeine Luftfahrt ist die Bezeichnung für die zivile Luftfahrt mit Ausnahme des Linien- und Charterverkehrs, umfasst also zum Beispiel Leicht-, und/oder Privatflugzeuge sowie Rettungshubschrauber.
    Als zuständige Genehmigungsbehörde für den Raum Berlin Brandenburg erteilt die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) Auskunft.
    Zu bestimmten Fällen, etwa zu Grundsatzfragen, sind auch die beiden Obersten Luftfahrtbehörden Ansprechpartner (siehe unten “Ansprechpersonen Landesverwaltung”)
    ......siehe weitere Infos auf der Seite

  6. 63.

    "Hm, wenn alles so tip-top ist, wo kommt dann der Lärm her?"
    Das Geräusch wird, physikalisch bedingt, hauptsächlich von dem Ventilator, äh Propeller, am Bug erzeugt. Leise ist der nur, wenn der Motor aus ist ... ist beim Hubschrauber genauso obwohl der den Quirl oben hat. Gibt natürlich auch Flugzeuge, die haben den Propeller am Heck aber das gleiche Problem.
    Klingt komisch, is' aber so.

  7. 62.

    Hm, wenn alles so tip-top ist, wo kommt dann der Lärm her? Von oben breitet sich der Schall überall hin aus. Und welche Hobbypiloten haben sich um diese Emissionen schon mal Gedanken gemacht oder sich überlegt, wie man ihn reduzieren könnte?

  8. 61.

    "Das Problem ist in dem Beitrag angesprochen: der Lärm der Schalldämpfer losen Flugzeuge ist PERMANENT."
    Flugzeuge ohne Schalldämpfer werden im Bericht nicht angesprochen, sie sind der einzige, der diese Mär verbreitet und solche sind ausserdem nach deutschem und EU-Recht nicht zulassungsfähig.
    "Mit Auspufftechnik auf dem Stand der Technik von vor 100 Jahren."
    Das einzige was sie mit diesem Stand zugelassen bekommen, ist ein Oldtimer - und die sind rar.
    "Nein die kreisen STÄNDIG über der Stadt."
    Schauen sie mal in einen Tracker nach, z.B. in dem hier im Forum angesprochenen. Sie werden feststellen, das "ständig" jeglicher Grundlage entbehrt und ausschließlich ihrem "Forenempfinden" entspricht.

  9. 60.

    Nein, gezielter Einsatz von Großbuchstaben wo sie gebraucht werden, angemessene Emotionen, technisch bin ich auch richtig fit und wo bitte schön sage ich die Unwahrheit? Meine Ausführungen sind detailliert und zutreffend. Ich habe zu diesem Thema schon den Flugverein angeschrieben (die haben mich daraufhin eingeladen aber zum Thema keine Stellung bezogen). Auch die Flugaufsicht habe ich schon angeschrieben. Die fühlten sich nicht wirklich zuständig, solange die 300m eingehalten werden.

  10. 59.

    Ganz lieben Dank für den Link.
    Ist ja fast vor meiner Haustür.
    Hab schon mal gelesen,was mich dort alles erwartet. Super:-)
    Schönen Rest-Sonntag.
    LG Paula W.

  11. 58.

    Adsbexchange ist schon ganz ordentlich. Da können einige Online-Tracker nicht mithalten. Gerade jetzt wieder über Reinickendorf - zwei Unterschreitungen der Mindestflughöhe.
    Verdammte Falle - Rettungshubschrauber und das Abwerfen von Patienten ist verboten.

  12. 57.

    "Manöverkritik": Zuviel Großbuchstaben, zuviel Emotionen, zuviel techn. Unverständnis, zuviel Unwahrheiten.
    Aber liest sich nicht schlecht.

  13. 56.

    Naja, wenn man dem Piloten sagt, nicht über Berlin, dann macht der das auch nicht.
    Aber zum Fliegen ein kleiner Tipp: https://www.flugplatz-bienenfarm.de/

  14. 55.

    Die Überflughöhe von Wohnungen kann sich nach der Lautstärke des Motors richten. Wer diese nicht erreicht, muss eine andere Route wählen. Und Chancen für die FFF-Leute gibt es auch: die können leise Motoren entwickeln, wenn sie Zeit und Wissen dafür haben.

  15. 54.

    Ich kann nach vollziehen das es Spaß macht über Berlin zu fliegen. Aber das Vergnügen weniger bereitet sehr vielen Lärm, gerade am Wochenende. Ich fand den Ausflugshubschrauber schon immer unerträglich. Einmal die Woche am Sonntag ist die Stadt einigermaßen ruhig, dann kommt dieser Hubschrauber. So wurden schon Kinder Musikkonzerte gesprengt. Warum? Es wäre wunderbar dies nur auf den Samstag zu beschränken , bei der Vorstellung das es jetzt noch mehr Kleinflugzeuge werden.
    Vielleicht mehr an das Wohl aller denken. In der heutigen Zeit kaum noch Zuberantworten dies nicht zu tun.

  16. 53.


    Fragen Sie mal Lea Streisand, die fand das nicht so witzig. https://www.radioeins.de/themen/comedy/cast/lea_streisand.html
    Ihr Link funktioniert leider nicht- Seite nicht gefunden
    https//www.radioeins.de/error/404.html
    Ich war auch direkt auf der Seite von Radio eins bei Lea aber keinen Bezug direkten zu diesem Artikel gefunden,sorry.



  17. 52.

    Ruhestörung am Sonntag oder nachts ist ganz einfach verboten.

  18. 51.

    Für einen ironischen Kommentar gut gelungen.
    Aber nein. Nix Querdenker,nur normal denkender Mensch der sich auch draußen unter Einhaltung der Coronaregeln zum eigenen Schutz und dem Schutz anderer bewegt und sich auf ein Leben nach den Einschränkungen freut. Das Glas ist halbvoll!

  19. 50.

    Danke für den sehr guten Beitrag. Die Mindestflughöhe 300m über dem höchsten Hindernis innerhalb 600m wird in Berlin oft unterschritten, nachzuvollziehen über Adsbexchange und andere Tools. Teilweise wird in 700 Fuß Höhe über Reinickendorf geflogen, klar gesetzwidrig. Der Luftfahrtbehörde (LUBB) ist das leider egal.
    Nicht zuletzt ist die Bundesregierung seit 2015 aufgefordert, die Mindestflughöhe wieder auf 600m anzuheben. (3. Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, sich unverzüglich ... mit einer nationalen Regelung eine Mindestflughöhe von bis zu 600 Metern über Grund bei Überlandflügen nach Sichtflugregeln mit motorgetriebenen Luftfahrzeugen festzulegen.)

  20. 49.

    Trotz Pandemie noch Pläne und Träume haben, lol, auf gar keinen Fall, wie kommen sie bloß darauf, etwa ein Querdenker.
    Nein in einer Pandemie muss man alles Denken und fühlen einstellen und immer hübsch zu Hause bleiben.

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