Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhause (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Video: Abendschau | 21.04.2021 | Tom Garus | Bild: imago images/Jürgen Ritter

Kosten von 25 Millionen Euro - Umbau des früheren Stasi-Gefängnisses abgeschlossen

Mit Vollendung des zweiten Bauabschnitts ist die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen für insgesamt 25 Millionen Euro umgebaut und saniert worden. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat am Mittwoch über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen informiert.

Der von der Staatssicherheit der DDR als Untersuchungshaftanstalt genutzte Komplex sei ein "authentischer Ort der Aufarbeitung", wie es nur wenige in Deutschland für diese Zeit gebe, so Lederer. Hier seien Menschen inhaftiert worden, die psychisch gebrochen werden sollten, sagte der Linke-Politiker am Mittwoch in Berlin.

Nach Umbau und Sanierung verfügt die Gedenkstätte nun über einen Besucherbereich mit Café und Seminarräumen, die in früheren Garagen eingebaut wurden. Im Gefängnistrakt entstanden einige Medienräume, zudem musste für modernen Brandschutz in den alten Gebäuden gesorgt werden, der gleichzeitig nicht die historische Anmutung zerstören sollte.

Künftig keine Rucksäcke mehr erlaubt

Die Gedenkstätte besuchen nach Angaben ihres Direktors Helge Heidemeyer jährlich etwa eine halbe Million Menschen. Das nimmt historische Einrichtungen wie etwa Bodenbeläge oder Tapeten in den schmalen Gängen extrem in Anspruch. "Wir wollen viele Besucher haben, aber die hinterlassen auch ihre Spuren", sagte Heidemeyer, "diesen Zwiespalt muss man aushalten." Davon betroffen sind zwei Stockwerke mit Haftzellen und den damals so genannten Vernehmerzimmern.

Als Konsequenz kündigte Heidemeyer etwa an, künftig keine Rucksäcke mehr bei den Führungen zuzulassen. Für die historische Überlieferung bleibt eine Etage in Hohenschönhausen für Besucher verschlossen.

Stasi-Gedenkstätte derzeit geschlossen

Die neue Medienausstattung ist auch eine Konsequenz daraus, dass bei Führungen zunehmend Videos von Zeitzeugen eingesetzt werden sollen. Der 77-jährige Hans-Jochen Scheidler etwa war selbst in Hohenschönhausen inhaftiert, nachdem er ein Flugblatt mit Hilfe von Stempelkissen für Kinder gegen den sowjetischen Einmarsch in Prag hergestellt hatte. Seit Jahren engagiert er sich ehrenamtlich in Hohenschönhausen und führt Schulklassen und andere Gruppen. In den multimedialen Einsätzen sieht Scheidler "die einzige Chance, die Rolle von Zeitzeugen in der Zukunft fortzusetzen".

Die Gedenkstätte in der Genslerstraße ist seit dem 11. April wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Zuvor war sie drei Wochen lang geöffnet, Voraussetzung waren Terminbuchungen und negative Corona-Testergebnisse. Von dem Angebot hatten aber nur sehr wenige Menschen Gebrauch gemacht. Digitale Einblicke in das Innenleben des ehemaligen Stasi-Gefängnisses gibt es auf der Internetseite der Stiftung Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen [stiftung-hsh.de].

Sendung: Abendschau, 21.04.2021, 19:30 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Diente nicht auch das Konzentrationslager Sachsenhausen den Russen als Strafgefangenenlager?
    Warum also nicht auch das Stasi-Gefängnis, deren Belegschaft jederzeit wieder aktiviert werden kann, da die SED-Linken jeglichen Versuch der Aufarbeitung ihrer Stasi-Vergangenheit unterbindet, sabotiert, verhindert, wird das ein Leichtes sein.
    Und wie man mit Andersdenkenden und Abweichlern umgeht, steckt denen noch im Blut.

  2. 4.

    So viel Geld für die Stasi-Gedenkstätte auszugeben? Ein bisschen weniger und angemessener hätte auch gereicht, warum sich Herr Lederer dafür so im TV-Inszeniert? Aha Wahlkampfgetöse! Wie viele Wohnungen hätten dafür gebaut werden können! Wann ist die Linke bereit eine konzertierte Offensive für den Wohnungsbau zu organisieren?

  3. 3.

    ich finde es richtig das man erinneret, allerdings sollten die zeitzeugen auch die wahrheit reden.ich war vor 2 jahren dort zu einer führung , dr sogenannte zeitzeuge widersprach sich ständg nd auf einmal war er verschwunden und die gruppe stand alleine da , das ist nicht im sinne der erinnerung.

  4. 2.

    Ich finde es spannend, dass das U-Gefängnis im Prinzip noch intakt ist und seinem Zweck dienen kann, wenn man will.

    Auch spannend, dass der Bund alles Mögliche an Tafelsilber verscheuert, nicht aber die Immobilien, Wohnungen, die an das U-Gefängnis grenzen.

    Ich hätte das Gefängnis abreißen lassen, statt es zu pflegen und für einen etwaigen Folgebetrieb instand zu halten.

    Die DDR war ein typisch deutscher Staat mit sozialistischem Bildchen drüber. Die BRD ist ein typisch deutscher Staat, der zunehmend labil wird.

    Das wäre die wichtigste Message für die Besucher; Stasi ist immer und überall

  5. 1.

    So mag es wohl sein: Wichtiger, als eine ausgesprochene Gegnerschaft zu einem nicht mehr existierenden Staat zu exerzieren, ist es, weitergehendere Linien zu ziehen: Sowohl das detaillierte Funktionieren von Staaten wie der DDR ist sinnvoll, aber auch, welche Art geistiger Hintergrund genau dies geschaffen hat. Ein floskelhafte Begriff wie Kommunismus reicht dazu nicht aus.

    Was ist es, dass sich Menschen und Gruppen von Menschen faktisch einen Berechtigungsschein an die Brust heften, Vertreter einer kommenden Gesellschaftsordnung zu sein, Inhaber höherer Rechte somit, weil die anderen, die Abtrünnigen, doch Vertreter der historisch untergehenden Gesellschaftsordnung seien? Nur bei solchem Hintergrund sind Bezeichnungen wie "feindlich-negative Elemente" (!!)nachvollziehbar, die natürlich nur elementar zerlegt und zersetzt werden können. Welch ein unmenschlicher Terminus!

    Auf die SED konzentriert, aber nicht auf sie beschränkt.

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