Bild-Motiv: der Angeklagte hat sich nicht vorfuehren lassen, leere Anklagebank Berlin den 17.02.2021 (Quelle: Olaf Wagner/imago-images
Video: Abendschau | 19.04.2021 | Bild: www.imago-images.de/Olaf Wagner

Berliner Landgericht - Serienvergewaltiger zu 14 Jahren Haft verurteilt

Auf abgelegenen Wegen am Wannsee und in Bernau griff ein 30-Jähriger im vergangenen Jahr mehrere Frauen an und vergewaltigte sie. Nun wurde der einschlägig Vorbestrafte zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Von Ulf Morling

Das Berliner Landgericht hat am Montag einen 30-Jährigen nach einer Serie von Vergewaltigungen in Berlin und Brandenburg zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte sei "hochgradig ansprechbar für erzwungenen Sexualverkehr" und er habe seine Opfer verletzt und gequält, hieß es in dem Urteil.

Der vorsitzende Richter Ralf Vogl führte weiter aus, dass die 14-jährige Haftstrafe und anschließende Sicherungsverwahrung kein "hartes", sondern ein "angemessenes Urteil" sei. Es sei neben der sexuellen Befriedigung dem Angeklagten um Macht und Dominanz über Frauen gegangen und um die Beherrschung seines Opfers. Er sei der "Machttyp des Vergewaltigers" laut Gutachten. Der geständige Sinisa K. (30) habe bereits in Serbien mehr als fünf Jahre für eine dort begangene Vergewaltigung abgesessen und habe den Hang zu schweren Straftaten. Er sei für die Allgemeinheit gefährlich.

Teile des Prozesses wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt, da das jüngste Vergewaltigungsopfer gerade einmal 14 Jahre alt war. Das Mädchen war auf dem Zehlendorfer Fischerhüttenweg mit dem Rad unterwegs. Der Angeklagte hatte die Jugendliche freundlich angesprochen. Als das Opfer flüchten wollte, hatte der 30-jährige Gelegenheitsarbeiter die 14-jährige auf einem Waldweg überwältigt und vergewaltigt.

Einen Monat lang verbreitete K. Schrecken

In nur einem Monat hat der Angeklagte ab dem 12. Juni vergangenen Jahres insgesamt sieben Frauen angefallen und sechs davon zum Teil "besonders gewalttätig" vergewaltigt. Der Angeklagte habe die Bevölkerung während des Begehens seiner Vergewaltigungsserie in "Angst und Schrecken und große Verunsicherung versetzt", sagte der Vorsitzende Richter Ralf Vogl. Nachdem sich K. bei der ersten Tat in Zehlendorf an seinem vierzehnjährigen Opfer vergangen hatte, beging er bereits drei Tage später die nächste Tat, diesmal in Bernau.

Sieben junge Frauen sind Opfer, die meisten Taten geschahen südlich des Wannsees. Nur in einem der sieben Fälle hat der Täter sein Opfer nicht vergewaltigt: er war gestört worden von einem Zeugen. In einem anderen Fall habe er der vergewaltigten Frau sein Fahrrad gegeben, dass sie nach Hause fahren könne, so die Zeugin später. Nach der letzten vorgeworfenen Tat an einer Joggerin auf einem Waldweg am Teltowkanal in Potsdam war der Angeklagte mit Hubschrauber, Drohne und Hunden verfolgt und schließlich verhaftet worden. Die Ermittler stellten fest, dass der Gelegenheitsarbeiter sich in einem Jugendgästehaus im Grunewald eingemietet und deshalb dort im Umkreis die meisten seiner Taten begangen hatte.

Täter entwischte nach der zweiten Vergewaltigung

Vor seinen Taten hatte Sinisa K. sich jeweils "täglich und stundenlang Vergewaltigungspornos im Internet angesehen", die Opfer seien dabei immer junge Frauen gewesen, sagze eine Ermittlerin als Zeugin im Prozess aus. Vor seiner zweiten Tat war der Angeklagte mit der S-Bahn nach Bernau gefahren und hatte dort eine 20-Jährige vergewaltigt. Der Angeklagte hatte die schreiende und sich wehrende Joggerin gewürgt, bis ihr schwarz vor Augen wurde. "Ich bringe dich um, wenn du schreist", soll er der völlig verängstigten jungen Frau angedroht haben.

Der Polizist, dem der Täter nach der Bernauer Tat am 15. Juni vergangenen Jahres davonrannte, sagte im Prozess ebenfalls aus: Der junge und drahtige Beamte hatte zuerst den Angerklagten an einem Imbiss kontrolliert, dann war K. davon gerannt. Der Polizist war dem Täter so schnell er konnte gefolgt, doch K. sei zu schnell gewesen, so der Polizist. Der Beamte zeigte sich in seiner Aussage sehr betroffen, dass er der Vergewaltigungsserie damals kein Ende setzen konnte. Danach verging sich der der Polizei entwischte Angeklagte an vier weiteren Frauen laut Anklage bis zum 14. Juli 2020, in einem weiteren Fall gelang ihm das Verbrechen nicht.

Der Angeklagte hatte über seine Verteidigung zum Prozessbeginn erklären lassen, dass er seine Taten aufrichtig bereue.

Entsetzliche Folgen für die Frauen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatten die sieben Opfer des Angeklagten zu den Taten und ihren Folgen berichtet. Die 14 bis 28-jährigen Mädchen und jungen Frauen berichteten einerseits über das Verheilen ihrer körperlichen Verletzungen, andererseits über die anhaltenden teilweise gravierenden psychischen Folgen. Nebenklageanwalt Roland Weber berichtet, dass die Frauen teilweise bis heute an einer Trauma-Therapie teilnähmen, sie unter Angstzuständen litten, teilweise nicht mehr in den Wald gingen und nach Einbruch der Dunkelheit ihre Wohnung nicht mehr verließen. Manche von ihnen könnten nicht einmal mehr allein sein. Die durch die Tat ausgelösten Schlafstörungen seien davon geprägt, dass die Opfer auch von dem an ihnen begangenen Verbrechen träumten.

Erst Anfang März war ein mutmaßlicher 33-jähriger Serienvergewaltiger vom Berliner Landgericht zu 13,5 Jahren verurteilt worden. Er hatte nach Überzeugung der Richter*innen laut Urteil unter anderem Frauen mit bis zu drei Freunden in einer Wohnung vergewaltigt. Zuvor hatte er die jungen Frauen auch mit Komplizen ins Auto gezerrt und dann mit Gewalt gezwungen, seine Verbrechen teilweise unter Todesangst zu erdulden. "In zwei Jahren haben sie das Leben von fünf jungen Frauen für immer zerstört", hatte die vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung gesagt. Ob dieser Angeklagte nach dem Absitzen der 13,5 Jahren in Sicherungsverwahrung kommt, wird während seiner Haftzeit entschieden. Bei beiden Angeklagten ist auffällig, dass sie Frauen jeweils über Stunden vergewaltigten, bevor sie von ihnen abließen.

Sinisa K. kann in Revision gehen gegen das heutige Urteil. Seine Verteidiger*innen hatten auf eine höchstens zehnjährige Haftstrafe plädiert und keine anschließende Sicherungsverwahrung.

Die Kommentarfunktion wurde am 20.04.2021 um 11:21 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Sendung: rbb 88.8, 19.04.2021, 14:00 Uhr

Beitrag von Ulf Morling

13 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 13.

    Diese Taten verdeutlichen mal wieder wie gefährlich Gewaltvideos sind. Warum ist es überhaupt erlaubt, Vergewaltigungsvideos zu drehen und online reinzustellen? Welcher gesunde Mensch hat das Bedürfnis derart menschenverachtendes Material zu konsumieren und sich 'Appetit ' nach mehr zu holen? Ich hoffe seit Jahrzehnten, dass jede Art von Killerspielen, Gewaltvideos und Hardcorepornos endlich verboten werden. Dieser Konsum lässt Menschen verrohen, will man das? Den Opfern dieser Vergewaltigungsserie wünsche ich von ganzem Herzen alles Gute! Lasst euch von so einem Typen nicht eure Zukunft zerstören. Immer nach vorne schauen!

  2. 12.

    Frage an die Redaktion: Der 33-jährige wird im vorletzten Absatz als "mutmaßlicher" Serienvergewaltiger bezeichnet. Aber es steht doch dabei, dass er verurteilt wurde. Nach dem Urteil ist dieser Begriff eigentlich nicht mehr angebracht. Oder sehe nur ich das so?

  3. 10.

    Neee tut mir leid, 14 Jahre - selbst mit anschließender S.-Verwahrung - ist mir nicht genug! Für jedes bekannte Opfer mindestens die Höchststrafe!! So einem Monster gönne ich nicht die geringste Erleichterung! Wie schade, dass man den Typen diese Haftstrafe nicht in Serbien verbüßen lassen kann. Ich wette, da wären die Haftbedingungen eher passend!

  4. 9.

    Wieso ist der ausländische Täter aus Serbien überhaupt in Deutschland? Für Ausländer aus Serbien gilt Visumspflicht. Warum wird dieser Aspekt nicht thematisiert?

  5. 8.

    Dem ist ja wirklich nichts hinzuzufügen...
    habe kein Verständnis für solche deplatzierten Alterskommentare, wo bleibt da die Menschlichkeit?

  6. 7.

    Ein Wort wie "Vergewohltätiger" u.ä. ist ein unerträglicher Euphemismus und wird nach wie vor leider von viel zu vielen Jungen und Männern unbedacht benutzt. Was genau wollen Sie mit der Verwendung eines solchen Wortes (auch wenn Sie es in Anführungszeichen setzen) aussagen? Ich wäre froh, Sie würden das lassen.

  7. 6.

    Auch wenn es nur für ein geringeres Strafmaß getan wurde, GsD hat er umfänglich gestanden, damit den Opfern eine erneute Aussage vor Gericht erspart wurde.
    Sie haben ihr lebenslang daran zu knabbern. Ihnen und allen anderen Opfern von sexueller Gewalt dafür viel Kraft und Familien/Freunde, die Ihnen zur Seite stehen.

    @KaiBerlinMontag, 19.04.2021 | 14:34 Uhr
    Klugscheißerei die II:
    Laut Strafgesetzbuch gelten als Heranwachsende Personen vom 18.bis 20,11 Lebensjahr )bis zum 13,11 Lebensjahr = Kind, vom 14. bis 17,11 Lebensjahr = Jugendliche)

  8. 5.

    Denkt man immer... Aber ist das auch wirklich so? Oder gibt es da am Ende in speziellen „Gefängniswohngruppen“ noch regen diesbezüglichen Austausch? Ich bin mir da gar nicht so sicher.

  9. 4.

    Ändert die juristische Nomenklatur etwas am unfassbaren seelischen Leid dieser Person? Empathie vs. Klugscheißerei. Ihre Wahl war nicht weise.

    Ein heranwachsender Mensch der für viele Jahre professionelle Hilfe brauchen wird. Vermutlich wird sie nur unter Einschränkungen so etwas wie ein "normales" Leben führen können. Mit viel Zeit und Arbeit ist u.U. ein Familienleben möglich. Es zerreißt einem das Herz und macht unglaublich wütend.

  10. 3.

    Mit 14 ist man in Deutschland Jugendliche, kein Kind mehr. Kind bis einschließlich 13.

  11. 2.

    Bitte darauf achten, dass 14 Jährige noch Kinder sind, keine Frauen.Danke

  12. 1.

    Da freuen sich schon seine zukünftigen Knastkumpel auf so einen Vergewohltätiger. Solche haben im Knast nichts zu lachen.

Nächster Artikel