Teilnehmer im Sensenmann-Kostüm stehen am 15.04.2021 vor dem Start eines Autokorsos von Berliner Polizisten um auf die sogenannte Schießstandaffäre aufmerksam zu machen am Polizei-Abschnitt 57 zwischen Autos mit nachgebildeten Särgen auf den Dächern. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Verkleidet als Sensenmänner - Berliner Polizisten protestieren wegen Schießstandaffäre

Dutzende Polizisten und andere Betroffene haben verkleidet als schwarze Sensenmänner in der Berliner Stadtmitte für höhere Entschädigungen in der sogenannten Schießstandaffäre demonstriert.

In schwarze Mäntel gehüllt zogen sie - begleitet von dunklen Autos und nachgebildeten Särgen aus Kunststoff - am Donnerstag durchs Stadtzentrum. "Berliner Polizisten vergiftet und vergessen", stand auf einem Transparent. In einem Auto war ein gebasteltes Gespenst mit Totenkopf zu sehen. Die Demonstration führte von der Keibelstraße am Alexanderplatz, wo ein Teil der Berliner Polzeiverwaltung untergebracht ist, zum Sitz von Innensenator Andreas Geisel (SPD) in der nahe gelegenen Klosterstraße.

Schießtrainer und Polizisten von Spezialeinsatzkommandos hatten vor Jahren viel Zeit in maroden Schießständen verbracht und kritisiert, dass die Luft dort schädlich oder giftig sei. Das soll an Pulverdampf, schlechten Lüftungsanlagen und Asbest in Dämmstoffen gelegen haben.

Ermittlungen im März eingestellt

Zuletzt Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft jahrelange Ermittlungen wegen maroder Schießstände gegen die frühere Polizeivizepräsidentin und heutige Generalstaatsanwältin Margarete Koppers sowie die früheren Polizeichefs Klaus Kandt und Dieter Glietsch eingestellt.
Ein Zusammenhang zwischen Schießtraining und Langzeiterkrankungen oder Todesfällen von Polizisten sei nicht mit erforderlicher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.

Den Beamten war vorgeworfen worden, von 2002 bis 2016 Polizisten nicht ausreichend vor gesundheitsgefährdenden Stoffen beim Schießtraining geschützt zu haben. Zudem hätten sie den Arbeitsschutz ungenügend sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft stellte zwar viele und zum Teil gravierende Mängel bei fast allen Schießanlagen fest. Diese seien aber nur für kurzfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen von Polizisten ursächlich gewesen, hieß es.

Hunderte Polizisten entschädigt

Laut Anklagebehörde wurde ein Zusammenhang zwischen Schießtraining und Langzeiterkrankungen sowie Todesfällen von Polizeibeamten nicht mit erforderlicher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Zudem seien die Behördenleitungen von den zuständigen Fachbereichen über die Probleme nur unvollständig und zum Teil unzutreffend unterrichtet wurden. Es seien gesonderte Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Inzwischen werden neue Anlagen für das Schießtraining gebaut.

Der Innensenator hatte einen Ausgleichsfonds aufgelegt. Mehrere hundert Polizisten bekamen Entschädigungen. Zuletzt hatte der Grünen-Politiker Benedikt Lux gefordert, zusätzliche Entschädigungen an Polizisten auszuzahlen. Das Parlament habe rund drei Millionen Euro für 2020 und 2021 bereitgestellt.

10 Kommentare

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  1. 10.

    Und wieder zeigt unser gemeinsamer Dienstherr wie sehr ihm unsere Gesundheit am Herzen liegt.
    @ Petra
    Wir zahlen auch Krankenkasse und bekommen einen Beihilfe Anteil, dieser Anteil ist so „gut, das wir bei unseren Krankenkasse Ergänzungstarife zahlen dürfen, damit der fehlende Beihilfe Anteil ausgeglichen wird.

  2. 9.

    Jammern auf hohem Niveau. Beamte werden staatlich gepämpert bis zu Bare. Viele Berufsgruppen arbeiten jeden Tag schlecht bezahlt unter gesundheitsschädigenden Bedingungen. Und die zahlen ihre Krankenkasse selbst.

  3. 8.

    Sie lenken ab. Sie nennen Berufe, die per se ungesund sind. Hier geht es darum, dass die Gefahr nicht grundsätzlich da ist, sondern durch den Dienstherrn verursacht wurde. Eine ganz andere Dimension. Daher ist das Verharmlosen durch Ihre Vergleiche kontraproduktiv. In Deutschland ist dieser Fall einzigartig. Nur Berlin hat hier versagt.

  4. 7.

    Meine Berufsunfähigkeit hat nichts mit meinem ausgeübten Beruf zu tun! Zufrieden? Ich wollte mit meinem Beitrag eigentlich nur die Desinteresse des Staates dokumentieren, in Hinsicht der Schädigungen durch Berufe, die hier in Deutschland ausgeübt werden, mit dem Makel, dass sie auf Dauer ungesund sind.

  5. 6.

    Weil Sie keinen kennen, kann es also keinen geben...beeindruckende Logik.
    Fragen Sie mal ihren Versicherungsvertreter nach dem Thema Berufsunfähigkeit.

  6. 5.

    Ja, es gibt in Berlin Polizei, Feuerwehr und Bürgerämter die in einen so schlechten Zustand sind dass jede Bauarbeiter Bude ein Palast ist. Aber unsere Regierung hat ja neunmal Scheuklappen .

  7. 4.

    Das wird daran liegen, daß Betroffene Arbeitnehmer eher sterben als entschädigt und medizinisch Betreut zu werden. Ob Asbest- und Steinstaub oder chemische Betriebsmittel in ganz-alt Elektronik, Reinigungsmittel oder Industriekleber auch die Ausstatting und Brwaffnung beider Armeen war und ist nicht ungefährlich. Einziger Unterschied, in Deutschland darf man so schön auf Polizei Feuerwehrem, Militär und Katastrophenschutz einprägen ohne vom Deutschen Bundestag kritisiert zu werden. Immer feste druff !

  8. 3.

    "Erst Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft jahrelange Ermittlungen wegen maroder Schießstände gegen die frühere Polizeivizepräsidentin und heutige Generalstaatsanwältin Margarete Koppers sowie die früheren Polizeichefs Klaus Kandt und Dieter Glietsch eingestellt."

    Unbestreibtbar ist, daß durch pflichtwidriges Handeln leitender Personen der Tod von Polizeibeamten zu beklagen ist. Jetzt ist niemand verantwortlich. Würde ich persönlich dem Aspekt "Failed State" zuordnen.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article229695277/Corona-Politik-Wolfgang-Reitzle-uebt-scharfe-Kritik-an-Bundesregierung.html?cid=onsite.onsitesearch

    (Dort wird nicht nur die Merkel-Regierung bewertet, auch zu Berlin gibts dort von Reitzle Feststellungen)

  9. 2.

    Ich kenne heute nicht ein einzigen Menschen der berufsbedingt eine Entschädigung für seinen ungesunden Beruf erhält. Kein Schweißer, Bäcker, Tankanlagenbauer oder durch Corona infiziertes Pflegepersonal oder infizierte Ärzte und Schwestern.

  10. 1.

    Mein Beileid an die durch die Schießübungen verstorbenen. Ich bitte um Entschuldigung für das Totalversagen des "Abgeordnetenhaus von Berlin" und des aus Seiner Mitte gewählten "Senat von Berlin". Vielleicht findet der Personalverantwortliche Senator noch einige passenden Worte der Reue und des Wiedergutmachungswillens. - Wohl eher Nicht. Die meisten Polizei und Einwohnermeldeamt- sowie Bezirksamts-Liegenschaften wurden erst verramscht, leergezogen und dann saniert. - Bleiben Polizei, Feuerwehren, Schulen, Kliniken, Pflegeheime weiterhin die Geldgeber für PopUpRadwege und Kaoten-Abfall-Entsorgung.

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