Spaziergänger sind am Ostersonntag am Rande des Oderbruchs auf einem Weg unterwegs. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Interview | Nabu-Landesgeschäftsführerin Christiane Schröder - "Brandenburg - mit Berlin im Herzen - hat viel Potenzial für Naturtourismus"

Die Pandemie sorgt für eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten in Berlin. Und so strömen viele ins Umland in die Natur. Brandenburgs Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder mahnt, die Verletzlichkeiten der Natur zu beachten. Und sie verrät eine Lieblingsecke.

Es ist Ostern und wahrscheinlich machen sich noch mehr Berliner als sonst auf den Weg ins Umland. Schließlich ist "der Frühling waldeigen und kommt nicht in die Stadt", stellte Rainer Maria Rilke bereits fest. Da draußen gibt es auf jeden Fall mehr Frühling zu sehen und zu riechen, als in Berlin, was allerdings Christiane Schröder vom Brandenburger Ableger des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) mit Sorge betrachtet.

rbb|24: Für wen ist denn das Pilgern in die Natur schlimmer, für die Flora oder für die Fauna?

Christine Schröder: Ja, dann wohl eher für die Tiere, also sprich für die Fauna, weil die doch deutlich stärker gestört werden als die Pflanzen.

Inwiefern werden die gestört?

Jetzt gerade beginnt die Brutsaison für viele Tiere, also viele Tiere haben gerade ihre ersten Jungen, zum Beispiel Rehe. Wenn ich dann mit dem Hund unterwegs bin und der vielleicht nicht angeleint ist, dann werden diese Tiere gestört und werden von ihren Plätzen vertrieben, von ihren Eiern hochgescheucht, die dann möglicherweise auskühlen. All das sind Sachen, die ungünstig sind.

Also Hunde sollte man besser anleinen. Worauf sollten wir noch achten?

Möglichst auf dem Weg zu bleiben und möglichst wenig Lärm zu machen! Und natürlich muss man auch Respekt vor den Pflanzen, Bäumen und Sträuchern und vor allen Dingen auch vor den Schilfgürteln haben, auch wenn man mal ans Wasser irgendwo will, dann eben wirklich die vorgesehenen Stellen dafür nutzen und nicht querfeldein durch das Schiff laufen.

Warum nicht? Weil dort gerade gebrütet wird?

Genau. Das sind einerseits die Bereiche, wo jetzt angefangen wird zu brüten, wo also auch im Wasser einiges los ist an Amphibien, an frischem Fisch, an Fischlaich, wo man also besser nicht stört.

Was beobachten Sie denn bislang. Wie wirken sich die Corona-Einschränkungen auf die Natur aus, und was bewirkt, dass immer mehr Menschen spazieren gehen in Brandenburg?

Einerseits finden wir das schön, dass auch die heimische Natur mal wieder entdeckt wird und auch der große Wert der Natur vor Ort. Und, Gott sei Dank, haben wir in Brandenburg noch viel von. Und dafür sind wir als Nabu natürlich auch dankbar. Andererseits ist Vermüllung ein großes Problem, weil leider auch nicht jeder dann so bewusst ist, den Müll wieder mit nach Hause zu nehmen, den er fürs Picknick miteingepackt hat.

Würden Sie eigentlich empfehlen, Ostern in die Natur zu gehen oder würden Sie aus Rücksicht auf die Pflanzen und auf die Tiere vielleicht doch eher davon abraten?

Ich denke schon, dass man rausgehen sollte, nicht nur zu Ostern, denn die Natur ist immer schön und immer interessant zu jeder Jahreszeit. Aber hier gilt wie überall: Regeln beachten und Rücksicht nehmen.

Hat denn dieses Viel-in-der-eigenen-Region-unterwegs-sein, also das Spazierengehen, das Wandern, das Fahrradfahren vielleicht auch den Vorteil, dass sich jetzt immer mehr Menschen aus der Großstadt mit der Natur drumherum anfreunden?

Ja, vor allen Dingen sorgt es dafür, auch mehr entdecken zu wollen und zu kucken, was es eigentlich alles tolles auch hier vor Ort gibt und dass man da nicht so weit wegreisen muss und trotzdem fantastische Erlebnisse haben kann und all das durchaus auch bei vielen Menschen. Das Bewusstsein wächst, dass es wichtig ist, das zu erhalten. Und ich denke, Brandenburg - mit Berlin im Herzen - hat ohnehin sehr viel Potenzial, die Natur als etwas Tolles und Naturtourismus als wertvoll darstellen zu können.

Verraten Sie uns noch ihren liebsten Ort zum Spazierengehen in Brandenburg?

Tatsächlich gibt es da ziemlich viele, aber als gebürtige Harzerin fehlen mir ein bisschen die Berge, so dass ich darum eher den Hohen Fläming und die Märkische Schweiz faszinierend finde.

Das Gespräch führte Anne-Katrin Mellmann

Sendung: Inforadio, 30. 3. 2021, 11.40 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Ob mit den Prioritäten Klimaschuund Lockdown geschädigte in Brandenburg oder auch in Berlin zum Radwegebau geplant ist, zu Freiwilligenarbeit einzuladen, wenn das Geld knapp sei, möchte ich eigentlich schon gar nicht mehr fragen. Im Lockdown kann das schöne "Freiwilligenwetter" fast schon eine Qual sein und allein möchte ich gar nicht raus. Zur Zeit scheinen mich gerade regelmäßige Krankenbesuche in der Psychiatrie davor zu bewahren, selbst dort zu landen. Als Diabetiker konnte ich jetzt meinen zweiten Coronaimpftermin für den 3. 7. 2021 vereinbaren. Eigentlich sollte dann schon die ganze Bevölkerung ein Angebot haben....

  2. 9.

    Das war auch mein erster Eindruck. Ein Artikel über Naturtourismus, sollte auch Natur zeigen. Davon gibt es ja wie beschrieben reichlich in BRB.
    Die abgebildeten Wege sind perfekte Fahrradstrecken oder fürs Marathontraining, da „stören“ die Fußgänger eher. Mal davon ab, dass Asphaltlatscherei nicht gut für die Füße ist.

  3. 8.

    Zu den "triftigen Gründen" gehört laut Definition so ziemlich alles mit dazu, unter anderm Bewegung an der frischen Luft:
    https://www.rbb24.de/politik/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/04/berlin-corona-massnahmen-lockerung-ausgang-kontakt-erlaubt.html
    Siehe dort Punkt "Ausgangsbeschränkungen".
    Für Brandenburg gibt es meines Wissens derzeit nicht mal eine Definition der triftigen Gründe, um rauszugehen.

  4. 7.

    Wie schön, diesen überaus geistreichen Kommentar hier lesen zu dürfen. Danke dem NABU für sein Engagement.

  5. 6.

    Mir gibt zu bedenken, dass die Landesgeschäftsführerin vom NABU scheinbar nicht weiß, dass die wenigsten Rehe Anfang April bei nasskaltem Wetter setzen. Hauptsetzzeit ist immer noch Mai und Juni.

  6. 5.

    Hmmm,

    Ich mag diese Kategorisierung nach Herkunft oder Wohnorten nicht.

    Ich wohne jetzt schon 15 Jahre hier in der Natur im langweiligen Brandenburg und behaupte am wenigsten Verständnis für Natur, Nachhaltigkeit, .. haben eher die Einheimischen!!!!

    Also, wer wirklich ein Wandel und eine Zukunft will, soll endlich aufhören Herkunft, Wohnort, .. mit irgendetwas zu werten und gleich zu setzten.

    Die Welt gehört allen, egal wo er/sie geboren ist !!!!

  7. 4.

    Na bloß gut, dass wir den NABU haben und er den Bürger belehren kann! Schön das wir das dürfen.

  8. 3.

    In Anbetracht der "Maßnahmen" - wonach die eigene Wohnung seit Monaten nur aus triftigen Gründen verlassen werden darf - ist der gewiss gut gemeinte Artikel längerfristig so fehl am Platze wie ein Beitrag über Spitzen-Gastronomie oder Opern-Aufführungen.

  9. 2.

    Das Foto dokumentiert dann auch schon die Prioritätensetzung, die im Land Brandenburg (und nicht nur dort)waltet:
    Asphaltierung, um eine problemlose Befahrbarkeit zu gewährleisten, für zu Fuß Gehende ist das allerdings über Kilometer hinweg eine Tortur. Zum Zweiten hat das mit der Gewährleistungspflicht u. der Wegesicherungspflicht zu tun: Da könnte ja entlang des Staatshaftungsrechts jemand daherkommen und manchmal passiert dies ja auch, und der verklagt die Gemeinde oder den Kreis, weil er mit dem Fuß umgeknickt ist, die teure Hose durch eine gebildete Pfütze in Mitleidenschaft gezogen worden ist oder einfach eine Baumwurzel den Weg hochgedrückt hat und Mensch ins Stolpern geraten ist.

    Das Ergebnis sind dann zertifizierte Wege. So sinnvoll das erstmal erscheinen mag, in unmittelbarer Nähe wächst dann kein Baum und kein Strauch. Die Natur wird damit auf Abstand gehalten.

    Wer Natur erleben will, sollte solche Wege verlassen, dabei aber natürlich behutsam vorgehen.

  10. 1.

    In Brandenburg ist generell außerhalb von Ortschaften Leinenpflicht während der
    Brut und Setzzeit (1.3. - 15.7.) und im Wald ganzjährig! Deshalb verstehe ich die
    dick gedruckte Zeile: Zitat: " Also Hunde sollte man besser anleinen" nicht.
    Das Wort sollte gehört dort nicht hin. Rund um Ludwigsfelde treffe ich viele Spaziergänger
    mit teilweise 3 Hunden,alle ohne Leine und die rennen teilweise bis zu 100m. weg vom Herrchen.
    Darauf angesprochen erntet man fast immer dumme Sprüche. Die wissen gar nicht, dass ein
    durchgebrannter Hund vom Jäger erschossen werden darf. Vor wenigen Tagen gab es in der Nähe
    von Ahrensdorf einen Wolfangriff auf einen im Wald freilaufenden Hund. Wird nur nicht drüber berichtet.

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