Tierseuche in Brandenburg und Berlin - Viehhalter besorgt über Auswirkungen der Geflügelpest

Auf einem Schild vor einem Stall steht: "Geflügelpest Sperrbezirk!" (Quelle: DesignIt)
Bild: DesignIt

Tote Schwäne, Gänse oder Enten: In der Region werden immer wieder Wildvögel gefunden, die an Geflügelpest verendet sind. Die Krankheit ist in diesem Jahr offenbar besonders aggressiv. Zehntausende Nutztiere mussten bereits getötet werden.

Die seit einigen Monaten in Deutschland aufgetretene Geflügelpest hat bereits größeren Schaden angerichtet als der letzte große Ausbruch 2016/2017. "Der Virus scheint diesmal deutlich aggressiver zu sein, was die Geflügelhalter sehr stark besorgt", sagte Katharina Standke, Geschäftsführerin des Geflügelwirtschaftsverbandes Brandenburg, wie die DPA am Dienstag berichtete.

Bislang mussten bundesweit bereits 1,8 Millionen Stück Geflügel getötet werden, damals waren es insgesamt 1,2 Millionen. In Brandenburg liegt die Zahl derzeit bereits bei 140.000 in neun Betrieben und einer Kleinsthaltung. Beim vorigen Ausbruch war es eine ähnlich hohe Zahl an Tieren.

Auswirkung auf Verkauf von Eiern

"Eine Impfung gegen den Vogelgrippen-Virus ist in Deutschland aktuell nicht erlaubt und aufgrund der Vielzahl von Subtypen auch nicht sinnvoll", sagte Stahnke. Damit gebe es keinen dauerhaften und umfassenden Schutz vor der Seuche, nur die akribische Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen. Die genauen wirtschaftlichen Folgen des Ausbruchs könnten derzeit nicht beziffert werden, sagte sie.

Je nach Haltungsform seien Landwirte unterschiedlich stark betroffen, sagte Stahnke. Den Angaben nach fallen durch den Kampf gegen die Geflügelpest zusätzliche Kosten an: für Desinfektionsmittel, Abdichtungen für Lüftungsschächten - um das Virus draußen zu lassen - Einstreu oder Tierärzte. Dazu komme noch die angeordnete Aufstallpflicht, wenn das Geflügel nicht nach draußen könne.

Freilandeier dürfen nur noch innerhalb von 16 Wochen als solche verkauft werden - danach gelten sie als Eier von Hühnern in Bodenhaltung. Die Bauern erzielen dann geringere Erlöse. In Brandenburg ist diese Frist nach Angaben von Stahnke seit Mitte März überschritten.

Stallpflicht bedeute Stress für Legehennen

Die genauen wirtschaftlichen Folgen der Seuche könnten derzeit nicht beziffert werden, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes. Im Land werde lediglich der Tierwert von der Tierseuchenkasse ersetzt, in die der Halter zuvor eingezahlt habe. Zusätzliche Kosten würden nicht erstattet. Im Vergleich zum letzten Ausbruch stünden den Haltern nun zahlreiche Checklisten zur Verfügung, sagte Stahnke. Die Landwirte nehmen die Geflügelpest sehr ernst und versuchten ihre Tiere durch Einhaltung verschiedener Biosicherheitsmaßnahmen zu schützen.

Dieses Jahr seien die Fälle von Geflügelpest so schlimm wie noch nie, schätzt Landwirt Christoph Schulz aus Atterwasch in der Lausitz. Schulz, der im vergangenen Jahr vom Agrarmarketingverband Pro Agro als bester Geflügelhalter Brandenburgs ausgezeichnet wurde, unterhält in seinem Betrieb unter anderem eine Hähnchenmast mit 30.000 Tieren und Freilandlegehennen. Bislang blieb er von der Geflügelpest verschont. Unter anderem hat Schulz eine Hygieneschleuse vor dem Stall zur Desinfektion eingerichtet. Für ihn hat die Tierseuche trotzdem gravierende Auswirkungen.

Bei den Legehennen, eigentlich Freilandhühner, sei das Problem der Haltung groß. Dadurch, dass die Aufstallpflicht bestehe, steige der Stressfaktor bei den Tieren, sagte der Landwirt. Er habe deshalb mobile Zelte für die Hühner eingerichtet, damit sie raus könnten. In etwa zehn Tagen könnte der Landwirt den Status der Freilandhaltung verlieren. Dann werde er nur noch für Eier aus Bodenhaltung bezahlt, der Erzeugerpreis sinke. "16 Wochen Restriktionen - so langsam gehen uns die Ideen aus". Für die Zukunft sei zu überlegen, ob die Freilandhaltung überhaupt mit dem Seuchenschutz vereinbar sei, gab er zu bedenken. Und von Tierwohl könne gerade nicht die Rede sein.

Wild- und Nutztiere betroffen

Allein im März wurde in der Region mehrfach Fälle von Geflügelpest registriert. Im Kreis Märkisch-Oderland mussten Anfang des Monats rund 10.000 Puten in einem Zuchtbetrieb getötet werden. In Philadelphia, einem Ortsteil von Storkow im Märkisch-Oderland, mussten ebenfalls knapp 10.000 Enten gekeult werden, nachdem der Erreger in einer Mastanlage entdeckt wurde.

Zuletzt wurden in einem Naturschutzgebiet bei Luckau (Dahme-Spreewald) infizierte Kadaver von Wildschwänen entdeckt. In Berlin sind in der aktuellen Saison bislang 18 Fälle der Geflügelpest aufgetreten. Der Erreger H5N8 wurde zuletzt am 1. April bei einem Greifvogel in Spandau nachgewiesen. Damit sind bislang insgesamt 17 Wildvögel

In rund 3.600 Betrieben in Brandenburg werden 10,3 Millionen Tiere Geflügel gehalten, darunter knapp 3,5 Millionen Legehennen, 5,5 Millionen Masthühner, knapp 580.000 Enten, 1,2 Millionen Puten und 10.000 Gänse.

Sendung: Inforadio, 06.04.2021, 7.30 Uhr

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