Archivbild: Ein beschädigter PKW steht an der Kreuzung Kurfürstendamm Cicerostraße. Bei dem Unfall war der Wagen von der Seite getroffen worden und landete auf dem Dach. Es gab zwei Schwerverletzte und zwei leichter Verletzte Personen. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Bild: dpa/P. Zinken

Zwei Frauen schwer verletzt - Fast vier Jahre Haft nach schwerem Raser-Unfall auf dem Ku'damm

Viel zu schnell raste ein 29-Jähriger mit einem PS-starken Mietwagen über den Berliner Kurfürstendamm – und krachte in ein anderes Fahrzeug. Die beiden Frauen darin wurden schwer verletzt. Jetzt ist der Mann zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Das Berliner Landgericht hat einen Autoraser zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Der 29-Jährige hatte im vergangenen Spätsommer einen Unfall auf dem Kurfürstendamm verursacht, bei dem zwei Frauen schwer verletzt wurden.

Das Gericht sprach den Mann am Dienstag "eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit schweren Folgen, der schweren sowie der gefährlichen Körperverletzung, der Sachbeschädigung sowie der Unfallflucht" schuldig. Zudem wurde eine Führerscheinsperre von vier Jahren und vier Monaten verhängt.

Mann war zunächst geflohen

Bei dem Unfall am Abend des 31. August 2020 hatte der 29-Jährige mit seinem Fahrzeug den Wagen gerammt, in dem die beiden Frauen – Mutter und Tochter – saßen. Die Wucht des Zusammenpralls war laut Anklage so stark, dass mehrere parkende Fahrzeuge auch durch herumfliegende Autoteile beschädigt wurden. Der Mann soll mit dem 530 PS starken Mietwagen bis zu 132 km/h schnell gefahren sein.

Der 29-Jährige war zunächst vom Unfallort geflohen. Nach ihm war intensiv gesucht worden. Am 2. Oktober wurde der Mann gefasst und saß seitdem in Untersuchungshaft. Handydaten hatten auf seine Spur geführt.

Mutter dauerhaft gelähmt

Die 17-jährige Tochter war im Prozess Nebenklägerin. Die Mutter ist seit dem Unfall gelähmt. Was der Angeklagte verursacht habe, sei "das Schlimmste, was man sich als Zustand vorstellen kann", hieß es im Urteil. Das umfassende Geständnis des Mannes habe aber gezeigt, dass er die Veranwortung für das übernehme, was er getan hat.

Der 29-Jährige hatte zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Er habe Gas gegeben, um seiner Beifahrerin zu imponieren, erklärte er vor einem Monat. Das Fahrzeug hatte er demnach extra für den Besuch der jungen Frau gemietet. Ihm sei bewusst gewesen, dass er durch maximale Beschleunigung andere Verkehrsteilnehmer gefährden könnte, sagte der Mann. Den Unfall habe er aber nicht gewollt.

"Mir ist bewusst, dass ich den beiden Geschädigten durch mein Verhalten großes Leid zugefügt habe." Es sei eine "Angeberfahrt" gewesen, so der Schlosser, der nicht vorbestraft ist. Er bedauere zutiefst und wolle an die beiden Opfer insgesamt 20.000 Euro zahlen.

Auch "Rennen gegen sich selbst" sind strafbar

Die verhängte Strafe entsprach im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwältin und Verteidiger. Dem Urteil war eine sogenannte Verständigung aller Prozessbeteiligten vorausgegangen.

Seit Oktober 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat. Seitdem kann schon die Teilnahme mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Auch ein "Rennen gegen sich selbst" ist strafbar. Der neue Paragraf 315d sieht zudem bis zu zehn Jahre Haft vor, wenn der Tod oder eine schwere Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" verursacht wird.

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Sendung: Inforadio, 13.04.2021, 17:20 Uhr

36 Kommentare

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  1. 36.

    Muss er eigentlich zur MPU, bevor er seinen Führerschein wiederkriegt?

  2. 35.

    Über solch ein Urteil muss man nicht weiter diskutieren! Was passiert mit den Opfern ? bekommen diese wenigstens ein Leben lang Rente ( Mutter ) vom Täter oder der Versicherung. Ansonsten ist hier der soziale Abstieg vorprogrammiert. Das alles sorgt noch weiter für die Ungerechtigkeiten solcher Täter gegenüber den Opfern.

  3. 34.

    "Konsequenzen auch für den Täter und sein Restleben". Der arme Mann, mir tut er auch ganz fuchtbar leid, so ein verpfuschtes Leben. Sollen wir irgendwohin spenden? Viellleicht nen Chauffeur bezahlen, damit er von A nach B kommt? Was ist da schon ein Leben im Locked-In-Syndrom? Nix, das Leben des Fahrers ist ja viel mehr beschädigt. Ich bin wirklich erschüttert, wie man ihn überhaupt bestrafen konnte. Ein bisschen Sozialstunden, am besten drei Tage Ställe fegen im Zoo, hätte doch auch gereicht. So eine gemeine Justiz...

  4. 33.

    Hallo rbb, andere Medien berichten von 46 Monaten Haft bei sofortiger Haftverschonung. Das fehlt in diesem Beitrag und würde -sofern es zutrifft- ein durchaus anderes Bild auf das Urteil geben. Was stimmt, bzw. warum fehlt das?

  5. 32.

    Guten Morgen Berlin. Um eins klarzustellen, ich gehöre nicht zu der "hängt ihn höher-Fraktion", aber das Urteil ist für mich eine Schande. Knapp 4Jahr dafür das die beiden Frauen ihr Leben lang leiden werden ?! Was ist mit den Opfern ? Wie werden die unterstützt ? Der Täter bekommt , außer seiner Freiheit, jede Unterstützung die er braucht.

  6. 31.

    Die Strafe ist viel zu niedrig. Und wer meint, der Mann müsse sein Leben lang sowieso leiden, dem sei gesagt, das müssen die beiden Frauen auch. Sie werden das sicherlich nie mehr vergessen.

  7. 30.

    Vier Jahre Knast, davon schon ein halbes Jahr abgesessen. Ist das der Preis für zerstörte Leben? Das Mindeste wäre ja wohl, dem Mann nie wieder einen Führerschein zu geben und dass er bei der notwendigen Pflege der gelähmten Frau mithilft.

  8. 29.

    Sie können soviel kotzen wie Sie wollen. Dieses Urteil ist im Vergleich zu den lebenslangen Folgen für das Opfer. welches ihr Leben lang gelähmt bleibt und ein Pflegefall bis an ihr Lebensende bleiben wird. Der Täter hat Haftverschonung erhalten und kann schon wieder lachend über die "dumme" Justiz über den Ku-Damm schlendern. Die vom Täter angebotene Entschädigung von 20.000Euro kann man nur als Verhöhnung des Opfers ansehen und zeigt welch geistig Kind dieser Täter ist.
    Hier hat die Justiz wieder einmal ihre überaus freundliche Seite gegenüber bestimmten Tätern gezeigt. Welche Hintergründe zu dem Urteil führten und welche Freunde der Täter hat, werden wir nicht erfahren. Aber der Täter kann sich dank der Berliner "Kuscheljustiz" wieder seiner Freiheit erfreuen sein Leben weiter genießen. Ganz im Gegensatz zu seinem Opfer welches ein Leben lang durch die Schuld des Täters ein Pflegefall sein wird. Manche Richter sollten vor Scham in den Erdboden versinken.

  9. 28.

    Verstehe gar nicht, wenn er fast vier Jahre ins Gefängnis muss, warum der Führerscheinentzug nur etwas über vier Jahre ist. Oder ist das im Anschluss zusätzlich? Weil im Gefängnis ist der ja wohl eh sinnlos.

  10. 27.

    Der 29-Jährige war zunächst vom Unfallort geflohen. Mutter bleibt gelähmt. Nach guter Führung Haftentlassung nach 2 Jahre? Und dann nur eine Führerscheinsperre von vier Jahren und vier Monaten? Kuscheljustiz in Deutschland.

  11. 26.

    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. verhältnissmäßigkeit ist für viele ein Freibrief für Maximalstrafen ohne über die Konsequenzen auch für den Täter und sein Restleben nachzudenken. Frei nach dem Motto immer feste druff!! Und dann wollen alle besser sein als der Täter?? Doppelmoral in Reinkultur! Ich will nicht mit denen tauschen, weder mit Opfer noch mit Täter!

  12. 25.

    Bei solchen "Urteilen" wird das nächste Rennen mit anschließendem "Unfall" leider nicht lange auf sich warten lassen. Schön, dass er offenen Vollzug bekommt, seine Opfer haben lebenslänglich. Für diese Justiz muss man sich schämen.

  13. 24.

    Knapp 4 Jahre für ein verpfuschtes Leben? Sauber Herr Richter! Ich hoffe der Fahrer darf nie wieder einen Führerschein bekommen

  14. 22.

    Am besten maximale Haftstrafe und lebenslang für die Kosten der Versorgung der Opfer aufkommen, wie hier gerne gefordert wird. Nur, in der Umsetzung ist beides schlecht miteinander vereinbar. Von allen, die hier eine längere Haftstrafe fordern, würde ich mir die Info wünschen, inwiefern der Verurteilte an den langfristigen Kosten partizipiert. Ich weiß das nämlich nicht, weswegen ich mich mit einer Bewertung zurückhalte. Aber ich weiß, dass bei jemandem, der nichts hat, auch nichts zu holen ist...

  15. 21.

    ES ist unerträglich, daß Raserei immernoch als verständliche geringfügige Ordnungswidrigkeiten angesehen werden. Dabei entwickeln sich die Autos mehr und mehr zu Panzern (also Waffen). Und Fußgänger werden zu Kolateralschäden. Aber solange die meisten Politiker, Verkehrsplaner und Richter selber gerne raasen, wird sich auch nichts ändern. Und wir werden weiter mit Toten und Schwerverletzten leben müssen.

  16. 20.

    Ihren Beitrag finde ich zum kotzen und deplatziert. Glauben Sie wirklich das dieser Typ nochmal arbeiten gehen wird? Ich sage nur Hartz 4 plus Schwarzarbeit.

  17. 19.

    Das mag sein. Nur erzeugt es schon ein Gefühl der Ungerechtigkeit wenn jemand für Steuerhinterziehung härter bestraft wird.

  18. 18.

    Ungeheuerliche Tat die beiden unschuldigen Frauen sind ein Leben lang gezeichnet nichts ist mehr wie vorher abgesehen auch von finanziellen Nöten die Opfer immer allein bewältigen müssen das macht mich sehr sehr traurig und dieser Typ lacht nach spätestens 2 Jahren und kann weiter machen wie früher eine Schande das es für solche schweren Taten kein lebenslänglich gibt solche Typen machen einfach so weiter mir fehlen die Worte und ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Justiz aber das ist ja Alltag in D

  19. 17.

    Dsnn kann er Fussgaenger auf dem Buergersteig ueberfahren oder wie? Was hat dieser schwere Unfall durch Raserei mit vernünftigenm Autofahren zu tun?
    Nicht die vernünftigen mit den Idioten in einen Topf werfen.

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