Feuerwehrmänner begutachten auf dem Gelände eines Autohauses in Berlin-Köpenick verbrannte Autos. Insgesamt hätten 14 Autos gebrannt, darunter auch Elektrofahrzeuge. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Interview | Berliner Feuerwehr - "Bei E-Autos müssen wir mit doppelt so langen Einsatzzeiten rechnen"

In Köpenick sind 20 Autos in Flammen aufgegangen - eigentlich Routine für die Feuerwehr. Doch der Einsatz zog sich über Stunden hin, da auch vier E-Autos brannten. Warum die Autos der Zukunft schwieriger zu löschen sind, erklärt Rolf Erbe von der Berliner Feuerwehr.

rbb|24: Herr Erbe, rund 30 Feuerwehrkräfte waren am Mittwochmorgen mehr als drei Stunden auf dem Gelände eines Autohauses in Berlin-Köpenick im Einsatz. Die Brandbekämpfung wurde durch brennende E-Autos erschwert. Warum?

Rolf Erbe: Bei einem E-Auto muss die Feuerwehr nach dem Löschen der Karosserie kontrollieren, ob es zu einer chemischen Reaktion im Inneren der Hochvolt-Batterie gekommen ist. Dieses Risiko besteht, wenn die Batterie durch einen Unfall oder ein Feuer beschädigt wurde. Die Feuerwehr misst mit einer Wärmebildkamera die Wärmebildung in der Batterie. Wenn sie zurückgeht, übergeben wir die Fahrzeuge der Polizei. Das kostet Zeit. Deshalb dauert der Einsatz an einem Elektroauto etwa 30 bis 60 Minuten länger als bei einem herkömmlichen Fahrzeug.

Was passiert, wenn die Batterie eines E-Autos nicht heruntergekühlt wird?

Bei einer Beschädigung können die Batteriezellen sich untereinander entzünden. Die Folge ist eine Ausgasung, die entweder zu einer Rauchentwicklung oder zum Brand der Batterie führt. Eine Wärmebildung kann auch noch Stunden später zu chemischen Reaktionen in der Batterie führen. Das heißt, ein Elektroauto kann sich noch Tage nach einem Unfall entzünden. Internetvideos zeigen, wozu das führen kann. Wenn die Batterie sich öffnet, entstehen Flammen, die seitlich am Fahrzeug austreten.

Sind alle Batterietypen in E-Autos so empfindlich?

Das betrifft vor allem Lithium-Ionen-Batterien. Akkus mit einer anderen Zusammensetzung sind weniger anfällig. Die Autoindustrie arbeitet gerade daran, weniger gefährliche chemische Zusammensetzungen zu finden.

Bei den Löscharbeiten in Berlin-Köpenick wurde mindestens ein E-Auto von den Einsatzkräften auf die Seite gekippt. Warum?

Batterien sind in E-Autos sehr gut geschützt und versteckt. Die Autohersteller wollen die Chancen minimieren, dass die Akkus bei einem Crash beschädigt werden. Man kann sich die Batterie wie in einem Tresor vorstellen. Deshalb musste das Fahrzeug auf die Seite gekippt werden, andernfalls hätten die Einsatzkräfte die Batterie nicht erreicht.

Konnte das Innere der Batterie durch das Umkippen des Fahrzeugs direkt mit Wasser gekühlt werden?

Nein, wir können nur die Außenhaut mit Wasser kühlen. Das ist weniger effektiv und dauert länger. Der schützende Tresor hat aber auch eine positive Wirkung: Wenn ein Elektroauto in Flammen steht oder in einen Unfall verwickelt ist, wird die Batterie des Autos tatsächlich nur in den seltensten Fällen so stark beschädigt, dass es gefährlich wird.

Sind die Löscharbeiten an E-Autos für ihre Kollegen also nicht gefährlicher?

Nein. Ein brennendes Auto mit 80 Litern Kraftstoff im Tank kann genauso gefährlich sein. Bei einem Elektroauto ist die Herangehensweise einfach anders. Die Feuerwehr muss vor allem mit doppelt so langen Einsatzzeiten rechnen.

Im vergangenen Sommer verunglückte eine 19-Jährige tödlich in einem Elektroauto in Brandenburg. Nach dem Unglück hatte der Einsatzleiter der Gemeindefeuerwehr aus Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) beklagt, es gebe zu wenige Informationen zur Löschung von E-Autos. Gibt es inzwischen gezielte Schulungen?

Die Feuerwehren haben das Problem erkannt. Deshalb ist in Berlin das Thema Elektromobilität heute Bestandteil jeder Feuerwehr-Ausbildung.

Wie viele Feuerwehrkräfte wurden bisher geschult?

In Berlin haben rund 1.500 Einsatzkräfte die Fortbildungen zu alternativen Autoantrieben besucht. Die Besonderheiten zur Elektromobilität werden seit dem letzten Jahr speziell geschult. An solchen Fortbildungen haben bisher 500 Einsatzkräfte teilgenommen. Uns ist aber klar, dass weitere Schulungen nötig sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Hasan Gökkaya.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.04.2021, 7 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Es geht nicht um das Abschaffen sämtlicher Vierräder oder auch Mehrachser in der Stadt, sondern um die Verringerung des unnötigen Individualverkehrs in dicht besiedelten Räumen. Wenn jemand in Berlin nicht darauf verzichten möchte mit der Karre zum Briefkasten zu fahren, kann er das auch in Zukunft weiterhin so halten, sollte dann aber dafür m. E. zunehmend tiefer in die Tasche greifen müssen.
    Dass parallel dazu der ÖPNV massiv ausgebaut werden muss, ist eine Selbsverständlichkeit, die es gilt in den nächsten Jahren verstärkt in Angriff zu nehmen.

  2. 27.

    Das würde ja dann auch für Elektro-Busse, Liefer- und Rettungsahrzeuge zutreffen. Viel Spass in dieser "Stadt"!

  3. 26.

    Natürlich braucht man innerhalb der Stadt oftmals kein Auto. Wie die Realität belegt, lassen sich die Menschen diese Freiheit trotzdem nicht nehmen. Es ist eben ein bezahlbarer Luxus, am Wochenende ins Auto zu springen, um der Großstadt mal zu entfliehen. Und nein, Busse und Bahnen sind gar nicht in der Lage, diese Funktion vollständig zu übernehmen. Wichtiger ist es, auf sinnlose Strecken, besonders innerhalb der Stadt mit dem eigenen PKW zu verzichten und dort den ÖPNV zu nutzen. Dann ist uns allen geholfen. Es bedarf nicht immer vollständiger Abstinenz. Vernunft ist gefragt.

  4. 25.

    Nun ja, das Argument ist nicht ganz falsch, jedoch haben sich Verbrennen stets auch ohne Subventionen bestens verkauft. Subventionen waren immer nur zur Ankurbelung der Wirtschaft. Beim E-Auto sind sie erstmals zur Ankurbelung der Nachfrage, die ohne Subventionierung direkt wieder einbricht. Momentan bezahlt der Steuerzahler vielen reichen Menschen ein Spielzeug, gern auch den Zweitwagen, mit, nur um den Anteil an E-Mobilität zu steigern. Das kann man schon hinterfragen, ob das so sinnvoll und sozial ist. Fakt bleibt trotzdem, dass ein E-Auto zu vernünftigen, für Nichtgutverdiener bezahlbaren Preisen keine alltagstaugliche Alternative darstellt. Es gibt sinnvolle Einsatzgebiete für diese Fahrzeuge, aber eben noch nicht in der Breite, die gern suggeriert wird. Zudem ist eine breite E-Mobilität wegen der Ressourcen eine Illusion. Man sollte dann schon so ehrlich sein, daß auch offen einzugestehen.

  5. 24.

    Und dass E-Autos doppelt so lange brennen ist jetzt ein Argument für den Verbrenner? Ich würde es eher als zusätzliches Argument gegen Autos in der Stadt sehen.

  6. 23.

    Ganz anders als Verbrenner, die natürlich vollkommen subventionsfrei (CO2 Preis? Abwrackprämien?) und ohne jeglichen Umweltschaden (Ölpest? Klimawandel?) auskommen.

  7. 22.

    Ist natürlich praktischer wenn wie beim Verbrenner die Entsorgung einfach direkt in die Atmosphäre bzw. die Lungen der Anwohner passiert.

  8. 21.

    Für Herr AN. Dieser Kommentar ist nicht von mir. Falls sie mir wieder in den Diskussionen um Tesla generelle Ablehnung der e Mobilität vorwerfen.. ich bitte das zu beachten!

  9. 20.

    Haben Sie denn den Artikel gelesen , oder wollen Sie hier einfach nur Ihre klimahysterische Propaganda loswerden?

  10. 19.

    Haben Sie auch wirklich mehr als nur die Überschrift gelesen? Wo genau soll denn das Problem sein?

  11. 18.

    Hier kann man deutlich sehen das E-Autos keine Alternative sind .Macht die Verbrenner umweltverträglicher und dann ist aber auch gut.

  12. 17.

    Das "weiter so" mit Diesel und Benzin kostet den Steuerzahler und Verbraucher um Klassen mehr: Co2-Strafzahlungen Deutschlands und der Auto-Konzerne, Luft-Messung und Reinigung in Ballungszentren, Kosten für das Gesundheits-System durch lärm- und abgas-bedingte Krankheiten und Todesfälle etc etc. Aber hätte man damals auf die Verweigerer gehört, gäbe es noch Pferdekutschen statt KFZ.

  13. 16.

    Massenproduktion von E - Autos ist eine ökologische Katastrophe ... nicht nur bei uns, auch dort, wo die Rohstoffe für die Batterien gewonnen werden. Die Anschaffung solcher Autos sollte nicht gefördert werden. Sinnvolle E-Mobilität wäre Ausbau und Elektrifizierung der Bahn(en).

  14. 15.

    Aber E-Autos sind doch so eine tolle Alternative.

    Mal sehen, wann die Politik merkt, wie schwer die Entsorgung wird. Da geht dann das Gejammere erneut los.

  15. 14.

    @ Alfred Neumann

    Es geht nicht um das Diesel im eLHF, welcher die Einsatzbereitschaft ermöglichen soll und deshalb gibt es auch kein E Kennzeichen.
    Es geht einfach darum, dass dieses eLHF nicht mehr funktionierte als wir ein paar Tage echten Winter hatten und lange Wasser hat dieses eLHF auf einer Einsatzstelle auch noch nicht.

  16. 13.

    Ob die E-Autos "die Autos der Zukunft" sind, wollen wir erst einmal abwarten. Im Moment ist die Prognose eher, dass das System E-Auto nur mit gigantischen Subventionen und unter Ausbeutung der Herkunftsländer der Batterierohstoffe funktionieren wird. Vielleicht bricht dann alles zusammen, wenn der von Corona und anderen Projekten völlig verschuldete Staat versucht, aus den E-Autos Steuern in der Dimension der Mineralölsteuer herauszuholen.

  17. 11.

    Erst mal abwarten bis Permafrost und Grönlandeis schmelzen und dann über Veränderungen nachdenken. Keine Sorge, China übernimmt den deutschen Automarkt gerne.

  18. 10.

    Die Lösung für das Problem ist allerdings auch schon lange den Berufsfeuerwehren bekannt wie es auch einen DGUV-Leitfaden und div. anderes Schulungsmaterial gibt.

    Meist ignoriert werden vom Boulevard anders als die Akkus Probleme durch die brennbare Kühlflüssigkeit, die aus Klimaschutzgründen gegen den Widerstand z.B. von Mercedes eingeführt werden musste. Die soll wohl auch mitauslösend für den Brand eines E-Auto vor einiger Zeit in Tirol gewesen. Deren Kühler sitzt meist in der vorderen Knautschzone. Der Karren sah nicht viel anders aus als das ausgebrannte Gerippe eines Doppeldeckers der BVG. Dünne Alubleche waren ebenfalls geschmolzen. Die Traktionsbatterie ist aber weitgehend intakt geblieben und wurde begehrtes Übungsobjekt für Recycler.

  19. 9.

    Das eLHF gibt es, aber das gute Diesel LHF läuft immer und bietet gute Dienste.

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