Vier Menschen in Potsdamer Pflegeheim getötet. (Quelle: Morris Pudwell)
Video: rbb|24 | 29.04.2021 | Material: TeleNewsNetwork, Brandenburg aktuell | Bild: Morris Pudwell

Vier Tote in Betreuungseinrichtung - Potsdamer Tatverdächtige befindet sich in psychiatrischer Klinik

Nach der Bluttat mit vier Toten in einer Potsdamer Betreuungseinrichtung ist die 51-jährige Tatverdächtige in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Das Potsdamer Amtsgericht hat Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit bei der Frau.

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Die 51-Jährige, die in einem Behindertenheim in Potsdam-Babelsberg vier Menschen getötet und eine Frau lebensgefährlich verletzt haben soll, befindet sich in einer psychiatrischen Klinik.
Dorthin hat sie das Potsdamer Amtsgericht eingewiesen.

Die Haftrichterin habe die einstweilige Unterbringung der Bediensteten des Wohnheims im Maßregelvollzug angeordnet, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann am Donnerstag. Die Richterin habe dringende Gründe für eine eingeschränkte oder vollständige Schuldunfähigkeit der Beschuldigten erkannt. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl wegen Totschlags beantragt.

Ein Einsatzfahrzeug der Kriminalpolizei fährt auf dem Gelände einer Potsdamer Klinik. Bild: Christophe Gateau/dpa
Bild: dpa

Festnahme in der Nacht zu Donnerstag

In einer Potsdamer Betreuungseinrichtung der "Oberlin-Lebenswelten" für Menschen mit Behinderungen waren am Mittwochabend vier Tote und eine Schwerverletzte entdeckt worden. Die Opfer wiesen nach dpa-Informationen schwere Schnittverletzungen auf. Die 51-jährige Mitarbeiterin der Einrichtung wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft schweigt sie zu der Tat.

Die Ermittler äußern sich während der laufenden Untersuchungen zunächst nicht zum Tathergang und zum möglichen Motiv für die Gewalttat.

Alle Opfer waren Bewohner des Hauses

In verschiedenen Zimmern einer Station seien die tödlich Verletzten sowie eine weitere schwer verletzte Person gefunden worden, so die Polizei. Bei der Schwerverletzten handele es sich um eine Frau, die in der Einrichtung "Thusnelda-von-Saldern-Haus" untergebracht war, sagte die Sprecherin des diakonischen Anbieters Oberlinhaus, Andrea Benke, am Donnerstag.

Auch die vier Todesopfer waren nach Angaben des Oberlinhauses langjährige Bewohner in der diakonischen Einrichtung. Zwei von ihnen hätten dort seit ihrer Kindheit gelebt, sagte Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen in den Oberlin Lebenswelten am Donnerstag.

Bei den Opfern handelt es sich nach rbb-Informationen um zwei Frauen und zwei Männer, im Alter zwischen 31 und 56 Jahren. Einer Sprecherin des Oberlinhauses zufolge war die mutmaßliche Täterin zur Tatzeit mit zwei Mitarbeitern des Hauses in ihrem Pflegebereich tätig.

Trauer und Anteilnahme in Potsdam

Vor dem Thusnelda-von-Saldern-Haus legten inzwischen Potsdamerinnen und Potsdamer Blumen nieder. Der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sagte im rbb, es gebe in der Stadtbevölkerung eine große Anteilnahme. "Man merkt einfach, dass Oberlin nicht nur ein Teil von Babelsberg, sondern auch ein Teil von Potsdam ist - ein ganz wichtiger." Wie es nun im Oberlinhaus weitergehen werde, werde die Stadt in nächster Zeit gemeinsam mit den Vertretern des Oberlinhauses entscheiden, so Schubert.

Matthias Fichtmüller, Theologischer Leiter des Oberlinhauses, sagte am Donnerstag im rbb, die Tat sei für die Mitarbeiter und die Bewohner des Hauses ein schwerer Schlag. "Jeder dieser vier Todesfälle ist ein Todesfall in der Familie der Oberliner." Es gebe aber viel Unterstützung und Zusammenhalt. "Wir haben in den letzten 24 Stunden im Oberlinhaus eine außergewöhnliche Nähe erlebt bei Menschen, die sich sonst als Arbeitskollegen eher flüchtig begegnen", so Fichtmüller.

Wohnheim für behinderte Menschen in Potsdam-Babelsberg © AP/Michael Sohn
Wohnheim für behinderte Menschen in Potsdam-Babelsberg | Bild: AP/Michael Sohn

Oberlinhaus und Politik reagieren schockiert

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nahm am Abend an einer Andacht für die Opfer in der Kapelle der Einrichtung teil. Zuvor hatte er sich bestürzt über die Vorfälle geäußert: "Eine schreckliche Nachricht. Ich bin schockiert", sagte Woidke nach Angaben von Regierungssprecher Florian Engels. "Meine Gedanken gelten den Opfern und meine Anteilnahme den Angehörigen."

Auch die Brandenburger Gesundheitsministerin, Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), zeigte sich entsetzt. Die Tötungen hätten sie tief erschüttert und mit Trauer erfüllt. "Spekulationen jeglicher Art verbieten sich", betonte sie mit Blick auf den noch offenen Tathergang. Sie sprach den Angehörigen ihr Beileid aus.

Auch der Brandenburger Landtag sprach den Angehörigen Mitgefühl und Anteilnahme aus. "Die schreckliche Bluttat in der vergangenen Nacht" erfülle das Parlament "mit Entsetzen und mit viel Traurigkeit", sagte Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) am Donnerstagmorgen in Potsdam kurz vor Beginn der Plenarsitzung.

 

Vier Menschen in Potsdamer Pflegeheim getötet (Quelle: dpa/Michael Sohn)
| Bild: dpa/Michael Sohn

Polizei seit kurz vor 21 Uhr am Donnerstagabend im Einsatz

Seit etwa kurz vor 21 Uhr war die Polizei am Mittwoch nach eigenen Angaben im Einsatz im Potsdamer Stadtteil Babelsberg. Auch die Notfallseelsorge war vor Ort. Vor der Einrichtung in der Rudolf-Breitscheid-Straße standen Polizeiautos und Krankenwagen.

Zu dem Komplex, auf dem sich die Tat ereignete, gehören neben einer Klinik Kitas und Schulen, Arbeitsplätze und Wohnbereiche für Menschen mit Behinderung und Beratungsstellen. Der Verein Oberlinhaus beschreibt sich auf seiner Website als diakonisches "Kompetenzzentrum für Teilhabe, Gesundheit, Bildung und Arbeit in der Region Berlin-Brandenburg".

Fassungslosigkeit und Trauer am Oberlinhaus in Potsdam

Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung dieses Beitrags hatten wir geschrieben, die Taten hätten sich in einer Klinik ereignet. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Leichen in einer Betreuungseinrichtung der "Oberlin-Lebenswelten" in Potsdam-Babelsberg aufgefunden wurden. Wir bitten diese Ungenauigkeit zu entschuldigen.

Die Kommentarfunktion wurde am 29.04.2021 um 08:53 Uhr geschlossen.

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15 Kommentare

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  1. 15.

    Ja, mei, dann lassen Sie es doch einfach! Sie haben gar nicht begriffen, worauf Doc Eisenbart anspielt.

  2. 14.

    Ich zünde gedanklich eine Kerze für die Opfer an - den Angehörigen mein tiefes Beileid, mögen liebe Menschen um sie herum sein, die ihnen Kraft geben...


    Eine schreckliche Tragödie....

  3. 13.

    Sie sollten richtig lesen bevor Sie antworten.
    Mehr habe ich zu diesem Thema nicht zu sagen. Dazu ist das einfach zu traurig was da passiert ist.

    Nr. 8 @ Doktor Eisenbart schämen Sie sich für Ihre Bemerkung.

  4. 12.

    Ich habe in 2 Monaten jede Woche jemanden auf einer Palliativmedizin besucht, hier in Berlin. Dort ist alles ruhig, läuft normal ab. Dort kann man nicht von der ...sogenannten Überlastung...sprechen. Man sollte nicht immer alles mit Corona verbinden!

  5. 11.

    Ich schließe mich an. Diese Klugscheißerei ist unerträglich.

  6. 10.

    Wenn das Ihr wichtigstes Problem ist, dann Glückwunsch. Ein solcher Sinnlos-Kommentar ist derart unangebracht, dass meine feine Kinderstube jegliche weitere Art, darauf einzugehen, verbietet.

  7. 9.

    Lieber RBB ich würde es angemessen finden, wenn zu diesem Beitrag ausnahmsweise mal KEINE Kommentare zugelassen bzw. veröffentlicht werden.

  8. 8.

    ... und dann reichte der gute Vorsatz nicht mal für ein Leerzeichen vor dem "Aber".

  9. 7.

    Ich kann zwar nicht wissen, wie sich jemand, der/die in so einer Einrichtung arbeitet, unter Dauerstress und -belastung fühlt, aber mutmaßlich vier Menschen zu töten (!!) darf doch nicht mit "am Limit sein" begründet werden...

  10. 6.

    Eine schlimme Sache.
    Man sollte da auch nichts weiter kommentieren und Vermutungen anstellen.Aber gerade in solchen Einrichtungen die ja nun besonders unter den Dauer lockdown leiden kann es schon passieren das jemand durchdreht.
    Irgendwie sind wir ja alle am Limit.
    Ich wünsche den Angehörigen viel Kraft das zu verarbeiten.

  11. 5.

    Das Thusnelda-von-Saldern Haus gehört nicht zur Klinik!
    Dieses Haus ist eine Betreuungseinrichtung für behinderte Menschen.
    Schreibt nicht alles nach was die Bild euch vorschreibt...

  12. 4.

    Also, der letzte Absatz ist jetzt fast gut gelungen.
    Die Erklärung der Oberlinklinik hat in Bezug auf diesen Artikel dort aber einfach nichts zu suchen.
    Die Oberlinklinik ist eine Fachabteilung.
    OBERLINHAUS ist der Verein.
    Vllt mal bei der Konkurrenz im Tagesspiegel gucken.
    Dort ist es gut erklärt.

  13. 3.

    Danke schön für die Korrektur.

  14. 2.

    Was geht nur in manchen Köpfen vor? Ist es nicht alles schon so schlimm genug?

  15. 1.

    Ein heftiger Fall. Vier Menschen umzubringen bedeutet EINIGES.
    Auf weitere Hintergrundinformationen bin ich gespannt.

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