Genanalyse mit Folgen - Eisbären-Paar im Berliner Tierpark ist Bruder und Schwester

Archivbild: Eisbär-Mädchen Hertha (l) spielt im Tierpark mit Mutter Tonja. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Video: Abendschau | 18.05.2021 | A. Deutschmann / P. Höppner | Bild: dpa/P. Zinken

Betroffenheit im Berliner Tierpark: Eisbärin Tonja und Eisbär Wolodja sind Geschwister. Das ist bei Genanalysen festgestellt worden. Beim Transport von Moskau nach Berlin wurde Tonja offenbar verwechselt. Das bereitet nun verschiedene Probleme.

Die im Berliner Tierpark lebende Eisbärin Tonja ist als junge Bärin in Russland vertauscht worden und hat dieselben Eltern wie Eisbär Wolodja. Das habe eine Genanalyse ergeben, teilte der Tierpark am Dienstag mit. Aus diesem Grund dürfe die Eisbärin in absehbarer Zeit keinen weiteren Nachwuchs bekommen.

Tonja und Wolodja sind Schwester und Bruder

Wie der Tierpark mitteilte, war Tonja vor zehn Jahren aus Moskau nach Berlin gebracht worden. Dabei seien ihr aber die falschen Dokumente zugeordnet worden, wie jetzt durch eine Genuntersuchung aufgedeckt worden sei. Offensichtlich wurden zwei Jungtiere verwechselt, die einen Altersunterschied von nur zwei Tagen haben.

Bei Untersuchungen am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wurde demnach festgestellt, dass Tonjas Eltern nicht, wie bisher angenommen, die Eisbären Untay und Murma sind, sondern Vrangel und Simona. Damit jedoch ist Tonjas Eisbären-Mann Wolodja, der 2011 ebenfalls in Moskau zur Welt kam und inzwischen im Berliner Tierpark lebt, ihr Bruder.

Tonja und Hertha raus aus dem Zuchtprogramm

Wie der Tierpark mitteilte, ist die Abstammungslinie Vrangel und Simona zudem in den europäischen Zuchten sehr stark repräsentiert - deshalb solle Tonja nun vorerst keine weiteren Jungen bekommen. Dasselbe gilt für die 2018 in Berlin geborene Tochter Hertha. Das habe das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Eisbären (EEP) entschieden, so der Tierpark.

Dass der Tod von zwei Jungtieren Tonjas' - darunter des kleinen Eisbären Fritz - mit der Inzucht zusammenhängen könnte, schließt der Tierpark "mit hoher Wahrscheinlichkeit" aus. Es seien damals andere Todesursachen gefunden worden - eine Lungen- und eine Leberentzündung -, auch sei die Jungtiersterblichkeit bei Eisbären grundsätzlich hoch.

Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem zeigte sich laut Mitteilung betroffen von den Untersuchungsergebnissen. "Für die verantwortungsvolle Arbeit des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes ist dieser folgenschwere Fehler ein sehr bedauerlicher Rückschlag", teilte er mit. Gemeinsam mit dem Erhaltungszuchtprogramm sei aber zumindest beschlossen worden, "dass Hertha und Tonja nun bis auf Weiteres Berlinerinnen bleiben werden. Die Tatsache, dass die beiden putzmunteren Bärinnen sich bestens miteinander verstehen, ändert sich glücklicherweise nicht."

Sendung: Abendschau, 18.05.2021

6 Kommentare

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  1. 6.

    Was regt Ihr euch so auf....Hertha ist gesund. Das ist das Wichtigste oder??

  2. 5.

    Liebe Angela.
    Das kann ich Ihnen erklären. Es werden unentwegt alle im Zoo lebenden Tiere Tierärztlich rund um die Uhr versorgt und von den Pflegern sorgsam umsorgt. Siehe die beiden Pandas. Besonders jetzt bei solch eine Überführung von Eisbären kann ich schon erwarten, das eine sehr gründliche Untersuchung vorgenommen wird. Ist aber nicht geschehen zu Beginn und somit steht für mich eindeutig fest, da wurde geschlampt im wahrsten Sinne des Wortes. Erst nach zehn Jahren stellt sich heraus es sind Bruder u.Schwester. Und ich gehe sogar noch weiter u.stimme Herrn Glaudino voll zu. Da wurde unsauberer Tierhandel betrieben. Wer nun die Schuld dabei trägt, ist eine andere Geschichte.

  3. 4.

    Und warum hätte das gemacht werden sollen?
    Es lagen doch Papiere vor und die stimmen normalerweise auch.
    Nur, weil jetzt zufällig herauskam, dass da ein Fehler bzw. eine Verwechslung vorlag, jetzt klug daherzureden, ist einfach.

  4. 3.

    Ähem: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/av7/video-eisbaer-hertha-inzucht-berlin-tierpark.html

    Und ja, Lothar, das ist wirklich nicht mehr peinlich zu nennen. Hier wurde wohl, so vermute ich mal, vorsätzlich unsauberer Tierhandel betrieben . . .

  5. 2.

    Ist doch süß, wenn sie sich gut verstehen und keinen Nachwuchs zeugen, sehe ich kein Problem.

  6. 1.

    Das ist mehr als peinlich. Diese Untersuchung hätte schon gleich zu Beginn der Zusammenführung getätigt werden müssen. Jetzt haben sie das Dilemma.

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