140 Jahre "Elektrische" - Wie die Straßenbahn nach Berlin kam

Am 16.05.1881 nimmt in Groß-Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf (Bild: dpa/Sunny Celeste)
Bild: dpa/Sunny Celste

Neben Bussen, S- und U-Bahn ist die Straßenbahn kaum aus dem öffentlichen Nahverkehr wegzudenken. Dabei stieß das neuartige Fortbewegungsmittel um 1880 zunächst auf wenig Gegenliebe. Durch einen Kompromiss schaffte es die Tram schließlich doch noch nach Berlin.

Vor 140 Jahren, am 16. Mai 1881, fuhr die erste elektrische Straßenbahn mit Fahrgästen durch Lichterfelde. Damit war nicht nur der Grundstein für die Personenbeförderung mit einer elektrischen Schienenbahn in Berlin gelegt, sondern laut BVG begann so sogar eine weltweite Ära.

Ein Siegeszug, der laut dem Unternehmen Siemens allerdings eher aus Verlegenheit passierte. Denn als sich der Erfinder der elektrischen Straßenbahn, Werner von Siemens, ab 1880 um eine Konzession seiner neuartigen Bahn in der Friedrichstraße und der Leipziger Straße bemühte, scheiterte er zunächst.

Eine Straßenbahn spiegelt sich in einer Regenpfütze in Berlin. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Eine Straßenbahn heute. | Bild: dpa/Paul Zinken

Versuchsstrecke außerhalb der Stadt

Die Anwohner und Behörden lehnten die Siemens-Bahn ab. Die Stadtverwaltung äußerte starke Bedenken gegen Bau und Betrieb. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Der zuständige Minister Albert von Maybach genehmigte eine Versuchsstrecke außerhalb der Stadt. Die Wahl fiel auf Lichterfelde, damals noch eigenständig und ein Vorort von Berlin.

Die zunächst 2,5 Kilometer lange Strecke verband die Station Lichterfelde mit der zentralen Kadettenanstalt der Preußischen Armee. 20 Stundenkilometer schaffte die Straßenbahn seinerzeit. Die Zweifel an ihrem Nutzen war bei der Bevölkerung allerdings schnell verflogen, liebevoll tauften sie die Siemens-Innovation auf den Namen "die Elektrische".

1918 eine Milliarde Fahrgastfahrten

Und auch bei den Behörden fand die Tram Anklang. Denn das Straßenbahnnetz wuchs rasch, genau wie die Stadt Berlin selbst: Bereits zum Jahrhundertwechsel war das Schienennetz mehr als 400 Kilometer lang. 1929 waren es laut BVG sogar 1.300 Gleiskilometer.

Ihren Höhepunkt erreichte die Straßenbahn in Berlin zwischen den beiden Weltkriegen. Nach Unterlagen im BVG-Archiv wurden 1918 eine Milliarde Fahrgastfahrten gezählt. Eine Zahl, die die Gesamt-BVG erst fast 100 Jahre später wieder erreichen sollte.

Straßenbahnnetz wächst weiter

Statt 20 Stundenkilometer schaffen die modernen Tram-Züge heute theoretisch 70 Kilometer pro Stunde, die allerdings nicht ausgereizt werden. Das Straßenbahnnetz misst 195 Kilometer Länge und wächst: Neue Strecken sind in Planung oder bereits im Bau. Mittlerweile gibt es mehr als 800 Tramstationen.

Tatra-Straßenbahnen fahren letztmalig durch Berlin

Zwei Tatra-Straßenbahnen stehen am 07.05.2021 in der Nähe der Haltestelle Landsberger Allee/Petersburger Straße. (Reporterbild: rbb/N.Donath)
rbb/N.Donath

Video: rbb|24 | 07.05.2021 | Naomi Donath

Sendung: Abendschau, 16.05.2021, 19 Uhr 30

72 Kommentare

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  1. 72.

    Mir gefiel stets der Oberleitungsbus viel besser. Er macht keinen Lärm, er benötigt keine zwingende Trasse und falls er kaputtgeht, kann man ihn einfach ausklinken und zur Seite schieben. Ein ewiges Rätsel: Wieso klingeln manche Straßenbahnen manchmal so komisch? Ist das ein Anfahrgeräusch mancher Fabrikate?

  2. 71.

    Es ist immer das Gleiche, landauf, landab. Stehen Bauarbeiten an, bildet sich eine Phalanx von Gegnern, ist die Straßenbahn erstmal da, will niemand zuvor dagegen gewesen sein, weil alle ihren Vorteil erkennen.

    Es soll ja mittlerweile sogar schon zu Unfällen gekommen sein, weil die Tram behaupteterweise zu leise war - auf jeden Fall für die, die beim Queren der Gleise einen Kopfhörer mit Musikeinspielung auf hatten.

  3. 70.

    Überzeugte Autler wie Sie gibt es viel zu viele auch aus Brandenburg hier auf Berliner Straßen. - und dann meist auch mit einem Sticker wie Sie den fahren. Leider meint es die Dame mit dem Dienstwagen nicht allzu Ernst mit dem Ausbau des ÖPNV. Standen da nicht für Posten an der Stadtgrenze?

  4. 69.

    In Sachen Berlin muss mir nichts gelingen. Diese Stadt ist so verändert-zum schlechten-bis Köpenick und nicht weiter. Ausnahme ist der Hbf. Weil es von dort zu meiner Tochter oder nach Binz geht. Früher war Wilmersdorfer- und Schloss-Str. kein Problem. Einmal angegammelt hat uns gereicht. Warum sind sie nicht in Grünheide ? Musk wird sie vermissen ?

  5. 68.

    Ob die modernen Trams von heute tatsächlich immer noch zu laut sind wie es immer wieder erzählt wird und ob die meisten Anwohner am Ostkreuz tatsächlich den Bau der Tram verhindern weil diese schlechtere Lebensqualität befürchten dahinter würde ich gerne mal ein großes Fragezeichen setzen . Es scheint doch vielmehr darum zu gehen gewohnte " Freiheiten " nicht hergeben zu wollen wenn es um parken und Parkplätze geht und weil einige denken das die Mieten durch eine Tram steigen könnten . Es gibt sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern wie Holland , Belgien , Schweiz oder Frankreich Beispiele wo man sehr gut sehen kann das ein Umbau einiger Straßen und Plätze hin zu mehr Fußhängern , Radfahrern und ÖPNV und hier insbesondere der Tram sehr wohl zu mehr Lebensqualität führt . Und wer tatsächlich denkt das in einer großen Stadt weniger Verkehr herrscht als in einem kleinen Ort ist schon mehr als Naiv und sollte lieber gleich in seinem kleinem Ort bleiben !!

  6. 67.

    Sie können gerne meine Fakten zur Kapazität der U- und Straßenbahne in Berlin widerlegen. Ihr Frust, dass Ihnen das auch hier in diesem Berliner Thema nicht gelingt, ist Ihnen anzumerken.

  7. 66.

    In Bezug auf Lebensqualität muss man aber ein Fragezeichen setzen. Viele zogen in die Stadt und wundern sich danach, dass es hier mehr Verkehr gibt als in ihrem kleineren Heimatort, auch Straßenbahnen. Ich denke dabei an die Dame, die zu einer Zeit, als es noch freie Auswahl bei den Wohnungen gegeben hatte, an die Berliner Allee gezogen ist. Die war temporär frei von motorisierten Fahrzeuge und wurde dazu vom RBB interviewt. Ihr sind die Tram zu laut und fahren zu häufig.

    Auch in Bezug auf das Ostkreuz sind die Anwohner der geplanten Strecke in Bezug auf die Lebensqualität anderer Meinung und verzögern den Bau.

  8. 65.

    Na ja, außer den "sortenreinen" Stadtautobahnen, Fußgängerbereichen und den Schienenverkehrssträngen mischen sich alle Verkehrsarten in allen Bereichen. Folglich käme es auf die Art der Mischung an. Und da ist eben jahrzehntelang ziemlich viel schiefgelaufen. Da sind Stadtstraßen zu Autostraßen geworden. Jetzt geht es wieder darum, sie zu Stadtstraßen werden zu lassen.

  9. 64.

    Wir ehemaligen DDR-Bürger mußten alle Klimmzüge mitmachen. Die kleine DDR zahlte Reparationen an die Sowjetunion und Neumann lästert nur über den armen Osten. Ziemlich traurig.

  10. 62.

    Sie brauchen vielleicht keine Straßenbahn..viele andere schon..ich bin froh sie nutzen zu können denn nicht alle Menschen sind gesundheitlich in der Lage das Rad zu nehmen

  11. 61.

    Glückwunsch für 140 Jahre " Elektrische " in Berlin und hoffentlich noch mindestens weitere 140 Jahre !! Schade das der Ausbau des Netzes in Berlin so schleppend voran geht denn dieses Verkehrsmittel hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient auch und gerade im Zeichen des Klimawandels und in Bezug auf deutlich mehr Lebensqualität in größeren Städten.

  12. 60.

    Natürlich gibt es solche und solche.
    Ich nutze meist ÖPNV, und bin dankbar für jede Verbesserung und Ausbau der Selbigen.
    Trotzdem ist auch der Individualverkehr wichtig, nicht Alle können den ÖPNV nutzen, es gibt auch für mich Situationen, wo ich auf ein Auto angewiesen bin.

    Die Stadt ist für ALLE da.

  13. 59.

    Ja eben. Es gibt Kommentierenden die sich liber mit Radfahrern befassen, und auf solch ein Kommentar habe ich geantwortet. Wo ist das Problem?

  14. 58.

    Übrigens bestätigen Sie indirekt meine These: Oben am Stadtrand, in der Innenstadt unter der Erde.

  15. 57.

    "Vision Zero" sollte für alle das Ziel sein, also auch die Radfahrer. Die StVo gilt übrigens auch für die. Es ist immer wieder peinlich, wie die Kampfradler sich hinter der Polizeistatistik verstecken, um die Verstöße zu rechtfertigen. Dabei ist sei Jahren aus den Untersuchungen der UdV in Zusammenarbeit mit Kliniken und der Polizei bekannt, dass die Unfallziffern mit Schwerverletzten Rad/PKW sich mit rd. 15 % deutlich von denen bei Rad/andere (bis über 90 %) unterscheiden.

  16. 56.

    Beschwerden zu deren schleppenden Ausbau sind an die dienstwagenpendelnde SenUVK zu richten. Deren groß im NVP von 02/2017 angekündigte Bauoffensive war bereits einen Monat später Makulatur wie auch die NIMBYs erfolgreich den Bau der Tram zum Ostkreuz verzögern.

  17. 55.

    Schauen Sie mal in eine Karte Berlins von 1880/1885. Die Akzisemauer war zu der Zeit schon obsolet. Den gegenüber lag z.B. der Zoo noch ausserhalb der Stadtgrenzen.

  18. 54.

    Ein Musterbeispiel dafür waren die Vorstellungen über die Gestaltung des Stadtzentrums und der städtischen Räume insgesamt. Da lag die DDR in den 1960er Jahren "ideologisch" gleichauf mit dem vorherigen Bundesgebiet, was "schienenfreie Straßenräume" angeht. Inzwischen sind alle etwas klüger geworden - bis auf Hamburg.

  19. 53.

    Mir ist das zu pauschal.
    Es gibt solche und solche, auf allen Seiten und es gibt seitens der Stadtpolitik die Schaffung oder Vernichtung von Bewegungsräumen - sowohl für zu Fuß Gehende, als auch für Radfahrende, als auch für Autofahrende oder für den öffentlichen Personennahverkehr.

    Jahrzehntelang sind zu Fuß Gehende förmlich an die Wand gedrückt worden, Bürgersteige wurden eingeengt durch Freigabe von Stellplatzflächen für Kfz. Das hat nachvollziehbar zu Frust geführt.

    Seit den 1980ern gibt es eine vernünftige Wandlung hin zum Ausbau des ÖPNV in den Städten, auch der Straßenbahn, die Argumente dazu habe ich hier in mehreren Beiträgen genannt. Da, wo die Fahrziele dicht aneinanderliegen, ist ein gemeinschaftliches Verkehrsmittel einem Individualverkehrsmittel zehnmal überlegen. Individualverkehrsmittel werden zu 10 % benutzt, zu 90% stehen sie herum und blockieren Flächen, bei den öffentlichen Verkehrsmittel ist es umgekehrt. Das hat gerade in der Stadt Konsequenzen.

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