Ein Schild mit der Aufschrift "Rassismus tötet" während einer Demonstration in Berlin (Bild: dpa/Uwe Koch)
Bild: dpa/Uwe Koch

Opferperspektive veröffentlicht Zahlen - Beratungsstellen zählten 2020 mehr als 1.300 rechte Angriffe

Trotz Kontaktbeschränkungen hat es vergangenes Jahr in Berlin, Brandenburg und sechs weiteren Bundesländern zahlreiche rechte und rassistische Angriffe gegeben. Dem Verein Opferperspektive zufolge wurden täglich mindestens drei Menschen Opfer rechter Gewalt.

Die Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt beklagen ein anhaltend hohes Niveau von Gewalttaten. Im vergangenen Jahr zählten die in acht Bundesländern vertretenen Anlaufstellen, darunter in Berlin und Brandenburg, trotz der Corona-Einschränkungen 1.322 rechte und rassistische Angriffe. Das sagte die Geschäftsführerin des Brandenburger Vereins Opferperspektive, Judith Porath, am Dienstag in Berlin.

Demnach werden mindestens drei bis vier Menschen täglich Opfer rechter Gewalt. Von den 1.922 direkt von den Taten Betroffenen seien fast ein Fünftel Kinder und Jugendliche (339) gewesen.

2020: Elf Tote durch rechte Gewalt

Elf Menschen seien 2020 bei rechten Gewalttaten ums Lebens gekommen, darunter die neun Opfer des rechtsterroristischen Anschlags von Hanau im Februar 2020. Jeweils zwei Menschen starben in Sachsen und Thüringen durch homofeindlich motivierte Gewalt.

Zunahme bei anti-asiatischen Rassismus

Rund zwei Drittel aller Angriffe (809 Fälle) registrierten die Beratungsstellen als rassistisch motiviert. Betroffen waren überwiegend Menschen mit Migrationsgeschichte und Schwarze Deutsche. Eine starke Zunahme gab es auch beim anti-asiatischen Rassismus.

237 Angriffe richteten sich gegen politische Gegnerinnen und Gegner. Porath kritisierte die anhaltende Diskrepanz zwischen den Zahlen staatlicher Stellen und Behörden und den Zahlen der Beratungsstellen. Viele rechte Taten würden von Polizei und Justiz weiterhin nicht als solche erfasst und als einfache Kriminalität eingestuft.

Vertreten sind die Opferberatungsstellen derzeit in den fünf ostdeutschen Bundesländern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Seehofer: Lage "sehr, sehr beunruhigend"

Allerdings zählte auch das Bundeskriminalamt (BKA) im vergangenen Jahr einen Höchststand bei den politisch motivierten Straftaten. Demnach stieg 2020 die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 8,54 Prozent auf insgesamt 44.692 Straftaten an. Mehr als die Hälfte dieser politisch motivierten Taten sei auf das Konto von Rechten gegangen.

Das waren gut 3000 mehr als im bisherigen Negativrekordjahr 2016 mit damals heftigen Auseinandersetzungen in der Flüchtlingspolitik. Das sei "sehr, sehr beunruhigend", weil sich damit ein Trend der vergangenen Jahre verfestige, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Vorstellung der Statistik am Dienstag in Berlin.

Sendung: Abendschau, 04.05.2021, 19:30 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Offensichtlich gint es hier Schwierigkeiten, Ihnen einen Link zukommen zu lassen ...

    "Bei antisemitischen Straftaten können die Täter Rechtsextremisten, linke Israelfeinde oder Islamisten sein. Die Mehrheit der Fälle in Berlin wird Rechtsextremisten zugeordnet - ohne Belege, wie aus einer Senatsantwort hervorgeht. "

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article193060111/Statistik-in-Berlin-Polizei-ordnet-antisemitische-Taten-Rechtsextremen-zu-ohne-Belege.html

  2. 3.

    Ich hätte Ihnen gerne eine Quelle genannt. Aber mein Kommentar wurde bisher nicht freigeschaltet.
    Ich versuche es nochmal:
    Ihttps://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/kritik-an-polizeistatistik-motive-fuer-antisemitische-straftaten-nicht-klar-erfasst-li.45968
    Bitteschön.

  3. 2.

    Dann geben Sie mir bitte die Quelle für Ihre Aussage. Eigentlich ist es immer ganz anders, z.B. in Aue wird ein Homosexueller von Rechten umgebracht und es wird erst gar nicht als rechte Gewalt benannt. Rechte Gewalt ist die größte Gefahr im Land und oft wird sie bewusst, wie Sie es auch tun, relativiert. Nationalismus und Rassismus gegen Minderheiten gehören zusammen, die kommen immer wie ein Verbund und verbreiten Hass und Gewalt gegen jedermann. Gegen jedermann, vergessen Sie das nicht.

  4. 1.

    Wenn ein junger Mann aus Syrien, Palästina oder Afghanistan (zum Beispiel) hier in Berlin in aller Öffentlichkeit einen Juden oder einen schwulen Mann oder ein lesbisches Paar attackiert, aus entsprechend antisemitischer beziehungsweise homophober Motivation, dann wird auch dieser Fall, wenn er denn erfasst wird, in der Kriminalstatistik unter der Rubrik “rechts“ registriert. “Rechts“ im Rahmen der Statistik sind also nicht ausschließlich “biodeutsche“ Neonazis, die sich aus rassistischer Motivation heraus zu Gewalttaten hinreißen lassen. Die gibt es auch, keine Frage, aber sie sind nur ein Teil der Fälle die in diesen Statistiken in einer Kategorie zusammengefasst werden. Das wird hier bloß nicht erwähnt.

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