Christi Himmelfahrt - "Vater sein ist vielfach Plag, drum leb er hoch der Vatertag"

Thomas Köhler, Bierbrauer und einer der beiden Inhaber der Braumanufaktur im Potsdamer Forsthaus Templin, trägt am 04.05.2021 einen Kasten "Maibock" ins Lager. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.05.2021 | Vera Kröning-Menzel | Bild: dpa/Soeren Stache

Rudelweise Bier trinkende Männer - das ist das Klischee vom Himmelfahrtstag. An christliche Wurzeln denkt man da weniger. Allerdings endete bereits vor Jahrhunderten so manche Himmelfahrtsprozession in einem Besäufnis. Von Vera Kröning-Menzel

Es ging auch darum, dem Muttertag etwas entgegenzusetzen, als ein österreichischer Geschäftsmann in den 1950er Jahren dichtete: "Vater sein ist vielfach Plag, drum leb er hoch der Vatertag". Gemeint war der Himmelfahrtstag und der Österreicher gehörte damit zu den Wegbereitern der modernen Deutung des Tages in Europa.

In Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden bekommen Väter am Himmelfahrtstag Geschenke, und auch hier haben viele Kinder etwas zum Herrentag für ihre Väter gebastelt.

"Aufgefahren in den Himmel"

Doch der gesetzliche Feiertag bezieht sich auf ein altes christliches Fest. In den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt war Christi Himmelfahrt noch mit Pfingsten verbunden. Seit dem vierten Jahrhundert wird es als eigener Festtag gefeiert – und zwar immer 40 Tage nach Ostern.

Im Glaubensbekenntnis beten die Gläubigen jeden Sonntag im Gottesdienst, dass sie an Jesus Christus glauben, der gestorben und auferstanden ist und dann, wie es in dem Bekenntnis heißt, "aufgefahren in den Himmel".

Denn nach den biblischen Erzählungen war Jesus nach seiner Auferstehung noch für eine Weile unter den Seinen und sprach mit ihnen. Dann wurde er – so beschreibt es der Evangelist Lukas im Neuen Testament - vor ihren Augen emporgehoben: Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Nun sitzt er, so heißt es Glaubensbekenntnis, zur "Rechten Gottes". Denn christlich betrachtet ist der Himmel kein geographischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes.

In diesem Jahr wird digital prozessioniert

Christi Himmelfahrt und der Herrentag fallen aber nicht zufällig auf den gleichen Tag: Himmelfahrts-Gottesdienste finden traditionell unter freiem Himmel statt. Und in manchen Regionen Deutschlands ziehen Gläubige in Prozessionen durch Felder oder Weinberge, um für eine gute Ernte zu bitten.

Wegen der Corona-Pandemie gibt es jedoch auch in diesem Jahr deutliche Einschränkungen und sehr viele Absagen. Auch der ökumenische Kirchentag, der mit einem gestreamten Himmelfahrtsgottesdienst in Frankfurt am Main beginnt, muss fast ausschließlich digital stattfinden.

In vielen Gegenden haben die traditionellen Prozessionen ohnehin ihre religiöse Bedeutung verloren: So verraten kirchliche Chroniken, dass bereits im 17. Jahrhundert manche Himmelfahrtsprozession in einem Besäufnis endete. Daraus entwickelten sich im 19. Jahrhundert Ausflugsfahrten aufs Land nur für Männer – Frauen waren dabei nicht zugelassen. Die traditionellen Bollerwagen, Kutschfahrten oder Radtouren am Herrentag sind also quasi Überbleibsel der Prozessionen zu Christi Himmelfahrt.

11 Kommentare

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  1. 11.

    Der Spruch reimt sich zwar, aber er ist trotzdem voll daneben.
    Man stelle sich vor, ähnliches über die Mütter zu lesen, "da wär was los".

  2. 10.

    Väter sind oft eine Plage, drum leb' sie hoch - die Scheidungsklage!

  3. 9.

    Und ich grüße alle echten Männer, die heute im Kreise ihrer Familie den Vatertag ohne Besäufnis verbringen. So kann’s nämlich auch gehen. Nicht persönlich gemeint.

  4. 8.

    DANKE liebe Toska! Tolle Idee alle unbekannten Männer zu grüßen und nicht als erstes wegen dem Alkohol zu verteufeln! Ich wünsche dir auch einen schönen Herrentag und alles Gute, bleib gesund!

  5. 7.

    Wie recht Sie doch haben. Ich wollte nicht so explizit darauf jetzt eingehen. Doch weil Sie es hier kommentieren, der Abend könnte in manch einer Familie heute gewaltig auch den Bach runter gehen. Von Gewaltexesse gar nicht erst zu sprechen. Traurig aber wahr.

  6. 6.

    Weil es albern und ungerecht wäre. Die Mehrheit der Männer verhält sich doch wohl normal. Es gibt immer solche und solche, wie immer und überall.

  7. 4.

    Och man kann sich ganz gut davor Schützen, Vater zu werden, was "eine Plage" ist.
    Meines Wissens gehören zur Vaterschaft immer zwei...
    Niemand wird ungewollt oder ungefragt Vater.
    Dann sollte man aber auch zu seiner Verantwortung stehen.
    "Kinderaufzucht ist Sache der Frau" ist ja sowas von 1920.

  8. 3.

    Ein besonderer Tag für all diejenigen, der ohnehin legalen Droge Alkohol zu frönen. Ein Prosit auf die Promillegrenze.

  9. 2.

    Warum nenn man es nicht endlich in Alkoholiker-Tag um? Mit einer deutschlandweiten Warnung, dass Töchter und Frauen heute besser nicht das Haus verlassen.
    Das würde viele Schmerzen und Tränen vorbeugen.

  10. 1.

    Ein sehr schöner Beitrag , danke dafür.
    Ich wünsche allen Männern und Vätern einen schönen " Vatertag", sie haben es sich verdient und immer schön Absatnd halten und Maske auf egeal in welchen Zustand :-)

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