Berlin-Lichtenberg - Unbekannte beschmieren jüdischen Gedenkstein

Gedenkstein für die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Hohenschönhausen, die 1938 zerstört wurde, mit grüner Farbe beschmiert. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Bild: dpa/Annette Riedl

Unbekannte haben in der Nacht zu Montag in Berlin-Lichtenberg einen Gedenkstein mit grüner Farbe übergossen. Er soll an die Zerstörung einer Synagoge erinnern. Eine Spaziergängerin entdeckte das beschmierte Mahnmal an der Konrad-Wolf-Straße im Ortsteil Alt-Hohenschönhausen am Montagmorgen, wie die Polizei mitteilte.

Der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) erklärte, er sei tief erschüttert. "Ich verurteile diese Tat auf das Schärfste. Der Gedenkstein erinnert an die Synagoge und an die von den Nazis ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Hohenschönhausens."

Staatsschutz ermittelt wegen "gemeinschädlicher Sachbeschädigung"

Der Gedenkstein steht an der Stelle, wo sich ab 1935 im Hinterhof eine Synagoge befand. Sie bestand jedoch nur bis zu den Novemberprogromen 1938. Der Gedenkstein war im April 2000 enthüllt worden.

Nach Polizeiangaben ermittelt der Staatsschutz wegen "gemeinschädlicher Sachbeschädigung". Die Einheit wird bei mutmaßlich politisch motivierten Taten aktiv.

Zuvor hatte der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) nach israel- und judenfeindlichen Ausschreitungen am Wochenende ein hartes Durchgreifen der Justiz angekündigt. "Antisemitismus hat auf unseren Straßen nichts zu suchen. Ich gehe davon aus, dass der Rechtsstaat jetzt auch Zähne zeigt", erklärte Geisel am Montag auf Radioeins vom rbb.

Mehrere Festnahmen bei Pro-Palästina-Demonstration in Neukölln

Geisel hatte am Sonntagabend zudem angekündigt, kurzfristig den seit 2019 existierenden "Runden Tisch gegen Antisemitismus" einberufen zu wollen, um über Sicherheits- und Präventionsfragen zu beraten.

Bei einer Pro-Palästina-Demonstration in Berlin-Neukölln waren am Samstag 93 Polizisten verletzt und Demonstranten unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Gewalt gegen Polizeibeamte festgenommen worden.

Sendung: Abendschau, 17.05.2021, 19:30 Uhr

9 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 9.

    War ja klar, dass Rechtsextreme auf den Zug aufspringen werden... da fragt man sich doch was widerlicher ist.

  2. 8.

    JA, genau!
    Echt korrekte Nachricht, Jens, das sehe ich so wie Sie.

  3. 7.

    An die Schädlinge: Schämt euch!
    Wir sollten ALLE nur Menschen, Mitbürger, Nachbarn sein. Egal woher und welcher Religion. Nur ein respektvolles Miteinander bringt uns weiter. Wer hier in Berlin die Konflikte seiner "Heimat/Herkunft/Vorfahren" austragen will, ist hier am falschen Ort.

  4. 6.

    Das Problem liegt nicht wirklich darin, solche Fälle in der Polizeilichen Kriminalstatistik dem Bereich "rechtsextreme Straftaten" zuzuordnen, dann es handelt sich eindeutig um eine solche, selbst wenn die Tatmotivation eine andere war. Das Problem liegt in der seit Jahren falschen Interpretation, dass rechtsextreme Straftaten nur durch Rechtextreme begangen werden könnten. Diese Interpretation verhindert seit Jahren, sich mit allen Ursachen auseinanderzusetzen, neben dem ohne Frage bestehenden Problem des Rechtsextremismus. Art der Tat (die in die PMK eingeht) und Motiv der Tat (das vor Gericht ermittelt wird) stimmen eben oft nicht überein und da Antisemitismus eben qua Definition immer Rechtsextrem ist (Herabwürdigung einer Menschengruppe), entsteht ein verzerrtes Bild der Realität, da Antisemitismus in Wahrheit aus allen politischen und religiösen Richtungen kommt. Israelkritik ist in Ordnung, Judenhass dagegen nicht, egal von wem!

  5. 5.

    Das darf nicht ausarten und muss geahndet werden.

  6. 4.

    Auf dem Weg sollte man auch endlich aufhören jeden ungeklärten antisemitischen Fall der Rechtsextremen Seite zuzurechnen, da dadurch die Statistik verfälscht wird.

  7. 3.

    " Ich gehe davon aus, dass der Rechtsstaat jetzt auch Zähne zeigt", erklärte Geisel am Montag auf Radioeins vom rbb."

    Hmm, Zähne zeigt man doch für gewöhnlich beim Lächeln, oder?

  8. 2.

    Einfach widerlich! Nicht einmal haben manche Respekt vor Grabsteinen und Gedenkstätten. Würde mich sehr interessieren, wer da wieder dahintersteckt!

  9. 1.

    Primitiver geht es nicht. Da kann sich der Mob mal so richtig austoben. Das ist wohl die unterste Schwelle der geistigen Entwicklung.

Nächster Artikel