Räumung bald angesetzt - Jugendzentrum Potse könnte neue Räume in Flughafen Tempelhof finden

Flughafen Tempelhof in Berlin (Quelle: dpa/Joko)
Bild: dpa/Joko

In den Verhandlungen zwischen Senat und dem selbstverwalteten Jugendzentrum Potse scheint eine Lösung in Sicht. Die "Zollgarage" auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof könnte das neue Zuhause des Kollektivs werden.

Das selbstverwaltete Jugendzentrum Potse könnte die "Zollgarage" auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof beziehen. Bausenator Scheel (Linke) sagte dem rbb, es habe bereits eine Begehung der Räumlichkeiten durch Vertreter des Jugendzentrums gegeben, die diesen Standort als geeignet angesehen hätten.

Der Entwurf für den Mietvertrag liege seit einer Woche beim Bezirk, hatte eine Senatssprecherin dem "Tagesspiegel" gesagt. Demnach seien auch notwendige Arbeiten an der Wasserversorgung und der Wasserentsorgung bereits in Auftrag gegeben.

Die Potse gehört zu den ältesten autonomen Jugendzentren Berlins und bietet seit den 80er Jahren Platz für Bandproben und Konzerte in der Potsdamer Straße. Der Eintritt ist dabei kostenlos. Vor knapp zwei Jahren war der Mietvertrag des Zentrums nicht mehr verlängert worden, seitdem besetzt das Betreiberkollektiv der Potse die Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße 180. Am 19. Mai soll nun endgültigt geräumt werden.

In einer Stellungnahme vor rund zwei Wochen hatten die Jugendlichen das Vorhaben kritisiert. Der Räumungstermin "war zwar zu erwarten, hat uns jedoch trotzdem kalt erwischt". Man befinde sich momentan in Gesprächen mit Bausenator Sebastian Scheel und habe verschiedene Vorschläge für Ersatzobjekte unterbreitet. "Eines davon ist ein Objekt auf dem Komplex des ehemaligen Flughafens Tempelhof."

Auch Bausenator Scheel habe die Ankündigung der Räumung "kalt erwischt", wie er dem rbb sagte. "Gerade jetzt, wo eine Lösung zum Greifen nah ist. Dafür gibt es aber andere Zuständigkeiten, die eigenverantwortlich handeln."

Potse misstraut dem Senat

Derzeit müsse noch die baurechtliche Möglichkeit geschaffen werden, in der "Zollgarage" auch Veranstaltungen wie Konzerte und Bandproben durchführen zu können. Dazu sei noch eine Prüfung der Schallschutzbelange notwendig, so Scheel.

Ob das dem Potse-Kollektiv reicht, ist jedoch fraglich. "Wenn wir erstmal raus sind, gibt es keinen politischen Druck mehr, etwas für uns zu tun“, sagte ein Sprecher in der vergangenen Woche dem Tagesspiegel.

Für Misstrauen hatte auch das Versprechen gegenüber dem Schwerster-Kollektiv "Drugstore" gesorgt, es könne andere Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße beziehen, woraufhin das Kollektiv Ende 2018 auszog. Doch bis heute seien die Räume nicht für die Nutzung instandgesetzt worden.


räumen lässt", heißt es in einer Pressemitteilung.

"Wir befürchten, dass egal auf welcher Verhandlungsebene wir uns befinden, eine Räumung der Potse von der Politik nicht verhindert wird", heißt es in dem zwei Wochen alten Statement der Potse-Aktivisten.

Für Misstrauen auf Seiten der Jugendlichen hatte das Versprechen gesorgt, das Schwester-Kollektiv "Drugstore" könne neue Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße 134-136 beziehen, woraufhin die Betreiber Ende 2018 auszogen. Doch bis heute seien die versprochenen Räume nicht für die Nutzung instandgesetzt worden.

Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) unterzeichnete nun eine Verpflichtungserklärung zur Mietkostenübernahme für die "Zollgarage" auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. "Die Verpflichtung steht unter dem Vorbehalt, dass die Potse die Räume in der Potsdamer Straße 180 aufgibt oder sich jedenfalls am 19. Mai 2021 gewaltfrei
räumen lässt", heißt es in einer Pressemitteilung.

"Wir befürchten, dass egal auf welcher Verhandlungsebene wir uns befinden, eine Räumung der Potse von der Politik nicht verhindert wird", heißt es in dem zwei Wochen alten Statement der Potse-Aktivisten.

Für Misstrauen auf Seiten der Jugendlichen hatte das Versprechen gesorgt, das Schwester-Kollektiv "Drugstore" könne neue Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße 134-136 beziehen, woraufhin die Betreiber Ende 2018 auszogen. Doch bis heute seien die versprochenen Räume nicht für die Nutzung instandgesetzt worden.

Scheel will Freiräume erhalten

Einer ähnlichen Entwicklung auch in diesem Fall versucht Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) entgegenzuwirken: "Ich hoffe, dass mit der Selbstverpflichtung des Bezirks der Weg zu einer schnellen und friedlichen Lösung frei wird. Jegliches Misstrauen des Kollektivs gegenüber dem Bezirk sollte damit ausgeräumt sein."

"Uns ist daran gelegen, diesen Freiraum zu erhalten", betonte auch Bausenator Scheel. Derzeit müsse für die "Zollgarage" noch die baurechtliche Möglichkeit geschaffen werden, den Ort auch als Veranstaltungsort nutzen zu können. Dazu sei noch eine Prüfung der Schallschutzbelange notwendig.

"Aber Grundlage ist jetzt erstmal: leise Nutzungen können hier auf dem bestehenden Baurecht schon stattfinden, das heißt, einem Umzug steht erstmal nichts im Wege", so Bausenator Scheel.

Nachbarn, die sich über Ruhestörungen beschweren könnten, gibt es auch am neuen Standort. Darunter ein weiterer Club, ein Tanzstudio und die Polizei.

Sendung: Radioeins, 07.05.2021, 5 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Ist doch ‚ne superschlaue Idee, um den Denkmalschutz auszuhebeln und die Bausubstanz in die Knie zu zwingen. Ich würde nur noch die Bewohner der Rigaer Strasse mit dazu nehmen, dann geht‘s schneller.
    Und so könnte man den leider gescheiterten Plan, dort Luxusimmobilien für Neureiche zu bauen, doch noch umsetzen.

  2. 9.

    Was hier nicht erwähnt ist, das Herr Schwork zur Bedingung macht, das die Jugendlichen erst die Potse räumen sollen bevor sie den Vertrag bekommen. Also an Bedingungen geknüpft ist. Da es bei der Potsdamer Straße schon nicht klappt kann ich das Misstrauen nachvollziehen.

  3. 7.

    Ist Tempelhof nicht ein denkmalgeschütztes Gebäude?
    Wer kommt also auf einen so absurden Einfall, in Anbetracht des Zustandes des Hauses, worin sich heute die Potse befindet.
    Ich hoffe, es gründet sich bei Zeiten eine Bürgerinitiative, die das verhindert.
    Hier würde ich mich sogar angagieren.

  4. 6.

    Ist Tempelhof nicht ein denkmalgeschütztes Gebäude?
    Wer kommt also auf einen so absurden Einfall, in Anbetracht des Zustandes des Hauses, worin sich heute die Potse befindet.
    Ich hoffe, es gründet sich bei Zeiten eine Bürgerinitiative, die das verhindert.
    Hier würde ich mich sogar angagieren.

  5. 5.

    Jetzt fehlt nur noch der Fahrdienst und evtl. kommt es auch noch soweit, dass man den " reiflichen Jugendlichen " auch noch den A........abputzt.

  6. 4.

    Ist doch schön. Dann können sie mal etwas sinnvolles tun und das Flughafengebäude endlich fertigstellen.

  7. 3.

    Flughafen Tegel - räusper. Wirklich? Naja - eigentlich egal - landet eh' auch keiner mehr.

  8. 2.

    Bitte nicht! Dann wird das Kulturdenkmal Flughafen Tegel wohl in kürester Zeit mit Graffiti-Schmierereien und Vandalismus übersät sein. So wie die anderen "Szene"-Treffs dieses Klientels auch.

  9. 1.
    Antwort auf [Wolfram Schulz] vom 06.05.2021 um 21:38

    Ja, schon klar. Das es sich eigentlich um einen sehr guten Standort handelt, Arbeit mit Jugendlichen, Heranwachsenden nicht gerade sinnlos ist, das die auch ihre Räume brauchen, kommt dir nicht in den Sinn, oder?
    Verkehrsseitig gut angebunden, weit und breit kein "richtiger" Anwohner. Die angrenzenden Clubs werden sich mit Sicherheit nicht dran stören. Die Polizei wird sich auch nicht dran stören - die sollen doch die bösen Jungs fangen und - ganz wichtig - die Ausgangssperre nachts überwachen. Entspricht doch deinem Gusto - und hey - so'n Wasserhahn - verchromt geht doch auch.

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