Zahlen für 2020 - Maneo-Report zählt mehr als 500 queer-feindliche Übergriffe in Berlin

Archivbild: Ein Mann steht im Sommer 2018 mit einer Regenbogenflagge vor einem Polizeiwagen (Bild: dpa/Omer Messinger)
Bild: dpa/Omer Messinger

Das Anti-Gewalt-Projekt Maneo hat vergangenes Jahr in Berlin 510 Fälle homo- und transfeindlicher Gewalt registriert. Wie Maneo am Mitwoch bekanntgab, waren das 49 Fälle weniger als im Vorjahr.

72 Prozent der Fälle (367) richteten sich demnach gegen schwule und bisexuelle Männer. Die Fallzahlen lägen damit weiter auf einem hohen Niveau, sagte Maneo-Leiter Bastian Finke. LSBTQ-feindliche Gewalt habe auch in Zeiten von Corona keine Pause eingelegt.

Dunkelfeld weiter groß

Insgesamt bekam Maneo im vergangenen Jahr 928 Hinweise auf entsprechende Gewalttaten, von denen 510 sicher verifiziert werden konnten. Das Dunkelfeld sei weiterhin sehr groß und liege bei geschätzt 80 bis 90 Prozent, hieß es.

198 Fälle trugen sich auf offener Straße zu, 84 weniger als Vorjahr. Mehr als ein Drittel davon (36 Prozent) waren Körperverletzungen. Die meisten Übergriffe ereigneten sich dem Bericht zufolge in Schöneberg, Neukölln, Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain.

Anstiege bei Übergriffen im Nahbereich

Die Zahl der Übergriffe im Netz hat sich laut Report mit 106 Fällen mehr als verdoppelt. Zumeist handelte es sich um Beleidigungen, Nötigungen und Bedrohungen. Einen Anstieg gab es auch bei Übergriffen im sozialen Nahbereich mit 81 Fällen (2019: 67). In jedem zweiten Fall ging es hier um Beleidigungen, 14 Prozent waren Körperverletzungen.

Der aktuelle Maneo-Report wurde anlässlich des bevorstehenden Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie am 17. Mai veröffentlicht und wird dem Abgeordnetenhaus übergeben. Er führe wieder vor Augen, dass die Regenbogenhauptstadt Berlin auch Schattenseiten habe, erklärte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne).

Sendung: Fritz, 12.05.2021, 16:30 Uhr

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