Modell zum Ausprobieren im Technikmuseum - Die U-Bahn der Zukunft steht jetzt im Museum

Die BVG stellt am 11.05.2021 die neuen U-Bahnen vor. (Quelle: SDTB/Malte Scherf)
Video: Abendschau| 11.05.2021 | G. Berger | Bild: SDTB/Malte Scherf

Wer wissen will, wie es sich in den neuen U-Bahnen so anfühlt, kann das bald im Deutschen Technikmuseum ausprobieren. Denn dort sind sie jetzt ausgestellt. Bis das Museum wieder öffnet, geht es aber auch: Per 360 Grad-Rundgang im Internet. Von Georg Berger

Die U-Bahn der Zukunft ist noch nicht auf der Schiene, steht aber trotzdem schon im Museum: Sie ist als Modell im Lokschuppen des Deutschen Technikmuseums in Kreuzberg aufgestellt. Fahren könnte sie zwar nicht, denn ihr fehlen Räder und Motoren. Dennoch sieht sie echt aus, denn Sitze, Haltestangen und Beleuchtung sind Originalteile. Sogar der Fahrerstand ist funktionsfähig.

Das Modell - Mock-Up genannt – ist auch dazu da, dass künftige Fahrgäste die Funktionalität überprüfen und Schwachstellen benennen können, beispielsweise bei der Barrierefreiheit. Änderungswünsche können bei der Produktion dann noch berücksichtig werden.

Die neue U-Bahn wurde zunächst nur der Presse vorgestellt. Nach Ende des Lockdowns kann dann jeder Museumsbesucher einen Blick in die Zukunft wagen. Bis dahin stellt die BVG einen 360-Grad Rundgang durch den neuen Zug ins Internet. [bvg.de]

Die BVG stellt am 11.05.2021 die neuen U-Bahnen vor. (Quelle: SDTB/Malte Scherf)
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Züge aus Berlin für Berlin

Die neuen Wagen sind moderner: Der Einstiegsbereich ist weiträumiger gestaltet, die Bildschirme für die Fahrgastinformationen wurden aus den Haltestangen am Eingang entfernt und neben den Türen in die Wände eingebaut. Außerdem gibt es Sitze für besonders kleine und große Fahrgäste sowie neu organisierte Abstellflächen für Fahrräder und Kinderwagen. Das Licht ist dimmbar und kann den äußeren Lichtverhältnissen angepasst werden.

Die BVG stellt am 11.05.2021 die neuen U-Bahnen vor. (Quelle: SDTB/Malte Scherf)
Bild: SDTB/Malte Scherf

Hergestellt wird der neue Zug bei Stadler in Pankow. Die Schweizer Firma hatte die Ausschreibung für die Lieferung von bis zu 1.500 U-Bahnwagen für die BVG gewonnen. Ab Ende 2022 soll der Zug zunächst als Testzug ausgeliefert werden.

Ein unterlegener Bieter hatte zunächst ein Nachprüfungsverfahren gerichtlich durchsetzen wollen, war aber im vergangenen Jahr gescheitert. Der Vertrag mit einem Wert von bis zu drei Milliarden Euro gilt als einer der größten Aufträge, die es in Europa je gab.

Schon seit Jahren fahren Züge von Stadler auf den Linien U1, U2 und U5. Diese Baureihe IK (K für Kleinprofil) wird durch die Wagen der Baureihen J und JK jetzt noch einmal ergänzt.

Wagenmangel bei der U-Bahn

Der Großauftrag für die neuen Züge ist dringend notwendig, denn die BVG leidet seit Jahren unter einem Mangel an Zügen. Kürzere Taktzeiten und die Streckenverlängerung der U5 sind nur zwei Gründe dafür. Ein anderer die Überalterung des Wagenparks. Ein Stück U-Bahn-Geschichte zeigt das Museum mit dem Zug der Baureihe F. aus dem Jahr 1980. Er gilt als West-Berliner Klassiker. Mit ihm wurde die U-Bahn nach Spandau eröffnet. Die U-Bahn-Serien F74 bis F79 lösten in den 1970er Jahren die Vorkriegsbaureihen in West-Berlin ab. In den nächsten Jahren werden sie nun selbst von den Gleisen verschwinden.

Auch in Ostberlin herrschte lange Zeit ein Mangel an U-Bahnwagen. So hatten die Sowjets über 100 Wagen als Reparationsleistung nach Moskau transportiert. Auf der Großprofilstrecke unter der Karl-Marx-Allee wurden Kleinprofilfahrzeuge mit Trittbrettern eingesetzt. Später wurden abgestellte S-Bahnwagen zu U-Bahnwagen umgebaut. Die Baureihe G, auch Gisela genannt, war schließlich der einzige Wagentyp, der in der DDR speziell für die U-Bahn konstruiert worden war. Auch die Gisela ist noch heute auf den Kleinprofil-Linien im Netz unterwegs und soll durch die neue Baureihe J/K ersetzt werden.

Museum zeigt U-Bahn-Geschichte

Wenige Schritte neben dem Mock-up der neuen U-Bahn-Wagen präsentiert das Technikmuseum übrigens einen der ersten U-Bahnwagen Berlins. "Es ist ein U-Bahn-Juwel der besonderen Art", sagt Lars Quadejacob vom Technikmuseum und steigt in das Gefährt mit Holzbänken und Messingstangen.

Gebaut wurde der Triebwagen der Baureihe A im Jahr 1908. Er ist damit der älteste noch erhaltene U-Bahnwagen Deutschlands. Bis 1969 war er in Ostberlin im Einsatz. Nach einer Zwischennutzung als Getränkelager wurde er 1975 in die Liste technischer Denkmäler der DDR aufgenommen.

Seit den achtziger Jahren wurde er von ehrenamtlichen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft U-Bahn liebevoll restauriert: Ein Kunsttischler sorgte dafür, dass die geschwungenen Jugendstilformen, die vom schwedischen Architekten Alfred Grenander entworfen wurden, wieder im alten Glanz erstrahlen. "Direkt nach der coronabedingten Schließung wird das ein besonderes Highlight für unsere Besucherinnen und Besucher. Geplant ist die Wiedereröffnung am 1.Juni", sagt Museumsdirektor Joachim Breuninger.

Sendung: Abendschau, 11.05.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Georg Berger

9 Kommentare

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  1. 9.

    Mit den schmalen Linien meinen Sie die Linien 1-4? Wie lang ist denn die U2 und auch die U3?
    Ich denke Sie sind noch nicht allzu oft im Kleinprofil gefahren.
    Die Züge die jetzt auf der U5 fahren sind sowohl für das Klein und Großprofil gebaut worden, damit man beim Einsatz der Züge etwas flexibler ist.

  2. 8.

    Die neuen Wagen sind moderner ? wo denn
    nicht mal usb auflade Station , kein Mülleimer ..
    weniger sitze
    weniger fenster und das soll modern ja sein ?

  3. 7.

    Erstens interpretieren Sie das Foto falsch (die Züge sind geräumiger als die jetzigen) und zweitens sind Sie ganz offensichtlich noch nie in Berlin U-mit der Bahn gefahren, zumindest nicht mit einer der schmalen Linien. Diese Linien sind auch gar nicht so lang, dass man darin mehr als eine halbe Stunde stehen muss.

    Die Münchener U-Bahn wurde viel später gebaut, deshalb gibt es dort keine Kleinprofil-Strecken wie die Berliner Linien 1 bis 4. Die Linien 5 bis 9 fahren in breiteren Tunneln und haben vergleichbare Abmessungen wie Münchener Züge. Die fahren auch wesentlich längere Strecken, auf denen man wirklich eine halbe Stunde und länger unterwegs sein kann. Und auch in München gibt es im Bereich der Türen und am Führerstand keine Sitze. Das wüsste ich, denn ich bin schon damit gefahren! ;-)

  4. 6.

    Wie kann ein Zug, den es bisher nur als Modell gibt, auf der U5 fahren?

    Das wird die neue Baureihe, bei der viele Kritikpunkte an den Zügen behoben wurden, die jetzt auf der U5 im Einsatz sind. Innen sind sie geräumiger, die Türen sind breiter. Behindertenverbände wurden in die Gestaltung einbezogen.

    Ja, die Züge auf der U5 passen nicht zum Bahnsteig. Sie sind ja auch nur vorläufig dort. Sobald die breite Version der neuen Züge kommt, werden die Einstieghilfen abmontiert und die Züge gehen auf die Linien U1-U4, wo sie hingehören. Das ist doch schon seit Jahren bekannt!

  5. 5.

    Soll das etwa ein Witz sein? Wenn ich dieses Foto richtig interpretiere, dann gibt es in diesen neuen U-Bahn-Zügen kaum Sitzplätze und auch sonst kaum Platz zum Stehen im Gang. Na, da wünsche ich mal viel Spaß all denjenigenen, die damit künftig fahren müssen, besonders die älteren Menschen, welche darin dann möglicherweise über eine halbe Stunde stehen müssen.

  6. 4.

    Das sind komplett neue Züge, die jetzt noch nicht fahren. Auf der U5 fahren Züge der Reihe Ik, die eigentlich für die Kleinprofillinien 1-4 gedacht sind, aber aufgrund des Fahrzeugmangels auch auf der U5 eingesetzt werden.

  7. 3.

    Das sind wieder diese schrecklich unbequemen, harten Sitze. Nach wenigen Minuten habe ich schon Schmerzen. Von wegen der Nahverkehr wird attraktiver. Nicht für Ältere und Kranke. Ich wünsche mir die gepolsterten Sitze von früher zurück, die sind auch abwischbar und hygienischer. Die BVG muss bequmer und sauberer werden. Sonst steigt auch kein Autofahrer freiwillig um.

  8. 2.

    Sollte das einer der Züge sein die jetzt schon auf der U5 unterwegs sind kann ich nur sagen das sie für Behinderte nicht geeignet sind . Der Platz zum drehen ist nicht da und die Einstiegshöhe passt nicht zum Bahnsteig . Waren die Vorgängermodelle zu teuer ? , sie haben für behinderte alle Anforderungen erfüllt , hier kann es passieren das ein Rollstuhlfahrer nach vorne kippt oder nicht herauskommt . Dann kommt es wieder " Einstiegshilfe beim Fahrer aber wenn man man erst per Muskelkraft den ganzen Zug entlang rollen muss und beim Aussteigen wieder weil die Aufzüge an falschen Ende sind bringt das nicht viel !!

  9. 1.

    Kleine historische Korrektur: Vorkriegsserien waren im Großprofil B- und C-Züge. Die F-Serie hat die D-Wagen, gebaut ab 1957, abgelöst. E-Züge wurden die aus S-Bahn Wagen umgebauten Wagen für die Linie E, heute U5 genannt.

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