Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Thusnelda von Saldern Haus, ein Teil der Einrichrtung Oberlinhaus (Bild: dpa/Soeren Stache)
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Aufsicht regelmäßig in Heimen - Potsdamer Oberlinhaus wurde einen Tag vor Gewalttat geprüft

Noch am Dienstag, also kurz vor der Gewalttat mit vier Toten, ist das Oberlinhaus in Potsdam kontrolliert worden. Ein routinemäßiger Check. Auch Themen wie mögliche Überlastungen wurden überprüft.

Einen Tag vor dem gewaltsamen Tod von vier Bewohnern in Potsdam ist das Heim für Menschen mit Behinderungen nach Angaben der Brandenburger Landesregierung geprüft worden.

"Die Aufsicht für unterstützende Wohnformen prüft regelmäßig auch im Thusnelda-von-Saldern-Haus die Pflegesituation", teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, der Deutschen Presse-Agentur mit. "Dabei wurde von ihr aus auch das Thema "Umgang mit besonderen Belastungen während der Corona-Pandemie, Gewalt in der Pflege" angesprochen. Ihr wurden keine Vorfälle berichtet."

Nach ihrer Einschätzung sei der Träger auch in Bezug auf die Begleitung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesbezüglich "fachgerecht und angemessen aufgestellt".

Pflegeeinrichtungen werden von der Aufsicht für unterstützende Wohnformen (AuW, früher Heimaufsicht) laut Gesundheitsministerium grundsätzlich einmal im Jahr im Rahmen einer Regelüberwachung aufgesucht.

Tatverdächtige in Psychiatrie eingewiesen

Eine langjährige Pflege-Mitarbeiterin der Wohnstätte für Körper- und Mehrfachbehinderungen in Potsdam steht nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft im Verdacht, vier Bewohner zwischen 31 und 56 Jahren gewaltsam getötet zu haben. Eine weitere Bewohnerin des Thusnelda-von-Saldern-Hauses wurde schwer verletzt.

Eine Haftrichterin hatte die 51-jährige Tatverdächtige vorläufig in eine psychiatrische Klinik in Brandenburg/Havel eingewiesen. Sie soll auf ihre Schuldfähigkeit hin begutachtet werden. Nach Angaben der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus, zu der das Wohnheim gehört, war die Frau bisher nicht psychisch auffällig geworden.

6 Kommentare

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  1. 6.

    Ich habe 2 Jahre in dieser Einrichtung gelebt und die Zustände waren ganz normal. Ich kenne diesen Wohnbereich nicht komplett, aber ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Durch diese Einrichtung habe ich gelernt wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. (Ich sitze nach Schlaganfall im Rollstuhl)

  2. 5.

    SInd die Kontrollen angekündigt oder spontan? Wird nur mit der Leitung und dem Träger geredet oder unter vier Augen auch mit den Mitarbeitenden?

  3. 4.

    So lange Prüfungen der Bedingungen vor Ort rechtzeitig angekündigt werden, sind sie das Geld nicht wert. Und völlig unrealistisch.

  4. 3.

    Aus meiner Sicht sollten auch Vorgesetzte und Diakonie zur Verantwortung gezogen werden. Eine langjährige Mitarbeiterin wird nicht von heute auf morgen zu einer brutalen Mörderin. Ich frage mich, welche Zustände in dieser Einrichtung herrschen, dass niemand etwas mitbekommen haben will, dass niemand bemerkt haben will, dass sich diese Mitarbeiterin verändert hat. Die Zustände dort sollten gründlich untersucht und aufgeklärt werden und die Ergebnisse müssen transparent an die Öffentlichkeit. Schließlich stehen Menschen vor der Entscheidung, ihre Angehörigen in Pflege und Obhut dieser Einrichtung zu geben. Und was diese regelmäßigen Überprüfungen betrifft, stimme ich dem ersten Kommentatoren zu. Aus eigener berufl. Erfahrung in stat. Einrichtungen (der Diakonie) weiß ich, wie sich darauf vorbereitet wird, "glatt poliert" u. welchen Einfluss auch mehrjähriges einander Kennen der Verantwortlichen auf derartige Prüfungen haben kann.

  5. 2.

    Es war eine Routine- Prüfung. Nur für den Zertifikats-erhalt. Es sollte also gar nichts gefunden werden. - Es bleibt schlimm. - Schlimm, weil Gesamt-Gesellschaftliches Gesamtversagen.

  6. 1.

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese Tat irgend etwas mit der hier im Beitrag erwähnten Regeluntersuchung zu tun hat, welche am Tag vorher stattfand.
    Eine Affekthandlung?

    Doch auch dann gibt es doch im Voraus mit Sicherheit Ansätze einer Unzufriedenheit oder Überforderung dieser langjährigen "bis dahin unauffälligen" Mitarbeiterin. Aber auch das bleibt letztlich offen - bei so straff eingesetztem Pflegepersonal - ob man es überhaupt hätte sehen können?

    Mein aufrichtiges Beileid gilt den betroffenen Familien!



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