Von der BVG aussortiert - Tatra-Straßenbahnen fahren letztmalig durch Berlin

Zwei Tatra-Straßenbahnen stehen am 07.05.2021 in der Nähe der Haltestelle Landsberger Allee/Petersburger Straße. (Reporterbild: rbb/N.Donath)
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Video: rbb|24 | 07.05.2021 | Naomi Donath | Bild: rbb/N.Donath

Die alten Trams - Modell Tatra - verschwinden aus dem Berliner Stadtbild. Weil sie nicht barrierefrei zugänglich sind, kommen neue Fahrzeuge zum Einsatz. Die aussortierten Bahnen dürfen allerdings woanders weiterfahren.

Am Freitag fahren zum letzten Mal Tatra-Straßenbahnen durch Berlin. Sie sollen auf der Linie M6 und M8 im Osten der Stadt unterwegs sein. Das teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit.

Die Bahnen sind nicht barrierefrei zugänglich und werden deshalb von den Verkehrsbetrieben aussortiert. Sie wurden erstmals 1976 aus dem tschechischen Tatra-Werk nach Berlin geliefert. Nun verschwinden die Bahnen aus dem Berliner Stadtbild.

Alte Tatras werden weitergenutzt

Die BVG hat angekündigt, in diesem Jahr noch eine große Verabschiedung feiern zu wollen. Der Termin ist bisher nicht bekannt. Die noch in Berlin befindlichen Tatra-Bahnen, die nach dem höchsten Gebirge der damaligen Tschechoslowakei benannt sind, sollen in die Ukraine gehen.

Die letzte Fahrt der Bahnen war eigentlich am 12. Februar geplant. Infolge der Corona-Pandemie mussten aber zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, um das Fahrgastaufkommen zu entzerren. Daher waren die Tatra-Straßenbahnen noch länger im Einsatz. Auch in Potsdam und Brandenburg an der Havel fahren sie noch.

Sendung: Inforadio, 07.05.2021, 6 Uhr

51 Kommentare

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  1. 51.

    Na ja, die BVG hat ja Erfahrung mit Oldtimern in ihrer Flotte.
    Im U-Bahn Großprofil rumpeln Züge durch die Tunnel, die ca. 45 - 46 Jahre alt sind. Selbst die "neuste" Generation im Großprofil hat inzwischen fast 20 Jahre auf dem Buckel.

    In Kleinprofil sind neben den DDR- "Gisela" Zügen "West-Züge" unterwegs, die Mitte der 60er in Dienst gestellt wurden. Auch wenn die inzwischen generalerneuert wurden, bis wahrscheinlich 2025 rollen die wohl noch. Stolze 60 Jahre.




  2. 50.

    Die BVG betreibt inzwischen auch "Loks"? Auf welcher Strecke denn? Was sind denn das für "Loks" ? Neugierig fragend...

  3. 49.

    Die BVG sollte mal erklären warum auf ihrem Betriebshof vier Nagelneue Loks für über 4 Millionen € stehen. Die nicht Einsatzbereit sind. Oder warum sich die Chefin nirgends blicken lässt. Auf keiner Baustelle. Nicht mal bei ihren Mitarbeitern. Warum kein Geld für die Dauerbaustellen frei gemacht wird. Warum sie unfähige Planer beschäftigt. Das wäre mal interessant.

  4. 48.

    Den Freunden ganz alter Straßenbahnen sei Halberstadt empfohlen. Nach einem schweren Verkehrsunfall zweier moderner Züge, wurden diese durch zwei alte im Liniendienst ersetzt. Die grünen Züge fahren bis auf Weiteres ohne Aufpreis, auf allen zwei Linien.

  5. 47.

    Was z.B.? Das Unterlassen von Wartungsarbeiten aus den 40ern, die die BVG bei Übernahme der abgerockten S-Bahn-Züge bemerkt hatte? Ich bin insofern bei Ihnen, dass das Produkt eine angemessene Zeit genutzt werden sollte. 30 Jahre ist aber eine ausreichende Lebensdauer - und damit meine ich nicht den einzelnen Trabbi, der gemäß den Vorstellungen des ZK der SED so lange halten musste, sondern Züge des ÖPNV. Der Instandhaltungsaufwand steigt mit höherem Alter enorm an und die Ersatzteilbeschaffung wird zunehmend schwieriger. Das mag sich für Niedriglohnländer noch rechnen, hierzulande ist der Aufwand aber irgendwann unbezahlbar und war es damals auch sektorübergreifend absehbar in der DDR. Die Bimbes-Truppe um Kohl und Strauss hatte aber so viel Dreck am Stecken gehabt, dass das Ende mit Milliardenkrediten etwas hinausgezögert werden konnte.

    Bonbons aus Scheisse schmecken immer noch nach Scheisse. Da kann die Zonen-Gabi (die aus dem Westen kam) noch so viele grüne Bananen schälen.

  6. 46.

    Nunja, während die Sowjets die "SBZ" demontierten, vorher sich aus den Verhandlungen zum Marshallplan zurückzogen und den zu ihren Einflussbereich gehörenden Staaten die Teilnahme untersagten schoben die Westallierten der späteren BRD schon die Kohle in den Allerwertesten. Wo fast nix mehr ist, kann man nur noch aus Scheisse Bonbons machen. So einfach ist das nicht mit der Mangelwirtschaft und rein praktisch kann man sich 'ne Menge abgucken. Verdammt Axt - das geht ja - oder so. Mal so, als zugereiste Wessiline.

  7. 45.

    Ideal wäre gleich alle anderen Strassenbahnen mit in die Ukraine schicken, dann ist endlich wieder etwas Platz auf den Straßen. Mit Homeoffice und zentrale Versorgung ist dieses Verkehrsmittel überflüssig. Der Senat muss endlich begreifen der ÖPNV ins Umland muss erstmal ausgebaut werden.

  8. 44.

    Ungefähr eine Handvoll sollen wohl in Berlin museal erhalten werden und sind schon, wenn ich mich recht erinnere, an einen auch andere alte Bahnen betreuenden Verein übergeben worden. Schließlich sollten die Tatras eigentlich schon seit rd. Zeit Jahren Geschichte sein. Teils wurden die Züge sogar entmodernisiert. Beim Tag des offenen Denkmals gingen die auf Strecke.

    Schmankerl am Rande: Dank eines musealen Schneepfluges konnte vor ein paar Jahren nach einem der selten gewordenen Wintereinbruch der Betrieb aufrecht erhalten werden. Den neueren Nachfolger hatte man dort verkauft gehabt, weil der sich lange Jahre die Räder eckig gestanden hatte und man keinen Bedarf mehr sah. In Frankfurt/M. schickte man nach gefrierendem Regen die Museumsbahnen los, um das Eis von der Oberleitung zu kratzen. Die Elektronik der neuren Züge kam nicht mit der schwankenden Spannungsversorgung zurecht.

  9. 43.

    Auch ich habe mich jahrzehntelang in vielen Großstädten über die - damals hochmodernen - Tatra-Straßenbahnen gefreut. Durch den Umbau auf barrierefreie Mittelteile wurde die Einsatzdauer nochmal deutlich gestreckt.

    Aber das Argument: weniger Passagiere bei gleich bleibender Zuglänge erscheint recht einleuchtend. Und alternativ die Taktfrequenz zu erhöhen, bedeutet, höhere Personalkosten in Kauf zu nehmen.
    Fahrpersonal ist eh' knapp.

    Bleibt die Frage, ob man ein paar dieser beliebten Züge als Reserve und für Sonderfahrten aufheben könnte.
    Es wäre jammerschade, wenn dieses wichtige Stück Technikgeschichte komplett verschwinden würde ...

  10. 42.

    Dass bei der S-Bahn die Vorkriegszüge so lange gefahren sind, war ganz banal der sozialistischen Mangelwirtschaft geschuldet (die DR hatte ihr blaues Wunder erlebt) wie die Straßenbahnen im RGW-Raum nur aus der Tschechoslowakei kommen durften. Die in der DDR bis in den 60ern gebauten Gothawagen waren nur dezente Weiterentwicklungen von Vorkriegsmodelle aus Erfurt.

  11. 41.

    Die Möglichkeit, die Tatras mit einem Niederflur-Mittelteil wie in Cottbus oder Brandenburg zu verlängern, kam für große Städte wie Berlin oder Potsdam nicht in Frage, weil die Fahrgastzahlen in diesen Städten stark stiegen, während sie in Cottbus und Brandenburg stark abnahmen. Eine Tatra in Doppeltraktion kann bedeutend mehr Fahrgäste transportieren, als eine einzelne Tatra mit Niederflurteil. Würde man beide Varianten wie in Gera kuppeln, hätte man viele Haltestellen aufwändig verlängern müssen. Außerdem war in Berlin und Potsdam ein bedeutend früheres Einsatzende der Tatras geplant.

  12. 40.

    Und wir müssen auch feststellen:
    - Alles hat seine Zeit im Leben, an die wir uns in einem Anflug an Sentimentalität gerne erinnern.
    - Die Lebensdauer von Technik ist endlich, auch die von Strapazenbahnen.
    So ist das halt... Behalten wir die guten Erinnerungen!

  13. 39.

    Sie müssen jetzt ganz tapfer sein, wenn Sie den RBB-Bericht vom Februar lesen:
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/panorama/2021/02/nahverkehr-strassenbahn-cottbus-frankfurt-zug-bahn-tram.html
    Die Tage der Tatras sind auch in Cottbus gezählt.

  14. 38.

    Für mich waren die Tatras gegenüber den älteren Trams aus DDR Produktion in den 70siger und 80siger Jahren schon ein Fortschritt und jede Generation an Fahrzeugen hat sicher ihre Fans aber wenn ich ehrlich bin gefallen mir heute die Flexitys mit Abstand am besten . Ähnlich sieht es sicher auch bei S oder U Bahn aus . Während der gute alte Stadtbahner ( DB -Baureihe 475 ) fast 70 Jahre lang das Bild der Berliner S Bahn prägte und auch ich diese Baureihe mit ihren oftmals noch Holzbänken ins Herz geschlossen hatte so freue ich mich auch über den Komfort der neuen S Bahn Baureihe 484 und möchte darauf auch nicht mehr verzichten .

  15. 37.

    Kürzlich angekündigte Straßenbahnoffensive der Verkehsrsenatorin? Die hat es nichtmals geschafft, den Koalitionsvertrag und den NVP ausreichend mit Leben zu erfüllen. Es hatte ungefähr einen Monat gedauert, bis sie die Pläne aus der dem NVP zusammengestrichen hatte. Aber immerhin hat sie einen neuen Dienstwagen zum Pendeln bekommen - immerhin vollelektrisch.

  16. 36.

    Es fahren sogar noch recht viele der Tatras in Cottbus, groesstenteils auch stark modernisiert mit barrierefreiem Zustieg und modernen Anzeigetafeln. Wenn man will, geht alles.

    Ich finde es schade, wenn alte Strassenbahnen aus dem Stadtbild verschwinden. In Japan z.B. sieht man noch sehr oft Strassenbahnen, die teilweise noch aus der Zeit von vor dem Krieg stammen. Die passen viel besser ins Stadtbild, als die konturlosen modernen Fahrzeuge.

  17. 35.

    Ich mag Straßenbahnen und fahre so oft wie möglich mit den Dingern.
    Naja und Tatra Bahnen sind mir daher auch ein wenig ans Herz gewachsen.
    Aber dem Fortschritt ist man halt ausgesetzt.
    Viele fahren durch die ganze Republik um mit einem Dampfzug zu fahren, das ist halt geil und sollte auch so bleiben.

  18. 34.

    Die Tatras sind mittlerweile ja schon ein paar Tage alt und hatten bereits in den 90ern eine umfangreiche Modernisierung erhalten. Diese Fahrzeuge nochmals aufzuhübschen, rechnet sich wirtschaftlich nicht mehr. Nur weil es ein alter Zug ist, heißt es noch lange nicht, dass der keine Kosten verursacht. Wie ist z.B. die Verfügbarkeit von Ersatzteilen? Die großen Umbauwellen mit barrierefreien Mittelwage hatte es andernorts in den 90ern gegeben. Nicht vergessen darf man die täglichen Betriebszeiten, die hier in Berlin länger sind als in vielen anderen Städten. Irgendwann wird das Material müde von den vielen Lastwechseln.

  19. 33.

    Ziel ist bis 2022 vollständige Barrirefreiheit im ÖPNV herzustellen. Dass ist für alle Nutzer von Vorteil. Ältere Häuser wurden schon mit Aufzügen nachgerüstet. Bei Neubauten ist seit einiger Zeit vorgeschrieben, das ein guter Teil der Wohnungen ebenfalls barrirefrei gebaut werden. Die Politik tut sich noch schwer, aber generelle Barrirefreiheit ist für alle Menschen wichtig.

  20. 32.

    Es geht nicht um die Mutter mit Kinderwagen, sondern auch um mobilitätseingeschränkte Erwachsene. Viel Spaß, wenn Sie einen E-Rollstuhl samt Menschen die Treppen hochwuppen wollen.

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