Diversity-Tag - Berliner Arbeitgeber bekennen sich zu mehr Vielfalt in der Arbeitswelt

Ein Arbeiter einer Firma in Fürstenwalde (Brandenburg) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 18.05.2021 | Juliane Kowollik | Bild: dpa/Patrick Pleul

Am Diversity-Tag werden Unternehmen und Organisationen in ganz Deutschland dazu aufgerufen, sich für Vielfalt einzusetzen. In Berlin sind verschiedene Aktionen geplant. Nachholbedarf in Sachen Diversität besteht offenbar im Bundestag.

Anlässlich des 9. Deutschen Diversity-Tags bekennen sich am Dienstag auch Berliner Arbeitgeber zu mehr Vielfalt in der Arbeitswelt. Ziel des Tages ist es, in möglichst vielen Unternehmen eine bunt gemischte Arbeitnehmerschaft aufzubauen, mit Menschen verschiedener Nationalitäten und Religionen oder mit Behinderung. Fast 100 Berliner Organisationen und Unternehmen planen Aktionen - darunter Vivantes, die BVG und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger erklärte, in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg sei Diversität längst Realität. Dieses lebendige Miteinander der unterschiedlichsten Menschen und gesellschaftlichen Gruppen müsse sich auch im rbb - im Programm und im Arbeitsalltag - noch stärker widerspiegeln. Es gehe um ein diverses, vielfältiges Programmangebot, das der Lebenswirklichkeit des Publikums entspreche. "Diversität ist uns wichtig, es ist auch Teil unseres öffentlich-rechtlichen Auftrags", so Schlesinger weiter.

Bundestag nicht divers genug

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios ist etwa der Bundestag noch nicht divers genug. Gemessen an den Anteilen in der Bevölkerung gibt es im deutschen Parlament zu wenige Frauen, Menschen mit Behinderung oder Migrationsgeschichte und zu wenige junge und ganz alte Parlamentarier.

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) kritisierte im rbb-Inforadio die geringe Anzahl der Frauen im Bundestag. "Nur 30,9 Prozent sind weiblich in der aktuellen Legislatur. Das ist der niedrigste Stand seit 1998", sagte Pau. "Aus meiner Sicht ist die Sensibilität insgesamt ein Stück zurückgegangen." Die Parteien müssten deswegen selbstkritisch sein, so die Linken-Politikerin. Sie kritisierte auch, dass es im Bundestag nur wenige junge Parlamentarier gebe. Nicht mal 18 Prozent hätten zudem kein Abitur: "Die Zahl der Abgeordneten mit Hochschulbildung ist in der Parlamentsgeschichte immer weiter gestiegen. Es wird also immer mehr zum Standard."

Pau äußerte darüber hinaus, dass die Menschenfeindlichkeit in Deutschland insgesamt zunehme. "An vielen Stellen haben wir die Abwertung von Menschen, die vermeintlich unterhalb von anderen stehen [...] und die Akzeptanz von Gewalt", so Pau. So beobachte sie etwa eine zunehmende Frauenfeindlichkeit.

Sendung: Kulturradio, 18.05.2021, 16:00 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    "Ich denke mal das Deutschland mehr als genug vielfältig ist. Ausserdem warum bitte muss jeder Blödsinn auf Englisch bezeichnet werden. " Weil gem. dem Inhalt deiner Aussage Deutschland von Vielfältigkeit noch sehr weit entfernt ist. Aber sehr viele, die hier leben, nicht von "hier" sind und/oder irgendwie "anders" sind wollen schon sehr gern die deutsche Sprache lernen - notfalls auch in einem Circlepublishighschoolcourse. ça marche

  2. 2.

    Ich denke mal das Deutschland mehr als genug vielfältig ist. Ausserdem warum bitte muss jeder Blödsinn auf Englisch bezeichnet werden. Völlig überflüssig. Für die jungen Menschen die keine Lust haben deutsch zu lernen. Wie intolerant von denen

  3. 1.

    Ich teile die Einschätzung zunehmender Menschenverachtungen und damit zusammenhängender Tabubrüche. Allerdings werden ritualisierte Gedenk- und Mahn-Choregrafien daran nichts ändern, es braucht politischen Willen zur Veränderung und Tatsachen. Wenn man sich an eine kürzlich abgehaltene Bundespressekonferenz erinnert, bei der ein Journalist fragte, was denn gegen die evidente zunehmende Spaltung der Gesellschaft gerade auf sozio-ökonomischer Ebene getan werde, waren die Seiberts und Co. recht schmallippig und blass. Die Corona-Krise hat viele Missstände in diversen sozialen Feldern nochmal verstärkt und hervorgehoben. Das kann auch als Chance genutzt werden, ebenso die Gewissheit, dass etwas bewirkt werden kann, wenn man zurückblickend erstaunt über die Schnelligkeit, mit der Politik plötzlich das Portemonnaie öffnet, wenn es ihr dringend erscheint.

    Die Charta der Vielfalt aber ist Produkt eines neoliberalen Think-Tanks: Ausbeutbarkeitserhöhung statt Anerkennung.

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