Regeln für Eltern, die mit Kindern schwimmen - "Kinder ertrinken leise"

Kinder baden im See (Quelle: dpa/Heiko Becker)
Bild: dpa-Symbolbild/Heiko Becker

Besonders Kinder laufen Gefahr im Wasser in Not zu geraten - zumal viele in diesem Jahr nicht Schwimmen lernen konnten. Umstehende können nicht immer erkennen, dass sie Hilfe brauchen. Ein Rettungsschwimmer erklärt, auf was Eltern achten sollen.

Es ist der erste Badetote diesen Sommer in Brandenburg: Ein Achtjähriger wurde am Montagabend leblos aus dem Großen Lienewitzsee im brandenburgischen Michendorf geborgen. Bundesweit hat es, laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG), allein in den vergangenen 14 Tagen bereits mehr als 20 Fälle gegeben. Häufig sterben Kinder und junge Menschen im Wasser.

Durch das Wegfallen des Schwimmunterrichts während der Pandemie könnte sich das noch verschlimmern.

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"Stilles Ertrinken" in unmittelbarer Nähe der Eltern

Erschreckend ist, dass Kinder ertrinken können, auch wenn Eltern in unmittelbarer Nähe sind.

Denn bevor Kinder ertrinken, winken, strampeln oder schreien sie in der Regel nicht. In Fachkreisen ist von "stillem Ertrinken" die Rede. "Eltern sollten ihre Kinder am Wasser niemals aus den Augen lassen", sagt deswegen Daniel Keip, Sprecher der DLRG Brandenburg. Erwachsene hätten eine besondere Verantwortung - egal, ob das Kind 8 Jahre oder 14 Jahre alt sei. "Kinder ertrinken leise. Ihnen fehlt die Kraft, um noch um Hilfe zu rufen." Die Gefahren des Wassers würden häufig unterschätzt.

In Brandenburger Schulen finden eigentlich 40 Stunden Schwimmunterricht statt. Durch die Corona-Pandemie und geschlossene Schwimmbäder sei der Unterricht jedoch ausgefallen. "Das müssen wir jetzt dringend nachholen", sagte Keip. "Je mehr Schwimmer wir ausbilden, desto weniger solch trauriger Fälle haben wir." Der DLRG ist weiterhin auf aktive Mitglieder, die sich als Rettungsschwimmer ausbilden lassen, sowie Spenden angewiesen, um Brandenburgs Seen zu überwachen.

DLRG: Kinder auch an flachen Gewässern bewachen

"Den Eltern kann man nur den Rat geben", mahnt Michael Neiße von der DLRG Berlin, "Kinder an flachen Gewässern trotzdem zu bewachen, daneben zu stehen." Denn es bestehe die Gefahr, dass Kleinkinder hinfallen und nicht aufstehen, sondern reflexartig die Luft anhalten. "Sie werden nicht schreien, sie werden nicht mit den Armen wedeln, nicht zappeln."

Kleinkinder können laut Neiße in einer kleinen Wasserpfütze ersticken. Deswegen sollten die Eltern daneben stehen, das erkennen und zupacken können. Auch große Kinder, die nicht schwimmen können, sollten sich daher im brusttiefen Wasser bewegen. Vor allem aber mahnt der Rettungsschimmer, dass Eltern die Badestelle erst begehen. "Die Eltern sollten vorher den Uferbereich abschreiten, dass es nicht überraschend plötzlich tief im Wasser wird und dann das Kind darin versinken könnte."

"Wir haben durch die Corona-Pandemie in den Schulen anderthalb Jahre Ausfall des Schwimmunterrichts", sagt Neiße. 2020 haben bundesweit bei der DLRG nur rund 14.600 Kinder die Seepferdchen-Prüfung abgelegt. Das sind 70 Prozent weniger als noch 2019. Weiterführende Schwimmprüfungen sind laut DLRG sogar um 75 Prozent zurückgegangen. Schwimmunterricht hält Neiße jedoch für überlebenswichtig.

26 Kommentare

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  1. 26.

    Mir ist etwas ähnliches als ca. 6 Jährige passiert. Noch in den 60er Jahren. Ich stand mit meinem Schwimmreifen in der Nähe vom Nichtschwimmerbeckenrand. Plötzlich hat mich jemand, der Anlauf zum Springen ins Wasser genommen hatte, mit ins Wasser geschubst. Ich rutschte im Wasser durch den Schwimmring und ''schwebte'' im Wasser. Sah Wasserblasen und reagierte nicht. Bis mich plötzlich jemand rauszog. Ich hatte erst gar nicht begriffen was los war. Jetzt verstehe ich aber die Bezeichnung ''leises Ertrinken.
    Schwimmen habe ich erst in der Schule gelernt, da ich immer Angst vor tieferen Wasser hatte. Meinem Sohn ging es genauso. Kein Schwimmkurs und gutes Zureden half. Erst in der Schule mit seinen Mitschülern lernte er schwimmen. Warum auch immer.
    Schwimmen sollte eigentlich ein Pflichtschulfach sein.

  2. 25.

    Versuchen wir seit Längerem, aber offenbar wäre ein Schwimmkurs eben doch besser. So richtig lernt unser Kind es jedenfalls von uns nicht, trotz aller beträchtlichen Mühe. Badengehen mit den Eltern soll ja auch ein bisschen Spaß bedeuten, nicht immer nur Stress und Triezerei...
    Ich selber habe das Schwimmen ja auch in einem Schwimmkurs gelernt, wenn es auch lange her ist.
    Zu der Zeit war es auch kein Problem, dass eine dritte Klasse einmal die Woche mit der Straßenbahn zum Schwimmunterricht fuhr. Ich weiß nicht, warum solche einfachen und selbstverständlichen Sachen heute so schwierig geworden sind...

  3. 24.

    Sorry, aber das belegt noch lange nicht daß Sie für ihre Kinder non Stop zur Verfügung stehen. Sie haben Kinder in diese Welt gesetzt und überlassen diese einer anderen Aufsicht. Oft kommt es ganz genau zu solch Zerwürfnisse innerhalb der Familie, da der oder die andere den oder die Partnerin vorwerfen nicht genügend auf die Kleinen aufgepasst zu haben. Und darum geht es doch letztendlich.

  4. 23.

    Soll ich mal herzlich über Sie lachen. Ich bin Steuerberaterin und Mutter von zwei Kindern. Die Kinder habe ich mir bewusst zugelegt, wie ich bewusst für die Prüfung zur Steuerberaterin gelernt habe. Ich begleite Unternehmen durch die Insolvenz und kann mich nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Mein Tag beginnt um 6 Uhr am Schreibtisch in der Kanzlei, Papa macht die Kids fertig und ab 15 Uhr ist Mama-zeit. Sorry, wenn das nicht in ihre einfältige Welt aus Einbahnstraßen passt.

  5. 22.

    Der DLRG wurde vor etwas mehr als 100 Jahren gegründet um das Nichtschwimmen als Gefahr für das Leben der Menschen zu verringern. Einer der Startpunkte war ein Seebrücke die nicht so stabil war um 100te Menschen auszuhalten und ist zusammengebrochen. Die meisten Menschen ertranken, weil damals gar kein Unterricht für Schwimmen bestand. Die Politik behandelt den Schwimmunterricht auch heute noch Stiefmütterlich.Nicht jeder hat einen Fluss oder See in der Nähe um Schwimmen zu lehren/lernen.In Schwimmhallen und Badeseen kann man nur begrenzt Schwimmen lehren/lernen bei Normalbetrieb. Sich von den Chaoten zu Separieren geht da auch nicht so einfach.
    Ich sehe es als Staatsaufgabe den Menschen möglichst früh den Schwimmunterricht zu ermöglichen da es zu viele unterschiedliche Hindernisse gibt ohne dass die Eltern daran Schuld haben.
    Als Erwachsener erst Schwimmen zu lernen mag zwar eine persönliche Erfolgsgeschichte zu sein, aber als gelernter Rettungsschwimmer ist das einfach nur absurd.

  6. 21.

    @Gregor: ehrlich gesagt frage ich mich das auch!
    Ich komme aus einer Seglerfamilie. Bin quasi auf dem Boot und dem Wannsee groß geworden. Meine Eltern hatten also großes Interesse, uns das Schwimmen zeitig beizubringen. Als wird das dann ganz passabel konnten, haben sie dann im Urlaub im dortigen Schwimmband einfach einen Termin für den Fahrten- und Jugendschwimmer gemacht (Seepferdchen gab's via Schule) und das war's. Also ein Termin zur Prüfung.
    Aber gut, heute können wahrscheinlich viele Eltern nicht mal mehr schwimmen. Das wird das Problem sein.
    @Lothar: das ist sicher eine sehr nachhaltige Erfahrung. Eine betagte Bekannte hatte ein ähnliches Erlebnis in ihrer Kindheit. Sie wurde später eine passionierte Schwimmerin! Ein PartnerIn von mir teilt das "Mittelohrschicksal" mit Ihnen. Er hat sich dann im Erwachsenenalter einen Ruck gegeben, ist auf die Balearen geflogen, hat dort einen privat-Schwimmkurs gemacht und schwimmt heute ebenfalls für sein Leben gern!

  7. 20.

    Wie wäre es denn, wenn im Turnunterricht abgefragt würde, wer schwimmen kann u n d wessen Eltern schwimmen können oder ältere Geschwister? Vor den großen Ferien könnte man in der Schule noch besonders darauf aufmerksam, was über das Nichtschwimmenkönnen und das Ertrinken bekannt ist, wie Kinder ertrinken.
    Für die jetzige Situation wäre ja auch ein Trockenunterricht schon mal ein Schritt.
    Ganz wichtig: Eltern, die selbst nicht schwimmen können, sollen ihre Kinder nicht einfach ins Wasser laufen lassen.
    Ich sehe mit Unbehagen, daß viele, viele Kinder allein am Ufer spielen, das sollte nicht sein.
    Es gibt eine Menge Möglichkeiten, Kindern das Schwimmen zu zeigen, vielleicht helfen Freunde, Nachbarn?

  8. 19.

    Zwischen Oktober und Mai gab es nirgendwo in Deutschland die Möglichkeit, mit den Kindern schwimmen zu üben! In der Badewanne kann man niemandem Schwimmen beibringen, im Wohnzimmer auch nicht. Natürlich trägt die Politik hier die Verantwortung!!! Im Chlorwasser ist eine Ansteckung nahezu unmöglich.

  9. 18.

    Ich höre immer wieder gerne die Schilderungen der nicht berufstätigen Mütter, die mit ihren Kindern schön relaxed tagsüber ins Freibad gehen können, auch zu Pandemie-Zeiten mit Onlinebuchung der wenigen Slots, und dann nach Vorgabe mit den Kindern Bahnen schwimmen und nicht auf Wiesen verweilen...

  10. 17.

    Bitte nehmen Sie es hier nicht auf die leichte Schulter. Auch mir wurde früh gezeigt, wie man schwimmt. Das war nicht mal so problematisch. Doch die Angst vor tiefen Wasser nahm mir niemand ab. Und da liegt nämlich das Problem. Besonders Badeseen sind oft tückisch was die Wassertiefe anbelangt.

  11. 16.

    Den eigenen Kindern das Schwimmen beizubringen sollte machbar sein. Radfahren lernen Kinder ja auch daheim. Und es gibt genug Badestellen dafür. Man muss ja nun auch nicht auf Perfektion gehen, es reicht erstmal, wenn das Kind lernt, nicht zu ertrinken.

  12. 15.

    Sehr bequem ... dies "zu verlagern". Sie sind verantwortlich - und nur Sie, nicht die Öffentlichkeit und deren Einrichtungen. Wenn wir Ihrem Kind dies dennoch ermöglichen, schwimmen zu erlernen, dann freuen wir uns über Ihre Dankbarkeit...

  13. 14.

    Es geht hier nicht um die Eltern/ Großeltern, die ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Wo ein Wille, da ein Weg. Ich gehe auch regelmäßig mit meiner fünfjährigen Tochter ins Freibad. In Berlin iT jedes vierte Kind von Armut bedroht, ich denke, dass auch jedes vierte, mindestens aber jedes dritte kind, schlechte Karten hat, durch die Eltern schwimmen zu lernen.

    Im Freibad sehe ich quasi NIE Frauen mit islamischen Glauben, auf der Straße sehe ich die aber sehr häufig. Ganz selten ist mal eine Mutter mit Burkini im Freibad. Sie gehen mit ihren Kindern nicht ins Schwimmbad. Wer bringt diesen kindern Schwimmen bei? Oder die Kinder aus marzahn/ Hellersdorf? Die arche fängt da sicher einiges ab, aber einen Pool haben die auch nicht. Es geht bei dem wachsenden Defizit um diese Kinder. Um Kinder, wo wir gerne wegschauen

  14. 13.

    Danke. Das meinte ich auch mit meinem Antwortkommentar an @ Bendte.

  15. 12.

    So ein Quatsch.Wieso muss pro Kind eine Begleitperson dabei sein???
    1. Die Klasse kann geteilt werden, 2.ich habe mitte der 90er Jahre meinen Schwimmunterricht gehabt.Umziehen mussten wir uns alleine und drinnen war dann der Schwimmlehrer, der uns beaufsichtigt hat. Ich verstehe einfach diesen Aufpasswahnsinn heute nicht mehr....Kinder bekommen das alles sehr gut alleine hin.Außerdem dürfte es ja dann auch keinen Kindersportgruppen für Kitakinder geben, da sind auch bloß 2 Turnlehrer da um sich im 10-15Kinder zu kümmern....

  16. 11.

    Ich habe eine solch leises ertrinken vor zwei Jahren am Nymphensee in erlebt. Es war wenig los. Ein Vater war mit seinen zwei Kindern im Wasser. Der Vater stand mit dem Rücken zu seinem ca 2 jährigen Kind, etwas entfernt weiter im See und warf das größere Kind ins Wasser. Der kleine hatte einen aufblasbaren Hammer und spielte damit. Als mein Blick das nächste Mal über die Kulisse streifte, warf der Vater sein Kind weiterhin ins Wasser, der Hammer schwamm auf dem Wasser, aber das kleine Kind was weg, es war nirgends. Ich schnappte mir mein Kind uns rannte die ca 10 m dort hin und mit weit aufgerissen Augen starrte mich dieser kleine Junge unter der Wasseroberfläche an. Er schwebte im Wasser, er hätte sich eigentlich nur hinstellen müssen, das Wasser war für ihn vielleicht hüfttief. Ich griff das Kind, hielt es kopfüber,es spuckte Wasser, weinte aber nicht.
    Ich ging zum Vater und tippte ihn auf die Schulter... die badestelle war bewacht, aber Kinder ertrinken leise.

  17. 10.

    OMG, Lothar - danke für Deine Schilderung, das ist genau das Thema gerade, die Ungeübten, die Nichtschwimmer! Gut, dass jemand ein Auge auf Dich hatte....
    Leider werden dank der Pandemie-Regeln der Freibäder die Kinder an die Seen getrieben, wo kein Bademeister zur Hilfe eilen kann, das Wasser nicht so durchsichtig ist, der Boden uneben und der Nichtschwimmerbereich nicht abgegrenzt ist.

    Liebe Erwachsenen, bitte haltet die Augen offen, auch auf "fremde Kinder", lieber einmal zu viel als einmal zu spät zugreifen und jemanden aus dem Wasser ziehen....

  18. 9.

    Bitte denkt auch an die Gefahr von Schwimmreifen! Unser Kind hing damit am Ende einer Rutsche fest. Mit dem Kopf nach unten im Wasser und konnte sich nicht allein befreien! Das kann auch auf einer Luftmatratze im Wassr passieren! Warum wird darauf nicht auch hingewiesen?

  19. 8.

    Auf einen entscheidenden Fakt wird meines Erachtens hier gar nicht genug hingewiesen. Die Seepferdchenprüfung die von vielen Kindern noch gemacht wird bedeutet nicht, dass diese Kinder wirklich schwimmen können. Sie heißt vielmehr, dass diese Kinder in der Lage sind sich kurzzeitig über Wasser zu halten. Ziel sollte grundsätzlich sein in der Schule die erste Stufe des Schwimmabzeichens abzulegen. Das Seepferdchen dient nur als Motivationshilfe für kleine Kinder.
    Es ist auch ein fataler Fehler wenn die Eltern glauben, dass die Kinder in der Schule wirklich schwimmen lernen. Ein regelmäßiges Training gerade in den ersten Jahren ist wichtig, um die Fähigkeiten zu verstetigen.

  20. 7.

    Eins verstehe ich hier wiederum nicht. Wenn ich meinem Kind das Schwimmen beibringen möchte und es keinen Platz gibt für den Schwimmunterricht, na dann würde ich als Vater selbst mal handanlegen und mit dem Kind üben. Badestellen gibt es fast überall. Oder haben Eltern grundsätzlich keine Zeit mehr für ihren Nachwuchs? Mir ist natürlich schon klar, das Kinder unter der Anleitung eines erfahrenen Fachmannes besser lernen zu schwimmen.

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