Extremhitze - Berliner Bäderbetriebe stocken Ticketkapazitäten für Sommerbäder auf

Gäste ziehen im Freibad schwimmend ihre Bahnen (Quelle: dpa/Guido Kirchner)
Video: Abendschau | 17.06.2021 | Laurence Thio | Bild: dpa/Guido Kirchner

Bei 37 Grad im Schatten zieht es Berliner jetzt ans Wasser. Doch in die Sommerbäder war nur schwer hereinzukommen, Tickets aufgrund von Hygieneauflagen streng limitiert. Jetzt soll sich die Lage bessern. Von Georg-Stefan Russew

Mit Werten von bis zu 37 Grad wird es auch in Berlin in den kommenden Tagen sehr heiß. Da ist Abkühlung gefragt, viele Menschen zieht es ans Wasser.

Doch in die Sommerbäder der Berliner Bäderbetriebe (BBB) hereinzukommen, glich bislang einer Lotterie. Denn mal eben ins Strandbad Wannsee oder Sommerbad Pankow gehen - Fehlanzeige. "Aufgrund der Hygienebestimmungen in Corona-Zeiten müssen online Tickets gezogen werden", sagt BBB-Sprecherin Claudia Blankenagel gegenüber rbb|24. Aktuell liege das Kartenkontingent bei 20.000 Tickets täglich. Die waren sehr schnell weg, bestätigt Blankennagel.

Ab Freitag mehr Tickets für Sommerbäder

Für Freitag kündigten die Bäderbetriebe an, weit mehr als die 20.000 täglichen Tickets für ihre 17 Sommerbäder anzubieten. "Die am Dienstag im Senat beschlossenen Lockerungen geben den BBB den dafür nötigen Handlungsspielraum", teilte BBB-Sprecher Matthias Oloew am Donnerstag mit. "Die zusätzlichen Eintrittskarten werden im Laufe des Donnerstags nach und nach im Online-Shop freigeschaltet."

Weitere Kapazitäten sollen zu Ferienbeginn noch geschaffen werden. Eine pauschale Zahl, um wie viele Tickets sich die Kapazität erhöht, gibt es derzeit noch nicht. Das werde im Dialog mit den einzelnen Gesundheitsämtern in den Bezirken geklärt, hieß es.

Auch Hallenbäder wieder göffnet - aber nur für Grundschüler

Auch zwölf Hallenbäder haben wieder geöffnet, aber nicht für die Allgemeinheit. Diese sind ausschließlich für Schwimm-Intensivkurse für Grundschüler zur Verfügung, so Blankennagel weiter. "Das Schulschwimmen ist im vergangenen Jahr fast vollkommen zum Erliegen gekommen", sagt Martin Kleesmann, Sprecher des Berliner Bildungssenats, rbb|24. Die Kinder sollen so Defizite möglichst schnell aufholen.

Der Landessportbund, der die Federführung für die Kurse innehat, teilte mit, dass in kleinen Gruppen mit bis zu zehn Kindern die Grundschüler besser Schwimmen lernen und ihr Schwimmabzeichen nachholen könnten. Kleesmann sagt, dass 17 Berliner Schwimmvereine kostenlose Schwimmkurse für über 8.000 Kinder anböten. Auch die Bäderbetriebe stellen über die Sommerferien 1.100 Kursplätze für Kinder bereit.

Anderthalb Jahre Schwimmunterricht-Ausfall durch Corona

Schwimmunterricht ist für Michael Neiße von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft Berlin (DLRG) überlebenswichtig. "Wir haben durch die Corona-Pandemie in den Schulen anderthalb Jahre Ausfall des Schwimmunterrichts", sagt er. 2020 haben bundesweit bei der DLRG nur rund 14.600 Kinder die Seepferdchen-Prüfung abgelegt. Das sind 70 Prozent weniger als noch 2019. Weiterführende Schwimmprüfungen sind laut DLRG sogar um 75 Prozent zurückgegangen. Der Zusammenhang mit Corona sei laut Neiße nicht von der Hand zu weisen.

Nichtschwimmer sollten nur Brust-tief ins Wasser gehen

Auch wenn das kühle Nass noch so verlockend ist, Nichtschwimmer sollten den Flachwasserbereich nicht verlassen, nur Brust-tief ins Wasser gehen. "Ein Muss ist die Einhaltung der Baderegeln, wie nicht mit vollem Magen Baden gehen oder aus der prallen Sonne nicht abgekühlt ins Wasser gehen", betont der DLRG-Sprecher. Wichtig sei ihm auch, dass man nicht von Brücken aus ins Wasser springt. "Das kann böse Folgen haben." Zudem wünscht sich Neiße, dass Berliner und Gäste der Hauptstadt nur an bewachten Badeabschnitten sich abkühlen."

Die Rettungsschwimmer der DLRG bewahrten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 901 Menschen vor dem Tod, ein Jahr zuvor waren es 950 Menschen. Bei 28 Einsätzen hätten sie sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen müssen. Rund 41.000 Retter setzte die DLRG ein.

34 offizielle Berliner Badestellen als Alternative zu Sommerbädern

Neben den gefüllten Sommerbädern sind freie Badestellen, Berlin hat aktuell 39 offizielle [badestellen.berlin.de] ausgewiesen, eine gern genutzte Alternative. "Bis auf die fünf Badestellen am Tegeler See, für diese gilt aufgrund einer hohen Konzentration von Blaualgentoxinen ein Badeverbot, verfügen die anderen offiziellen Berliner Badestellen über eine gute Wasserqualität", sagt Silvia Kostner vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Die meisten offiziellen Badestellen verfügten über Bewachung. "Dennoch sollten Eltern ihre Kinder im Wasser immer im Auge behalten, damit nichts passiert", mahnt Rettungsschwimmer Neiße.

Generell seien die Badestellen personenmäßig nicht limitiert. Es gelte Eigenverantwortung, die Hygieneregeln auch hier einzuhalten, betont Kostner. Daneben gebe es in Berlin noch sehr viele wilde Badestellen, wo die Menschen ins Wasser stiegen. "Hier muss man auch mal auf den Nachbarn achten", rät Michael Neiße. "Auf die Idee, in die Spree zu springen, sollte auch bei der Hitze niemand kommen", mahnt Lageso-Sprecherin Kostner. Zum einen handele es sich um eine stark befahrene Wasserstraße, zum anderen die Wasserqualität nicht optimal.

Abkühlung an Hydranten funktioniert nicht

Alternative Abkühlungsmethoden wie sich unter einen Hydranten zu stellen und diesen aufdrehen, funktioniert in Berlin übrigens nicht, denn solche oberirdischen Metallsäulen gebe es in der Bundeshauptstadt nicht, sagt Stefan Natz von den Berliner Wasserbetrieben. "Wir haben nur sogenannte Unterflureinrichtungen", erklärt er. Hierfür könne man zwar Steckrohre mieten. Es müsse hierfür eine Kaution hinterlegt und Wassergeld gezahlt werden.

Obdachlosen in der Extremhitze helfen

Angesichts der Hitze hat die Berliner Stadtmission dazu aufgerufen, Obdachlosen zu helfen. "Vor allem älteren Obdachlosen macht die Hitze sehr zu schaffen. Die hohen Temperaturen
können lebensbedrohlich sein", sagt Sprecherin Barbara Breuer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Viele Obdachlose seien täglich viele Kilometer zu Fuß unterwegs und achteten dabei oft nicht darauf, genügend Wasser zu trinken.

"Wer schnell und unbürokratisch helfen möchte, nimmt dieser Tage einfach eine zusätzliche kleine Wasserflasche mit und schenkt sie bei Bedarf einem Menschen, der auf der Straße lebt", so Breuer. Auch Kleingeldspenden für eine Abkühlung könnten helfen. Die Sprecherin
rät zudem, Obdachlose, die in der prallen Sonne schlafen, zu wecken und zu fragen, ob es ihnen gut gehe. Erst am Montag sei ein Obdachloser auf der Straße kollabiert. "Unser Direktor, der zufällig in der Nähe war, konnte helfen", sagte Breuer.

Sendung: Mittagsmagazin, 17.06.2021, 13 Uhr

Beitrag von Georg-Stefan Russew

8 Kommentare

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  1. 8.

    Wie ist das denn, darf man unterdessen auf der Liegewiese verweilen? Masken im Freien? Schwimmen nur in den abgeschnürten Bahnen? Und eigentlich nur von Profis? Hat der Senat da auch gelockert?

  2. 7.

    Diese ueberchlorten und jetzt auch noch ueberorganiesiersten und sowieso zu teuren Sommer
    baeder können mir gestohlen bleiben

    Früher zu Pfennigbetraege war es ja ok, ab heute wo ist da die Gegenleistung. Ich will das Zeug weder mitnehmen noch trinken.

  3. 6.

    Das glaube ich eher nicht, denn dann müsste man mehrfach am Tag die 3,80€ pro Person bezahlen. Und sorry, aber das sind die Berliner Bäder mir echt nicht wert.
    Rechnen Sie das mal auf ne 4köpfige Familie. Da kommt für einen Tag Schwimmbad von 11:00 bis 18:30 Uhr einfach mal 45,60€ zusammen. Auf gar keinen Fall!

  4. 5.

    Etwas Abkühlung würde auch der rigaer Str. guttun...

  5. 4.

    Das frage ich mich auch schon lange!!
    „Gerade die ... Knochenkranken... haben jetzt erhöhten Bedarf an Schwimmbewegungen.“
    Ich hab mal mit drei Orthopäden gesprochen, die waren sich alle einig, dass die Schließung der Schwimmbäder - auch der Hallenbäder im Winter - eine absolute Katastrophe sei für ihre Patienten

  6. 3.

    Ich gehe davon aus, dass einige Leute mehrfach am Tag reingehen (zum Schwimmen, Sonnen, Kaffeetrinken …) und nicht nur für eine kurze Schwimmrunde. Gerade auch Kinder / Familien mit Kindern werde spätestens in den Ferien nicht nur für 2.5 h ins Bad gehen.
    Deshalb denke ich, dass eine Abschaffung der Zeitfenster nicht für mehr (verschiedene) Menschen im Bad sorgen würde, sondern nur für entspannteres Schwimmen. Wird darüber bereits nachgedacht?

  7. 2.

    Das ist doch ein Scherz? Also sind die mittlerweile völlig übertriebenen Maßnahmen wie Ffp2 maske nachts auf dem Alex tragen ebenso sinnlos

  8. 1.

    Richtige Entscheidung ! Kann doch nicht sein, dass in Brandenburg in kleine Freibäder 500 Personen dürfen, in Pankow nur rund 350 Personen . Das Freibad Pankow ist doppelt so groß wie manches Andere in Brandenburg.

    Und warum öffnen die Schwimmhallen nicht auch für das "sonstige" Publikum ?
    Gerade die ... Knochenkranken... haben jetzt erhöhten Bedarf an Schwimmbewegungen.

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