Drogenkonsum - Deutlich mehr Kokain-Spuren im Berliner Abwasser

Ein Team aus Wissenschaftlern und Betreibern von Kläranlagen will aus Abwasserproben auf den SARS-CoV-2-Infektionsgrad der Bevölkerung schließen © imago images/Rupert Oberhäuser
Audio: ARD-Kontraste | 03.06.2021 | Martin Adam | Bild: imago images/Rupert Oberhäuser

Konsum und Handel mit Kokain haben in der Corona-Pandemie stark zugenommen. Das zeigt auch eine Abwasseranalyse in Berlin im Auftrag des ARD-Politikmagazins Kontraste. Auch das Berliner LKA bestätigt: Kokain-Verfahren nehmen zu. Von Sascha Adamek und Pune Jalilevand

Der Kokainhandel und -konsum hat sich trotz der Coronapandemie verstärkt. Das zeigen Recherchen des ARD-Politikmagazins "Kontraste". Untersuchungen des Berliner Abwassers, durchgeführt von den Berliner Wasserbetrieben und der TU Dresden im Auftrag von "Kontraste", ergeben: Die Konzentration an Kokainrückständen im Abwasser hat deutlich zugenommen.

Ließen sich 2017 noch 300 Milligramm auf 1.000 Personen pro Tag nachweisen, waren es 2021 doppelt so viele. In eine durchschnittliche Dosis Kokain umgerechnet waren es 2017 zehn, 2021 schon zwanzig Dosen auf 1.000 Einwohner. Der Projektleiter für Siedlungshydrologie, Björn Helm sagte, die Entwicklung zeige "trotz Corona eine fortgesetzte Steigerung".

Größter Kokainfund aller Zeiten in Europa

Einen gewichtigen Hinweis liefert überdies die Entwicklung der Beschlagnahmungen durch den Zoll. Während Corona wurden insgesamt weniger internationale Seegüter umgeschlagen - diese werden häufig zum Kokainschmuggel genutzt. Trotzdem konnten Drogenfahnder in Deutschland im Pandemiejahr 2020 fast neuneinhalb Tonnen Kokain sicherstellen, nur eine knappe Tonne weniger als im Vorjahr. Im Februar dieses Jahres gab es einen Rekordfund von 16 Tonnen im Hamburger Hafen. Das entspricht laut Zoll einem Verkaufswert von etwa 3,5 Milliarden Euro.

Berliner LKA spricht von zweistelligem Zuwachs der Verfahren

Auch der Leiter des Drogendezernats im Berliner Landeskriminalamt, Olaf Schremm, sagte gegenüber "Kontraste": Die Zahlen insbesondere der Strafermittlungs-Verfahren gegen Händler nähmen weiterhin stetig zu. "Da haben wir deutschlandweit wie auch in Berlin die größten Zuwachsraten im teilweise zweistelligen Prozentbereich", so Schremm. Diesen "exorbitanten Anstieg" erklärt Schremm auch mit den vielen Online-Messengerdiensten, die für den Handel genutzt würden. Das habe man "jetzt erst mit der Pandemie festgestellt."

Ein Grund für die Drogenschwemme könnte laut Suchtexpertinnen wie Ute Keller, Leitende Oberärztin an der Alexianer-Suchtklinik Berlin, die starke Mehrfachbelastung durch Homeoffice und Homeschooling sein. Wenn diese Drogen "in der Pandemie so sehr in den Alltag geraten", habe das zur Konsequenz, dass bereits süchtige Menschen rückfällig würden oder auch erstmals Drogen nähmen. Frauen seien besonders belastet durch Kinderbetreuung, Home-Schooling und paralleles Home-Office, denn sie glaubten, "immer funktionieren zu müssen."

Die Berliner Medizinerin und Drogenexpertin Andrea Jungaberle erklärt, Kokain mache vor allem psychisch abhängig. Nach dem intensivierten Konsum von Kokain, der sie euphorisiere, würden Menschen in eine Art "Entzugsdepression" fallen. Diese werde als so quälend empfunden, dass sie sofort wieder konsumieren wollten.

Sendung: Das Erste, 3.6.2021, 21:45 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 03.06.2021 um 20:45 Uhr geschlossen

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Beitrag von Sascha Adamek und Pune Jalilevand

32 Kommentare

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  1. 32.

    Erst Milligramm dann Dosen. Wieviel Milligramm sind denn eine Dose? Und viel wichtiger für den Endverbraucher der kein Kokain für seine Familie im Trinkwasser möchte. Wird es vollständig aus dem Wasser entfernt oder bleiben Reste im Wasser?

  2. 31.

    Eine dumme Nachfrage : Wie hoch ist denn der Mehrverbrauch in Prozent oder Kilogramm bei legalem Kokainkonsum ? Das muss ja schon gewaltig sein .....

  3. 30.

    Ich halte mich lieber an die Volksdroge Nr. 1. Und bei dem Wetter, mit negativen Test, an dunkles Hefeweizen.

    Alkohol ist dein Sanitäter in der Not
    Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot
    Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst
    Alkohol, Alkohol

    Die Nobelszene träumt von Kokain
    Und auf dem Schulklo riecht's nach Gras
    Der Apotheker nimmt Valium und Speed
    Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas

    ...

    Wer Sarkasmus erkennt darf ihn behalten...

  4. 28.

    Die Reichen verdrängen immer mehr Arme aus Berlin, also gibt es auch mehr Kokain in Abwasser. Kokain ist die Droge der Reichen.

  5. 25.

    Das war auch sogleich mein erster Gedanke. Ich gehe mal eben die Nase pudern.

  6. 24.

    " Ein Opfer zu sein ist aber immer sozial bedingt. "
    Nee, mein Bester. Das Drogenproblem geht quer duch alle Gesellschaftsschichten und hat, auch wenn es sich vll. doof anhört, verdammt viel mit der inneren Einstellung zu sich selbst zu tun.
    Spätenstens aber, wenn du, egal was für eine, Droge nimmst um einen Gefühlszustand zu erlangen oder auszuschalten hast du drogentechnisch mind. schon ein mentales Problem. Is' nich' persönlich gemeint, aber denk' mal drüber nach und zwar schnell - nicht "Sobald" sich dies oder jenes wieder lohnt, machbar ist. Ist wie "Engelchen und Teufelchen" auf der Schulter - der Eine sagt dir "das geht wieder", der Andere meint "_mit_ ist aber noch schöner. Oder anders ... mit verbundenen Augen durchs Minenfeld - kann gut gehen, muss es aber nicht.

  7. 23.

    "Krass, dass sich im politisch hyperkorrekten Deutschland eine Droge hoher Beliebtheit erfreut..."
    Naja - aber auf manche Ideen, auch politsche, kann man nur kommen, wenn man echt die Nase voll hat.

  8. 22.

    Stimmt. Welches Klärwerk ist für den Bundestag zuständig? https://www.spiegel.de/politik/deutschland/verdacht-auf-kokain-im-bundestag-wuerden-drogenhunde-anschlagen-a-100890.html

  9. 21.

    Cannabiskonsum ist nicht einmal schädlich, wenn man, so wie ich es getan, eine „Urintherapie“ über einen längeren Zeitraum macht.

  10. 20.

    Das viele Menschen an dem Drogenkrieg sterben ist nicht gut. Es kommen auch weitere Schäden durch gestreckte und gefälschte Drogen hinzu. Dadurch kommt es zu Todesfällen und Gesundheitschäden. Suchtkranke erhalten oft keine Medizinische Hilfe. Es kommt zu Umweltschäden durch gezwungenermaßen illegal entsorgte Produduktionsabfälle. Korruption wird gefördert und Kriege finanziert. Die Macht der Großhändler steigt immens.

    Ist Alkohol gesünder? Nein. Ist die Zahl der konsumenten illegaler Drogen seit dem Verbot gesunken? Nein. Gibt es Beweise für Schäden durch das Verbot? Ja. Hat mehr Repression (Beispiel Bayern) zu weniger Todefällen geführt? Nein. Wurden Bürgerrechte (zb. Übewachung)wegen des Verbotes eingeschränkt? Ja. Verursacht das Verbot Kosten? Ja. Ist der "Gesundheitsschaden" der durch das Verbot erziehlt werden soll Beweisbar? Nein. Sind Minderheiten besonders von Repression betroffen? Ja. Hat sich durch Legalisierung (zb. Cannabis USA) der Konsum stark zugenommen? Nein.

  11. 19.

    Vielleicht sollte man sich für einen Rausch Berlins Abwasser durch die Nase ziehen... ;)) Ist kostengünstiger...

  12. 18.

    Ich bekenne mich schuldig. Momentan kann man ja eh nur arbeiten. Nach meiner 55h Woche gibt's dann eine Nase, damit ich nicht mehr darüber nachdenken muss, zu was ich alles nicht komme momentan. Sobald sich die Freizeit wieder lohnt, wird sich dieses Konsummuster auch wieder auflösen. Sobald ich wieder was unternehmen kann für meinen Ausgleich und sobald man für sein Geld auch wieder was anderes schönes bekommt, ist dieses Ventil auch schon wieder überflüssig. Viele sind momentan Opfer der Umstände. Die Frage ist, muss ich die Folgen überhaupt behandeln lassen? Ich bin aufgeklärt und mündig und sehe nicht, dass ich mich länger als nötig dieser Abhängigkeit unterwerfen möchte. Mir ist klar, dass es einen Missbrauch darstellt. Ein Opfer zu sein ist aber immer sozial bedingt.

  13. 16.

    Einen größeren schwachsinn hab ich selten gelesen.klarer fall von keine Ahnung aber das maul aufreißen.
    Was bitte hat hanf damit zu tun und welche gefahr besteht dadurch? Eine aufklärung wäre nett und durchaus angebracht.
    Und was sagen sie eigentlich zu alkohol im abwasser.

  14. 15.

    Positiv:
    1. Der Konsum anderer harter Drogen, dürfte während des Lockdowns abgenommen haben.
    Ich meine: Es macht doch keinen Sinn im Lockdown zu sitzen und dabei 'Speed' oder 'XTC' zu konsumieren.

    2. Wenn der Getränkelieferant das nächste mal Wasser bringt, kann man getrost rufen: "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da!"

    Negativ:
    1. Die Wasserpreise dürften jetzt wohl erheblich steigen.
    2. In nächster Zeit, wird man wohl gehäuft Jugendliche und Investment-Banker -mit Strohalmen ausgerüstet- in der Abwasserkanalisation antreffen.

  15. 14.

    Aber "Otto", tu doch nicht so dumm. Das illegale ist bestimmt ungleich mehr enthalten. -Die Dosis macht das Gift- ist ja bekannt.

  16. 13.

    Wer ein bissel belesen ist weiß, dass der Entzug einer Droge viel schwerer ist als der von Alkohol. So richtig abhängig von Kokain zu sein ist schon ein sehr ernstes Problem. Habe mir gerade eine Flasche Bier in den Kühlschrank gestellt. 2-3 am Tag werden es schon. Aber es geht auch ohne und das ist der Unterschied. Angewöhnt bei der Gartenarbeit. Aber nun nicht sagen die sei schädlich. ;=)

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