Neuer Versuch in Planung - Weltrekord-Fahrt durchs Berliner U-Bahn-Netz scheitert an Signalstörung

Till Rasche (rechts) und Lorenz Wünsch stehen am 23.06.2021 vor dem Eingang zum U-Bahnhof Hönow (Quelle: Lorenz Wünsch)
Audio: Inforadio | 23.06.2021 | Juliane Kowollik | Bild: Lorenz Wünsch

Das Berliner U-Bahnnetz umfasst 175 Stationen. Zwei Ingenieure aus Frankfurt am Main wollten am Mittwoch alle abfahren und einen neuen Weltrekord aufstellen. Wochenlang wurde geplant - doch drei Minuten Stillstand machte alles zunichte.

Signalstörungen sind im Berliner Nahverkehrsnetz nicht unüblich, immer wieder kommt man zu spät zur Arbeit oder zu einer Verabredung. Doch Lorenz Wünsch und Till Rasche aus Frankfurt am Main vermasselte eine solche Störung einen Rekord - im U-Bahn-Fahren für das Guinnessbuch.

Die beiden Ingenieure wollten am Mittwoch alle 175 U-Bahnstationen der Stadt in Rekordzeit abfahren. Die "Tube-Challenge" startete um 5.40 Uhr in Hönow. "Die Route haben wir über mehrere Wochen minutiös ausgetüftelt", sagte Lorenz Wünsch rbb|24. "Der Start in Hönow war für unser Vorhaben planmäßig am besten." Die Tour sollte am U-Bahnhof Rudow gegen 12:30 Uhr enden.

15-Minuten-Puffer reichte nicht

Doch gegen 11 Uhr musste der Weltrekordversuch abgebrochen werden. "Am Bahnhof Gesundbrunnen auf der U8 mussten wir drei Minuten warten. Wir saßen bereits im Zug. Doch wegen eines roten Signals ging es nicht weiter", erzählt der gebürtige Berliner. Anschließend ging es nur im Schneckentempo weiter.

Später konnten Wünsch und Rasche weitere Verzögerungen nicht mehr aufholen und brachen deshalb den Weltrekordversuch ab. Für Verzögerungen hatten sie sich einen Puffer von nur 15 Minuten ausgerechnet.

Weltrekordversuch wird nicht aufgegeben

Till Rasche hatte für den Versuch ein eigenes Computerprogramm gebaut, um die schnellste Verbindung zu berechnen. Noch in diesem Jahr wollen er und Mitfahrer Rasche nun einen weiteren Anlauf in Berlin für den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde starten. "Dazu muss aber noch ein geeigneter Zeitpunkt gefunden werden. Im Sommer gibt es beispielsweise viele Baustellen. Da passt es eher nicht", so Wünsch.

Aktueller Rekord liegt bei knapp sieben Stunden

Um einen vom Guinnessbuch anerkannten Rekord aufzustellen, muss an jedem Bahnhof mindestens einmal mit der U-Bahn Halt gemacht werden – den Zug verlassen muss man nicht.

Seinen Ursprung hat die sogenannte Tube-Challenge Anfang der 1960er-Jahre im weit verzweigten Metronetz Londons. In Berlin wurde der erste Rekord 2014 aufgestellt und seitdem mehrfach unterboten. Aktuell hält der Brite Adham Fisher den Titel mit einer Fahrzeit von sechs Stunden und 53 Minuten.

Sendung: rbb24, 23.06.2021, 16:00 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Ich werde wohl nie verstehen, welche "Fortschritte" durch IP-basierte Telefonie und bei den Bahnen durch IP-basierte Signaltechnik erzielt werden, außer dass Hacker leichteres Spiel haben. Wenn schon die Router zuhause und auf der Arbeit immer dann schhlapp machen, wenn man sie am dringensten braucht, oder sich die immer wieder auftauchenden Internetstörungen in Bezug auf die Signaltechnik der Bahn vorstellt, dann passt in dieses Bild auch die supergeniale Idee der Bahn"fachleute", statt der Fahrstraßen und Blockabschnitte das FAHREN AUF SICHT einzuführen, eine maximal dümmste Idee. Wie soll ein Lokführer bei den meist hohen Geschwindigkeiten auf Sicht fahren können, wo doch die Bremswege sehr lang sind >so spielt man mit Menschenleben!

  2. 19.

    Da könnte alles noch so gut bei U- S- und Regionalbahn in Schuss sein, ohne Signalstörungen, ohne Schienenbrüche, kaum sperren irgendwelche "experten" die Türen noch für kumpels auf, zack ist die selbstverschuldete Verspätung da, oder zumindest diese zerstörte Türmechanik gibt dem Zug den Rest

  3. 18.

    Ich finde dass Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen, und ist als vorzügliche Werbung für den BVG zu verstehen.
    Versuche doch jemand , in einer vorgegebener Zeit, diese Strecke mit dem Auto abzufahren, der wird sich wundern.

  4. 17.

    ... nun ja, immerhin nur eine(!) Signalstörung von 3 Min.
    Bei der Berliner S-Bahn wären solche Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt; dort sind schon einfache Reiseplanungen mit mehr als einmal umsteigen schon ein Abenteuer ...

  5. 16.

    Liebe Alice,
    ich gebe Dir vollkommen Recht: moser - mecker - rumgeheule. Das ist die Kommentarstimmung auch bei superguten fröhlichen Ideen!
    Sonnenschein für alle!
    Beste Grüße

  6. 15.

    Dit wird nischt, denn man weiß doch: "BVG" steht für "Bitte viel Geduld".

  7. 14.

    Ich frage mich ob es überhaupt eine Vergleichbarkeit zu Rekordzeiten und Versuchen in anderen Städten gibt wenn die Anzahl der Stationen als Maßstab dienen. Die Stationen sind doch nicht nur innerhalb eines Netzes sondern eben auch in anderen Netzen immer unterschiedlich voneinander entfernt. Dazu können Standartgeschwindigkeiten der Züge von Stadt zu Stadt variieren. Somit braucht der Zug natürlicherweise mindesten wegen der Faktoren "Entfernung" und "Zuggeschwindigkeit" schon unterschiedlich lange. Ich verstehe diese Challenge nicht. Die Leistung liegt doch eher darin so ein Programm zu programmieren und sich für die Fahrtzeit zur Verfügung zu stellen als an der Sache (viele U Bahn Stationen) an sich. Also es macht alles hinten und vorne keinen Sinn. Es zeigt nur, dass eigentlich clevere Menschen idiotische Dinge tun können.

  8. 13.

    Ehrlich, das ist typisch. Da wird 'ne Challange einfach Just4Fun gemacht und hier wird nur gemeckert. Wenn es um den härtesten Wackelpuddig gegangen wäre, würde vermutlich über das harte Berliner Wasser gemault, wenn der Klops zu weich geworden wäre. Echte Funbreaks hier.

  9. 12.

    2014 gab es doch weniger Stationen als jetzt mit der verlängerten U5 bis HBF. Das kann man doch schlecht vergleichen.

  10. 11.

    Bin ÖPNV-Vielfahrer und habe herzlich über die Ahnungslosigkeit der Ingenieure gelacht. Keine Schadenfreude! Heitere Freude, dass es noch Menschen gibt, die an Störungsfreiheit im Bahnbereich glauben. Ein Puffer von nur 15 Minuten? Ha, ha, ha... Weil es im Sommer keinen Flugschnee gibt? Ha, ha.

    Noch schlimmer ist's übrigens bei der S-Bahn. Da sind neulich sogar mal die Ansagen ausgefallen, wodurch es eine Störung bei der Ansage einer Störung gab.

  11. 10.

    Sehr geehrter Danny,
    das mit den Kippen im Gleis ist zwar eine gute Idee, aber nicht machbar. Weil der Zugverkehr während der Reinigung der gesamte Zugverkehr unterbrochen werden müsste. Außerdem werden etliche davon zwischen den Schottersteinen liegen.
    Mit freundl. Grüßen

  12. 9.

    Komisch, sind das denn für Ingenieure? Also ich als Ingenieur weiß, dass sowas bei der BVG nicht klappt, ich würde es nicht mal mehr versuchen oder Zeit daran verschwenden es zu planen...

  13. 8.

    W A - R U M ????????
    Der Tiergarten müsste mal in Rekordgeschwindigkeit von Müll gesäubert werden. Oder die Gleise von Zigarettenkippen.

  14. 7.

    Gibt es für solch Aktion irgendeinen Sinn?

  15. 6.

    Schön das ihr in Frankfurt sowas, aber Frankfurt hat keine U-Bahn, nur eine Stadtbahn & eine Straßenbahn. Die BVG wolltet das ihr wieder kommt. Für den nächsten Versuch.

  16. 5.

    Erstmals 2014? Weit daneben. Schon in den frühen 90ern hat ein Vater-Sohn-Gespann einen solchen Rekord aufgestellt und später noch verbessert. Und dadurch inspiriert habe ich kurz darauf solch einen Rekord bei der S-Bahn aufgestellt. Stand auch alles in den damaligen Guiness-Büchern.

  17. 4.

    Nicht ausgelastet die Herren Ingenieure? Hätten sie mal einen ÖPNV Nutzer im Vorfeld gefragt, dann hätten sie den Test auch bleiben lassen können.

  18. 3.

    Die vergebliche Mühe und die entgangenen Einnahmen sind bedauerlich ! - Welche Lehren gewinnt die BVG aus diesem Schicksalsschlag für Ihre zahlenden Kunden ?

  19. 2.

    Dann macht den Versuch auch bei der S-Bahn. Dw würde es auch scheitern. Und nicht nur an 3 Minuten.

  20. 1.

    Das Scheitern wundert gestandene Öffis-Nutzer in Berlin nicht. Viel Erfolg beim 2. Versuch.

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