Berlin-Friedrichstraße - Luxuskaufhaus Quartier 206 wird zwangsversteigert

Blick ins Luxuskaufhaus Quartier 206 in der Friedrichstraße. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
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Audio: rbb 88,8 | 08.06.2021 | Juliane Kowollik | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Das Luxuskaufhaus in der Berliner Friedrichstraße, Quartier 206, soll am Dienstag am Amtsgericht Mitte zwangsversteigert werden.

Der Verkehrswert wurde auf 39 Millionen Euro festgelegt. Das Gebäude umfasst 8.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, dazu kommen Büros und Appartements. Angesichts der Lage und Ausstattung ist der Verkehrswert gering, allerdings sollen mindestens 180 Millionen Euro Schulden im Grundbuch stehen, die der neue Eigentümer miterwirbt.

Das Gebäude wurde im vergangenen Sommer bereits für 240 Millionen Euro versteigert. Das Verfahren wurde jedoch wieder eingestellt. Grund war der Kauf durch ein Unternehmen, das in Verbindung mit der Familie Jagdfeld gebracht wurde, berichtete der "Tagesspiegel" 2020.

Die Familie besaß demnach nach eigenen Angaben einst das Quartier 206. Wie die Zeitung weiter berichtete, wurde der Verkauf durch die Gläubiger, bestehend aus einem Bankenkonsortium, am Ende gestoppt.

Interessengemeinschaft Friedrichstraße fordert Unterstützung für Gewerbetreibende

Die Probleme um das Quartier 206 werden als bezeichnend für die Krise der einst als Flaniermeile ausgerufenen Friedrichstraße gesehen. Guido Herrmann, Vorsitzender des Vereins "Die Mitte", forderte deshalb im Gespräch mit dem rbb vom Senat neue Konzepte, um der Friedrichstraße wieder Leben einzuhauchen. Der Verein ist ein Netzwerk aus Gewerbetreibenden, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Gegend rund um die Friedrichstraße und Unter den Linden zu stärken.

Im Quartier 206 sieht Herrmann ein Symbol des "Aufbruchs für ganz Berlin", sagte er dem rbb-Inforadio am Dienstag. Die Politik müsste nun die Gewerbetreibenden in den umliegenden Straßen unterstützen, da diese die Belastungen nicht allein bewältigen könnten.

Zu solchen Belastungen gehörten etwa jahrelange Baustellen, die die Flaniermeile unattraktiv gemacht hätten. "Wenn man jahrelang einen Schrank vor die stellt, kommen auch keine Verwandten mehr", sagte Hermmann.

Dass die Friedrichstraße verkehrsfrei gemacht wurde, sei nicht genug gewesen. "Was hat das gekostet, was waren die Ziele?" - diese Fragen müssten beantwortet werden. Herrmann forderte zudem internationale Wettbewerbe, um die Friedrichstraße und Unter den Linden architektonisch attraktiver zu machen.

Sendung: Inforadio, 08.06.2021, 06:15 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Es lag nicht an gehetzten Autofahrern warum diese Totgeburt insolvent gegangen ist. Aber es ist natürlich immer viel einfacher so etwas vorzuschieben. Das ist eine plumpe Ausrede und schnell widerlegbar.

    Die Probleme haben lange vor dem winzigen Stück Radweg begonnen. Sie bräuchten sich nur einmal die Mühe machen den Artikel auch zu lesen, den sie dann sehr oberflächlich kommentieren.

    Was sie schreiben kann man also ganz sicher als Blödsinn bezeichnen.

  2. 19.

    Hab mir das mehrmals angesehen...die Vielfalt macht es aus...muss ja nicht nur den Wochenmarkt geben...Das Einzige was zum Erfolg noch fehlt ... sind ... die stillen Autofahrer, die weg geblieben sind. Ausgrenzung führt fast immer zu ...

  3. 18.

    Dieses Gebäude ist von der Innengestaltung eines meiner absoluten Lieblingsgebäude. Schade, dass ich nicht das nötige Geld habe, um diesem Gebäude eine Zukunft zu geben, die es verdient. Hoffentlich findet sich hier ein Investor, der dieses Gebäude für die Öffentlichkeit erhält.

  4. 17.

    Ja, Hab genau dasselbe gedacht:
    für diesen Mann sind die Fahrradfahrer Schuld am Untergang des eins so prächtigen Berlins;))

  5. 16.

    Ich habe mir das einmal angesehen. War mir zu kalt, zu unpersönlich, fast schon versnobt, die Preise für Parkraum entsprachen denen des Angebotes. Nicht meins.
    Aber hey, die Hütte is' bei Mindestgebot 'n Schnäppchen. 8000 m² für 39 Mio und dann noch 180 Mio als Bonus macht schlanke 27300 pro m².
    Wenns denn mal sein "muss", dann lieber ins Kadewe ... sechste Etage ... mmhhh :-). Der Wochenmarkt auf'm "Witti" ist auch nicht schlecht - irgendwie Berlin.

  6. 15.

    Aber ne Autobahn wäre besser? Die anti Fahrrad Argumente werden immer lächerlicher. Sie behaupten ernsthaft, die Katastrophale Entwicklung läge an Radwegen? Oh,Mann......

  7. 14.

    Stimmt, ich kann mir sogar die zukünfte Werbung vorstellen: "Hier sind schon Millionen baden gegangen"! :-D

  8. 13.

    könnte man doch n' Schwimmbad draus machen

  9. 12.

    Leider ist der Vorgang ein Beispiel, wie es endet, wenn die Immobilienpreise immer weiter nach oben gehievt werden. Mit normalen Zahlungsmitteln ist da nichts mehr zu begleichen. Garantiert wurde vorgerechnet, dass sich "das allemal lohnt". Aber man wird hier eines anderen belehrt. Fußböden, Treppenhäuser usw. sind ja wirklich sehr edel und schaffen schöne Räume. Nur ändern sich Menschen und die Welt. Es braucht für Fläche und Funktionen darauf andere Finanzierungsmodelle als bisher. Ein bisschen Flair war zwar schon nicht schlecht. Aber mit einem paar Herrenschuhe über 450 EUR, Taschen 300 EUR usw. war eben die Fahnenstange erreicht, genauso wie Billigketten nicht passen würden. Funktioniert also so nicht. Ich fürchte, dass nur eine weite Ausschreibung eines Nachnutzungskonzeptes helfen könnte. Die Refinanzierung über Handel und Gastro-DL war es (erwarteter) Weise nicht! Das einzige, was ich der traurigen Situation abgewinnen kann ist, dass die Friedrichstr. echt Bäume braucht....

  10. 11.

    Wahrscheinlich ist jetzt der Fahrradschnellweg an der Insolvenz schuld? Manche Leute benutzen ihren Kopf höchstens zum Hütetragen.

  11. 10.

    Schon alles vergessen? Unter Diepgen, Landowski und den SPD-Co. konnten die Baumafiosi Anfang der 90er in der Gegend wilde Sau spielen, Stadtplätze wurden zugebaut, Neubauten abgerissen, und nicht zu vergessen, Ladezonen für die Friedrichstraße in Richtung Gendarmenmarkt. Und dann das nach immer gerichtete sogenannte Luxuskaufhaus, bei dem die Eingänge zur Friedrichstraße vergessen und seitlich gebaut worden sind. Darum auch nicht zu finden. Wer will das? Wer so etwas gebaut hat, gehört enteignet, als Schmerzensgeld für die Einwohner

  12. 9.

    Ich müsste keinen Parkplatz suchen und wüsste trotzdem nicht, was ich dort sollte...

  13. 8.

    Um ein solches Gebäude an einem Fahrradschnellweg werden sich die Bieter wohl überschlagen ... ich glaube, dass das niemand auch nur geschenkt haben will.

  14. 7.

    Weshalb so viel Luxus und Materialvergeudung für ein Kaufhaus. Ich denke jetzt an das Kaufhaus City-Point in Kassel. Mehr ist wirklich nicht nötig. Oder auch in K. das DEZ-alles auf einer Ebene.

  15. 6.

    Da hat sich ja mal Jemand so richtig Gedanken zu seinem Post gemacht.....Herzlichen Glückwunsch....

  16. 5.

    Oder er bleibt bequem daheim und bestellt günstig bei Am*z*n ...

    Unattraktive Einkaufsmöglichkeiten mit überhöhten Preisen, die schlecht per Auto erreichbar sind, werden in Zukunft zu besonders attraktiven Innenstadtbereichen führen, in die kein Auto mehr vordringen WILL.
    Weil es dort keine großen Geschäfte mehr geben wird, sondern nur noch kleine Läden, in denen man den alltäglichen Kiezbedarf in fußläufiger Entfernung kaufen kann.

    Berlin wird wieder, was es war: Eine Anhäufung von Dörfern - die jetzt aber "Kieze" genannt werden - die die jeweilige Bevölkerung nie oder nur selten verlässt! Willkommen im 17. Jahrhundert ...

  17. 4.

    Hallo Beecker.Wenn Du keinen Parkplatz findest,dann laufe doch.Ist viel gesünder

  18. 3.

    Nun rächt sich der politische Wahnsinn der 90er, den Investoren in der Gestaltung der Straße freien Lauf zu lassen. Statt die Erhaltung oder Wiederherstellung der historischen Fassaden als Vorbedingung zu machen, war man der Meinung, Shoppingcenter würden ein historisch gewachsenes Stadtbild ersetzen und Touristen anziehen. Der "Prachtbau" wird nicht die letzte Insolvenz in dieser Straße sein.

  19. 2.

    Die ganze Ecke ist einfach unattraktiv für den normalen Menschen, ich werde mich nicht durch die FriedrichStr quälen um dort keinen Parkplatz zu finden und dann noch überhöhte Preise zahlen. Sorry.

  20. 1.

    Wäre das nicht was für baustadtrat schmidt? Ironie Ende!

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