Bevölkerungsentwicklung - Brandenburg verzeichnet mehr Einwohner, Zahl der Berliner sinkt

Menschen ziehen zurück aufs Land (Quelle: dpa/Andriy Popov)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.06.2021 | Oliver Soos | Bild: dpa-Symbolbild/PantherMedia

Entgegen dem Bundestrend nimmt die Bevölkerungszahl in Brandenburg zu: Laut Statistikamt verzeichnete das Bundesland den drittstärksten Zuwachs im deutschlandweiten Vergleich. Anders sieht es in Berlin aus.

Die Zahl der Berliner hat im vergangenen Jahr leicht abgenommen, in Brandenburg dagegen ist die Bevölkerung angewachsen. Ein Grund für diese Entwicklung ist offenbar der Umzug vieler Berliner in den Speckgürtel.

Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, verzeichnete die Hauptstadt nach jahrelangem Bevölkerungswachstum 2020 einen Verlust von mehr als 5.000 Personen. Deutschlandweit ist die Bevölkerungszahl minimal um 12.000 gesunken, damit gab es erstmals seit 2011 kein Wachstum.

Für Brandenburg weiteres Wachstum erwartet - besonders im Speckgürtel

Brandenburg dagegen registrierte im bundesweiten Vergleich mit einem Bevölkerungsplus von rund 9.000 den größten Zuwachs hinter Bayern (+ 15.000) und Niedersachsen (+ 10.000). Auch in den kommenden Jahren soll Brandenburg mehr Einwohner haben als jetzt, was am zu erwartnden Zuzug liegen soll: Rund 230.000 Menschen bis 2030, insbesondere aus Berlin, aber auch aus anderen Bundesländern, erwartet der Leiter des Landesamtes für Statistik, Jörg Fidorra, wie er am Montag sagte.

Doch die Brandenburger Gesellschaft wird auch deutlich älter. Das Durchschnittsalter der Brandenburger soll bis 2030 von derzeit 47,2 Jahre auf 48 Jahre steigen. Denn der Anteil der Senioren über 65 Jahren werde laut der Statistik von aktuell einem Viertel bis 2030 auf ein Drittel der Bevölkerung steigen - konkret um 130.000 auf mehr als 760.000 Menschen, heißt es in einer am Montag vorgestellten Studie im Auftrag des Sozialministeriums.

Dabei werde die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit 154.000 deutlich zunehmen, hieß es in der Studie. Eine genaue Prognose lag allerdings nicht vor. Angesichts der alternden Gesellschaft würden in Brandenburg bis 2030 rund 44.000 neue Pflegekräfte gebraucht.

Berlinferne Regionen müssen mit Rückgang rechnen

Während der Speckgürtel um Berlin mit starken Zuwächsen bei der Bevölkerung bis zu 10 Prozent in Potsdam und im Landkreis Dahme-Spreewald rechnen kann, werden die berlinfernen Regionen Rückgänge bei der Bevölkerungszahl voraussichtlich zwischen 6 und 11 Prozent verkraften müssen. Besonders düster sieht es in Südbrandenburg mit jeweils einem Minus von 11 Prozent in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster sowie mit einem Minus von 10 Prozent im Landkreis Spree-Neiße aus.

Neben den Städten im Umland von Berlin erwarten die Statistiker aber auch für die sogenannte Städte in der zweiten Reihe wie Beelitz, Nauen, Zossen oder Eberswalde ein Wachstum. Denn von diesen Mittelzentren aus sei Berlin und damit für viele Zuzügler weiterhin der Arbeitsplatz innerhalb einer Stunde mit der Bahn erreichbar, erläuterte Fidorra.

Geburtenrückgang und mehr Weg- als Zuzüge in Berlin

Berlin hat erstmals seit 20 Jahren Jahr durch Weg- und Zuzüge mehr Einwohner verloren als hinzugewonnen. Zwar seien 2020 knapp 143.000 Menschen in die Hauptstadt gezogen, fast 150.000 hätten ihr jedoch den Rücken gekehrt, teilte das Amt für Statistik am Montag mit.

Zudem wurde den Angaben zufolge im vergangenen Jahr der zweite Geburtenrückgang in Folge seit 2011 verzeichnet. In der Hauptstadt wurden dementsprechend rund 38 700 und damit 810 Babys weniger als noch im Vorjahr geboren. Dennoch kamen rund 1050 Menschen mehr auf die Welt als Sterbefälle registriert wurden. 2019 lag der sogenannte Geburtenüberschuss noch bei rund 4800 Kindern.

Ende 2020 lebten nach Angaben der Statistiker 193 verschiedene Nationalitäten in Berlin. Den Großteil machten dabei deutsche Staatsangehörige (80,4 Prozent) aus. An zweiter Stelle folgten türkische (2,4 Prozent), an dritter polnische Staatsangehörige (1,4 Prozent).

176 verschiedene Nationalitäten in Brandenburg

In Brandenburg sind im vergangenen Jahr rund 80.100 Menschen zugezogen, 55.300 verließen den Angaben zufolge das Bundesland. Im gesamten Land wurden rund 19.000 Geburten und 34.700 Sterbefälle registriert.

176 verschiedene Nationen leben in Brandenburg zusammen. Die größte Bevölkerungsgruppe, rund 95 Prozent, hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Knapp ein Prozent der Bevölkerung stammt aus Polen, 0,7 Prozent aus Syrien.

Sendung: rbb24, 21.06.2021, 13 Uhr

60 Kommentare

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  1. 60.

    Von Neuenhagen bis zu den Berliner Pizzakartonhaufen sind aber auch ein paar Meter und Antifa ist, aus ostwärtiger Richtung kommend, auch eher seltener Natur. Dann noch die Hitze, kein Wunder, das der Hund taumelt.

  2. 59.

    umgeben von Antifa-Fahnen in den Fenstern und ständig Angst "
    Also in meiner Nachbarschaft hängen in den Fenstern eigentlich nur blinkende Weinhnachtsmännersterneosterhasen. Je nach Jahreszeit. Zugegebenermaßen, ganz schön nervig. Fahnen, sei es die von Ihnen vermutete stadttypische Antifa-Flagge oder auch die in der Provinz wohl eher anzutreffende, habe ich hier allerdings noch nie gesehen.
    Auch wird der 20. April hier nicht gefeiert. Was man durchaus gut finden kann.
    Und nebenbei-Angst sollte man eigentlich nur haben, wenn mal wieder ein Leerdenkeraufzug durch die Stadt zieht. So quasi als Erlebnistrip für frustrierte Provinzler konzipiert.

  3. 57.

    Ihre Im-Umland-ist-es-schöner-Perspektive ist dermaßen subjektiv, dass ich sie nicht ernstnehmen kann. Wenn Sie das so empfinden, dann ist das so - aber nur für Sie. Meine Wahrnehmung ist eine komplett andere, jedoch ohne dass ich mir anmaßen würde, sie hier als allgemeingültig anzupreisen: Ich empfinde den gesamten Speckgürtel als Vorstadthölle: Mein Haus, mein Auto, mein Garten, mein elektrischer Rasenmäher - niedrige Lebensqualität, was Lebensmittel, Gastronomie und Kultur angeht - ich könnte diese Liste endlos fortsetzen. Ihr Umlandparadies empfinde ich als triste, spießige Gegend mit verheerender Umweltbilanz, jedes Mal, wenn ich da bin, deprimiert mich dieses Wohnkonzept. Schon mal drüber nachgedacht, was das für den Energieverbrauch bedeuten würde, wenn jeder Bundesbürger im Eigenheim wohnt und täglich mehrfach sinnlos mit dem Auto (natürlich fast immer allein) durch die Gegend braust?

  4. 55.

    Nix da, die Abstimmungen dazu waren deutlich. Die Brandenburger wollen keine Länderfusion.

  5. 54.

    Wer sich in Berlin umsieht, kann verstehen, dass die Bürger flüchten.
    In Anbetracht dessen, dass die Gängelung der Bürger weitergeht, wenn sich nach der Wahl nichts ändert, weil weitere Bevormundungen, Verbote und Vorschriften das Leben diktiert, werden noch mehr Menschen Berlin verlassen. Weitere fünf Jahre Rot-Dunkelrot-Grün verkraftet der gesunde Menschenverstand nicht.

  6. 53.

    Dürfte heißen, dass immer weniger Menschen sich im Bürgeramt anmelden. Vlt. sollten dafür wieder mehr Anreize geschaffen werden. Ich habe dafür noch Begrüßungsgeld erhalten. 100 Euro. Davor waren es mehr, danach wurde es abgeschafft und die Leute haben sich nicht mehr angemeldet.

  7. 52.

    Berlin war schon immer eine der grünsten Großstädte. Ur Berliner wissen das. Da braucht man sich auch nicht ständig euer gelapp anhören. Früher war Berlin lebenswert, heute ist es unerträglich geworden und ich kann jeden verstehen, der seine Zelte in dieser Stadt abbricht. Das gute ist, dass die erarbeiteten Steuern in die Wahlheimat fliessen. Deswegen ist es hier schön und Berlin nur ein Schatten früher Jahre.

  8. 51.

    Es gibt viele Baustellen in Berlin.

    Die sichtbare Armut, verbunden mit Gewalt - oder Beschaffungskriminalität. Die Obdachlosigkeit, der Verkehr, die Unfreundlichkeit...

    Corona dürfte für viele Menschen ein Augenöffner gewesen sein. Selbst, wenn man in einem herausgeputzten "Quartier" wohnt, bleibt man in der Steinwüste und ist isoliert, kann nichts machen. Nichts geht in der Stadt...totale Abhängigkeit von außen.
    Das würde mir nicht gefallen.

    Hier am Stadtrand geht das schon.

    Der Speckgürtel sollte ja nun fett sein. Da lebt man mittlerweile auch Arschbacke an Arschbacke... keine Alternative

  9. 50.

    So sieht's aus, @Teddybär!! Wenn ich mal in Berlin bin, mache ich zehn Kreuze da wieder raus zu kommen !

  10. 49.

    Viel Spass eine Stadtinfrastruktur zu erhalten one die Steuern, die ja von uns erbracht wird zu erhalten. Die Steuern gehen immer dahin wo man auch wohnt.

  11. 48.

    Genau. Das hatte schon Charme, am Abend Slalom mit dem Hund zwischen Scherben und Pizzakartons, umgeben von Antifa-Fahnen in den Fenstern und ständig Angst davor das das scheiß Auto morgens abgebrand ist.

  12. 47.

    Berlin lebenswert? In den besseren Lagen ja. Mich macht Berlin krank.

  13. 46.

    Zudem lächerlich von einer der schmutzigsten Städten zu sprechen, wo doch ständig alles beseitigt und gereinigt wird. Habe auch mal an einem bestimmten Tag oder Uhrzeit einen zugemüllten Bereich vorgefunden,aber ich kann weder verschmutzte Flüsse oder Seen erkennen noch Menschen die in ihrem Müll ersticken. Ihr macht euch allen Ernstes Gedanken um eure scheiss Autos und den Weg zur Innenstadt? Ihr solltet euch lieber Gedanken um eure Lebensweise machen und erkennen das jeder einzelne von uns Schuld an der Zerstörung unserer Erde ist. Berlin geht einen großen Schritt voran und ist als Europas "grünste Stadt" ein Vorreiter in Sachen Klimawandel und Ökobilanz...

  14. 45.

    Berlin ist und war schon immer eine Stadt die überwiegend aus Zugezogenen bestand. So wurde Berlin mit der Zeit auch größer und lebenswerter. Man spricht zudem nicht ohne Grund auch vom ehemaligen "Babylon Berlin" denn die Feierkultur war bereits vor dem 2. Weltkrieg Bestandteil Berlins. Allerdings sind die Kommentare von patriotischen lokal Berlinern einfach nur eine Blamage für die weltoffene Haltung der überwiegend hier geborenen und lediglich eine Bestätigung für die Frustration eures eigenen Daseins. Menschen mit dieser Haltung und der Tatsache die Schuld immer bei anderen zu suchen, widerspiegeln ohnehin nicht die Seele dieser Stadt... Denn wer Berlin wirklich kennt weiß zudem das jeder Bezirk seinen eigenen Charme und Charakter hat genauso wie die Menschen die dort leben...

  15. 43.

    Bei diesem Senat kein Wunder.......

  16. 42.

    Ja genau, mit den Öffentlichen !!! Oder wo besteht da das Problem. Die fahren hier ja regelmäßig.

  17. 41.

    1. Wissen. Die hohen Mieten sind nicht der Hauptgrund, weil größtenteils bei Qualtität teurer.
    2. Wissen aus dem Umfeld
    Ein großer Teil Wegzügler sind die UR-Berlliner, weil sie diese Stadt in rapide kurzer Zeit nicht mehr wiedererkennen bzw. als lebenswert erachten.
    3. Wissen. Ganze Familien oft. Bei mir Schwiegereltern, Schwägerin, Nichten, demnächst Eltern.
    4. Wissen. Mittelschicht ja, weil die es sich leisten kann und möchte, daß es so bleibt.
    Freundlichst

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