Frei- und Sommerbäder ausgebucht - Brandenburger DLRG warnt vor Baden in "wilden" Gewässern

Boddensee in Birkenwerder (Bild: imago images/Karl-Heinz-Sprembe)
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Video: rbb|24 | 19.06.2021 | Material: rbb|24, TNN, Mittagsmagazin | Bild: imago images/Karl-Heinz-Sprembe

Die bewirtschafteten Bäder und Seen in Berlin und Brandenburg waren am Wochenende schnell ausgebucht - viele fahren deshalb an Gewässer, für die es keine Tickets braucht. Das sehen die Lebensretter der DLRG mit großer Sorge.

Die Badeseen und Bäder in Berlin und Brandenburg sind am Wochenende durchweg sehr gut besucht worden, vielerorts konnten schon Mittags keine weiteren Badegäste mehr eingelassen werden. Das Waldbad Templin südlich von Potsdam beispielsweise war am Samstag schnell mit 2.500 Besuchern ausgebucht.

Online-Tickets für die Berliner Frei- und Sommerbäder sind schon seit einigen Tagen vergriffen, aufgrund der begrenzten Gästezahlen - und trotz der kurzfristigen Aufstockung von Ticket-Kontingenten - herrschte hier am Wochenende eine vergleichsweise aufgeräumte Atmosphäre.

Aufgrund der stark eingeschränkten Verfügbarkeit von Eintrittskarten für bewirtschaftete Bäder strömen immer mehr Menschen an "wilde" Seen, die nicht von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG bewacht werden. Das betrachtet der Sprecher des Brandenburger Landesverbands DLRG, Daniel Keip, mit großer Sorge.

DLRG: An kleinen Seen sollte aufeinander geachtet werden

Manche unterschätzten die Gefahren des Wassers, so Keip. Der Körper mache bei Temperaturunterscheiden eine erhebliche Stresssituation durch. "Der Sprung ins kühle Nass ist oft erfrischend, kann aber für das Herz-Kreislauf-System eine große Belastung sein", sagte Keip. Badewütige sollten sich seiner Ansicht nach erst einmal an die Temperaturen im Wasser gewöhnen und im Zweifel auch nicht zu weit auf den See rausschwimmen.

In der Corona-Pandemie habe man nicht viel am und im Wasser machen können und sollte sich erst wieder gewöhnen. Zudem setze gerade ein starkes Algenwachstum ein, mancher Schwimmer könne sich schon mal verheddern.

Keip empfiehlt auch mit Blick auf die nächste Woche beginnenden Sommerferien bewachte Frei- oder Strandbäder. Dort sei der Schutz am größten. Von den 4.000 DLRG-Mitgliedern in Brandenburg sei der Großteil im Einsatz. Viele Menschen zieht es auch an die zahlreichen kleineren Seen. "Jeder möchte gern den Geheimtipp nutzen, den er kennt." Dort sollte aber aufeinander geachtet werden, mahnte Keip.

Insgesamt 35 Badetote im vergangenen Jahr

Michael Neiße von der DLRG Berlin fügte im Gespräch mit rbb|24 hinzu, viele überschätzten ihre körperlichen Möglichkeiten und trauten sich im Gewässer zu viel zu. "Wenn man dann nicht richtig schwimmen kann, wird es schnell gefährlich", warnt der Rettungsschwimmer.

Ein Unding und mitunter lebensgefährlich sei es auch, Alkohol zu trinken und dann schwimmen zu gehen. Manche würden auch unbedacht in unbekannte Gewässer springen, was ebenfalls lebensgefährlich sei, so Neiße.

In Berlin sind im vergangenen Jahr elf Menschen bei Badeunfällen gestorben, in Brandenburg starben insgesamt 24 Menschen. Erst am vergangenen Donnerstag ertrank ein Mann im Weißen See im Berliner Bezirk Pankow.

Sendung: Brandenburg aktuell, 20.06.2021, 19:30 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    Wenn Sie diesen Beitrag als Spendenaufruf betrachten, dann halten Sie sich nicht zurück und öffnen Sie Ihre Geldbörse.
    Die Damen und Herren der DLRG freuen sich über jede Spende und haben auch jeden einzelnen Euro verdient.
    Denn im Ernstfall helfen diese nämlich nicht nur verunglückten Kindern, sondern auch sich selbst überschätzende und beratungsresistente "Erwachsene". Von daher kann gar nicht oft genug gemahnt und gewarnt werden.
    Es gibt tatsächlich Menschen, die die Ratschläge dankbar annehmen und auch heute wird wieder von Badetoten berichtet.

  2. 25.

    Normalerweise bringt man seinem Kind das Schwimmen bei, braucht ja nicht bis ins letzte Detail vollkommen sein, aber so das es sich selbstständig laengere Zeit über Wasser halten kann. Danach kann es ja zum Schwimmeister und in den Verein. Sowar mal der der Werdegang eines Nichtschwimmers. Dann kamen noch die Schulen dazu..
    Ich persönlich hatte noch eine Schwimmhilfe aus einem
    Kissen, wenn man das nass machte konnte man ihn aufblasen, 60 jahre her und eine Mutter die mir das schwimmen so gut wie möglich beibrachte..

  3. 24.

    Und seitdem es Maskenpflicht in den Öffentlichen gibt fahre ich nur noch Auto und bestelle größtenteils online.

  4. 23.

    Richtig. Auch wir haben das Baden in wilden Gewässern überlebt, weil uns die Eltern noch das Schwimmen beigebracht haben und nicht gewartet haben bis jemand anderes das übernimmt.

  5. 21.

    Unverschämt, wie die Lebensretter hier angegangen werden. Jeder kann in die Sutuation geraten, deren Hilfe zu benötigen, auch als Schwimmer. Im Übrigen warnt die DLRG jedes Jahr vor den Gefahren, ob Sommer, ob Winter, offensichtlich sind dafür aber schon viele Ohren geschlossen. Wie kann man sagen das ALLE überlebt hätten beim Baden früher??? Jedes Jahr gibt es Ertrinkungstote - und zwar in allen Altersschichten!!! Zum Schwimmenlernen gehören eben auch gewisse Regeln, die die DLRG gut vermittelt, jedoch von ignoranten "Könnern" gern missachtet werden. Meine Kids haben vor Schuleintritt schwimmen gelernt, da stimmte der ausgefallene Schwimmunterricht traurig, hat aber keine bedrohliche Lücke hinterlassen. Sie verhalten sich so, wie vernünftige Schwimmer. Gut, dass es die DLRG gibt!

  6. 20.

    @ Eine Frau: Da, wo ich herkomme, ist das eigentlich auch so üblich. Eltern bringen ihren Kindern - mit oder ohne Kurs - das Schwimmen bei. Dass es Schwimmunterricht in der Schule gibt, ist davon unabhängig eine schöne Sache. Ich bilde ja auch meine Kinder privat und verlasse mich da nicht ausschließlich auf die Schule. Berliner haben manchmal eine eigenartige bis unverschämte Erwartungshaltung.

    @ Leo: Gab es in meiner Jugend im Bekanntenkreis auch. Köpfer in vermeintlich bekannt tiefes Wasser, da war aber eine Felserhöhung knapp unter der Oberfläche - Querschnittsgelähmt. Ich glaube aber, dass @Nostiz meinte, dass man natürlich NICHT nach einer ausgiebigen Mahlzeit (und vielleicht auch sonst nicht) in den See springen soll.

    @ Blümel: Ich stimme Ihnen zu und danke an dieser Stelle mal den freiwilligen Lebensrettern sowie überhaupt allen ehrenamtlich Tätigen, welche diese Gesellschaft durch Tun statt Quatschen und Meckern am Leben halten.

  7. 19.

    Vielleicht können sich die Eltern auch mal wieder an der Erziehung beteiligen. Ebenso beim Schwimmen lernen!!!

  8. 18.

    Egal, wie lässig so ein Kopfsprung aussieht: Springen Sie nie in unbekannte Gewässer. Sprünge ins flache Wasser können lebensgefährlich sein oder zu schweren Schäden wie Querschnittslähmung führen. ( NDR )

  9. 17.

    Wir machen nicht die Themen! die Leute ertrinken von alleine ...und Die am größten hier ablästern möchte ich mal sehen wenn sie betroffen wären und ihr eigenes Kind schwimmen lernen soll aber nicht kann weil alle Kurse auf Jahre ausgebucht sind! quatscht andere voll aber keine Ehrenamtlichen!

  10. 15.

    " Badewütige sollten sich seiner Ansicht nach erst einmal an die Temperaturen im Wasser gewöhnen "

    versteht sich eigentlich von selbst , ebenso wie der Sprung ins wasser nach einer ausgiebigen Mahlzeit

  11. 14.

    " unbedacht in unbekannte Gewässer springen, " ist natürlich immer bekloppt, egal wie gut man schwimmen kann .

    Am Berliner Schlachtensee stand früher eine große Tafel mit dem Warnhinweis , dass schon 12 (? ) Menschen in diesem See ertranken. Eine Aufsicht gab es nicht, gebadet wurde trotzdem

  12. 13.

    Im unser Strandbad dürfen nur 250 Leute rein.... von allein 15000 Einwohner nur in unseren Ort.

    Am Eingang stand heute nur Onlinekarten....etliche kleine Kinder mit Eltern davor..Die taten mir echt leid....warum wird nicht noch weiter reingelassen, wenn welche rauskommen?
    Gerade jetzt beginnen auch nich die Ferien und natürlich gehen die Eltern dann an eine andere Stelle baden.....es ist heiss


    Was bin ich froh, daß ich nur Eis essen war und ein Aufstellbecken besitze

  13. 12.

    Wie hier ehrenamtliche Lebensretter angegangen werden ist beschämend. Was kommt als nächstes? Wird Weihnachten die Feuerwehr angegangen, weil sie vor echten Kerzen auf dem Baum warnen?

  14. 11.

    So lange es solche drangsalierenden Regeln im Schwimmbad gibt, werde ich auch nur noch an den See fahren.

  15. 10.

    Leider hab es in letzter Zeit keinen Schwimmunterricht, ist nämlich nicht so wichtig.

  16. 9.

    Was haben wir als Kinder seinerzeit in "wilden" Gewässern gebadet, getaucht, geangelt...ALLE haben überlebt, aus der Jetzt-Zeit-Perspektive an ein Wunder grenzend...
    Diese Warn- und Du-darfst-das-nicht Gesellschaft macht aus Menschen verkümmerte naturferne Handy-Zombies....ach ja, der Konsument muss überleben....

  17. 8.

    Was haben wir als Kinder seinerzeit in "wilden" Gewässern gebadet, getaucht, geangelt...ALLE haben überlebt, aus der Jetzt-Zeit-Perspektive an ein Wunder grenzend...
    Diese Warn- und Du-darfst-das-nicht Gesellschaft macht aus Menschen verkümmerte naturferne Handy-Zombies....ach ja, der Konsument muss überleben....

  18. 7.

    Was haben wir als Kinder seinerzeit in "wilden" Gewässern gebadet, getaucht, geangelt...ALLE haben überlebt, aus der Jetzt-Zeit-Perspektive an ein Wunder grenzend...
    Diese Warn- und Du-darfst-das-nicht Gesellschaft macht aus Menschen verkümmerte naturferne Handy-Zombies....ach ja, der Konsument muss überleben....

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