Prozess in Brandenburg - Jäger rechtfertigt Tötung eines Wolfs

Ein Jäger läuft durch über ein Feld (Quelle: dpa/Bonniere)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.06.2021 | Lisa Steger | Bild: dpa-Symbolbild/Bonniere

Ein Jäger aus den Niederlanden steht derzeit in Brandenburg vor Gericht, weil er 2019 bei einer Jagd vorsätzlich einen Wolf erschossen haben soll. Der 71-Jährige hat das am Montag eingeräumt, sich aber auch gerechtfertigt.

Im Prozess um den Abschuss eines Wolfes in Brandenburg hat der angeklagte Jäger die Tat gerechtfertigt. Das Tier habe die Jagdhunde angegriffen, sagte der 71-Jährige am Montag vor dem Amtsgericht Potsdam. "Ich muss den Wolf erschießen und die Hunde retten. Und auf einmal ist er tot, ganz tot", beschrieb der Unternehmer die Situation dem Richter.

Der Wolf ist im Frühjahr 2019 erschossen worden

Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz angeklagt. Dem Jäger drohen bei einem Schuldspruch eine Geldstrafe oder bis zu vier Jahre Haft. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes ist es der erste Fall in Deutschland dieser Art, der vor Gericht landet. "Die Frage wird sein, ob der Angeklagte in Notstand gehandelt hat", sagte Gerichtssprecher Oliver Kramm vorab. Wäre dem so, wäre er nicht zu verurteilen.

Der Mann soll im Frühjahr 2019 während einer Jagd im Fläming (Potsdam-Mittelmark) südwestlich von Berlin einen Wolf erschossen haben. Zeugen hatten angegeben, das Tier habe zuvor die Jagdhunde angegriffen.

Bundeslandwirtschaftsministerin will gezielte Abschüsse

Erst am Montag sprach sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für einen gezielten Abschuss einzelner Wölfe aus. In einigen Bundesländern sei ein "guter Erhaltungszustand beim Wolf erreicht", sagte Klöckner der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Bezahlinhalt. Ihre Partei setze sich deswegen für ein "regionales Bestandsmanagement" ein.

Die CDU wolle sich nicht mit den wachsenden Problemen auf dem Land abfinden. "2019 hatten wir durch Wolfsrisse fast 3.000 tote oder verletze Nutztiere. Wo soll das enden, wenn man es einfach ließe", sagte Klöckner. Sie könne auch sehr gut nachvollziehen, dass Eltern um ihre Kinder besorgt seien. Es gehe dabei aber keineswegs darum, den Wolf komplett auszurotten.

Ende Januar 2021 stimmte der Landtag in Brandenburg einer neuen Wolfsverordnung zu. Demnach ist es erlaubt, Wölfe zu erlegen, wenn sie wiederholt Nutztiere reißen. Gejagt werden darf dann so lange, bis die Angriffe auf die Weidetiere aufhören. Bislang durfte nur der Problem-Wolf erlegt werden, der nachweislich den Schaden angerichtet hat.

In Brandenburg leben etwa 47 Wolfsrudel

Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt sind seit 2017 insgesamt 19 Wölfe in Brandenburg illegal geschossen worden. In zwei Fällen seien bislang Täter ermittelt worden. Beide Verfahren seien gegen eine Bußgeldzahlung wegen geringfügigem öffentlichen Interesse an einer Strafverfolgung eingestellt worden.

In Brandenburg lebten im Jahr 2020 nach Angaben des Landesamts für Umwelt [lfu.brandenburg.de] 47 Wolfsrudel. Sie stehen unter Naturschutz. Das illegale Töten eines Wolfes kann mit einer Geldstrafe bis zu 5.000 Euro und bis zu fünf Jahren Gefängnis sowie dem Entzug der Jagdlizenz bestraft werden. Die Täter werden allerdings selten gefasst. Im Jahr 2020 wurden in Brandenburg 42 Wölfe tot aufgefunden, davon wurden 36 Tiere bei Verkehrsunfällen getötet, vier illegal geschossen, zwei starben an natürlicher Todesursache.

Das Urteil an diesem Montag "wird Signalwirkung für alle Jäger haben", sagte der Sprecher des Deutschen Jagdverbandes, Torsten Reinwald, der DPA. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, würden sich sicherlich viele Jäger überlegen, ob sie künftig noch in einem Wolfsgebiet - und das sei durch die Ausbreitung des Tieres nahezu überall - jagen werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.06.2021, 16:12 Uhr

30 Kommentare

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  1. 30.

    ich bin dafür, autos abschaffen, windräder abschaffen, flugzeuge abschaffen, bahnen abschaffen......
    vieviele fliegenleichen kostet das denn täglich, unerträglich.

    im september sind wahlen.....
    gruß

  2. 29.

    Das Gericht wird entscheiden. Man wird sehen.

  3. 28.

    Ha, ha, vielleicht!? Wenn man ein Gewehr hat. Nein, mal im Ernst. Ein Jäger wird wissen was er darf und was nicht. Beweisen lässt sich sein Handeln im Nachhinein nicht mehr.

  4. 27.

    Und wie viele Tiere werden durch Autofahrende getötet? Wie gross ist da der Aufschrei, dass Autos gefährlich sind und diese man entnehmen muss?

  5. 26.

    Da müssen also holländische Unternehmer nach Brandenburg kommen um hier deutsche Hunde gegen den bösen Wolf zu verteidigen.
    Frau Klöckner wirds mit Wohlgefallen sehen.

  6. 25.

    Haben denn Hunde auf Feld und Flur oder Wald nicht Leinenzwang? Gilt das für Hunde des besagten Jägers nicht? Haben die Hunde einfach mal nicht gehorcht, oder hat der Jäger die vielleicht gar nicht zurückgepfiffen, weil er seine Chance sah?

  7. 24.

    Was hat ein exotischer Wolf auch im natürlichen Revier von Jagdhunden und holländischen Unternehmern verloren! Und dann greift dieser freche Eindringling auch noch die friedlich grasenden Hunde an!

  8. 23.

    Das glaubt er doch nicht selber. Mehrere Hunde und ein Wolf - da hat er seine Chance gesehen. Kann er nicht in den Niederlanden jagen gehen. Da gibt es wohl keine. Kommt demnächst nach Deutschland, hier kann man Wölfe schießen ohne Ende. Jagdtourismus - in Deutschland gibt es Wölfe. Afrika ist schon leer gejagd.

  9. 22.

    Die Population regelt die Natur. PUNKT.
    Und das größte Raubtier ist der Mensch, oder welches Tier ist so blöd seine Lebensgrundlagen zu ruinieren???

  10. 21.

    Sehe ich das richtig? Ein einzelner Wolf soll mindestens 2 Hunde angegriffen haben? Widerspricht völlig der Natur des Wolfes. Wo waren denn die Hunde? Was haben sie gemacht? Hat der Jäger die Hunde unter Kontrolle gehabt? Zumindest müssen sie ja in Schussweite gewesen sein. Da passt so einiges nicht zusammen.

  11. 20.

    Mehrere Hunde bei der Jagd kann vieles bedeuten. Der kommentar ist dazu zu vage. Es können Hunde stöbern als auch nach krank geschossenem Wild nachsuchen. In Skandinavien kommen die meisten Hunde bei der Jagd durch den Wolf um. Ich würde auch nicht zusehen, wie ein Wolf meinen geliebten Hund umbringt. Mit den erschießen ist es allerdings so eine Sache!

  12. 19.

    Hallo,

    Man kann so etwas auch nett kommunizieren, so wie Trek, ohne mit der vermeintlichen Überlegenheit eines Jägers zu kommen. Das dort Notstand steht und nicht Notwehr ist absolut richtig. Notwehr war es jedenfalls nicht, Notstand nach allen bisherigen Definitionen aber auch nicht.

    Und an alle die sich hier über die Ausbreitung des Wolfes beschweren: Wie ist den Ihre persönliche Meinung zur Ausbreitung des Schakals bei uns. Ist Ihnen das egal, nehmen Sie das billigend durch reduzierte Wolfsbestände in Kauf, haben Sie das nicht auf dem Schirm oder wie?

  13. 18.

    Dass Hunde von Wölfen angegriffen und als Reviereindringlinge getötet werden, ist gar nicht so selten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein einzelner Wolf gleichzeitig mehrere Hunde angreift, da ist die Gefahr, schwer verletzt und damit jagdunfähig zu werden, für den Wolf einfach zu groß. Hier werden wohl die Hunde den Wolf aufgebracht und zur Selbstverteidigung gezwungen haben. Der Wolf gehört nun mal in unsere Landschaft und ist förderlich für eine ausgeglichene und gesunde Natur. Damit haben sich auch Jäger abzufinden und darauf einzustellen.

  14. 16.

    Der Wolf frisst Hunde, Katzen, Rotwild, Kühe, Biber, Wisente, Ziegen, Schafe, bei uns läuft er abends oft durch die Gegend, wird an Ortsrändern gesichtet und reißt viele Nutztiere und Haustiere. Manchmal wird einer überfahren. Das ist Alltag auf dem Land, wo wohnen Sie?

  15. 15.

    Ich verfolge die Hysterie um die Rückkehr des „bösen Wolfes“schon geraume Weile.
    Da wird die Mär vom Rotkäppchen wieder präsent. ...
    Dabei ist der Wolf so ein schönes Tier und so sozial.
    Übrigens ist des Menschen liebstes Haustier der Hund. Jeder Pfiffi stammt von ihm ab...
    Hat die Menschheit gar nichts dazu gelernt?! Der Wolf wurde schon einmal ausgerottet, sind wir wieder an dem Punkt angelangt?! Der Wolf ist zurück: gefundenes Thema der Gazetten, um sämtliche Schauergeschichten mit großen Lettern wieder aufleben zu lassen.
    Die brandenburgische Ministerien ist offensichtlich in diesem Amt fehl am Platz. Wie ist es mit dem Tierschutzgesetz hinsichtlich des Nutzviehs bestellt? Sind die Hausaufgaben hier schon gemacht?! Nein!!!
    Ich freue mich über die Rückkehr des Wolfes. Seit es kein richtig gutes Jagdwesen mehr gibt, nehmen die Populationen an Schwarzwild und Rehwild wieder erheblich zu. Der Wolf könnte hier auf natürliche Weise eingreifen, um die Anzahl zu verringern.
    Zum Ausgangspunkt: ganz harte Bestrafung und Entzug der Jagdlizenz für deutsches Jagdrevier sind hier angezeigt und umzusetzen.

  16. 14.

    Darf man eigentlich Katzen und Hunde auch erschießen, wenn von ihnen Gefahr ausgeht?

  17. 13.

    Ich muss dazu sagen, das auch so mancher Jagdhund ein Familienmitglied ist. Dazu kommt noch der finanzielle Aspekt, die Ausbildung des Jagdhundes kostet ne ganze Menge Geld.

  18. 12.

    Was ich nicht verstehe, sollte ein Jäger sich nicht dem Schutz und Hege des Wildes verpflichtet fühlen? Ansonsten tötet er nur statt zu jagen. Jagterlaubnis sollte entzogen werden.

  19. 11.

    "Beide Verfahren seien gegen eine Bußgeldzahlung wegen geringfügigem öffentlichen Interesse an einer Strafverfolgung eingestellt worden."

    Der Abschuß von unter strengem Schutz stehender Tiere ist also von geringfügigem öffentlichen Interesse?

    Zum aktuellen Fall. Ein einzelner Wolf wird nie von sich aus mehrere Jagdhunde angreifen, es sei denn er wurde in die Enge getrieben, zum Schutz des eigenen Wurfs oder aufgrund einer Erkrankung wie Tollwut. Da letzteres bisher nicht durch die Medien ging und der Totwolf mit Sicherheit untersucht wurde, ist von Vorsatz auszugehen. Ich hoffe der Jagttourist aus den Niederlanden verliert seine Lizenz und bekommt eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Man regt sich gerne über "reiche Europäer" auf, die in Afrika Großwild abknallen. Dabei gibt es das im kleinen auch bei uns.

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