Mehr als 2.000 Delikte 2020 - Gewalt gegen Bahnbeschäftigte nimmt zu

Symbolbild: Zugaufsicht mit roter Dienstmütze der DB Deutsche Bahn. (Quelle: imago images/R. Peters)
Audio: Inforadio | 16.06.2021 | P. Eckstein | Bild: imago images/R. Peters

Die Gewalt gegen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter hat im vergangenen Jahr zugenommen - obwohl weniger Menschen Bahn gefahren sind. Das geht aus der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Demnach wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn in 2070 Fällen angegriffen, 421 Mal mehr als im Vorjahr. 2019 waren es 1.649 solcher Gewaltstraftaten gegen Bahnbeschäftigte. 2018 wurden 1.344 gezählt. Im Jahr 2021 wurden allein in den ersten vier Monaten 744 Gewalttaten registriert.

Gegen Beschäftigte anderer Bahnunternehmen gab es im vergangenen Jahr demnach 443 Übergriffe (2018: 170, 2019: 305); in den ersten vier Monaten 2021 waren es 153. Die Regierungsantwort beruht auf Daten der Bundespolizei.

Maskenpflicht muss durchgesetzt werden

Ein Grund für die Zunahme sei, dass die Mitarbeitenden in den Zügen die Maskenpflicht infolge der Corona-Pandemie durchsetzen mussten, kritisierte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte. Den Bahn-Beschäftigten sei damit faktisch eine polizeiliche Aufgabe aufgebürdet worden. "Sie tragen damit die Last öffentlicher Aufgaben, während ihnen die Vorteile einer Beschäftigung im Öffentlichen Dienst verwehrt bleiben", so Zimmermann weiter.

Die Probleme hätten schon vor der Pandemie begonnen, sagte Zimmermann. Immer wieder entlade sich auch Frust über die Bahn in Gewalt gegen Beschäftigte. Ähnliches gelte bei Post und Paketzustellern.

Rund 20.000 Bahnmitarbeiter arbeiten mit Kundenkontakt. Körperliche Übergriffe gibt es immer wieder. Die Bahn hatte bereits angekündigt, auf die Zunahme von körperlichen Übergriffen zu reagieren, unter anderem mit Trainings von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Sendung: Inforadio, 16.06.2021, 6 Uhr

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14 Kommentare

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  1. 14.

    @ aggro macht aggro, leider geht der Wandel weiter. Ihre "neuen" Nachbarn bekommen Kinder und ziehen in die ruhigen Aussenbezirke um mit ihren Vorstellungen von Miteinander dort zu nerven... ;)

  2. 13.

    @Gunnar, was Sie beschreiben, erinnert an 1984 und wird in China umgesetzt. Man sollte mit seinen Wünschen vorsichtig sein, sonst gehen sie in Erfüllung.

  3. 12.

    Einfach rigoros von der Beförderung ausschließen. Bahn, ÖPNV, Flüge, Schiffe. Wie eine schwarze Liste, wie es sie auch bei Versicherungen gibt oder eine Art Transportschufa. Mir fallen da viele Lösungen ein und wie man diese umsetzen kann. Wer den Willen hat der kann das auch umsetzen. Es ging ja beim Staatstrojaner, Verschlüsselung, Uploadsperren, Kennzeichenscanning etc. auch. Und beim Flugzeug sowieso.
    Z.B. ohne nicht gesperrte Bürger ID keine Fahrkarten/Mitfahrt mehr. Chip im Ausweis, Art "Impfpass" in Handyapp etc pp

  4. 11.

    Ich wohne im Friedrichshain und bin da geboren. Bis in die 90er war es richtig lebenswert. Man kannte die Nachbarn, machte ein Pläuschchen, ging zusammen in die Kaufhalle, half sich bei allem möglichen, borgte sich, versorgte sich. Dann ging es Ende der 90er langsam los. Immer mehr maulfaule, rücksichtslose Nachbarn verdrängten große Teile der alten Bewohner und es waren nicht die Reichen sondern genau die, die sich heute über Verdrängung von sich selber aufregen aber nie ein Problem hatten das mit anderen zu tun. Jedenfalls ging das Flair immer mehr verloren, die Menschen wurden immer aggressiver. Heute hört man kaum mehr Deutsch wenn man auf der Straße an jemandem vorbeiläuft (wo sind die ganzen Berliner hin?), im Haus gegrüßt wird gar nicht mehr. Jeder drückt seine Individualität gegen die Interessen aller anderen durch. Ob Nachts um 1 Wäsche schleudern, Hämmern um 23 Uhr, da könnte man so viele "kleinigkeiten" aufzählen die sich zum großen zusammenaddieren... das macht aggro

  5. 10.

    Die Bahn fährt ja nicht nur in Berlin aber ins anonyme Berlin ziehen ja gerade die Menschen, die auf Ihrem Dorf schon überall anecken und denken, das könne man in Berlin so gegen andere weiter betreiben. Die zeigen dir dann aber den Mittelfinger weil die genauso drauf sind und machen mit dir das selbe und geben sich nicht mehr mit dir ab. Bohh Überraschung. Dann kommt der Frust dazu, das andere "immer" erfolgreicher sind und sich was aufbauen und leisten. Dieser Neid wird vom Senat auch noch gezielt angeheizt. Und irgendwann rasten manche eben aus. Wirklich zu befüchten hat auch kaum jemand etwas. Bisschen dudu und ein bisschen staatlicher Ablasshandel. Wir sehen ja Rigaer, Liebig und wie die ganzen "Projekte" alle heißen, dass politisch gewollt einfach laufen gelassen wird.
    Verzogene, verwöhnte, sorglose, abgesicherte und Überfluss-gesättigte Gören sind groß geworden und treffen an jeder Ecke auf ihres Gleichen oder suchen sich irgendetwas gegen das sie rebellieren können.

  6. 9.

    Hat das nicht eher damit zu tun, was einem in der Kindheit und Jugend von den Eltern vermittelt und vorgelebt wurde? Wenn dort nicht auf gewisse Umgangsformen geachtet wird und wurde, was will man da erwarten?

  7. 8.

    Sie leben anscheinend nicht in Berlin (ich schon!). Miteinander reden ist eine schöne Sache, wenn sich alle an die Regel(n) halten. Inzwischen hat sich jedoch eine Kultur herausgebildet, die Reden unmöglich macht, denn jedes noch so höfliche Wort wird bereits als Angriff aufgefasst und beantwortet. Und daran hat - ich wiederhole es gern - auch DIE LINKE als politischer Arm einer gesellschaftlichen Strömung ihren Anteil. Hinzu kommen natürlich auch die Freunde der GRÜNEN sowie Teile der SPD.

  8. 7.

    Die Linke hat mit der zunehmenden Gewalt gegen Menschen recht wenig zu tun. Allein Ihr Kommentar zeugt doch von einer niedrigen Hemmschwelle, nennt sich verbale Gewalt. Schuldzuweisungen als politischen Wegweiser zu nutzen, sind doch ähnlich dieser Übergriffe. Der Schlüssel liegt in uns, wenn wir wieder fair kommunizieren, sinkt auch das Gewaltpotential, denn Respekt fängt mit der Art der Kommunikation an.

  9. 6.

    Die Berliner S-Bahn fährt am hell erleuchteten Tag wieder mit Ganzwagen-Graffity. Neues Kunstprojekt ? Wasch-Halle kaputt? Kein Reinigungspersonal ? Nicht ausreichend Fahrzeuge ? Oder dürfen die Touristen wieder rein ? - ÖPNV zu teuer, zu langsam, zu unzuverlässig, zu politikhörig, zu viel Staatsmacht ? - Wer ÖPNV - Personal, Fahrzeuge, Anlagen, Verwaltungsgebäude anmalt, bespuckt, beschimpft oder beschädigt ist in Deutschland ein Held, wird von der Polizei nicht gefasst, vom Staatsanwalt nicht verfolgt, vom Gericht nicht verurteilt, von der Justiz nicht sozialisiert und von der Politik verteidigt. - Hat das System Fehler ? Wo ist die Achtung vor dem Menschen und seiner Arbeitsleistung ? - Wertschätzung durch Politiker ist Wertlos, die schätzen nur und das ohne jede persönliche Vorstellung von Wertigkeit, gesellschaftlichen und sozialen Nutzen und Kosten. Aber Woran kann der Bürger sich orientieren ? Traditionen sind so leicht austauschbar.

  10. 5.

    Das Grundproblem ist die Abnahme von Respekt und Achtung gegenüber Mitarbeitern jedweder Institution - ob Lehrer, Polizisten, Schaffner, Busfahrer ... in allen Bereichen ist dies zu beobachten. In den Zügen der Bahn haben die Mitarbeiter Weisungspflicht - dazu bedarf es eigentlich keiner Polizei. Dass ausgerechnet DIE LINKE nun Kritik übt und nach der Polizei ruft, die sie ja ansonsten gern als ganzes diffamiert, zeigt deren gespaltenes Verhältnis zu einem funktionierenden Staat.

  11. 4.

    Hier sollte man in Zügen und auf Bahnsteigen flächendeckend die Videoüberwachung durchführen und dann diese Bilder der Täter immer sofort veröffentlichen, social bashing mal positiv angewendet.

  12. 3.

    Kein Wunder!
    Die Politiker übertragen immer mehr Sicherheitsaufgaben an Personal bei immer mehr Nachsicht für Kriminelle, die dann noch weiterhin munter Hartz4 erhalten.
    Dazu Endlos-Täterschutz mit Anwalts-, Rechts- und sonstiger Beratung auf Steuerzahlerkosten inklusive.
    Randalierer, Pöbeler, Schlägertypen wissen, dass sie insbes. in Berlin kaum ernsthafte Konsequenzen zu befürchten haben.

  13. 2.

    Na was soll denn da trainiert werden? Eine Nahkampftechnik?
    Wenn der Gegenüber mir schaden will, dann tut er das auch. Vielleicht sollte man die Züge nicht nur mit einem Mitarbeiter alleine besetzen. Das setzt bekanntlich die Hemmschwelle herunter. Schließlich ist die Bahnsicherheit nicht umsonst zu zweit oder gar zu dritt unterwegs.

  14. 1.

    Das ist leider nicht sonderlich überraschend, wenn Bahnbeschäftigte als Ordnungshüter "missbraucht" werden, weil die hierfür eigentlich zuständigen Organe bis zur Handlungsunfähigkeit kaputt gespart/-optimiert wurden.

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