Klimawandel in Berlin und Brandenburg - "Die schlimmsten Annahmen werden teilweise noch übertroffen"

Ausgetrocknet ist das Flussbett der Schwarzen Elster mit zwei kleinen Wasserlöchern (Luftaufnahme mit einer Drohne). (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 18.06.2021 | Kristina Auer | Bild: dpa/Patrick Pleul

Der Klimawandel sorgt dafür, dass in Deutschland - so wie aktuell - vermehrt Hitzewellen auftreten. Mit gravierenden Folgen für Berlin und Brandenburg, wie Experte Fred Hattermann erklärt. Das betreffe vor allem Seen und Wälder.

Der kalendarische Sommer beginnt zwar offiziell erst in wenigen Tagen, dennoch erlebt Deutschland bereits die erste Hitzewelle - auch in Berlin und Brandenburg steigt das Thermometer aktuell täglich auf über 30 Grad. Grund ist der Klimawandel. Das sagte Fred Hattermann am Freitag im Inforadio vom rbb. Er ist Experte für Klimarisiken am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

"In Deutschland ist es circa 1,6 Grad wärmer geworden. Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit für extrem heiße Tage", so Hattermann. Es werde auch nicht die letzte Hitzewelle in diesem Sommer sein, prophezeit er. Die Häufung dieser Ereignisse zeige, dass etwas dahintersteckt, "was wir mit dem Klimawandel verbinden", so Hattermann weiter.

Versteppung und Versandung als Folge

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat bereits vor 20 Jahren prognostiziert, dass es in Berlin und Brandenburg wärmer wird. Eine Versteppung und eine Versandung von Seen wurden vorhergesagt. "Wir sehen diese Phänomene jetzt", so Hattermann. Die "schlimmsten Annahmen" der Projektion würden nun Wirklichkeit, "teilweise werden sie sogar übertroffen." Vor allem Seestände und Grundwasserstände zeigten, dass der Klimawandel im vollen Gange sei. Auch am Waldsterben sei das abzulesen.

Der Experte warnte, dass der Klimawandel nicht aus dem Ruder laufen dürfe. Es müsse vermieden werden, dass unumkehrbare "Kipppunkte" erreicht werden. "Es müssen Maßnahmen getroffen werden, die den Klimawandel eingrenzen", so Hattermann. Er forderte klare, verbindliche Richtlinien der Politik. Gespräche mit den Verantwortlichen in Berlin und Brandenburg laufen nach Aussagen von Hattermann auch schon. Zudem regte er an, öfter Fahrrad statt Auto zu fahren und nicht zu viel Wasser zu verschwenden, um den heimischen Rasen zu sprengen.

Spree und Schwarze Elster führen zu wenig Wasser

Zusammen mit der ersten Hitzewelle taucht auch wieder ein Problem der vergangenen Jahre auf: Die Spree und auch die Schwarze Elster führen zu wenig Wasser. Bei beiden Flüssen sei ein deutlicher Rückgang der Abflüsse zu verzeichnen, teilte die länderübergreifende Arbeitsgruppe "Extremsituation" am Freitag mit. Sie hat mit Blick auf die vergangenen zwei Trockenjahre ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Die Experten tagen regelmäßig mit dem Ziel, Maßnahmen für die Länder Sachsen, Berlin und Brandenburg zu erarbeiten, um die Abflüsse in der Spree und Schwarzen Elster so weit wie möglich zu stabilisieren. Neben den hohen Temperaturen fiel im Juni bisher deutlich zu wenig Regen, so die Einschätzung der Experten.

Seit Beginn des Monats wurden an der Messstation in Cottbus 3,8 Millimeter Niederschlag gemessen. Durchschnittlich fallen im Juni aber circa 50 Millimeter Regen in Cottbus. Zu Grunde liegt für den Wert eine Betrachtung der Jahre 1981 bis 2020. Ob angekündigte Wärmegewitter Abhilfe leisten können, sei nicht vorhersagbar.

Es bleibt schwül, Gewitter drohen

Die hohen Temperaturen halten derweil an: Der Freitag wird in Berlin und Brandenburg heiß und sonnig. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete, erreichen die Temperaturen 33 bis 37 Grad. Der Samstag wird unbeständig - teils sonnig, teils wolkig. In der zweiten Tageshälfte können örtlich Schauer und Gewitter auftreten. Diese bergen Unwetterpotential mit starkem Regen, Hagel und Sturmböen, so der DWD. Die Höchstwerte liegen bei schwülen 33 bis 37 Grad.

Auch am Sonntag wechseln sich Sonne und Wolken ab. In den Nachmittagsstunden kann es örtlich zu Unwettern kommen. Die Höchstwerte liegen zwischen 33 und 38 Grad. Die kommende Woche bleibt unbeständig bei etwas niedrigeren Temperaturen.

Sendung: Inforadio, 18.06.2021, 7:45 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 18.06.2021 um 14:28 Uhr geschlossen

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34 Kommentare

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  1. 34.

    "Nun scheint es wohl bald zu spät zu sein."

    Genau genommen ist es "5 nach 12".
    Um die Klimaerwärmung auf 2° Celsius zu begrenzen, hätten die Regierungen schon vor 30 Jahren HANDELN müssen. Jetzt geht es eigentlich nur noch darum, den weiteren Anstieg irgendwie zu verlangsamen - aber auch da fehlt der Wille; vor allem bei den Industrienationen und insbesondere bei den Schwellenländern.
    In den 90´ern führte man Kriege ums Erdöl; spätestens 2050 wird man Kriege ums Wasser führen.
    Ein Hoch auf den selbsternannten "Homo sapiens sapiens"!


    Zum Artikel:
    "Der Samstag wird unbeständig [...] Unwetterpotential mit starkem Regen, Hagel und Sturmböen, so der DWD."

    Viele Bäume sind noch vom letzten Jahr geschädigt und tragen teilweise noch tote Äste.
    Darum noch der Hinweis: Vorsicht vor herabstürzenden Ästen!

  2. 33.

    "Ob auf der ganzen Welt oder in Berlin. Wir sind einfach zu viele Menschen auf dem Planeten und zudem auf zu kleinem Raum konzentriert. Die zuviele Ressourcen verbrauchen."
    Genauso ist es, wir sind zuviele und es werden noch mehr!
    Wir können in Dtschl. auch alles ausschalten und es wird sich nix ändern. Unsere ca. 82 Millionen Menschen fallen da kaum ins Gewicht.
    Beispiele: allein in Afrika leben zZt. ca. 1,3 Milliarden Menschen, bis 2050 wird sich die Zahl wohl verdoppeln und 2100 könnten es 4,3 Milliarden sein. Auch könnte Indien China 2025 als bevölkerungsreichstes Land ablösen.
    Alle wollen essen, trinken, konsumieren, viele ein Auto fahren.
    Wie soll das funktionieren?

  3. 32.

    Sie erkennen aber schon den Unterschied zu früheren Zeiten, oder? In meiner Kindheit und Jugend konnte ich Frühling, Sommer, Herbst und Winter noch unterscheiden. Vor gar nicht so langer Zeit habe ich bibbernd mein Auto frei gekratzt und 3 Tage später konnte ich mit kurzer Hose laufen. Es gab damals noch nicht solch krasse Extreme. Auch lese ich in den Kommentaren kein Gemecker. Hier werden mögliche Ursachen klar aufgezeigt.

  4. 31.

    Verzicht ist unpopulär, der freiwillige kulturell überhaupt nicht eingeübt. In Deutschland ist das Auto ein Heiligtum. Viva tesla? Wohl kaum. Abgesehen davon, dass das Teslawerk in Brandenburg Unmengen an Wasser bedarf, dass eigentlich nicht zur Verfügung steht, sorgt der Abbau von Lithium in fernen Regionen für ein Anheizen des Klimawandels. Wie war erst kürzlich zu lesen? Das "Ewige Eis" schmilzt schneller als erwartet dahin. Es ist kurz vor 12. Mit Politiker:innen vom Schlage Woidke tickt der Zeiger fleißig weiter.

  5. 30.

    Und bitte immer weiter Wasser in die Lausitzer Seenplatte reinpumpen damit die Touristen baden können.
    Wozu eine grüne Umwelt?
    Seen umgeben von sehr vielem Sand sind doch recht hübsch anzusehen.

  6. 29.

    Oh, Sie haben Ihre Kindheit im Mittelmeerraum verbracht? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass es in den 70ern regelmässig in unseren Breiten an die 40 Grad im Sommer wurden.

  7. 28.
    Antwort auf [Prenzlauer] vom 18.06.2021 um 12:43

    Ja, mal die Dieseltechniker von VW befragen, vielleicht kann man noch was an der Software machen...

  8. 27.

    Ja, man sollte sein Konsumleben überdenken. Und bitte komplett.
    Muss man Lebensmittel aus Südamerika essen? Avokado, Kaffee, Baumwolle verbrauchen extrem viel Wasser. Übrigens auch Kühe.
    Fleisch ist Klimakiller. Aber auch Milch, Käse, Butter.
    Muss man über das Wochenende nach Malle oder NY?
    Braucht man das 100. T-Shirt? Muss man mit dem Auto Brötchen kaufen fahren? Kann man auch mit dem Rad fahren?
    Kann man ja endlos fortsetzen.
    Es ist immer schwierig, auf lieb Gewonnenes zu verzichten.
    Aber es gibt einen Weg: einfach mal machen.
    Das 100. T-Shirt macht nicht glücklicher, es muss nicht immer Fleisch sein, und Fahrradfahren macht auch glücklich.
    Mal wieder regional kochen ist preiswert und auch gesund.

  9. 25.

    @Karl der Käfer, na zum Glück gibt es Wetteraufzeichnungen und Statistiken, die Ihre Kindheitserinnerungen widerlegen.
    Es gab immer Schwankungen, aber was jetzt passiert, hat mit Schwankungen nichts zu tun. Die Beregnung der Felder scheitert an einem immer stärker sinkenden Grundwasserspiegel. Seen verlieren Wasser, sodass Bootsstege verlanden, Augen auf, Karl der Käfer (der hat im Lied auch sein Zuhause verloren)

  10. 24.

    Was genau ist daran nicht zu verstehen das die Mitteltemperatur um 1,6 Grad höher ist? Verstehen Sie überhaupt welche Folgen das hat?

  11. 23.

    Sie erkennen aber schon den Unterschied zu früheren Zeiten, oder? Ich konnte damals noch Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterscheiden. Vor gar nicht langer Zeit habe ich bibbernd mein Auto frei gekrazt und 3 Tage später konnte ich mit kurzer Hose laufen. Es ist nicht wie zu meiner Kinder/Jugendzeit über längere Strecken warm und sonnig im Sommer - auch mal ein Gewitter - sondern plötzlich extrem heiß und dann knallt es heftig. Ventilatoren brauchten wir damals nicht und extreme Wetterümschwünge waren eher selten. Das Klima hat sich sehr wohl geändert. Ich lese in den Kommentaren auch kein Gemecker. Es schreiben Menschen, die erkannt haben, was das Problem ist.

  12. 22.

    Fragen : Seit wann redet Berlin Brandenburg von der Streusandbüchse ?
    Wer hat vor 10 Tagen über den verregneten Mai geschimpft und sich aus den frühen Juni-Sommer gefreut ? Wer pumpt Grundwasser für Neubauprojekte aufnimmerwiedersehen in die Flüsse ? Welche Effekte haben Solarspiegelflächen auf die Wolkenbildung ? Wer will das Tempelhofer Feld, gegen jede Vernunft....

  13. 21.

    Wir scheinen auf zwei unterschiedlichen Planeten zu leben Sie und ich. Es gibt ja nun zahlreiche Messdaten, die den Klimawandel belegen; die meisten Wasserwerke klagen über erschreckend niedrige Grundwasserstände mit rasch sinkenden Spiegeln; der Aufwand zur Bodenbewässerung in der Landwirtschaft nimmt immer weiter zu; Waldsterben findet in einem riesigen Ausmaß statt - alles auf meinem Planeten. Bei Ihnen scheint das ja anders zu sein.

  14. 20.

    Der Zubau an Wind- und Solarenergie ist seit Jahren in China weit überdurchschnittlich, denn die haben es erkannt. Dort gibt es ein besseres Zugnetz, seit Jahren Emobliität. Und ja: den Strom brauchen die, um Produkte für uns herzustellen, die früher bei uns haben die Schornsteine rauchen lassen. Wenn ich all die AmazonLKWs sehe frage ich mich, ob nicht ein bisschen weniger Konsum möglich ist.
    Und als AKW Fanboy, der Sie zu sein scheinen: könnten Sie sich vielleicht für ein Endlager für hochradioaktiven Müll in Prenzlau stark machen und eine Mehrheit organisieren - es gibt nämlich Bedarf. Solange Ihnen das nicht gelingt, würde mich interessieren, wohin Sie gedenken den Müll zu schaffen und ab wann die AKWs endlich mal eine vernünftige Haftpflichtversicherung kriegen und wie zukünftig Folgekosten von Betreibern getragen werden.

  15. 19.

    War es nicht gerade erst vor 2 oder 3 Wochen noch viel zu kalt?

  16. 18.

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass gefühlt in jedem Winter Spritzeisbahnen angelegt wurden bzw. die Seen zugefroren waren. Und das wochenlang. Darauf freute ich mich in den drei (?) Wochen Winterferien.
    Heuer gibt es ja kaum mal ein paar Tage am Stück Minusgrade...

  17. 17.

    Auch ich kann mich an die Sommer aus Kindheitstagen (80er) erinnern...

    ...aber auch, wie Sensationsgeil man war, wenn das Thermometer mal an die 30grd. kratzte.
    Das war absolut selten und nicht jedes Jahr gegeben.

    Die Seen und Teiche luden zum Baden ein, aber von denen sind mittlerweile schon paar gar nicht mehr vorhanden.

  18. 16.

    Tja, Karl, die Melioration, ein Kind der DDR, Ist lange vorbei. Da Sie so weit weg zurückblicken konnten, sollten Sie Sie Ihren Fokus mal auf die vergangenen 30 Jahre richten und überlegen, ob die von Ihnen ins Spiel gebrachte "grüne Hysterie" nicht doch etwas banal und polemisch ist. Ich glaube, wir sind in ähnlichem Alter. Das bedeutet aber nicht, Zeichen nicht erkennen und Handeln zu können und ein"dit jeht schon ijgendwie weita" vor den Augen zu haben. Kindern werden auch Konsequenzen für die Zukunft bei bestimmtem Benehmen offeriert. Gilt das für Sie nicht, weil sie schon so alt zu sein scheinen?

  19. 15.

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass gefühlt in jedem Winter Spritzeisbahnen angelegt wurden bzw. die Seen zugefroren waren. Und das wochenlang. Darauf freute ich mich in den drei (?) Wochen Winterferien.
    Heuer gibt es ja kaum mal ein paar Tage am Stück Minusgrade...

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