Verschmutzung in Berlin - Initiative gegen Parkmüll fordert größere Abfalleimer und strengere Kontrollen

Symbolbild: Müll und leere Flaschen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin Neukölln. (Quelle: imago images/E. Contini)
Audio: Inforadio | 22.06.2021 | Interview mit Beate Ernst | Bild: imago images/E. Contini

Kaffeebecher, Pizzakartons, Bierflaschen: In Berliner Parks staut sich der Müll. Die Initiative "Wir Berlin" fordert mehr und bessere Mülleimer. Langfristig sei es jedoch nötig, Pfandsysteme einzuführen - und vom Bußgeldkatalog Gebrauch zu machen.

Eine Berliner Initiative gegen den Müll auf Straßen und in Parks fordert grundlegende Änderungen, um die Abfallmengen in Berlin zu verringern. Nötig seien unter anderem mehr und größere Mülleimer in Parks, sagte Beate Ernst von der Initiative "Wir Berlin" dem rbb am Dienstag.

Ernst zufolge ist die jetzige Abfall-Infrastruktur nicht auf darauf ausgelegt, dass Menschen sich häufig draußen treffen und dort auch essen und trinken.

Initiative plädiert für Pfandsysteme

In der Corona-Zeit habe sich das Leben teils nach draußen verlagert und die Situation verschlimmert. "Die Menschen kaufen im nächsten Späti ihre Sachen ein - und die sind verpackt. Entsprechend ist die Verpackung draußen nicht im Müll, sondern im Park zu finden", sagte Ernst dem rbb-Inforadio.

Ernst plädierte außerdem für Lösungen, um Abfall zu vermeiden, zum Beispiel durch Mehrwegbehälter oder Pfandsysteme.

Brandbrief gegen Vermüllung geplant

Ende der Woche will die Initiative laut Ernst mit einem Brandbrief an die Bezirksbezirksbürgermeister auf die Lage aufmerksam machen. Der Brief werde auch einen Forderungskatalog enthalten, kündigte Ernst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) an.

Demnach sind aus Sicht der Initiative auch fehlende Kontrollen ein Problem. "Wie viele Leute wissen eigentlich, dass es einen Bußgeldkatalog gibt und was es bedeutet, wenn man eine Kippe einfach wegwirft?", fragte Ernst.

In Berlin werden für weggeworfene Kippen, Kaugummis oder Einwegbecher bis zu 120 Euro fällig. Es sei jedoch niemand da, der den Bußgeldkatalog verfolge, kritisierte Ernst.

Neukölln und Mitte sind Müll-Hotspots

Das Müllproblem sei nicht von heute auf morgen zu lösen, sagte Ernst. Denn das Kernproblem sei, dass viele Menschen sich zwar zu Hause für ihren Müll verantwortlich fühlten, im öffentlichen Raum aber nicht. Es müsse sich nicht nur das Bewusstsein, sondern auch das Verhalten ändern. Und das sei ein langwieriger Prozess.

Zu den Müll-Hotspots zählen laut Ernst Neukölln und Mitte. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel hatte erst kürzlich die Vermüllung der Parks nach illegalen Partys etwa in der Hasenheide als ein "riesiges Problem, das Kräfte und Geld bindet" bezeichnet. Allein durch das Grünflächenamt seien in den Grünanlagen insgesamt 600 Tonnen Müll entsorgt worden. Dafür entstanden Mehrausgaben von über 200.000 Euro, in manchen Bereichen würde die Abholfrequenz verdoppelt.

Sendung: Inforadio, 22.06.2021, 10:00 Uhr

27 Kommentare

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  1. 27.

    Bitte auch beachten, daß die Mülleimer auch einen Deckel haben! Denn offene Mülleimer, wie z.B. im Volkspark Wilmersdorf werden 1. vollgestopft, bis es nicht mehr geht und 2. machen sich dann die Nebelkrähen daran zu schaffen. Also unsere tierischen Mitbewohner in Berlin sorgen u.a. auch dafür, daß die Parks vermüllt werden. Offene Mülleimer kann man sich daher also sparen, den Rest der Müllverteilung im Park übernimmt der Wind - das muss man einfach mal beobachten! Aber richtig ist, der Mensch hat die Verantwortung, die Tiere erfreuen sich halt daran, was der Mensch hinterlässt!

  2. 26.

    In der Tat. Die haben auch eine einfache Lösung für das Parkplatzproblem in Großstädten: Man kann einfach kein Auto anmelden ohne Nachweise über private Stellplätze am Wohn- und Arbeitsort.

  3. 25.

    Größere Mülleimer wären gut-also, wenn nicht gleichzeitig die Pizzakartons mitwachsen würden.
    Oder wenn sich so nach und nach der Gedanke verbreiten würde, wofür die Dinger, also die Mülleimer, denn so gedacht sind.

  4. 24.

    Falsch! Das ist schlichtweg mangelnde Erziehung und Respektlosigkeit und hat nichts mit fehlender Bildung bzw. "Unterschicht", wie Sie es abwertend nennen, zu tun. Ich kann arm sein und evtl. nur die Hauptschule absolviert haben und dennoch wissen, was richtig und falsch ist. Ein respekt- und verantwortungsvolles Handeln hat nichts mit dem Einkommen zu tun, sondern wie die Eltern es vorleben! Ich kenne aus meinem beruflichen Umfeld sehr viele Familien, die haben sehr wenig und dennoch viel mehr, als die meisten - nämlich Anstand.

  5. 22.

    Mitschuld des Senat von Berlin und Abgeordnetenhaus von Berlin ?
    Wenn Jeder Verantwortungsbewusßte Seinen Müll wieder wegräumt, bleibt zum Schluß immernoch der Müll der Sozial-Ungebildeten. Wer räumt Das weg ? - Die Kaste, die Unterschicht, die Sich dafür hergibt oder damit Ihren Lebensunterhalt verdient. - Also ist es gut, dass Menschen dadurch Arbeit haben. Oder ist Das fehlende Wertschätzung ?

  6. 21.

    Das Problem besteht doch nicht nur in Parks und auf Grünflächen nach Parties. Neukölln und Kreuzberg sind doch immer und überall verdreckt, hier wird ja auch mit geringerer Frequenz gereinigt.
    Dabei könnte Berlin wahrscheinlich die reichste Stadt der Welt sein, wenn für jede Zigarettenkippe die 120 € Strafe kassiert würden...
    Und "Wegebiere" sollten auch verboten werden, das ganze kaputte Glas auch den Wegen und Straßen kostet wahrscheinlich täglich viele Fahrradschläuche.

  7. 20.

    Das Problem ist vielschichtig. Einerseits sind viele Menschen einfach Drecks********, besonders gut beim Wegschnippen von Zigarettenkippen zu sehen, wo der (brandsichere) Mülleimer nur 1.5m entfernt steht. Andererseits ist Berlin in Zonen eingeteilt was die Mülleimerdichte angeht. In hochwertigen Wohngegenden sind an jeder Straßenkreuzung 4 Mülleimer installiert, in anderen Bezirken trägt man einen Hundekotbeutel gerne mal einen Kilometer bis man einen Mülleimer findet um ihn zu entsorgen. Da kann ich fast verstehen wenn man den Müll irgendwann genervt fallen lässt. Wohlgemerkt: Fast.

  8. 19.

    Größere Müllbehälter? Als ob die es bringen würden. Dieser Vorschlag ist doch sehr realitätsfern. Mehr und bessere Kontrollen, gerne auch videoüberwacht, den Bußgeldkatalog aktualisieren und knallhart umsetzen kann nur die Antwort sein! Die beste Strafe bzw. Erziehungsmaßnahm wäre jedoch, die "Übeltäter" zur Parkreinigung zu verdonnern. Offensichtlich hat bei vielen die Erziehung versagt (wenn es überhaupt eine gab).

  9. 18.

    Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe in meiner Kindheit noch gelernt daß man nichts auf der Straße wegschmeißt und nach dem Picknick seinen Müll wieder mitnimmt. Das habe ich auch an meine Kinder weiter gegeben. Die halten sich immernoch daran. Sind jetzt Erwachsen.
    Aber genauso eklig ist das auf die Straße spucken oder Kaugummi ausspucken. Zigarettenkippen kann man auch mitnehmen. Da gibt es kleine Aschbecher mit Deckel.
    Umweltverschmutzung gehört auch zum Klimaschutz.
    Nicht nur Demos.
    Also nehmt euern Dreck wieder mit und wartet nicht darauf das andere euch alles hinterher räumen

  10. 17.

    Hamburg hat den Versuch vor Jahren mal gemacht. Einfach liegen lassen bis die Leute es selbst merken.
    Ob es geklappt hat weiß ich allerdings nicht.
    Wahrscheinlich ist die Spezies Mensch aber zu dumm.

  11. 16.

    Vlt könnten die Herrschaften ihren Müll auch selber wieder mitnehmen. Geht ganz einfach: eine Mülltüte in der Tasche und schon ist das Problem gelöst. Aber nein, irgend ein Dummer macht für euch gerne den Dreck weg. Übrigens in der wieder entdeckten Natur ist das mittlerweile LEIDER!!! zur Gewohnheit geworden. Dann bleibt doch zu Hause und verschmutzt nicht die schönen Seen und Wälder!!!! Geht mir gehörig auf'm Puffer

  12. 15.

    Dann kommen aber die ökologisch ausgerichteten Parteien in Konflikt mit ihrem Wählerpotential. Denn die Sauberkeit der erwähnten Städte basiert auf drakonischen Strafen gepaart mit Konsequenter Durchsetzung. Wobei zum Teil auch das Anzeigen durch Privatpersonen erwartet, und mit Prämien belohnt wird. Rechnen würde sich diese 0 Toleranzlinie allemal.

  13. 14.

    Erziehung ist Glücksssache. Uns wurde beigebracht Muell einfach wieder mitzunehmen. Aber das geht ja heute nicht mehr zu schwer,nicht hipp genug. Feiern koennen se, selbst im eigenen Dreck, ob sie das auch zuhause machen? Ach ne da ist ja Mutti bos 28 oder 30 und räumt den Arsch hinterher. Einfach mal denen in Rechnung stellen, wird ja im Moment genug kontrolliert oder Zange und Tüte in die Hand drücken. Sind doch sonst auch so für die Umwelt und Natur.

  14. 13.

    Was fordert diese Initiative? Warum soll denn der Senat und der Steuerzahler die Müllentsorgung dieser Menschen übernehmen? Soll doch diese Initiative keine größeren Mülleimer fordern, sondern ordentlichere Menschen! Unglaublich!

  15. 12.

    Schauen sie mal nach Singapur: ca. 5,7 Millionen Menschen auf 728 km², Berlin 3,6 Mill. auf 891 km²
    Über Sauberkeit in Singapur gibt es wohl nix zu diskutieren.
    Der Berl. Senat könnte Gesetze und harte Strafen für Vermüllung erlassen, macht er aber nicht!
    Also wird sich auch nix ändern! :-(

  16. 11.

    Für Bahnhöfe gilt eigentlich das gleiche...

  17. 10.

    liegt aber erst einmal vorrangig an den Bewohnern von Berlin. Für viele schämt man sich Berliner zu sein. Da würden auch mehr Mülleimer nichts bringen. Es gibt Gegenden in Deutschland da lassen die Einwohner keinen Müll liegen und alles sieht ordentlich aus ohne Vandalismus und Vermüllung. Das bestätigt mal wieder das diese Stadt versifft.

  18. 9.

    JAPAN, ist sowas von Vorbild! Ob es Masken, Sauberkeit etc etc. Ich kann mich immer wiederholen. I like Japan.:):)

  19. 8.

    „Größere Abfalleimer“? Ich wäre schon froh, wenn es kleinere gäbe! Berlin hat doch bis zur Stunde Abfallkörbe systematisch abgebaut, um ja nicht leeren zu müssen. Seitdem ist die Stadt völlig vermüllt.
    Das ist keine Legitimation dafür, alles in der Gegend zu verstreuen oder einfach liegen zu lassen, aber zumindest ein Grund, weshalb das so ist. New York und Paris sehen anders aus, aber dafür gibt‘s an jeder Ecke auch Abfallbehälter.

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