Gefahr für Trinkwasser - Urteil: Ostsee darf kein Wasser in die Spree abgeben

Luftaufnahme des zum Teil gefüllten Cottbuser Ostsees. (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg l 02.06.2021 | Bild: rbb

Im Streit um die Flutung des Ostsees hat die Stadt Frankfurt (Oder) einen Etappensieg errungen: Das Cottbuser Verwaltungsgericht hat entschieden, dass das sulfathaltige Wasser aus dem früheren Tagebau nicht in die Spree überlaufen darf.

Der Cottbuser Ostsee darf vorerst weiter geflutet werden, darf aber nicht "überlaufen". Das entschied jetzt das Cottbuser Verwaltungsgericht am Dienstag. Das Gericht gab damit einer Klage der Stadt Frankfurt (Oder) und den Frankfurter Wasserbetrieben gegen den Präsidenten des Landesbergamtes aus dem Jahr 2019 statt. Geladen war auch der Bergbau-Sanierer Leag. Damit darf nur eine maximale Pegelhöhe von 61,8 NHN (Normalhöhenull) im Ostsee erreicht werden, so die Richter.

Trinkwasser mit besonderem Schutz?

Hintergrund ist, dass das Sulfat-haltige Seewasser des ehemaligen Tagebaus nicht mit dem Wasser der Spree vermischt werden darf, da dieses als Trinkwasser für Frankfurt (Oder) gebraucht wird.

Das Verwaltungsgericht Cottbus wird außerdem den Europäischen Gerichtshof anrufen, um grundsätzlich zu klären, ob die Trinkwassergewinnung aus der Spree einem besonderen Schutzstatus unterstellt werden muss. Erst dann könne man, so das Gericht, in einem Hauptsacheverfahren entscheiden, ob die Stadt Frankfurt die Flutung des Cottbuser Ostsees zurecht bemängelt.

Für die Flutung des Ostsees hatte das Landesbergamt ursprünglich im April 2019 den Planfestellungsbescheid erlassen. Allerdings hielt sich die Begeisterung für das Projekt in Frankfurt (Oder) von Beginn an in Grenzen. Denn die Stadt ist Eigentümerin des Wasserwerks in Briesen, wo das Sulfat-belastete Spreewasser aufwendig für die Trinkwasserversorgung aufbereitet werden muss.

Streit seit 2019

Das Wasser aus der Spree wird dafür in große Becken gepumpt, wo es versickert und dabei gereinigt wird. Das Trinkwasser ist also ein Mix aus Grundwasser und Spreewasser. In den letzten Jahren aber ist das Spreewasser immer stärker belastet, durch den Bergbau, aber auch durch die Flutung von Tagebauen: zum einen mit Eisen - das kann man herausfiltern. Schwieriger sind die Sulfate, also Schwefelsäuresalze. Diese lassen sich nicht so einfach trennen, sondern nur verdünnen. Sulfate können bei zu hoher Konzentration Durchfallerkrankungen auslösen. Das macht die Aufbereitung aufwendig - und teurer.

Die kontinuierliche Flutung Ostsees war in den vergangenen Jahren allerdings auch immer wieder aufgrund langanhaltender Trockenperioden ausgesetzt worden, zuletzt im Dürresommer vergangenen Jahres. Umweltschützer hatten Bedenken geäußert, dass trockene Sommer in den kommenden Jahren zu einer starken Verdunstung führen und der Ostsee deshalb womöglich nicht den geplanten Füllstand erreichen werde.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.06.2021, 16:30 Uhr

20 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 20.

    Hallo Peter,

    das Sie mit der LEAG und der Braunkohle Ihr Feindbild gefunden haben, haben Sie hier ja bereits ausreichend kundgetan.
    Aber jetzt sollten Sie sich mal festlegen.
    Haben Sie nun Angst dass der Ostsee durch Verdunstung austrocknet oder das er überläuft?
    Oder motzen Sie hier nur aus Prinzip und Unkenntnis.

  2. 19.

    #henny behm, mit Verlaub das ist falsch. Der Abbau von Braunkohle erfolgt schon mehr als 100 Jahte. Hatte auf Grund der Steinkohle aber nicht immer eine Bedeutung. Aber bereits in den 20ziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Braunkohleabbau auch in der Lausitz stark ausgebaut und intensiviert, die DDR wurde aber erst 1949 gegründet. Alles der DDR in die Schuhe schieben zu wollen ist historisch nicht korrekt.

  3. 18.

    Der Süden von Brandenburg ist nun mal mit Pücklers Worten gesagt eine Streusandbüchse. Die in Vorzeiten aufgeforsteten Kiefernwälder tragen zur Trockenheit ebenfalls bei. Desweiteren ist die Lausitz schon ein wenig mehr vom Kontinentalklima geprägt. Aber auch da können die hier vertretenen Bergbaugegner bestimmt einen Zusammenhang daherkonstruieren. Desweiteren vermisse ich im Bericht die tatsächlichen Sulfatwerte im Bezug zu den Grenzwerten für selbige.

  4. 17.

    Und wo pumpen sie es aktuell hin? Die Sulfatwerte steigen ja bereits jetzt, wo noch nicht einmal ansatzweise über ein Auslassen des Wassers aus dem Restloch bei Cottbus die Rede sein kann...

    Das sind eben alles Bergbaufolgeschäden für die wir noch Jahrzehnte bezahlen werden. Ist ja so gewollt. Aber fleißig gegen Erneuerbare sein. Gerade rings um Frankfurt gibt es genügend Bürgerinitiativen.

  5. 16.

    Fakt ist das nach der Flutung einiger Seen der PH Wert unter aller Sau war und mit Millionen Steuergeldern mittels Kalk neutralisiert werden musste. Nun ratet mal wer das bei den laufenden Kohlelöchern bezahlen wird?
    Erst recht dann wenn die EU die von Altmeier angedachten Milliardengeschenke für die Kohlelobby kippt.

  6. 15.

    Mit etwas Geschäftssinn könnte man als Anwohner bei airbnb ja nun immerhin einen "konkurrenzlos günstigen Ostsee-Urlaub mit unverbautem Blick aufs Wasser" anbieten - man sollte halt möglichst keine detaillierten Fotos mit einstellen. ;-)

  7. 14.

    Ja, davon habe ich auch gelesen. Da sollen sich Menschen im Wasser einfach aufgelöst haben. Skandal!

  8. 13.

    Fahren Sie doch mal in die Lausitz und schauen sich die bereits dort enstandenen Seen, die neuen Naherholungsgebiete und die säurezerfressenden Badenen an, bevor Sie hier kruden Vermutungen anstellen.

  9. 12.

    Dieser ganze DDR-Bergbau fällt noch den nächsten fünf Generationen auf die Füße. Brandenburg ist mittlerweile ein wasserarmes Gebiet. Und dann überall noch künstliche Seen. Der Name ist phantasielos und irritierend.

  10. 11.

    Örgs... also ob ich je im Ostsee (wie auch immer er hieße) schwimmen möchte, wenn das Wasser zu örgs ist, um es in die Spree zu leiten... ne, echt nicht. Danke, dass das mal thematisiert wird. Vielleicht hätte man es einfach sich selbst - also der Natur - überlassen sollen, was "sie" daraus macht. Volllaufen, zuwehen, einebnen, bewachsen, als Düne wandern... aber "die Ostsee" wird das wohl nicht als Naherholungsgebiet, wenn das Wasser aus Bergbau-Pfützen ähnlich dem Abpumpwasser aus den Gruben besteht.

    Und - wer soll da überhaupt hinfahren?

    Solange unsere Bundesregierung entscheiden darf, wer wann wo Urlaub machen darf, könnte das scheitern. Rückzug auf die eigene Datsche in Wohnortnähe.

  11. 10.

    Wer für die Zukunft Touristen in ein noch unbekanntes Gebiet anlocken will, ist auf Namensgleichnisse angewiesen. Und ein Urheberrechtsstreit auf Ostsee ist nicht zu befürchten, da es für die Ostsee als allgemeingültigen geografischen Begriff keine Urheberrechte gibt. Ich finde es auch fragwürdig mit "dem Ostsee".
    Dass in einem künstlichen See mit durcheinander gefürfelten Bodenschichten, die nicht von der Eiszeit an natürlich entstanden sind, auf mind. 50 Jahre keine naturidentische Uferlandschaft, Bodenbeschaffenheit und auch Wasserqualität entstehen kann ohne sehr teuren menschlichen Eingriff, sollte jedem wohl klar sein. Der Ostsee als Touristenmagnet hat noch 100 Jahre Zeit...
    Wir sehen es ja gerade am Helenesee, dass selbst nach 50 Jahre nicht alles im Lot ist.

  12. 9.

    Für eine Namensänderung wäre ich auch. Da war ja auch mal der Name "Lieskower See" im Gespräch, in Erinnerung an zwei der Dörfer (Groß Lieskow und Klein Lieskow), die dem Tagebau dort weichen mussten und quasi "auf dem Grund" des neuen Gewässers l#gen.

  13. 8.

    Da sind wohl ganz, ganz schlaue Leute mit dieser Idee gekommen, genau wie einige aus der Regierung!

  14. 7.

    Wo haben die denn das verseuchte Wasser vorher hingepumpt? Wird sch ja nicht in Luft aufgelöst haben. Und wenn, dann gibts irgendwo eine riesige Sulfatverseuchung im Boden.

  15. 6.

    Hat auch niemand behauptet.....auch wenn es sicher noch länger dauert ist die Frage wie die Leag ein Füllstand über 61,8 verhindern will viel spannender.

  16. 5.

    Der Ostsee wird sich mit Wasser füllen, ob Ihr das wollt oder nicht. Das liegt an der Geologie und an der Physik. Das lässt sich weder durch ein Gesetz wegbeschließen noch durch die Bundestagswahl beeinflussen. Man kann das Volllaufen des Ostsees natürlich verhindern, indem man die Wanne komplett ausbetoniert, mit Erdmaterial füllt oder bis in alle Ewigkeit das Grundwasser abpumpt.

  17. 4.

    Die max Höhe 61,8 wird der Leag nicht passen, will man doch lt. Projekt bis 63,5 fluten dürfen. Der braune Schlauch ist nur die Tieflage, rechts davon geht es weiter , gesamt 19 !!! Quadratkilometer. Welch eine irre Verdunstungsfläche bei zunehmendem Wassermangel. Die entsteht nur aus einem Grund, es ist für die
    Leag am billigsten das Kohleloch zu" sanieren".

  18. 3.

    Richtig ist für den deutschsprachigen Raum die Ostsee. Baltic Sea sieht man schon auf alten englischsprachigen Globen. Allerdings finde ich den Namen Ostsee für diesen künstlichen See auch blöd.

  19. 1.

    Kann man nicht endlich mal diesen dämlichen Namen ändern. Ostsee ist ein Meer und das schon seit Jahrtausenden!

Nächster Artikel