Weltblutspendetag am 14. Juni - Blut ist durch die Pandemie knapper als sonst

Blutspender bei der Blutspende in Zeiten der Coronakrise, Deutsches Rotes Kreuz (Quelle: dpa/Rupert Oberhäuser)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.06.2021 | Oliver Meurers | Bild: dpa/Rupert Oberhäuser

Täglich werden in Berlin und Brandenburg rund 600 Blutspenden benötigt. Durch viele Operationen, die wegen Corona verschoben wurden und jetzt nachgeholt werden müssen - und durch die Sommerzeit wird Blut knapp. Da hilft nur spenden. Von Ursula Stamm

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand im Laufe seines Lebens eine Blutkonserve braucht, liegt bei mindestens 50 Prozent. Doch nur rund drei Prozent aller Deutschen spenden regelmäßig Blut. Dabei erfüllt ein Drittel der Bevölkerung die gesetzlich vorgegebenen Voraussetzungen. Dass trotzdem jeden Werktag 600 Blutspenden in Berlin und Brandenburg zur Verfügung stehen, ist also alles andere als selbstverständlich. Die sechs gemeinnützigen Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) decken rund 75 Prozent des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland. Den Rest leisten die Kliniken selbst sowie private Blutspendedienste.

Was mit der Blutspende passiert

Eine so genannte Vollblutspende besteht aus einem halben Liter Blut und kann gleich dreifach verwendet werden. Denn aus dem Vollblut werden die roten Blutkörperchen, die Thrombozyten sowie das Blutplasma als jeweils eigenes Präparat gewonnen. Das geschieht in speziellen Zentren; für den DRK-Blutspendedienst Nord-Ost liegen diese in Dresden und in der Nähe von Hamburg. Innerhalb von 24 Stunden kommen die Blutprodukte wieder zurück in die Region, wo sie in acht Transfusionsmedizinischen Zentren in Kühlzellen aufbewahrt werden.

Allerdings nicht lange. Thrombozyten sind nur vier bis fünf Tage haltbar, die roten Blutplättchen, die Erythrozyten, nur maximal 42 Tage. Damit jeden Tag genügend Blutprodukte zur Verfügung stehen, braucht es eine ausgefeilte Logistik, die darauf beruht, dass Kliniken ihren Bedarf beim DRK-Blutspendedienst anmelden und die Spendenwerbung und Entnahme entsprechend vorgeplant werden.

Mehr Bedarf nach Pandemie

Diese Logistik habe auch zu Pandemiezeiten erstaunlich gut funktioniert, berichtet Kerstin Schweiger, Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost. Allerdings gab es ab Mai 2020 eine ähnliche Situation wie jetzt: "Wir haben damals nach den ersten Lockerungen gesehen, dass der Bedarf der Kliniken innerhalb von zwei, drei Tagen sprunghaft angestiegen ist und dass es da einen Mehrbedarf von bis zu 30 Prozent gab. Das hatte damals den Hintergrund, dass verschobene Operationen und Behandlungen nachgeholt wurden."

Ein ähnlicher Trend sei derzeit beobachtbar, auch wenn sie noch keine konkreten Zahlen nennen könne, da die Kliniken erst seit Anfang Juni wieder im Normalbetrieb sind. Den Rest des Jahres 2020 habe diese Situation angehalten, so Kerstin Schweiger, "das war zum Teil tatsächlich so, dass die Blutspenden nach der Aufbereitung in die Depots kamen und in der nächsten Minute auch schon wieder von den Kliniken abgerufen wurden. Und so soll es ja nicht sein. Wir haben im Idealzustand der Bevorratung einen Vorlauf von fünf Tagen und in diesen ganzen Monaten von Sommer bis Ende 2020 sind wir mit nur etwa einem Tag Vorlauf wirklich auf einem Grat gewandert, der sehr, sehr schwierig zu bewältigen war."

Benötigt werden die Blutspenden mit einem Anteil von rund 19 Prozent vor allem von Krebspatienten, die zum Beispiel eine Chemotherapie bekommen. Aber auch bei Herz- und Gelenkoperationen sowie nach akuten Unfällen werden Blutkonserven gebraucht. Bei einer Bluttransfusion müssen die Blutgruppen von Spender und Empfänger übereinstimmen. Ein "Ranking" der Blutgruppen gebe es in dem Sinne nicht, sagt Kerstin Schweiger, "weil im Bevölkerungsschnitt die Blutgruppen ja genauso verteilt sind, wie bei den Patienten, die auf Blutkonserven angewiesen sind".

Eine Ausnahme gibt es aber: die Blutgruppe Null Rhesusfaktor negativ. Sie kann auch ohne Abgleich der Blutgruppe sofort gegeben werden, da sie von allen Menschen toleriert wird, ohne Abstoßungsreaktionen hervorzurufen. Allerdings haben nur rund sechs Prozent der Deutschen diese begehrte Blutgruppe.

Strenge Regeln wegen Corona

Blutspenden ist während der gesamten Zeit der Corona-Pandemie möglich gewesen, allerdings unter strengen Hygieneregeln. Nach wie vor ist eine Blutspende nur nach vorheriger Anmeldung möglich, telefonisch oder auch online [terminreservierung.blutspende-nordost.de]. "Das hilft uns, das Ganze so zu steuern, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig bei einem Blutspendetermin sind, sondern nach Viertelstunden gestaffelt, sodass sich keine Warteschlangen bilden", erläutert Kerstin Schweiger.

Wer Kontakt mit an Covid-19 Infizierten oder Erkrankten hatte, darf erst nach zwei Wochen wieder Blut spenden. An Covid-19 Erkrankte müssen vier Wochen warten, nachdem sie wieder genesen sind. Nach einer Impfung gegen SARS-CoV-2 darf man schon einen Tag später wieder Blut spenden, sofern man sich gesund fühlt.

Die anstehenden Sommerferien sorgen jedes Jahr temporär für eine abnehmende Spenderbereitschaft. Während der Corona-Pandemie kann sich dieser Zeitraum aus Sicherheitsgründen noch um zwei Wochen verlängern, denn Reiserückkehrer aus dem Ausland müssen nach Rückkehr zwei Wochen warten, bevor sie wieder Blut spenden dürfen. Deshalb appelliert Kerstin Schweiger noch vor der Fahrt in den Urlaub, Blut zu spenden. "Wenn jetzt über die kommenden Wochen alle Termine und alle Zeitfenster gebucht werden, dann ist es möglich, die Versorgung auch lückenlos aufrecht zu erhalten".

FAQ: Zum ersten Mal Blut spenden

  • Wer darf spenden?

  • Was muss ich im Vorfeld beachten?

  • Wie läuft eine Blutspende ab?

  • Was passiert nach der Blutspende

Sendung: rbb Praxis, 09.06.2021, 20:15 Uhr

Beitrag von Ursula Stamm

16 Kommentare

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  1. 16.

    Sie irren. Lesen Sie selbst nach. Und es betrifft nicht nur die MSM Fälle. Es ist eine Risikoabschätzung, keine Diskriminierung. Eine medizinische Entscheidung.

    https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Blutspende_MSM/FAQ_Liste.html


  2. 15.

    Das Blut dieser Menschen wird aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht verwendet und sie von einer Spende ausgeschlossen.

    Warum kann deren Blut denn nicht verwendet werden, es gibt keinen vernünftigen Grund dafür? Das müsste ja dann auch für promiske Heterosexuelle gelten.

  3. 14.

    Es geht nicht um die Spender, sondern darum, dass das Blut verwendet werden kann. Die genannten werden nicht „ausgeschlossen“.

  4. 13.

    Geht hier auch:
    https://transfusionsmedizin.charite.de/fuer_blutspender/blutspende/ bzw. https://www.ztb-blutspende.de/
    Nun mag sich vll. der Eine oder die Andere daran "hochziehen" das es dafür eine Aufwandsentschädigung gibt. Mal schön die Füsse still halten - das Geld kann man auch für andere humantitäre Zwecke spenden. Also zwei Fliegen, eine Klappe.

  5. 12.

    Ihr heldenhaftes Verhalten gegenüber Bedürftigen ehrt Sie zutiefst ……..

  6. 11.

    Ich würde gerne Blutspenden, nur düfen Männer die MSM haben, kein Blutspenden, damit werden bestimmt 5 bis 10% der Bevölkerung ausgeschlossen.

  7. 10.

    Ich sehe das ähnlich.... immer sollen wir Bürger Solidarität zeigen, ich hab keine Lust mehr .... mir hat während der Pandemie auch keiner geholfen und ich habe noch immer zu knabbern.

    Ich weiss, da kann kein Kranker was für, aber bei mir ist die Luft raus.

  8. 9.

    Ich empfehle die NDR-Dokumentation Inside Blutdspende, da wird alles dazu ausführlich erklärt, insbesondere die Rolle des DRK. Ich bin so vom DRK enttäuscht. Man kann auch direkt im Krankenhaus Blut spenden, da kommt es dann auch direkt an, ohne Geldtransfers.

  9. 8.

    So lange es keine Aufwandsentschädigung vom DRK gibt werde ich kein Blut spenden. :-) Blutplasma dagegen habe ich schon öfters gespendet und werde es auch weiterhin tun. Denn dort bekommt man eine Aufwandsentschädigung.

  10. 7.

    Der Begriff „Spende“ ist Ihnen offenbar unbekannt. Ekelhaft für alles Geld haben zu wollen....

  11. 6.

    Bitte? Sie reden Wirrwarr... Können Sie das mal in Fließtext sagen? Blutspenden ist immer schon eine wichtige Aufgabe für alle gewesen. Und die Hygiene war schon immer wichtig. Seit HIV ist das verstärkt der Fall.

  12. 5.

    Ich war jahrelang Blutspender. Aber meine Solidarität wurde im Rahmen der Pandemie überstrapaziert. Solange im Sommer die Grundrechte grundlos weiter eingeschränkt werden, behalte ich mir vor, meine Solidarität einzuschränken. Das betrifft dann halt auch die Teilnahme an der Blutspende.

  13. 4.

    ... und dann schreiben Sie, lieber rbb, doch mal etwas zur kapitalistischen Verwertung der Blutspende? Fasse mal kurz neutral zusammen: es ist ein großer Markt.

    Siehe z.B. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/rohstoff-blut-1000-euro-fuer-fuenf-liter-blut-1800486.html


    Wir als Gesellschaft sollten uns schon zunehmend die Frage stellen, ob wir nicht lebenswichtige Produkte und Dienstleistungen aus dem kapitalistischen Kreislauf herausnehmen sollten und statt dessen als gemeinschaftliches Gut betrachten sollten.

  14. 3.

    Was soll diese einseitige Werbung für das DRK?
    Das DRK lässt sich mit kostenlosen Blutspenden beschenken und verkauft diese dann ebenso teuer weiter wie die anderen Blutspendedienste, die an ihre Spender zumindest eine Aufwandsentschädigung zahlen.

  15. 2.

    Blutspende ?
    Nur in der Pandemie mit Hygieneregeln ?
    Pandemie, Keine OP, Patient egal ?
    Pandemie weg, Patient egal, Blutspender Schuld wenn Kasse leer ?

  16. 1.

    An rbb24 - bitte auch angegeben, wer nicht spenden darf. Wenn man Personengruppen ausgrenzt, sollte die Ausgrenzung auch benannt werden.

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