rbb|24-Datenauswertung - So ist die Wasserqualität der Badeseen in Berlin und Brandenburg

Do 24.06.21 | 06:06 Uhr | Von Sven Dröge
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Archivbild: Der Teufselssee in Berlin Grunewald im Sommer. (Quelle: dpa/GTI)
Bild: dpa/GTI

Auch wenn die Blaualgenplage in Tegel aktuell für Schlagzeilen sorgt - den meisten Badeseen in Berlin und Brandenburg geht es "ausgezeichnet". Und das ist nicht erst seit diesem Jahr der Fall, wie eine rbb|24-Datenanalyse zeigt. Von Sven Dröge

Blaualgen, ein verendeter Hund und konsternierte Strandbadbetreiber: Die Wasserqualität an den Badestellen des Tegeler Sees sind aktuell alles andere als gut. Zwar ist das Badeverbot Ende letzter Woche aufgehoben worden. Allerdings warnen die Behörden weiter und raten vom Baden im Tegeler See ab.

Mehrheit der Seen haben keinerlei Qualitätsprobleme

Die gute Nachricht: Die Warnhinweise für alle fünf Badestellen am Tegeler See bilden die große Ausnahme. Die anderen 34 offiziellen Badestellen in der Stadt haben keinerlei Qualitätsprobleme.

Von den über 250 Seen in Brandenburg ist aktuell lediglich eine Badestelle aufgrund von schlechter Wasserqualität gesperrt, weiterhin der Helenesee in Frankfurt (Oder) aufgrund von Abbrüchen. Das Strandbad in Strausberg ist wegen Niedrigwasser geschlossen.

Aktuelle Badewasserqualität entspricht dem Trend

Die gute Badewasserqualität entspricht damit dem Trend der vergangenen Jahre in der Region. Seit 2008 wird das Wasser an den Badestellen kontinuierlich überwacht. Eine Datenauswertung von rbb|24 basierend auf der EU-weit einheitlichen Wasserrahmenrichtlinie hat ergeben, dass nur zwei Badestellen in Brandenburg laut dieser Wertung im letzten Jahr das Prädikat "ausreichend" oder "mangelhaft" bekamen.

Die Naturbadestelle Spreelagune leidet seit Jahren unter Fäkalbakterien und ist deshalb als "mangelhaft" eingestuft worden. Am Wolziger See wurden ebenfalls erhöhte Werte bei Fäkalbakterien gemessen, weshalb die Badestelle mit "ausreichend" bewertet wurde. Aktuelle Messungen zeigen aber, dass der Wolziger See in diesem Jahr zum Schwimmen geeignet ist [badestellen.brandenburg.de].

In Berlin hatte derweil fast jede der gemessenen Badestellen im vergangenen Jahr eine "ausgezeichnete" Qualität. Lediglich der Badestelle "Kleine Badewiese" an der Unterhavel wurde ein "gut" zugewiesen. Somit waren alle Seen laut EU-Wertung zum Baden freigegeben. Und auch dieses Jahr sieht die vorläufige Situation gut aus gemäß offiziellen Stellen [badestellen.berlin.de].

Unterschiedliche Messungen in Berlin und Brandenburg

Wie sich das aktuelle Jahr gemäß EU-Kategorien darstellt, ist indes noch unklar. Das liegt unter anderem daran, dass erst am Jahresende ausgewertet wird und zudem Messungen der letzten vier Jahre in die Wertung mit einbezogen werden.

Die Länder Berlin und Brandenburg dagegen nutzen für die aktuelle Bewertung unterschiedliche eigene Skalen. So gibt es in Brandenburg eine Fünf-Punkte-Skala, in Berlin eine Drei-Punkte-Skala. Und auch bei der Messung selbst gibt es Unterschiede.

Während in Berlin das örtliche Gesundheitsamt alle zwei Wochen misst, tut es das in Brandenburg einmal monatlich. Dabei wird besonders auf fäkale Verunreinigung geprüft, also auf die zwei Bakterienstämme E. coli und Intestinale Enterokokken. Diese Bakterien kommen im Darm von Mensch und Tier vor und landen durch Abwasser in die Gewässer.

Intestinale Enterokokken können in der Umwelt länger überleben. Dadurch kann ihr Nachweis ein Hinweis für eine länger zurückliegende Verunreinigung sein. Hauptquellen für eine Verunreinigung durch Fäkalien sind in der Regel Menschen, Nutztiere und Wasservögel.

Blaualgenprüfung erst nach Hinweis

Das Vorkommen von Blaualgen, wie sie am Tegeler See nachgewiesen wurden, wird in den Ländern unterschiedlich geprüft. "Auf Cyanobakterien wird regelmäßig untersucht, nicht nur nach Begehungen oder Hinweisen", schreibt die zuständige Berliner Senatsverwaltung.

In Brandenburg verläuft der Test auf Blaualgen erst nach Hinweisen. Das zuständige Ministerium teilt dazu mit, dass "nur in sehr wenigen Ausnahmefällen eine quantitative Bestimmung durchgeführt" wurde. Aktuell lägen in Brandenburg keine nennenswerten Messwerte zu Blaulagen vor. Badespaß ist zum Ferienbeginn also garantiert.

Beitrag von Sven Dröge

1 Kommentar

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  1. 1.

    Komisch im Tagesdpiegel erscheint heute dieser Artikel: https://www.tagesspiegel.de/berlin/ausschlag-nach-dem-baden-saugwurm-larven-im-wasser-welche-berliner-seen-betroffen-sind-und-was-man-tun-kann/27360928.html

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