Datenschützer nicht informiert - Apple erfasst Orte in der Region mit Kameras

Zahlreiche Menschen genießen das frühsommerliche Wetter im Mauerpark. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Audio: Fritz | 27.07.2021 | Natascha Gutschmidt | Bild: Jörg Carstensen/dpa

Mauerpark, Sanssouci und die Havel: In den kommenden Wochen will Apple in Berlin und Brandenburg ausgewählte Orte für seinen Kartendienst abfotografieren. Die Datenschutzbeauftragten in beiden Ländern wurden nicht informiert.

Apple schickt ab Montag Menschen mit Kamera-Rucksäcken durch Berlin, um Orte für seinen Kartendienst Apple-Maps abzufotografieren. Unter anderem in Fußgängerzonen, Parks und Bahnhöfen sollen "ein paar Dutzend" Leute mit Kamera-Rucksäcken unterwegs sein, kündigte Apple an. Auch in Brandenburg sollen mit Fotos und Laserscannern insbesondere Grünanlagen erfasst werden, wo Kamera-Autos nicht gut hinkommen.

"Von Google wurden wir vorab einbezogen"

Wie die Sprecher der Datenschutzbeauftragten der Länder Berlin und Brandenburg rbb|24 mitteilten, hat ihnen Apple die Bilderfassung nicht vorher angekündigt. Zum einen seien die Datenschutzbeauftragten in diesem Fall nicht für eine Genehmigung zustädig, weil Apple seinen Sitz nicht in der Region hat, sagte Astrid Oehme, die stellvertretende Pressesprecherin der Brandenburger Datenschutzbeauftragten, im Gespräch mit rbb|24. Innerhalb Deutschlands sei das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht die zuständige Behörde, teilte Apple am Montag auf Anfrage von rbb|24 mit. Um Daten in Europa zu sammeln seien übergeordnet die Behörden in Irland, dem europäischen Sitz des US-Unternehmens, zuständig.

Oehme betonte, sie hätte sich zumindest über eine Ankündigung vorab gefreut. "Das ist unabhängig von unserer Zuständigkeit wünschenswert, auch weil wir die Möglichkeit hätten, die Menschen auf unserer Website über die Aktion zu informieren", so Oehme. Wichtig sei ihr, dass die Menschen mit den Kamera-Rucksäcken auch äußerlich zu erkennen seien und den Menschen in den Parks oder den Anwohnern für Auskünfte zur Verfügung stehen würden.

Philipp Stroh, Sprecher der Berliner Datenschutzbeauftragten, erklärte rbb|24 ebenfalls, nichts von dem Vorhaben gewusst zu haben. "Als Google in Berlin für seinen Kartendienst Straßen fotografiert hat, wurden wir vorab einbezogen, so konnten wir die Menschen auf die Aktion hinweisen", so Stroh. Dabei habe man den Usern auch ein Formular zur Verfügung gestellt, mit dem Anwohner bei Google beantragen konnten, dass ihr Haus gepixelt, also unkenntlich gemacht wird.

Seit Juli 2008 fährt Google mit Autos durch Deutschland, um Straßenzüge zu fotografieren. Da rund 244.000 Menschen Widerspruch gegen die Veröffentlichung der Bilder ihrer Hausfassaden einlegten, zeigt der Dienst Street View hierzulande nur einige Großstädte und veröffentlicht keine neuen Bilder.

Fast jeder Park zwischen Spandau und Marzahn

Eine solche Möglichkeit bietet nun auch Apple an, allerdings können Menschen ihre Einwände nur über eine Apple-Website [maps.apple.com] übermitteln. Wie das Unternehmen rbb|24 mitteilte, sollen die Rucksäcke mit deutlichen Hinweisen inklusive Kontaktmöglichkeiten beziehungsweise einer Website gekennzeichnet sein.

Laut Stroh will sich die Behörde der Berliner Datenschutzbeauftragten, Maja Smoltczyk, allerdings spätestens mit dem Ergebnis auseinandersetzen, wenn Apple seinen Kartendienst mit den neuen Bildern aus Berlin erweitert haben wird. Verstöße gegen die Datenschutzvorschriften kann die Behörde mit einer Anordnung ahnden, die unerlaubte Datenverarbeitung zu unterlassen. Weigert sich der Anbieter, dann bestehe noch die Möglichkeit, die Anordnung gerichtlich durchzusetzen oder ein Bußgeld zu verhängen.

Orte, die mit dem Auto nicht zugänglich sind

Laut Apple geht es bei der Aktion darum, Orte zu fotografieren, die mit dem Auto nicht zugänglich sind. In Berlin sollen die Menschen mit den Kamera-Rucksäcken deshalb in fast jeden Park zwischen Spandau und Marzahn-Hellersdorf gehen. Auf einer Karte im Internet [maps.apple.com] sind etwa Hasenheide, Humboldthain, Mauerpark, Volkspark Friedrichshain, Tiergarten, Plänterwald, Gleisdreieckpark oder Volkspark Wilmersdorf als Ziele markiert.

Für Brandenburg werden Ziele in der Landeshauptstadt Potsdam angegeben, sowie in den Landkreisen Barnim, Havelland, Oberhavel und Potsdam-Mittelmark. Der Ankündigung von Apple zufolge soll die Bilderfassung zwischen Juli und Oktober stattfinden. An welchen Tagen, ist aber nicht bekannt.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Beitrags haben wir Astrid Oehme als Brandenburger Datenschutzbeauftragte bezeichnet. Sie ist jedoch stellvertretende Pressesprecherin der Datenschutzbeauftragten Dagmar Hartge. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

30 Kommentare

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  1. 29.

    Zum Glück gibt es noch Menschen, die Moral und Anstand über Vaterlandsliebe stellen.

  2. 25.

    Dazu ein Zitat von Edward Snowden:
    „Zu argumentieren, dass Sie keine Privatsphäre brauchen, weil Sie nichts zu verbergen haben, ist so, als würden Sie sagen, dass Sie keine Meinungsfreiheit brauchen, weil Sie nichts zu sagen haben.“

  3. 24.

    Tut mir leid, solche Meinungen kommen für mich daher, weil man sich nicht ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Ich empfehle Ihnen die Lektüre "Im Zeitalter des Überwachungskapitalismus" von Shoshana Zuboff. Weitere Informationen, die sich darauf beziehen, finden Sie auf den YouTube Kanal von Scobel und ThiloJung (im Gespräch mit Scobel). Vllt urteilen Sie dann anders.
    Es ist hier ganz typisch für die Überwachungskapitalisten, dass sie gar nicht erst fragen, sondern sich die Freiheit nehmen einfach zu machen und unsere Freiheit beschneiden. Außerdem geht es nur nicht darum was Apple jetzt macht, sondern wohin das führen kann, wenn wir das einfach dulden. Apple tut das ja nicht für uns, sondern weil sie mit unseren Daten, die sie ungefragt nutzen, Geld verdienen. Glauben Sie mir, Sie haben eine Menge zu verbergen. Alles was man über Sie weiß, kann gegen Sie verwendet werden. Bei der Jobsuche, Versicherung, etc. pp.

  4. 23.

    Jetzt geht das wieder los. Die Mimose „Datenschutz“ fühlt sich übergangen wärend sie an so vielen Stellen an denen es weitaus wichtiger wäre, absolut versagen.
    Die Ansicht zum Datenschutz bei Kartendiensten dürfte sich seit dem einstigen Dilemma mit Google sehr verändert haben. Damals hatten viele Sorge was da den überhaupt passiert und was das so mit sich ziehen wird, doch heute haben wir da sicher dazugelernt und sehen es entspannter, gar vorteilhaft, wenn wir Orte virtuell vorher ablaufen können.
    Vielleicht sollte der Darenschutz gelegentlich auch mal das Zielpublikum mkt an Bord nehmen, bevor wir, dass einfache Volk, einfach wieder übergangen werden. Darüber reden und gemeinsam entscheiden, soll oft schon geholfen haben.
    Na hauptsache in der ganzen Stadt hängen inzwischen überall Kameras die alles mitschneiden, ohne das wir es wissen.

  5. 21.

    Ich persönlich verzichte darauf, in der Öffentlichkeit in der Nase zu bohren. ;-))
    Ansonsten ist es mir schnuppe, ob ich gefilmt, fotografiert werde. Ich habe definitiv nichts zu verbergen.

  6. 20.

    Fast jeder fährt oder läuft mit einem Navi. Wo kommen die Daten wohl her?
    Wer z.B in den Urlaub fährt möchte sich vorher die Gegend und das Haus vorher ansehen. Oder wer eine bestimmte Adresse sucht freut sich über Google Maps/Street- View.

  7. 19.

    Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, ist immer in Beobachtung. Entweder durch die anderen Teilnehmer im öffentlichen Raum, durch Sicherheitskameras oder eben auch durch Fotos von irgendwelchen Instagram-Poster.
    Der irgendwie absonderliche Witzgedanke ist ja an solchen google-Streetview oder anderen Aufnahmen im öffentlichen Raum ist, dass alle dies sehen wollen, aber niemand selber sein öffentliches Umfeld im Internet sehen möchte. Da beißt sich die Katze doch irgendwie in den Schwanz.
    Öffentlich ist öffentlich! Egal ob im Internet oder nur gesehen durch irgendwelche Spaziergänger. Die übrigens auch den eigenen privaten Balkon von der Straße aus sehen können.
    Ausgenommen von meinem Kommentar sind natürlich absolut private Flächen, die sonst nicht vom öffentlichen Raum aus zu sehen sind, z.B. Drohnenaufnahmen von oben.

  8. 18.

    Hallo Manu, fahren Sie mal nach Grunewald und suchen dort die Klingelschilder! LG

  9. 17.

    Man wird ja von Apple nicht ständig "beobachtet" (das machen vermutlich ganz andere).
    Und wenn man auf einem der "Apple-Fotos" erkennt, dass sie in den letzten drei Jahren mehr rote als blaue Blumen auf dem Balkon gepflanzt haben, dürfte das ihr Leben und ihre Freiheit nur geringfügig beeinträchtigen ...

  10. 16.

    Na endlich kommt mal ein Paar aktuelle Bilder von Parks ins Netz, dann haben die Partypeople wenigstens ein bisschen mehr Auswahl :-)

  11. 15.

    Hoffentlich wird Google auch mal wieder aktiv um endlich mal die Google Maps Straßenkarten zu aktualisieren.

  12. 14.

    „ Hasenheide, Humboldthain, Volkspark Friedrichshain, Tiergarten, Plänterwald, Gleisdreieckpark oder Volkspark Wilmersdorf“
    Wenn da mal nicht ein Baum oder Strauch etwas dagegen hat …

  13. 13.

    Sehr geehrter Herr Sven,
    habe vor ca. 3 Wochen welche von Google mit den Kameras auf dem Dach durch Friedrichshain fahren sehen.
    Mit freundl. Grüßen

  14. 12.

    wie so oft wird dann erst hinterher, wenn die daten veröffentlicht sind und es zu spät ist, die Möglichkeit einer Kenntnisnahme oder eines Einwandes gegeben sein - schlimm, dieser Vermessungswahnsinn, finde ich

  15. 11.

    Warum sowas überhaupt melden? Jeder deutsche hat seinen Nachnamen für die breite Masse und jederzeit zugänglich am Klingelschild stehen. Soviel zu Datenschutz und dort jammert auch keiner, weil es einfach „schon immer“ so ist. In den meisten anderen Ländern findet man dort nur „Apartment 1.1“ etc.

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