50-Jähriger festgenommen - Vier Schwerverletzte bei Hausbrand in Berlin-Pankow

Archivbild: Die Berliner Feuerwehr löscht das Feuer in einem Wohngebäude an der Prenzlauer Promenade in Berlin-Pankow. Bei dem Brand sind acht Menschen verletzt worden. (Quelle: dpa/F. Sommer)
Video: rbb|24 | 31.07.2021 | Material: TeleNewsNetwork | Bild: dpa/F. Sommer

Menschen springen aus dem Gebäude, eine Frau wird reanimiert: Ein Feuer in einem Wohnhaus in Berlin-Pankow führt zu dramatischen Szenen. Gegen einen 50-Jährigen wird wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Er wurde festgenommen.

Nach dem Wohnhausbrand in Berlin-Pankow mit mehreren Schwerverletzten ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Einsatzkräfte nahmen noch in der Nacht zum Samstag vor Ort einen 50-jährigen Mann formal fest, wie die Polizei mitteilte. Demnach war der Mann selbst mit schweren Brandverletzungen zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht worden.

Wie die Polizei mitteilte, brach das Feuer in der Nacht zum Samstag in einer Wohnung im ersten Obergeschoss des Hinterhauses eines Mehrfamilienhauses an der Prenzlauer Promenade aus und verbreitete sich rasch bis ins Dachgeschoss. Die vier Schwerverletzten mussten stationär in Krankenhäusern behandelt werden. Zudem gab es mehrere Leichtverletzte. Eine 33-jährige Frau musste vor Ort von einem Notarzt reanimiert werden. Sie war zuvor bewusstlos in dem brennenden Gebäude gefunden worden. Eine 24-jährige Frau und ein 56-jähriger Mann verletzten sich schwer, als sie aus dem Gebäude sprangen.

Stundenlange Löscharbeiten

Die Brandursache ist weiter unklar. Dazu ermittelt die Polizei. Während der Brandbekämpfung war die Prenzlauer PromenadeStraße abschnittsweise komplett gesperrt. Zwischenzeitlich waren 150 Feuerwehrkräfte vor Ort. Laut einer Polizeisprecherin wurden vorsorglich mehrere umliegende Häuser evakuiert - wegen der starken Rauchentwicklung sowie der Gefahr, die Flammen könnten übergreifen. Erst nach mehreren Stunden konnte das Feuer am Samstagvormittag komplett gelöscht werden.

Dachgeschoss komplett ausgebrannt

Wie die Feuerwehr mitteilte, war das Feuer in einer Wohnung im ersten Obergeschoss im hinteren Teil des betroffenen Hauses ausgebrochen. Die Flammen hätten sich auf den Treppenraum, das zweite und dritte Geschoss sowie das Dach ausgebreitet.

Der Gebäudeteil, in dem der Brand ausbrach, sei nicht mehr bewohnbar. Nach Angaben einer Polizeisprecherin brannte das Dachgeschoss vollkommen aus. Zudem könnten zumindest aktuell auch die oberen Wohnungen des Vorderhauses nicht bewohnt werden, weil das Löschwasser große Schäden angerichtet habe.

Bezirksamt stellt Notunterkunft zur Verfügung

Das Bezirksamt Pankow habe eine Notunterkunft für Betroffene zur Verfügung gestellt, sagte die Polizeisprecherin. Von der Feuerwehr hieß es, Anwohner konnten sich in einen Bus der BVG setzen und vorübergehend ausruhen. Das Deutsche Rote Kreuz habe 30 Bewohner betreut und versorgt, etwa mit Getränken und Decken. Wegen der Löscharbeiten war die Prenzlauer Promenade nach Polizeiangaben am frühen Morgen abschnittsweise gesperrt.

Nun rücke die Feuerwehr immer wieder an, damit der Brand nicht wieder aufflamme, sagte der Feuerwehrsprecher. Diese Kontrollen könnten sich über den ganzen Samstag hinziehen.

Sendung: Radioeins, 31.07.2021, 06:00 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Die Berliner Bauordnung sieht ja aus gutem Grund zwei unabhängige Rettungswege vor, der zweite ggf. per Leiter bzw. bei Anlehnhöhe über 8m unter Nutzung eines Hubrettungsfahrzeugs - im vorliegenden Fall zumindest für die betroffene Wohnung im 3. OG gültig (Altbau mit großer Deckenhöhe). Wegen der nicht gegebenen Zuwegung zum Gebäude aber nicht umsetzbar und wegen Bestandsschutz auch nicht verpflichtend.

    Wegen der daraus in Kombination mit dem nicht brandsicheren Treppenhaus entstehenden "brenzligen" Situation ergäbe sich sicherheitstechnisch die Notwendigkeit einer raschen Alarmierung aller im kritischen Bereich befindlichen Personen z. B. durch die schon erwähnten vernetzten Rauchwarnmelder, um das knappe Fluchtzeitfenster nutzen zu können. Die Frage, ob überhaupt Rauchwarnmelder vorhanden waren ist aber noch unbeantwortet...

    Das die Sprungpolster nur Ultima Ratio sind zeigt der Zustand der damit Geretteten.

  2. 7.

    Von Innenhofseitig können Personen mittels tragbaren Leitern gerettet werden bzw als Finaler Rettungsweg mit Hilfe des Sprungpolsters gerettet werden. Jedoch sollte bedacht werden, dass das Sprungpolster einen gewisse Aufstellfläche benötigt und nicht undendlich in der Höhe genutzt werden kann.

  3. 5.

    Brandrauchmelder können bei Fällen wie dem vorligenden eine entschidende Rolle spielen:
    Da der Brand mitten in der Nacht ausbrach, kann der Bewohner auch geschlafen haben. Hier kann der Alarm des Brandrauchmelders die entscheidende Zeit zur Bekämpfung des Entstehungsbrandes oder zur rechtzeitigen Evakuierung schaffen - gerade bei den kleinen Einzimmerwohnungen die betroffen waren.
    Im vorliegenden Fall mit nur einem brandgefährdeten Fluchtweg - die Hoffläche ist für Feuerwehrfahrzeuge nicht zugänglich - empfiehlt sich die Ausrüstung mit Funkmeldern, die eine Alarmierung des gesamten Gebäudeabschnittes vornehmen.
    Rauchmelder retten Leben - wenn sie denn bewusst mit Schutzziel angewendet werden.
    Da seit dem 1.1. aus gutem Grund eine Rechtspflicht zum Einbau durch die Wohnungseigentümer besteht, ist eine Sinndiskussion überflüssig. In meinem gesamten Umfeld wurden allerding bis heute keine Wohnungen nachgerüstet, so dass der Verdacht naheliegt, dass sie nicht vorhanden waren...

  4. 4.

    Das erklärt sich fast von selbst:
    Das Treppenhaus stand in Flammen - die Leute waren eingeschlossen. Da hilft auch das Jodeln des Rauchmelders nichts mehr - falls der überhaupt bei Zeiten in den Wohnungen angesprochen hat, denn dafür braucht ein Rauchmelder nunmal RAUCH. Durch die geschlossenen Wohnungstüren dürfte aber zunächst kaum Rauch bis in die Wohnungen gedrungen sein...

    Ein Rauchmelder warnt nur vor DIREKTER Gefahr im selben Gebäudeabschnitt (= in der Wohnung, in der er installiert ist).

    Und ob jemand im Tiefschlaf den Rauchmelder hört, der im Treppenhaus installiert ist? Nicht sehr wahrscheinlich.

  5. 3.

    Als Anwohner des betroffenen Blocks hatten wir einen exklusiven Blick auf das Brandgeschehen. Als die Rettung per Sprung erfolgte, stand die betroffene Wohnung und der Balkon darüber bereits voll in Flammen. Da stellt sich die Frage: Waren die seit dem Jahreswechsel auch für Altbauten vorgeschriebenen Rauchmelder vorhanden? Oder warum konnten die Betroffenen ihre Wohungen nicht rechtzeitig auf normalem Fluchtweg verlassen?

  6. 2.

    Ja, die Menschen haben sich bei dem Sprung ins Sprungtuch verletzt. So steht es auch in dem Bericht: "Drei Menschen hätten sich durch den Sprung in Sprungpolster der Feuerwehr gerettet. Zwei davon wurden beim Sprung aus dem Gebäude schwer verletzt."

  7. 1.

    Hallo RBB, der Bericht ist etwas irreführend.
    Ihr schreibt: " Mehrere Menschen retteten sich durch einen Sprung aus dem Gebäude - und wurden teils schwerverletzt"
    Später schreibt Ihr:"Drei Menschen hätten sich durch den Sprung in Sprungpolster der Feuerwehr gerettet"
    Haben die Springer ins Sprungtuch sich auch schwer verletzt?
    Ich dachte, diese Tücher verhindern schwere Verletzungen.

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