Erste Frist läuft Januar 2022 ab - Tausende Menschen müssen noch Führerscheine umtauschen

Sa 24.07.21 | 17:46 Uhr
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Blick auf einen veralteten und einen neuen EU-Führerschein im Scheckkartenformat (Quelle: Jörg Carstensen)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.07.2021 | Daniel Gäsche | Bild: Jörg Carstensen

Wer zwischen 1953 und 1958 geboren wurde und noch den alten rosa "Lappen" besitzt, muss bis Januar einen neuen Führerschein beantragen. Tausende Menschen in Berlin und Brandenburg haben das noch nicht getan.

Ab dem Jahr 2033 soll es in der Europäischen Union nur noch Führerscheine im Scheckkartenformat geben. Ältere Menschen haben noch bis dahin Zeit für den Umtausch, wenn sie im Jahr 1952 oder früher geboren wurden und schon lange ihren Führerschein haben.

Für die Jahrgänge 1953 bis 1958 läuft Anfang kommenden Jahres dagegen schon die Frist ab. Wenn ihre Fahrerlaubnis bis einschließlich 31. Dezember 1998 ausgestellt worden ist, haben sie nur noch bis zum 19. Januar 2022 Zeit, ihre alten Führerscheine gegen das fälschungssichere einheitliche Format umzutauschen.

Diese Fristen gelten für die verschiedenen Jahrgänge

Führerscheine, die bis einschließlich 31. Dezember 1998 ausgestellt worden sind:

- Geburtsjahr vor 1953: Umtausch bis 19. Januar 2033

- Geburtsjahr zwischen 1953 und 1958: Umtausch bis 19. Januar 2022

- Geburtsjahr zwischen 1959 und 1964: Umtausch bis 19. Januar 2023

- Geburtsjahr zwischen 1965 und 1970: Umtausch bis 19. Januar 2024

- Geburtsjahr 1971 oder später: Umtausch bis 19. Januar 2025

Auch für Führerscheine, die ab dem 1. Januar 1999 ausgestellt wurden, gibt es Umtauschfristen, die bis zum Jahr 2033 gestaffelt sind. Mehr Informationen dazu finden Sie auf den Seiten des Bundesverkehrsministeriums [bmvi.de].

Nach Ablauf der Frist zum Umtausch des alten Dokumentes verliere das seine Gültigkeit, wie etwa Jan Gloßmann, Stadtsprecher von Cottbus, erklärt. Wenn danach weiterhin mit dem alten Führerschein gefahren werde, gelte das als Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Wer nach Ablauf der Frist vergesse, den Führerschein rechtzeitig zu erneuern, müsse bei einer Kontrolle mit einem Verwarnungsgeld von zehn Euro rechnen. "Auch im Ausland kann es dann mit alten Dokumenten zu Problemen kommen", sagt die Stadtsprecherin von Frankfurt (Oder), Kora Kutschbach.

Bislang wenige Anträge in Berlin

Das heißt, vor allem die zwischen 1953 und 1958 geborenen Menschen sollten bis Ende des Jahres handeln: In den Berliner Bürgerämtern haben sich bislang aber nur wenige Menschen deswegen gemeldet. Vom 1. Januar bis 8. Juli dieses Jahres wurden 6.700 Anträge auf Umtausch gestellt und bearbeitet, wie die Innenverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Demnach geht das zuständige Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) davon aus, dass bis 19. Januar 2022 insgesamt rund 120.000 Umtauschanträge bei den Bürgerämtern eingehen könnten.

Um die Zahlen zu steigern, soll Führerschein-Besitzern aus den betroffenen Jahrgängen der Führerscheinumtausch angeboten werden, wenn diese wegen eines anderes Anliegens auf den Bürgerämtern erscheinen. Die Gebühr für den Umtausch beträgt in Berlin 25,30 Euro.

Weniger als Tausend Umschreibungen in Potsdam

Der Sprecher des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Alexander von Uleniecki, berichtete: "Gut 5.600 Personen aus diesen Jahrgängen haben bereits einen Kartenführerschein." Etwa 3.000 Männer und Frauen der Jahrgänge 1953 bis 1958 hätten dagegen noch einen Papier-Führerschein und müssten die Dokumente noch umtauschen.

In Potsdam haben laut Stadtsprecher Markus Klier bislang 952 Bürger der betreffenden Jahrgänge ihren Führerschein umgetauscht. Laut Hochrechnung der Stadt müssen bis zum 19. Januar 2025 über 35.000 Fahrerlaubnis-Inhaber der Jahrgänge 1953 bis nach 1971 ihren alten Führerschein in den EU-Kartenführerschein umtauschen.

Pflichtumtausch wird in Cottbus gut angenommen

In Frankfurt (Oder) haben seit dem Frühjahr 2019 aus den Jahrgängen 1953 bis 1958 bisher gut 900 Bürger und Bürgerinnen ihre Fahrerlaubnis umgetauscht. "Für den ersten Umtauschzeitraum der Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 rechnen wir insgesamt mit etwa 2.500 Anträgen", sagt Stadtsprecherin Kora Kutschbach.

Genaue Zahlen kann die Stadtverwaltung in Cottbus zwar nicht nennen, dafür berichtet Stadtsprecher Jan Gloßmann aber von positiven Erfahrungen in Sachen Umtausch. "Die Bürger sind gut informiert, und der Pflichtumtausch wird gut angenommen. Im Moment ist der Pflichtumtausch der meistgebuchte Vorgang in der Fahrerlaubnisbehörde", berichtet er. Der Umtausch koste 25,30 Euro, zuzüglich 5,10 Euro für den Direktversand.

Potsdam: Corona verzögerte Umtausch

Während die Corona-Pandemie etwa in Ostprignitz-Ruppin, Cottbus und Frankfurt (Oder) zu keinen nennenswerten Verzögerungen beim Umtausch geführt hat, konnten in Potsdam über Monate hinweg keine entsprechenden Anträge gestellt werden. "Infolge der Pandemie war die Fahrerlaubnisbehörde im späten Frühjahr 2020 sowie von Dezember 2020 bis April 2021 im Notbetrieb, wobei nur unabweisbare Angelegenheiten sowie die Angelegenheiten systemrelevanter Personen bearbeitet wurden", erklärt Markus Klier.

Um den Bürgern zukünftig eine hohe Servicequalität bieten zu können, sei das Antragsverfahren nunmehr auf den Postweg umgestellt worden, so dass die persönliche Vorsprache in der Behörde entfalle. "Weitere Verzögerungen sollten somit ausgeschlossen sein", so der Stadtsprecher.

Individuell zum Umtausch werden die betroffenen Jahrgänge nicht aufgefordert. "Es gab hierzu Berichterstattungen in Presse, Funk und Fernsehen", verweist die Frankfurter Stadtsprecherin Kutschbach auf die Eigenverantwortung der Menschen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.07.2021, 9.20 Uhr

35 Kommentare

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  1. 35.

    @Emil, der alte graue Lappen ist auch umzutauschen. Alle vor dem 19.01.2013 ausgestellten Führerscheine sind betroffen. https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/pflichtumtausch-von-fuehrerscheinen.html

  2. 34.

    Fahrerlaubnis und Führerschein sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die Fahrerlaubnis gilt unbefristet, der Führerschein ist die Bescheinigung eine Fahrerlaubnis zu besitzen und kann befristet sein. Also aufpassen und nichts durcheinander bringen.

  3. 33.

    "Rentner haben niemals Zeit" . In der ehem. DDR kennen das alle. So; ich habe sogar noch eine Mopedffahrerlaubnis / Mopedschein von ? Lange nicht in der Hand gehabt. Darf ich den auch noch umtauschen ? :=)

  4. 31.

    Ich ziehe mit. Auf meinem grauen Lappen steht nichts von "gültig bis zum ...", also ist er unbegrenzt gültig. Basta.

  5. 30.

    Genau das war mein erster Gedanke. Und das ich nach Ablauf der Frist ohne FAHRERLAUBNIS unterwegs sein soll, ich auch kompletter Unfug. Die Fahrerlaubnis gilt unbegrenzt, wenn sie mir nicht gerade z.B. wegen einer Trunkenheitsfahrt entzogen wurde.

  6. 29.

    Wie wird eigentlich begründet, dass die Älteren (vor 1953) eine erheblich längere Frist haben?

  7. 28.

    Und ich dachte immer, die Verwaltung wird aus Steuermitteln finanziert. Die meisten Bürger stört es einfach, für die unnötigen Ideen noch Zahlen und einen freien Tag nehmen zu müssen. Dafür zahlt man noch eine Gebühr. Es fühlt sich zumindest falsch an. Die Frage nach dem Sinn könnte bisher noch niemand genau erklären.

  8. 27.

    Gut, dass ich noch den grauen Führerschein habe.
    Der scheint laut diesem Bericht nicht betroffen zu sein.

  9. 26.

    Bei uns in Potsdam, für Führerschein und ( jetzt ebenfalls in Scheckkarten Vormat ),nötigen Schlüssel Zahl 95(wird als Fahrer für den Gewerblichen Güterverkehr gebraucht)kostet das fast 80€.
    Da sind die 26€ im Privatbereich doch eigentlich Kleingeld.

  10. 25.

    Ich warte einfach Mal ab.

    Zu Beginn der Aktion hieß es, man müsse eine Bestätigung der alten, ausstellenden Behörde mitbringen. Und ich wäre schon kommendes Jahr dran.

    Davon ist jetzt keine Rede mehr.

    Wäre auch witzig, man bekommt Pandemie bedingt eh keine Termine. Alle Behördenmitarbeiter sind im Home-Office oder Kurzarbeit, hieß es.

    Da mein Amt in Werder ist, muss ich Urlaub nehmen. Witzig!

    Die 10 Euro sind es mir Wert, das nach der Pandemie zu erledigen. Zumal wir eh nicht reisen können...

  11. 24.

    Soweit ich weiß, bestimmt Deutschland in "Brüssel" mit. Und 26 Euro werden garantiert nicht den Staat reicher machen, sondern allenfalls gerade mal die Kosten decken.

  12. 23.

    Ich fürchte, dass klagen nicht helfen wird.
    Meinen hab ich 2019 umgetauscht und er ist gültig bis 2034.
    Mal abwarten, was dann von mir erwartet wird....

  13. 22.

    Tja ohne Bürgeramt kein Umtausch. rrg- will die Leute wegsperren (keine Reisepasse) und Radfahrer (keine Führerscheinverlängerungen), dass es in den Bürgerämtern überhaupt keine Termine gibt, ist Erpressung und Freiheitberaubung zugleich.

  14. 21.

    Es gibt keine Termine beim Bürgermeister und bis Januar 2022 muss ich den Lappen umtauschen. Super

  15. 20.

    Sehr geehrte Frau Gudrun,
    kurze und einfache Antwort: Das hat mit arbeiten zu tun. Und Sie wissen ja, Behörden arbeiten mal nicht so gerne.
    Mit freundl. Grüßen

  16. 19.

    Ist ja zum lachen, soll man eine Rundreise in Berlin machen, es gibt ja gar keine Termine und frei brauch man auch. Planbar ist da nichts und nicht jeder ist von Arbeit freigestellt, Rentner oder hat Lust auf die Muehlen des Senats zu warten.

  17. 18.

    Und wenn jemand Führerschein hat, welcher nach 1999 ausgestellt wurde, aber noch einer der alten und ausm EU-Umland, kann dieser z.B. in Berlin EU-bürgernah* aufm Bürgeramt umgetauscht werden? Oder gilt da die Sonderregelung, wonach an anderer Stelle eine Umschreibung für ca. die doppelte Gebühr zu beantragen?

    Nebenbei, das Bußgeld für Fahren mit abgelaufenem Führerschein kann anderswo mehr sein. Z.B. in Tschechien ist das Bußgeld bis zu knapp 100 Euro (aber dort ist keine Gebühr für Umtausch fällig).

    *Etwas wo es übrigens viel Potenzial gibt. Im Beispiel, was gilt z.B. spezifisch in Berlin als Lärmbelästigung zwischen Nachbarn? Dazu gibt es auf einen Unterseite von berlin.de zwar bißel Info, aber nur auf Deutsch (und dazu der Link zu dem Gesetz kaputt). Und da kann man zwar wie CDU sagen, dass wer nach Berlin zieht halt Amtssprache können sollte, ähnlich wie auch EU-Abgeordnete der CDU z.B. in Straßburg natürlich französisch können. Aber "EU-bürgernah" könnte halt besser sein.

  18. 17.

    Die Bürgerämter leben vermutlich in einer anderen Welt...
    Umzugsbedingt müsste ich mich ummelden, die Hotline nicht erreichbar, online keine Terminvereibarung möglich und nach Wochen di Schnauze voll gehabt und die Unterlagen per Post ans Bürgeramt geschickt... umgemeldet bin ich zwar immer noch nicht, aber einen Termin für den 28.09. bekommen... Ohne Worte...

  19. 16.

    Bei einem Pflicht Umtausch sollte dieser aber kostenlos sein. 25 Euro sind echt Abzocke.

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