Vom Straßennetz abgeschnitten - Haus in Berlin-Lichtenberg erstickt im Müll

Überquellende Mülltonnen in Lichtenberg (Quelle: rbb|24)
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Video: rbb|24 | 30.07.2021 | Marcus Heep | Bild: rbb|24

Der Geruch ist streng, Ratten machen sich breit: In Lichtenberg staut sich seit Monaten der Müll vor einem Wohnhaus, weil eine Baustelle der Müllabfuhr den Weg versperrt. Die zuständige Behörde sieht keinen Handlungsbedarf. Von Marcus Heep und Hasan Gökkaya

Im Weitlingkiez in Berlin-Lichtenberg stinkt es - und zwar gewaltig. Die Müllcontainer quellen über, Dutzende Säcke stappeln sich auf dem Boden. Seit Monaten müssen an der Marie-Curie-Allee Ecke Münsterlandstraße 150 Mietparteien den Gestank ertragen. Grund für die Plage ist eine Baustelle, die den Müllplatz vom Straßennetz abschneidet - und somit den Zugang für die Müllabfuhr versperrt.

"Ratten so groß wie Hasen"

Eine Anwohnerin schaut im Beisein eines rbb|24-Reporters fassungslos auf den Müllberg. "Eklig. Eklig. Wollen Sie so einen Anblick haben? Bestimmt nicht, was?", sagt sie. Dabei bereite der Geruch ihr nicht einmal die größte Sorge, so die Anwohnerin, die anonym bleiben möchte. "Wir haben ja schon die Ratten hier. Das ist das größte Problem." Eine andere Frau sagt, sie haben in dem Müll Ratten gesehen, die so groß seien "wie Hasen".

Dabei war vor sechs Monaten noch alles in Ordnung, erzählt ein Anwohner. Doch dann begannen die Arbeiten für den Bau von Eigentumswohnungen auf der Fläche nebenan. Das Straßen- und Grünflächenamt Lichtenberg ließ dafür absperren - mit weitreichenden Folgen. "Hier war der Zugang für die Müllentsorgung", sagt der Anwohner und zeigt auf die aufgestellten Baustellenzäune. "Und der ist jetzt gekappt worden."

Straßenamt hält an Absperrung wegen öffentlicher Sicherheit fest

Der Mann - auch er möchte anonym bleiben - hält die Absperrung für übertrieben. "Vor dem Wohnhaus steht ja auch eine Rohrbrücke, und das nur für wenige Meter Kabel", sagt er. In der Hand hält er Papiere. Es sind Ausdrucke des Schriftverkehrs zwischen ihm und dem Straßen- und Grünflächenamt.

Die Stimmung zwischen dem Anwohner und der Behörde ist durchwachsen. In einer Antwort des Amts, die er am 20. Juli erhielt, heißt es: "Alle weiteren Einschränkungen von Kabel/Rohrbrücken sowie der eingerichteten Baustelleneinrichtungsflächen müssen weiterhin bestehen bleiben." Ein Rückbau der Absprerrungen sei "nicht möglich bzw. wäre unverhältnismäßig."

Die Antwort der Behörde half zuletzt offenbar nicht, die angespannte Situation zu beruhigen. "Diese anonymen Abwimmel-Mails sind eine absolute Frechheit. Ich zahle Ihr Gehalt!", schrieb der Anwohner der Behörde zurück. Die antwortete ihm wiederum, dass das mehrmalige hinterfragen "bzw. polemische Aussagen" nichts daran ändern würden, "dass die Halteverbote im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung weiterhin bestehen bleiben müssen."

Absperrungen geplant bis "2023, 19 Uhr"

Den 150 Mietparteien in dem Wohnhaus stehen eigentlich zwei Müllplätze zur Verfügung. Der Zugang zu dem größeren Platz ist durch die Absperrungen für Müllfahrzeuge komplett dicht. Die Entleerung des zweiten Müllplatzes, der sich auf dem Nachbargrundstück befindet, sei zwar möglich, doch dass die Müllabfuhr dort den Müll abhole, sei "wie Lotto spielen", so der Anwohner. Der Weg sei nicht besonders breit, die Stadtreinigung müsse "so gnädig sein und mehr als 100 Meter rückwärts fahren", wollte sie den Müll abholen. Wenn der Zugang in dem Moment aber durch Fahrräder, Autos oder etwa durch einen Notfalleinsatz gesperrt sei, werde der Müll eben liegengelassen.

Da das Straßen- und Grünflächenamt den Anwohnern nicht helfe, sei das Problem inzwischen an die Bezirksverordnetenversammlung weitergetragen worden. Der Anwohner, der sich im Streit mit dem Straßen- und Grünflächenamt befindet, hoffe nun, dass die Beschwerde am Ende bei der zuständigen Bezirksstadträtin landet - und von ihr gelöst wird.

Wie der Müllberg vor dem Wohnhaus bis dahin verschwindet, bleibt jedoch unklar. Die Dauer der Absperrung hingegen ist mit deutscher Gründlichkeit auf einem Schild festgehalten: "15.04.2023, 19 Uhr".

Beitrag von Marcus Heep und Hasan Gökkaya

55 Kommentare

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  1. 55.

    Zitat: „wo soll er denn sonst hin?“ Das eine hat mir dem anderen nichts zu tun. /Zitat

    Das hat sehr wohl damit zu tun. Dann konkret: Wohin sollen die Leute den Müll denn sonst bringen? Mir fällt nichts ein, man kann mit der BSR vielleicht vereinbaren, dass es Sondermüllsäcke gibt, die dann an der Straße irgendwo eingesammelt werden. Aber den Müll können viele, insbesondere ältere Menschen und die mit Behinderung sicher nicht mal eben zum Wertstoffhof bringen. Das ist unrealistisch.

  2. 54.

    Klar, der Eigentümer kann entsorgen. Dann schreien alle wieder wegen der erhöhten Betriebskosten auf. Frage ist, wer denn den Müll so angehäuft hat und nicht schon rechtzeitig was gesagt hat. Vermutlich kippen die Leute weiterhin den Müll dorthin. Und jetzt kommen Sie nicht mit dem Totschlagargument „wo soll er denn sonst hin?“ Das eine hat mir dem anderen nichts zu tun. Das ist wie Müll in den Wald kippen, weil man ja nicht weiß wohin…. Da muss man was sagen und nicht erst den Müllberg entstehen lassen. So würde die BSR den eh nicht mehr abholen und es ist eine Sonderaktion nötig. Wird auf die Betriebskosten umgelegt, weil keiner alleine verantwortlich ist.

  3. 53.

    Delbrückstraße an Ecke Wönnichstraße gibt es nicht, sondern Wönnichstraße Ecke Münsterlandstraße.
    Die Münsterlandstraße endet und verläuft dann weiter mit der Delbrückstraße. Und das ganze befindet sich zwischen Wönnichstraße und Marie-Curie-Allee.
    Am besten Delbrückstraße 2 Lichtenberg bei gxxgle Maps eingeben, da kann man das Tor sehen, was der Investor geschlossen hat. Reines Privatgelände! Und gehört nicht dem Verwalter/ Eigentümer der Bestandshäuser, die sich jetzt beklagen das der Müll nicht abgeholt wurde.

  4. 52.

    Wer ist denn der zuständige Vermieter des Grundstücks, auf dem die vermüllten Flächen sind? Doch sicher nicht das Grünflächenamt. Dieser Eigentümer sollte in die Pflicht genommen werden, eine Möglichkeit zur Müllentsorgung zu finden. Das kann nicht alleinige Aufgabe der Mieter sein. Es sollte die Möglichkeit eine Untätigkeitsklage gegenüber dem Eigentümer/Vermieter und ggf. gegenüber des Bezirksamtes geprüft werden. Letztendlich sollte eine Baugenehmigung für das benachbarte Grundstück erst nach Begutachtung - und nicht nur von Papier - erteilt werden.
    Auch ist das Rattenproblem in Berlin ja wohl schon groß genug, ganz zu schweigen von der Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten. Eine Mietminderung aufgrund der Verschlechterung der Wohnqualität könnte auch geprüft werden.

  5. 51.

    Der Weg über den früher der Müll abtransportiert wurde gehört dem Investor/ Bauherren, die gerade dort bauen. Der Verwalter von den Wohnhäusern der Marie-Curie-Allee und der Delbrückstraße wurde vom Investor informiert, dass das Flurstück geschlossen wird und bebaut wird. Es wurde hingewiesen, dass ein anderer Zugang zwecks Müllabfuhr zu wählen ist. Nur die Verwaltung hat nicht reagiert.
    Meines Erachtens ist hier die Verwaltung schuld und hat nichts unternommen den Müll umzulaugern. Oder den Hausmeister zu beauftragen um die Tonnen zu einen anderen Platz zu ziehen.
    Die Behörde die hier an das Kreuz genagelt wurde hat nur Befugnisse für das öffentliche Straßenland.

  6. 50.

    Diese benannte Baustelle ist nicht Marie-Curie-Allee/Münsterlandstraße sondern Wönnichstraße/Delbrückstraße. Ich habe mir das selber heute mal angesehen bei einem Spaziergang mit meiner Tochter und es sieht schlimm dort aus. Die Hausverwaltung hat eindeutig versagt denn die müssen doch dafür sorgen dass der Müll dort abgeholt werden kann.

  7. 49.

    so ähnlich siehts bei mir im Müllraum 3 Tage nach der Leerung auch aus. :p Kein offizieller Hausmeister mehr, alles nur noch Dienstleister, danke degewo.

  8. 48.

    Wie der Bezirk Lichtenberg in Zusammenarbeit mit der Howoge tickt sieht man auch in Genslerstr Richtung Landsberger Allee, das dort noch Leute wohnen müssen, hat man wohl vergessen.

  9. 47.

    Die Zuständigkeit für den Müllplatz liegt eindeutig beim Vermieter. Wenn der nicht handelt: MIETMINDERUNG!!! Was die Straßensperrung angeht MÜSSEN die Behörden reagieren, sind sie verpflichtet dazu. Denn sogar die Zufahrtswege für Feuerwehr und Co sind von dieser Sperrung betroffen. Dadurch werden im Notfall Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Optional Anzwige gegen Amt und Vermieter wegen Unterlassung erstatten.

  10. 46.

    Was fûr bahnbrechende Idee.Eine Andere wäre, den Müll dahin zu bringen, wo eine Abholung möglich ist .Aber soviel Initiative ist wohl zu viel verlangt 100 m mitm Müllbeutel -- geht ja gar nicht (:-(

  11. 45.

    Ja, Debbie, das glaube ich auch. Und: ist das nicht inzwischen auch ein Fall für das Gesundheitsamt /Hygiene?

  12. 44.

    Muss nicht der Zugang für Versorger und Entsorger sowie für Rettungsdienst und Feuerwehr immer gewährleistet sind?

  13. 43.

    Hm, einfachmal dem Entsorger für Müll zur Hand gehen! Die Abholtermine sind doch klar! Wer hat die fleißigen Hände von der Wohnanlage etwas ohne Dank und Anerkennung für die freiwilligen Leistungen zu tun? Ratten zu beobachten hilft nicht! TV Sendungen werden zum Trash, weil jeder nur kuckt..

  14. 42.

    In Berlin sind die Bezirksaemter nicht parteipolitisch organisiert. In Lichtenberg ist Bezirksstadtrat Martin Schaefer (CDU) fuer das Straßen- und Grünflächenamt,das Ordnungsamt und das Umwelt- und Naturschutzamt zustaendig.

  15. 41.

    Es ist eine Frechheit, wie die Behörden mit dem Problem umgehen. Warum kümmert sich nicht der EIGENTÜMER um das Problem und klagt? Die Mieter sollten zusammenhalten und Mietsminderungen durchsetzen. Und warum wird in den Medien so spät berichtet? Behörden brauchen manchmal den Druck der Öffentlichkeit.

  16. 40.

    Haben Sie da vielleicht den einen oder anderen Vorschlag, wie man sein Entsorgungsverhalten so anpasst, dass es nicht stinkt, wenn der Müll 2 Jahre lang nicht abgeholt wird? Das würde mich mal interessieren.

  17. 39.

    Berlin ist Schilda. Das zeigt sich immer wieder im wohl durchdachten System der Berliner Bürokratie. sei es An und Ummeldungen jeglicher Art oder Wie zum Beispiel mit besetzten Häusern in Berlin verfahren wird usw. Da gibt es unzählige weitere Beispiele. Wenn von einem Problem gesundheitliche Gefahren ausgehen ist Gefahr im Verzug und somit sofort zu Handeln. Alles andere ist vorsätzliche Körperverletzung des untätigen oder blockierenden Beamten im Amt. Ich plädiere für einen Einsatz der betroffenen Mieter den Müll ins Rathaus zu schaffen und da abzulagern. Jede Woche mit davor abgehaltener Demonstration warum der Müll dort liegt. Aber diese Demo wird ja eh verboten werden, weil sichs gerade so schön mit Verboten regiert.

  18. 38.

    Die gesperrte Ein- Ausfahrt gehört dem Investor des benachbarten Neubaus. Dieser hat die Verwaltung aufgefordert bzw. informiert zukünftig den Müll über einen anderen Zugang abholen zu lassen. Bisher hat die Verwaltung der Bestandshäuser dieses Flurstück zur Müllabfuhr zweckentfremdet. Und die Verwaltung scheint da nicht reagiert zu haben. Oder schlicht und einfach geschlafen. Hier ist so einiges falsch dargestellt worden zu sein. Hier sind private Aspekte zu betrachten und nicht die des Bezirkes.

  19. 37.

    So einfach ist es nicht. Die Müllabfuhr muss den Müll nicht am bequemsten Standort abholen, sondern normalerweise an frei zugänglichen Stellen. Also ohne Rückwartsfahrt und mit direktem Zugriff an Einfahrten oder Sammelpunkten. Aber ist vielleicht in Lichtenberg anders.

  20. 36.

    Hausmüll geht in das Eigentum der BSR über. Eigentümer des Mülls ist also die BSR. Fristsetzung zur Abholung, wenn das nicht wirkt, kostenpflichtig zu Lasten der BSR z.B. von ALBA abholen lassen. Zahlt die BSR nicht, pfänden. Zack, der modernste, neueste Müllwagen zwangsversteigert für die Hälfte. Beim nächsten Mal wiederholen…
    Baustellen genehmigen immer noch die Behörden. Das ist der Grund, warum das alles soooo lange dauert. Hier war die zuständige Behörde einfach mal maximal inkompetent. Sonst schreiben sie einem jeden Nagel vor und für Radwege ist in solchen Fällen immer gesorgt.

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